Ausgabe 
28.3.1886 Zweites Blatt
 
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Die belgische Arbeiterbewegung präsentir! sich fortwährend in bedenklichem Lichte. In den in der Umgegend von Lüttich befindlichen Kohlen» gruben ist die Arbeitseinstellung eine allgemeine geworden, die firikenden Arbeiter sammeln sich vor der Stadt, in welcher die Artillerie der Bürgergarde gefechts­bereit und die Garnison consignirt ist. In Cockerill ist ein neuer Strike aus­gebrochen, während die Arbeitseinstellung der Stahlarbeiter in Angleur und Tilleur bis jetzt ruhig verläuft. Daß anarchistische Hetzapostel bei bieten StrikeS ihr Wesen treiben, geht daraus hervcr, daß vielfach aufreizende Brochüren ver- theilt werden, die den vielversprechenden TitelVolks-Katechismus" führen. In den soeialisüschen Kreisen von Gent, Antwerpen und anderen größeren Städten Belgiens herrscht ebenfalls lebhafte Bewegung.

Die Krisis im Londoner Cabinet beherrscht jenseits des Canals die politische Situation. Die Minister Chamberlain und Trevelyan lehnen jede Verständigung bezüglich des irischen Planes Gladstones ab. Die Ver­legenheit, in welche der englische Premier durch die Krisis versetzt worden ist, wird noch dadurch vergrößert, daß die Bewegung gegen die von Mr. Glad­stone beabsichtigten Zugeständnifle an Irland innrer weitere Kreise ergreift und dies kommt natürlich der oppositionellen Haltung der Herren Chamber­lain und Trevelyan zu Gute. So ist für den 30. ds. Ms. ein Meeting der Parlamentswähler der City von London unter dem Vorsitze des Oberbürger­meisters anberaumt, aus welchem gegen die Errichtung eines besonderen Parla­ments in Dublin Protest eingelegt werden soll. Diese Stimmung in den Wählerkreisen läßt das Gerücht nicht unglaubhaft erscheinen, wonach Glad­stone gesonnen sein soll, seine ursprünglichen irischen Projecte bedeutend zu modificiren und den Zeitpunkt für deren Vorlage im Parlamente abermals zu verschieben.

Der Wochenbericht über die Vorgänge auf der Balkan­halbinsel kann diesmal lediglich die Fortdauer des Stillstandes constatiren, der in Bezug auf die ostrumelische Angelegenheit und hinsichtlich der türkisch­griechischen Streitfrage seit einigen Tagen eingetreten ist. Es liegt gecade nicht besonders Beunruhigendes vor, es sind aber auch keinerlei Anzeichen vorhanden, welche aus eine rasche Weiterentwickelung beider Fragen hindeuten. Es scheint, daß zur Zeit ein neuer Meinungsaustausch zwischen den euro­päischen Cabineten über die fernere Behandlung der rumelischen und der türkisch-griechischen Affaire stattfindet und daß diesem Umstande die augen­blickliche Pause in den Nachrichten über die Balkankrisis zuzuschreiben ist. Einzig zu erwähnen ist eine abermalige scharfe Auslassung des officiösen Journal de St. Petersbourg" gegen den Fürsten von Bulgarien, aus welcher zu entnehmen ist, daß sich die Stimmung an der Newa noch keineswegs zu Gunsten des Fürsten Alexander gebessert hat.

Von jenseits des Atlantischen Oeeans kommt die Kunde von abermaligen großen Arbeitseinstellungen, bereit Schauplatz diesmal der Westen der Vereinigten Staaten und speciell Kansas ist, wo zahlreiche Eisenbahn­unterbeamte striken.

Vermischtes.

lieber das Brandunglück, bei dem 5 Feuerwehrleute umgekommen sind, wirb geschrieben: Im Dorfe Treischfeld im Kreise Hünfeld hat sich in der Nacht zum 17. d. M. ein gräßliches Unglück ereignet. Die dortige Mühle, einer Wittme ge­hörig, stand plötzlich gegen 11 Uhr in Flammen. Die Feuerwehren eilten aus der Nachbarschaft herbei, doch mußten sie sich darauf beschränken, die anliegenden Gebäude zu retten, da die Mühle selbst nicht mehr zu retten war. Trotzdem diese über und über brannte, setzten die Rettungsmannschaften ihr Leben dafür ein, von den Möbeln^ Hausgeräth ?c. so viel als nur irgend möglich zu retten, da die Müblenbesitzerin leicht­sinniger Weise nicht versichert hatte. Schließlich, nachdem fast alles gerettet, faßten mehrere junge Burschen den verwegenen Entschluß, die beiden 'Mühlsteine aus dem brennenden Mühlgebäude zu retten. Gesagt geshan! Doch kaum hatten die zehn bis 12 Männer das Haus betreten, als der Schornstein einstürzte, durch die Hausflur­ecke schlug und 5 Männer durch Schutt und Asche begraben wurden. Trotz der so­fortigen Nettungsarbeiten wurden nur drei noch lebende, aber lebensgefährlich ver­wundete Bursche aus dem brennenden Schutt gezogen, zwei blieben in den Flammen und verbrannten, einige wurden leicht verletzt, andere retteten sich noch durch einen kühnen Seitensprung.

sEin Act gräßlicher Lynchjustiz.^ Aus Newyork, 18. März, erhält das W. Extrabl." folgendes Kabeltelegramm: Vom Mississippi kommt die Kunde über einen Act gräßlicher Lynchjustiz, wie er selbst hierzulande mit solcher Brutalität nur selten ausgeführt wurde. Ein Farmer in der Umgebung von Earroltcn (Earoltown^> machte sich bei den Schwarzen besonders dadurch verhaßt, daß er die Weißen bar an gurrte, keine Neger in Dienste zu nehmen und auch keine Negeransiedelung in der Nähe zu dulden. Die Neger wollten eben ein neues Dorf begründen, das sieLincoln" nannten, als eines Tages die ersten primitiven Hütten vom Feuer ergriffen und zerstört wurden. Die Schwarzen vermutheten, daß das Feuer gelegt worden sei und hatten den Farmer Hopsy im Verdacht, der Brandstifter zu sein, der ihnen ihr Hab und Gut ver­nichtet hatte.

Eines Tages wurde das Wohnhaus Hopsy's von einer Bande bewaffneter Schwarzen umringt und der Farmer auf bestialische Weise getöbtet. Der Angefallene hatte sich mit dem Revolver, so gut es ging, zur Wehre gesetzt, doch unterlag er endlich. Durch die Schüsse aufgescheucht, eilten Leute herbei, welche einige der schwarzen Mörder noch einfingen und durch deren Aussagen gelang es, die ganze Bande zu eruiren.

Gestern (Mittwoch den 17.) standen die 20 Neger vor den Assisen von Car- roltcn, der Ermordung Hopsy's angeklagt. Dieselben waren sämmtlich geständig und der Anstifter des Mordes rief:Wir wissen, daß man auf uns lauert, aber das jagt uns keine Furcht ein. Wenn nur Hopsy, dieser Hund, crepirt ist, wir haben die That nicht für uns, sondern für unsere Kinder gethan!"

In diesem Momente die Angeklagten jubelten ihrem Rädelsführer noch zu wurde die Thür aufgerissen und eine Rotte von 50 Vermummten, die mit Re­volvern bewaffnet waren, stürmte in den Gerichtssaal. Im nächsten Augenblicke krachten die Waffen und dreizehn Neger lagen tobt am Boden, drei wälzten sich schwer verwundet in ihrem Blute und die übrigen Schwarzen hatten sich durch einen Sprung in's Freie gerettet.

Die Vermummten entfernten sich mit ehrerbietigen Verbeugungen vor den Ge­schworenen und dem Gcrichtstische und verschwanden. Interessant ist es, daß die Assisen und die Gerichtsbeamten während der ganzen gräßlichen Scene sitzen geblieben waren und die Geschworenen sich erst erhoben, als der Präsident verkündete:Wegen Mangels an Angetlagten schließe ich die Sitzung!" Man vermuthet, daß die Gerichtsbeamten wie die Geschworenen auf das Erscheinen der Vermummten vor­bereitet waren.

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Cleeberg, den 20. März 1686.

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Lollar, den 25. März 1886.

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XXXII Nr. 112 - 2287 Meter Wiese, am Heegstrauch, bei der Schwalbachischen Wiese,

XXXIX Nr. 1136 1113 Meter Wiese, hinter dem Waldbrunner

XXXIX Nr. H3g - 512 Meter Wiese daselbst, nochmals freiwillig meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 23. März 1886.

Großh. Ortsgericht Gießen

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