Nr. 172
Mittwoch den 28. Juli
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Amts- und Anzeißeblatt für den Kreis Gießen.
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5Dte in der mexikanischen Provinz Tamaulipas vorgekomme nen Ruhestörungen werden in einer dem Vertreter Mexikos in Washington, Römers, Seitens seiner Regierung zugegangenen Depesche als unbedeutend bezeichnet. Die ganze Bewegung soll hiernach überhaupt keinen politischen Charakter tragen und der Bedeutung entbehren, welche ihr im Ansange zugeschrieberr worden ist.
,it cer Theilnahme des russischen Generals an der Chanzy-Feier schon eine Ver- brüderung zwischen Frankreich und Rußland sahen, durchaus nicht. Sie machen daher jetzt den mehr als naiven Versuch, die betr. russische Note auf einen von der deutschen Botschaft in Paris ausgeübten „Druck" zurückzuführen — in der That ein merkwürdiger Kniff der Pariser Journalisten!
In Marseille haben die wiederholten Demonstrationen vor dem Redae- Irons-Local des orleanistischen Journals „Soleil du Midi" allmälig den Cha- rakter von Straßen-Emeuten angenommen; die Zahl der Verhafteten soll beinahe 200 erreichen.
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p 3n ^e t b e n ist zum Wasenmerster dieser Gemeinde bestellt und verpflichtet worden. G.eßen, am 26. Juli 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
__________________ Dr. Boekmann.
Politische Ueberficht.
Gießen, 27. Juli.
„ Auch aus Gastein laufen, wie s. Z. aus Ems, nur die erfreulich, sten Berichte über das Befinden Kaiser Wilhelm» ein. Schon die ersten Bäder haben den greifen Monarchen außerordentlich erfrischt, so daß zu erwarten steht, daß sich an ihm die Gasteiner Quellen wiederum bewähren werden Als der Kaiser seine Badekabtne zum ersten Male betrat, soll er zu dem ihn begleitenden 'a^nd geäußert haben: „Hoffentlich wird Gastein auch diesmal seine Schuldigkeit lhun. — Am 8. August trifft, wie nun feststeht, das österreichische Kaiserpaar zum Besuche Kaiser Wilhelms in Gastein ein.
Lrlegraphtsche Depeschen.
Wolff » tÄlegr. «grersponderrz • vmreaa.
cm Berlin, 26. Juli, Der Gouverneur von Berlin, der General der Kavallerie v. Wllllsen, ist gestorben.
... Gastein, 26. Juli. Der Kaiser machte Vormittags mit Lehndorff eine Spazierfahrt. Zum Diner waren keine Einladungen erfolgt. p 3
Ai ah r2$’ ,^rc ^ojestät die Kaiserin wohnte gestern dem
Gottesdienste in der hiesigen Küche bet.
^^^urg, 26. Juli. Die „Landeszeitung" meldet amtlich bie BurbtßpofitionS^ in ©?rafebur^ei r^Pra ibenten bic Ernennung desselben zum Bürgermeister
Wien, 26. Juli. Cholerabericht aus Fiume. In den letzten 48 Stunden erkrankten, resp. starben 3/5.
Salzburg, 26. Juli. Heute ist die Techniker-Versammlung des Vereins deutscher Eisenbahnen zusammengetreten.
Rom, 25. Juli. Der König spendete an Hinterbliebene an der Cholera Gestorbener rn Venedig 40,000, in andern kleinen Gemeinden 100,000 Fr.
. , Juli. Wie verlautet, hätte Lord Hartington seine Unterstützung
in der lrrschen Politik Lord Salisbury's unter der Bedingung zugesichert, daß dem Parlament tetne Irland betreffende Bill vorgelegt werde, die nicht vorher seine (Hartington s) Zustlmmung erhalten habe. — Als Staatssecretär des Auswärtigen rm neuen Cabinet wird Lord Jddesleigh (früher Sir Stafford Northcote) genannt.
7" Tiree (Neu-Schottland) werden Nuhestörungen Seitens der Kleinbauern gemeldet. Zur Herstellung der Ruhe ist ein Kanonenboot von Plymouth dorthin abgegangcn.
_ Eine Lloyd-Depesche aus Gibraltar vom 25. ds. meldet, daß der Hamburger Dampfer „Prinz Albrecht" an einem Felsen, 6 Meilen östlich von Tanger, gescheitert scr. Weitere Details fehlen.
London, 26. Juli. Lord Salisbury ist heute zurückgekehrt und hat die Cabmetsbildung übernommen. Das Parlament tritt am 5. August zur Sprecherwahl zusammen und vertagt sich nach einer etiva neuntägigen Session bis zum October.
— Der chinesische Gesandte Marguis Tseng reiste heute Abend nach Kissingen ab zum Besuche des Fürsten Bisinarck; vorher hatte er eine Unterredung mit bem Erzbischof Manning.
1 (Franz. M 4 geb.
? (Engi) M geb- .) 5. Anfl. WO 4 ;Span.) 3. ) 4 cart.
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Di, UMM, WtlrlW». d,. 23. »H 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
““ 6ie G,»ßh->,»gliche» Bürgermeistereien der L»»dg-mei»den des »reife«,
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--------- ------------------------- vr. Boekmann.
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t . .KetWebene Slätter, auch bayerische, hatten letzthin gemeldet, daß die übliche militärische Besichtigungrreise des deutschen Kronprinzen nach Bayern in diesem Jahre unterbleiben würde. Diese Nachricht ist indessen gutem Vernehmen nach unbegründet, denn der Kronprinz wird sich auch heuer — und zwar in den ersten Tagen der September — in Ausübung seiner Pflichten als General-Jnspecteur der bayerischen Armee nach Bayern begeben.
der Vogesen scheint man das kräftige Dementi, welches die russische Botschaft in Paris den französischen Blättern in Sachen der Chanzy- Feier ertheilt hat, noch nicht recht verdaut zu haben. Bekanntlich ist von der rususchen Botschaft der „Agevce Havar" mitgetheitt worden, daß die sranzöstsche MMMID Z-M-VLMZ Staatsstreich vonWopel"!inL Achen ' “ ^l-hme des Eschen Generals an der Cbanrv^r
Physiognomie Europas ein anderes Aussehen gegeben haben, dann ist in neuerer Zett die Batum-Angelegenheit hinzugckommen und endlich läßt sich auch nicht verkennen, daß seit dem Sturze Ferry's, des einzigen französischen Staatsmannes, der eine aufrichtige Annäherung Frankreichs an Deutschland zu Stande zu bringen juchte, die leitenden Pariser Kreise sichtlich bemüht gewesen sind, sich Rußland zu nähern und hieraus ergab sich wiederum eine größere Unsicherheit m den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Ueber all' diese Fragen wiro jedenfalls in Kissingen ernsthaft discutirt worden sein, aber welches auch die Beschlüsse der Kissinger Minister-Entrevue seien — Europa darf ver- sichert sein, daß sie nichts anderes bezwecken, als die Kräftigung des deutschösterreichischen Bündnisses und somit im Weiteren die Erhaltung des Weltfriedens, denn in dem engen Bündnisse zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn liegt nach wre vor die einzig sichere Bürgschaft des Fortbestandes des europäischen Friedens. Uebrigens erhält die Zusammenkunft zwischen dem deutschen leitenden Staatsmanns und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich- Ungarns diesmal noch eine besonders bedeutsame Ergänzung durch die nunmehr ganz sicher auftretende Nachricht von der bevorstehenden Ankunft auch des Herrn v. Giers, des leitenden Staatsmannes Rußlands, in dem unterfränkischen Welt- | bade. Mit Recht kann die osficiöse Wiener ^Presse" darauf Hinweisen, wie der I besuch des russischen Ministers in Kissingen offen bekunde, daß das officielle Rußland gewillt sei — was man auch Gegentheiliges hierüber Seitens einer gewissen Presse vernehme - an dem Freundschafts-Verhältnisse mit Deutschlanv und Oesterreich-Ungarn sestzuhalten und wenn alsdann das Wiener Regierungs- . den Kissinger Minister-Begegnungen ein neues Anzeichen für die unge- Fortdauer des guten Einvernehmens zwischen den drei Kaisermächten erblickt, so dürste dies nur den wahren Verhältnissen entsprechen. Diese Anschauung erhält überdies noch eine schwerwiegende Bestätigung durch die Melvung von der unmittelbar bevorstehenden Reise des Erzherzogs Karl Ludwig von Oesterrerch und seiner Gemahlin nach Pelerhof, dem gegenwärtigen Sommer- Tu-kulum der rusfischen Kaiserfamilie. Dieser Besuch erfolgt aus Einladung oes Czarenpaares, doch eben diese Einladung beweist das gute Einvernehmen: Erzherzog Karl Ludwig — der älteste Bruder des Kaisers Franz Josef - war außerdem, wie bekannt, vor Kurzem incognito in Berlin und besuchte auch den deutschen Kronprinzen in Potsdam, von wo aus der österreichische Prinz birect »»4 Wien zurückkehrte. Die Annahme, daß der Erzherzog der Träger von Ver« Handlungen sei, welche an die Kaisertage von Skierniewize und Kremsier au- knüpsen, hat darum eine gewisse Berechtigung und aus all' diesen Einzelheiten ecgiebt sich ein Bild, welches in seiner Gesammtheit die politischen Beziehungen °!s allseitig freundschaftliche darstellt. — Da wir einmal beim Kapitel der fürst- lichen Sommer-Reisen sind, so sei noch erwähnt, daß poinische Blätter dabei beharren, das russische Kaiserpaar werde sich nach Rusfisch-Polen begeben, wo der Czar größere Jagden abzuhalten beabfichtige und daß dasselbe hierbei den Besuch des österreichischen kronprinzlichen Paares empfangen werde.


