Lokales
London, 26. Februar. Im Unterhaufe brachte Trevelyan gestern eine die schottischen Kleinbauern betreffende Bill ein. Dieselbe schlägt vor: feste Pacht, Feststellung eines billigen Pachtzinses, Entschädigung für vorgenommene Verbesserungen und Erweiterung der Pachtgüter mittels obligatorischer Verpachtung. Die Bill wurde in erster Lesung genehmigt.
— Verschiedene Blätter melden, der Gerichtshof, welchem es obliegt, in Ehescheidungsprocessen zu interveniren, falls in einem Erkenntniß Ungerechtigkeit vermuthet wird, habe beschlossen, den Crawford'schen Ehescheidungsproceß (Dtlke) vor sein Forum zu iie 26. Februar. In Smethwick, unweit Birmingham, stellten
heute Morgen etwa 3000 in der Schraubenfabrik von Nettleford beschäftigten Arbeiter in Folge der Neduction ihres Lohnes um 10 pEt. die Arbeit ein. Die Strikenden richteten Steinwürfe gegen den Leiter der Fabrik und zertrümmerten sodann die Fenster der eigenen, sowie mehrerer anderer Schraubenfabriken. Schließlich setzten sich die inzwischen auf etwa 4000 Personen angewachsenen Strikenden in der Richtung auf Birmingham in Bewegung. Die hiesigen Polizeikräfte sind verstärkt worden, um Ausschreitungen entgegenzutreten.
Petersburg, 26. Februar. Der Secretär im auswärtigen Amte, Baggovout, ist gestern nach Rom in einer Specialmission beim Papst abgereist.
Washington, 26. Februar. Im Senat hat Edmunds eine Bill eingebracht, welche verlangt, daß das zur Ausfuhr bestimmte Fleisch untersucht, die Einfuhr verfälschter Lebensmittel, insbesondere Getränke, verboten und der Präsident ermächtigt werde, die Einfuhr aus solchen Ländern zu suspendiren, von denen er überzeugt ist, daß sie den amerikanischen Erzeugnissen eine ausnahmsweise unbillige Behandlung zu Theil werden lassen.
Gießen, 27. Februar. „Der Weg zum Herzen", eines der neuesten Werke von Adolf L'Arronge (dem Verfasser von „Mein Leopold", „Hasemanns Töchter", ,Dr. Klaus" rc.) ist der Titel des Stückes, welches morgen zur Eröffnungsvorstellung aufgeführt wird. L'Arronge ist unter den modernen Bühnenschriftstellern unstreitig der hervorragendste und so ist es schon anzuerkennen, daß die Direction Herrmann — die ja bei uns von vor. Saison her in bestem Andenken steht — uns gleich zu Anfang mit einer so bedeutenden Novität bekannt macht. Bei guten Leistungen, die wir von der strammen Directionsführung des Herrn Herrmann sicher erwarten können, steht es außer Zweifel, daß der schlimme Eindruck, den die vorige Gesellschaft hier leider zurückgelassen, rasch verwischt und der Theaterbesuch bald wieder einem Jedem ein Bedürfmß und eine angenehme Erholung sein wird.
Gießen, 27. Februar. Tanzlustige Damen und Herren möchten wir auf den am Montag den 1. März er. zu Gunsten des Reichs-Waisenhauses von dem Verband Gießen der Generalfechtschule Lahr veranstalteten Maskenball aufmerksam machen.
Gießen, 27. Februar. Wie die Leser aus dem Jnseratentheil ersehen, gedenkt Herr Theo Böllert, welcher eben die deutschen Universitätsstädte besucht, auch unsere Stadt zu berühren, um Hierselbst einen Vortrag über menschlichen Magnetismus unb Hypnotismus, verbunden mit Experimenten, zu halten. Wir entnehmen der „Tübinger Ehronik" einen Bericht über diese Vorträge, welche Herr Böllert dorten gehalten. Genannte Zeitung schreibt u. A.: In einfacher, schlichter Art, frei von allen Uebertreibungen, warf der Redner einen kleinen Rückblick auf die Geschichte der Hypnose, deren räthselhafte Erscheinungen bis heute noch nicht aufgeklärt werden konnten und zeigte dann an hochinteressanten Experimenten, für welche sich ihm eine Anzahl von Herren in bereitwilligster Weise zur Verfügung gestellt hatten, die einzelnen Grade der Hypnose, deren Wirkungen bei den einzelnen Medien in der schärfsten und wunderbarsten Weise zum Ausdruck kamen. Der Eine konnte die Augen, der Andere den Mund nicht mehr öffnen, wieder Andere konnten die ausgestreckten Arme nicht mehr herunterlassen, sich nicht mehr von der Stelle rühren, alle Glieder waren ihnen wie gelähmt, die Medien mußten dem Magnetiseur nachlaufen wohin er wollte, so sehr sie sich dagegen sträubten, am schönsten waren aber die Experimente, mit welchen er die Katalepsie (Starrsucht) und die Hallucinationen zur Anschauung brachte. In kurzer Zeit wußte er drei, wie er selbst sagte, hierfür besonders geeignete Personen in den Zustand der Starrsucht zu versetzen, in welchem er nun die verschiedensten Manipulationen mit ihnen vornahm, sie zwischen rwei Stühle bettete, wobei er den Kopf <uf den einen Stuhl, die Füße auf den andern legte, sich auf dir Beine derselben setzte, ohne daß dieselben nachgegeben hätten, dann dem Einen mit einer Nadel die Hand durchstechen ließ, ohne daß die Person etwas davon gespürt hätte, die magnetisirten Personen waren mit einem Worte gefühl- und leblos. Noch großartiger waren die Experimente, mit welchen er die Medien in den Zustand der Hallucination versetzte, in welchem sie auf alle seine Gedanken eingingen und ihm unbedingte Folge leisteten; der Eine glaubte sich im Wasser, wo er ein Kind retten wollte, während er auf dem Podium umherkroch und nach einem Taschentuche fahndete, der Andere trank Tinte für Nothwein und Rothwein für Champagner. Zuletzt ließ er 4 Personen, welche glaubten, auf Pferden zu reiten, auf Stühlen um das Podium Herumreiten; hochinteressant war dabei jedesmal das Erwachen der magnetisirten Personen, welche wie aus einem Traume erwachend, sich meist erst wieder orientiren mußten, wo sie sich eigentlich befanden.
Vermischte-.
Holzheim, 25. Februar. Der Landwirth Martin Jäger von hier stürzte, als er eben damit beschäftigt war, Holzwellen in der Scheune aufzuschichten, so unglücklich von dem Wellenhaufen herab, daß er alsbald verschied.
Universität- - Ghronik.
Gießen. Bei der philosophischen Facultät promovirte Herr I. Ledroit aus Mainz. Der Titel der Dffscrtation lautete: „Neber die sogenannten Trachydolerite des Mogelsberges."
Manfred.
Dramatisches Gedicht von Lord Byron. Musik von R. Schumann.
IV.
*** Der Geisterbannfluch (Nr. 3) ist mehr ungeheuer, großartig, als grauenerfüllend. Dagegen sind wieder der Hymnus und die kurzen Schlagreden der Geister Ariman's vortrefflich ausgeführt, wie die Orchestersätze. Die Erscheinung eines
Zauberbildes, die Rufung der Alpenfee, die Beschwörung der Aftarte und Manfred's Ansprache an sie, im Orchester wirkungsvoll zu illustriren, das vermochte Niemand besser als Schumann. Man hat sich oft gegen die melodramatische Bearbeitung ausgesprochen, und wir haben bereits darauf hingewiesen, daß sie für die Bühne wenig geboten erscheint, für die Concertaufführung ist sie jedoch nothwendig und äußerst wirkungsvoll.
Erwies sich doch das Werk für Concerte außerordentlich geeignet. — Die erste Concertaufführung fand am 24. März 1859 im Gewandhause zu Leipzig statt. Die erste scenische Darstellung verzeichnet das Leipziger Stadttheater am 23. November 1863.
Es wurden an verschiedenen Theatern noch viele mit glücklichen Erfolgen gekrönte Aufführungen unternommen.
Einen großen Antheil an der Verbreitung des Werkes hat sich der Konigl. Hofschauspieler Herr Ernst Poss art erworben, indem er als Darsteller der schwierigen Rolle wohl ganz einzig dasteht.
Zum Schlüsse sei uns gestaltet, von den vielen uns vorliegenden glänzenden Berichten über Possart's dramatische Gestaltung des Manfred Notiz zu nehmen, indem wir denjenigen, welchen die „Berliner Montagszeitung" s. Z. brachte, hier zum Abdruck gelangen lassen:
„Eine künstlerische Leistung — so in sich abgeschlossen, so gleichmäßig schön in allen einzelnen Theileu wie in ihrer G^sammtheit, dürfte die deutsche Bühne sicher nur selten geschaut haben. Mit den Schwierigkeiten des Riesenwerkes, das den Alpen gleicht, die seine Staffage bilden, schienen der Seele des Darstellers die Schwingen zu verleihen, welche ihn leicht und frei hinwegführten über rhetorische Schwierigkeiten, über technische Abgründe und Eisfelder und ihn scheinbar mühelos emportrugen zum Gipfel künstlerischer Harmonie.
Aus den vielen herrlichen Momenten in der Possart'schen Manfred-Darstellung wollen wir nur zwei hervorheben: Die Beschwörung des Schattens der „Astarte" im 2. Acte und im 3. das Selbstgespräch am Fenster des Thurmes; in ihnen gab sich die Meisterschaft des Tragöden, mit der Musik die Rede harmonisch zu verbinden, in glänzendster Weise kund. Waren es Schumann's herrliche Klänge oder weckten Possart's gesprochene Melodieen drunten im Orchester ein wohllautendes Echo: uns und sicher dem größten Theile des Auditoriums blieb dieser „holde Zweifel" ungelöst"
Handel und Verkehr.
Gießen, 27. Februar- Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfund 0.95—0.00, Hühnereier pr- Stck. 5—6 Enteneier St- 0—0 X Käse pr. St. 4—8 X Käsematte 3—0 H, Erbsen pr- Liter 23 Linsen 32 <4, Tauben per Paar 0,80 bis 1,10 A Hühner per Stück 1 30-1.80, Hahnen pr. Stück X 1.50-2.20, Enten per Stück 1.80—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 X Kuh- und Rindfleisch 54—56 Schweinefleisch 52—60 H, Hammelfleisch 50—66 X Kalbfleisch 48—50 X Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.70—4.00, Milch per Liter 12—18 X Zwiebeln per Centner ^7. 00-7.50.
Auszug aus dm Standesaultsregisteru des Standesamts Metzen.
Aufgebote»
Februar: 24. Der Kaufmann Karl Krombach mit Marie Reuter, Tochter des Schmieds Konrad Reuter von Pohlgöns.
Eheschlietzunge«.
Februar: 24. Kellner Ludwig Feldhaus mit Magdalene Luzius, Tochter des verstorbenen Schneidermeisters Georg Luzius II. von Assenheim. 25. Bezirksfeldwebel Johannes Heinrich Fischer in Alsfeld mit Karoline Sophie Luise Zülch, Tochter des verstorbenen Bäckermeisters Friedrich Zülch in Gießen.
Geborene.
Februar: 15. Dem Lebensversicherungs-Aquisiteur Johann Georg Hankel ein Sohn, Lorenz. 18. Dem Schneidermeister Kaspar Weiß ein Sohn, Hermann Christoph. 18. Dem Gärtner Johann Lietz eine Tochter, Barbara Charlotte. 21. Dem Schneidermeister Wilhelm Martin Huppert eine Tochter, Dorothea Sophie. 22. Dem Schneidermeister Alexander Schneuker eine Tochter, Louise.
Gestorbene.
Februar: 19. Heinrich Pfaff, 12 Jahre alt, Sohn des Lehrers Heinrich Pfaff. 20. Dr. Leopold Königer, 69 Jahre alt. 21. Dorothea Bork, geb. Brück, 29 Jahre alt, Ehefrau des Fuhrmanns Konrad Bork. 20. Gymnasiallehrer Dr. Ludwig Textor, 48 Jahre alt. 21. Marie Vollmöller von Lauterbach. 25. Friedrich, 3 Monate alt, Sohn der Taglöhnerin Katharine Wagner. 25. Rentner Daniel Keil, 72 Jahre alt. 25. Katharine Kreiling, 58 Jahre alt, von Dauernheim.______
Auszug aus dm Kirchenbücher« der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 24.'Februar. Ludwig Feldhaus, Kellner zu Gießen und Magdalene Luzius, Tochter des verstorbenen Schneiders Georg Luzius zu Assenheim.
Den 25. Februar. Johannes Heinrich Fischer, Bezirksfeldwebel zu Alsfeld und Caroline Sophie Luise Zülch, Tochter des verstorbenen Bäckermeisters Friedrich Zülch zu Gießen.
Getaufte.
Den 21. Februar. Dem Schuhmacher Christian Weisbek ein Sohn, Johann Wilhelm, geboren den 2. Januar.
Denselben. Dem Brauer Peter Worch eine Tochter, Anna Christine, geboren den 10. Januar.
Denselben. Sitte außereheliche Tochter, Katharina Wilhelmine Martha, geboren den 8. Januar.
Beerdigte.
Den 21. Februar. Heinrich Pfaff, Sohn des Lehrers Heinrich Pfaff zu Gießen, alt 12 Jahre, starb den 19. Februar.
Den 22. Februar. Leopold Königer, Dr. philos., Privatmann, ein Wittwer, alt 69 Jahre, starb den 20. Februar.
Denselben. Dr. Ludwig Textor, Gymnasiallehrer zu Gießen, ein Wittwer, alt 48 Jahre, starb den 20. Februar.
Den 23. Februar. Dorothea Bork, geb. Brück, Ehefrau des Fuhrmanns Konrgd Bork zu Gießen, alt 29 Jahre, starb den 21. Februar.
Allgemeiner Anzeiger.
Thierschuh-Aerein Gießen.
Aussciauss-SitasiMg;
Montag den I. März 1886, Abends 8 Uhr, im Cafe Schwinn.
____________Tagesordnung: Allgemeine Angelegenheiten.________1440
Rothamel & Petry
Mndeuplatz 5
(int Hanse des Herrn Sattlermeisters Ferber.)
1418 Special! täten:
Bind.fad.en, Seilerwaaren, Watten, Strick- u. Webgarne.
Allen, die das am Montag, den 8. März d. I. zu Lang- GönS stattfindende Dienstjubiläum deS Herrn Dekan Dr. Strack mitfeiern wollen, sei Folgendes mitgetheilt:
Der Gottesdienst in der Kirche beginnt Vormittags präcis 10 Uhr, das Festeffen im „Gasthaus zum Schwanen", Mittags 12% Uhr.
Unsere Bitte, daß am 8. März der 8Vt Uhr von Gießen abgehende Schnellzug in Lang-Göns anhalten möge, ist nicht genehmigt worden; deshalb müssen die von Gießen aus reisenden Festtheilnehmer den Frühzug, 6V2 Uhr, oder besondere Wagen benutzen. Für diejenigen, welche letzteres vorhaben und dies den mitunterzeichneten Pfarrer Naumann vorher wissen lassen, sollen am 8. März, Morgens 8 Uhr, an der katholischen Kirche zu Gießen Wagen bereit stehen-
Alle, die an dem Festeffen theilnehmen wollen, werden gebeten, bei einem der Unterzeichneten bis zum 4. März sich anzumelden.
Gießen und Lang-Göns, den 27. Februar 1886.
1443 Dr. Naumann, Pfarrer. Drucket, Bürgermeister.
1446] Enten werden verkauft. | 1445] Selbstständige Zimmerleute Lahnstraße 11. I gesucht. 8. Ehr. Rüvsamen.


