Besprechungen wurde folgende Resolution gefaßt und gleich von den zahlreich Anwesenden unterschrieben:
„Die Versammlung geht von der Ansicht auS, daß dem Publikum der Bezug des Wassers von Seiten Der Stadt zu sehr erschwert wird und zwar:
1. durch xu theure Zuleitung,
2. durch den abnorm hohen Wasserprcis,
3. durch zu hohe Wassermessermiethe, und schlägt deshalb vor:
1. die Zuleitung incl. Aufstellung des Wassermessers für die bis zum 1. April 1887 angemeldeten Anschlüsse (gleichviel ob der Bezug bis dahin möglich ist oder nicht) gratis herzustellen, nach diesem Termin eine Pauschalsumme von 25 A pr. Anschluß zu nehmen und zwar in beiden Fällen für eine Länge von 10—12 m;
2. den Preis des Wassers auf 20 4 pr. obm zu ermäßigen; ebenso einen Minimalsatz von 15 A pro Haushaltung festzusetzen. Die Tarifirung für den Wasserbezug für andere als häusliche Zwecke sind besonderen Bestimmungen zu unterwerfen;
3. die Wassermessermiethe incl. Reparaturen des Wassermessers auf 8 pr. Jahr zu normiren."
Diese Resolution und deren Begründung wurde heute behufs weiterer Unter- -eichnung in C-irculation gesetzt. Wir lassen die „Begründung" in nächster Nummer dieses Blattes folgen.
Gießen, 26. October. Die heute zur Ausgabe gelangte Nr. 11 der Verwaltungsblätter hat folgenden Inhalt:
1. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofes in Betreff der Fegung und Unterhaltung des Landgrabens, hier der Beitragspflicht der Gemeinde Arheilgen. (Fortsetzung.)
2. Entscheidung Großh. Verwaltungsgerichtshofs in Betreff der Klage des Karl Kirste zu Mainz gegen den Großh. Fiscus wegen Herausgabe beschlagnahmter Schriften.
3. Oeffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen vom 9. October 1886.
Abonnements auf die Verwaltungsblätter nimmt die Expedition des Gießener Anzeiger entgegen und zwar für die Abonnenten letzteren Blattes zum ermäßigten Preise von 50 4 pro Quartal.
Universität- - Chronik.
Marburg, 22. October. Heute früh starb Hierselbst der Universitätsprofessor Albert Wiegand, Ritter des rothen Adlerordens vierter Klasse, Doctor der Philosophie, ordentlicher Professor der Botanik, Director des botanischen Gartens und des Pharmacognoftischen Instituts, Geheimer Regierungsrath. Der Verblichene war zu Treysa am 21. April 1821 geboren. Er hat sich um den hiesigen botanischen Garten große Verdienste erworben, auch die Wissenschaft verliert in ihm einen hervorragenden und gründlichen Forscher.
Vermischte-.
Aus Oberhessen wird der „N. Fr. P." geschrieben: Am Fuße des Basaltkegels der Amöneburg, die sich, 680 Melcr yoch, steil aufsteigend aus dem weiten Ohmthal erhebt, steht im Hofe einer alten baufälligen Mühle ein hochragendes Stein- denkmal in Form eines Obelisken. Verwundert hemmt der Tourist, den der Weg zufällig dort vorüberführt, den Schritt. Beim Nähertreten gewahrt er mit wachsendem Staunen die künstlerische Vollendung der Ornamente und Wappen, die sich in halber Höhe des Denkmals befinden. Dasselbe ist etwa fünf Meter hoch und wurde im Jahre 1762 errichtet. In diesem Jahre, wie überhaupt zur Zeit des siebenjährigen Krieges, bildete das Ohmthal einen Haupttummelplatz der Kriegsschaaren. Ein Gefetzt zwl'chm den Franzosen unter Soubise und Den Alliirten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig wurde durch die Nachricht von abgeschlossenen Friedens-Präliminarien u"Ui brachen und zur Erinnerung daran ließen die beiden Heerführer jenes Denkmal ei rich'en, das die Wappen Frankreichs und des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, Symbole des Krieges und auf das vorerwähnte historische Ereigniß sich beziehende Inschriften aufweist. So steht das interessante Denkmal, dessen Existenz über die Grenzen des Hessenlandes hinaus wohl kaum bekannt oder längst vergessen sein dürfte, einsam und unbeachtet im Hofe Der alten zerfallenen Mühle. Die Witterungseinflüffe haben im Laufe der Jahrzehnte die lateinischen Inschriften ein wenig verwischt, die Linien der Wappen sind theilweise vom Steinpilze überwuchert worden, zwischen den Fugen der Sandsteinblöcke wächst das Gras hervor. Welchem historischen Ereignisse das Denkmal seine Entstehung verdankt, das wissen die wenigsten der umwohnenden Landleute. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß man von zuständiger Seite Maßregeln zur Perhütung des wetteren Verfalls des imposanten historischen Denksteines treffe.
Mainz, 25. October. Heute Nacht um 1 Uhr gerieten in der Wirthschaft pjum Goldstein", Ecke der Rochusstraße, zwei junge Bursche in Streit, der sich auf Die Straße fortpflanzte. Plötzlich zog dort einer der Burschen, der 17 Jahre alte Barbier Otto Rechter aus Kreuznach, einen Revolver und feuerte auf seinen Gegner, einen Schuhmacherssohn Namens Blitz von hier, vier Schüsse, von denen einer so traf, daß Blitz auf der Stelle tobt blieb. Der Mörder wurde sofort verhaftet und von der erbitterten Menge übel zugerichtet. Man will wissen, daß Eifersucht den Grund des Streites und der schrecklichen That bilde.
Berlin. Bier ist ein Anti-Choleramittel, der möglichst lange ausgedehnte Aufenthalt am Kneiptisch kann also als eine sehr heilsame vorbeugende Maßregel an
gesehen werden. Diese Wissenschaft kommt uns von der „Allgemeinen Zeitschrift für Bierbrauerei"; das Organ von Hopsen und Malz schreibt nämlich: „Während man früher das Bier zur Cholerazeit als schädlich und die Krankheit fördernd ansah, weiß man jetzt, daß in dem Wassergenuß, besonders in dem Genuß des von Hausbrunnen stammenden Wassers, die größte Gefahr liegt, ebenso in Nahrungsmitteln, die der Luft ausgesetzt waren und vielleicht durch Staub verunreinigt sind; besonders gilt dies vom Obst. Dagegen ist zur Cholerazeit das Bier nicht nur nicht schädlich, sondern sogar vortheilhaft; es kann dadurch nicht nur keine Ansteckung erfolgen, denn das Wasser darin ist gekocht und der Bacillus stirbt im Biere, noch mehr: durch Biergenuß würde sogar die Entwicklung von Bacillen, welche in die Verdauungsorgane gelangt sind, verhindert werden. Bemerkenswerth ist, daß im Jahre 1873, als die Cholera in Wien und dessen Umgebung ziemlich stark auftrat, in keiner Brauerei daselbst ein derartiger Krankheitsfall vorkam. Das Bier ist also ein sehr werthvolles Anti- Choleramittel."
— Das Berliner Polizeipräsidium hat folgende Bekanntmachung erlassen: Wie die diesseitigen Beobachtungen ergeben haben, ist auf eine Verbindung von Mörtel und Mauersteinen bei einer Kälte von mehr als 2° R. nicht zu rechnen. Zur Verhütung von Unglücksfällen wird daher hierdurch bestimmt, daß bei Kälte über 2« R. nicht gemauert werden darf. Dieses Verbot wird mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die diesseitigen Executivbeamten auf Befolgung desselben streng zu halten haben.
Aus dem Wupperthal, 21. October. Ein grauenhafter Raubmord ist vorgestern Abend an dem Landmann Voft auf Hasencleff bei Remscheid verübt morden. Derselbe hatte 200 A einkassirt und wurde auf dem Heimwege von zwei Männern, Vater und Sohn, überfallen und durch achtzehn Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Nachdem die Mörder ihrem Opfer das Geld abgenommen, warfen sie die vermeintliche Leiche in einen Teich, wo der Unglüchliche indeß noch, da er am Ufer im Gebüsch hängen geblieben, bis zum anderen Morgen lebte. Die beiden Raubmörder wurden sofort ermittelt und verhaftet.
Eisenach, 21. October. Ein tragisches Familiendrama hat sich heute hier ereignet. Der Schuhmacher H. hat aus Schwermuth in dem Hörselflusse den Tod gesucht und gefunden. Die Frau desselben ist aus Schrecken darüber in Irrsinn verfallen. Diese Seelenkrankheit der Melancholie scheint ein erbliches Familienstück zu fein. Der Vater des Unglücklichen hat sich erschossen, die Mutter erhängt und ein Bruder ersäuft — alle aus Melancholie sich das Leben genommen.
— lieber den Gebrauch von Petroleum-Lampen hat eine technische Commission in Dresden Verhaltungsmaßregeln aufgestellt, die der Veröffentlichung werth sind; wir wollen daher auf einige dieser Regeln aufmerksam machen. 1) Das Petroleum ist an kühlen Orten und thunlich in Blechgefäßen aufzubewahren. 2) Das Einfüllen des Petroleums ist bei Tageslicht vorzunehmen. 3) Der Docht muß beim Einziehen in die Lampe völlig rein und trocken fein und gut passen, er darf nicht zu dünn sein. 4) Docht und Brenner müssen täglich von allen kohligen Resten befreit werden. 5) Der Docht muß ganz gleichmäßig abgeschnitten werden. 6) Die Luftzüge des Brenners sind täglich zu reinigen. 7) Schadhafte Brenner sind sofort durch neue zu ersetzen. 8) Das Oel im Behälter darf nie vollständig ausbrennen. 9) Der Behälter muß vor jeder Erwärmung bewahrt werden. 10) Die Lampe darf nicht in zurückgedrehtem Zustande gebrannt werden. 11) Das Auslöschen der Lampe ist durch leichtes Ucbcrblafen des Cylinders nach vorherigem geringem Niederdrehen des Dochtes zu bewirken. 12) In Kinderstuben sind Hängelampen zu empfehlen.
Handel nnd Verkehr.
Gießen, 26. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund A 0.90 -0.95, Hühnereier pr. St. 7—0 4, Enteneier St. 0—0 4, Käse pr. St. 5—10 4, Kasematte 3—0 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 32 4, Tauben per Paar 50 bil 65 4, Hühner per Stück A 0 90—1.30, Hahnen pr. Stück A 0.60—1.30, Enten per Stück A 1.30—2.00, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 4, Kuh- und Rindfle.sch 54—56 4, Schweinefleisch 56—60 4, Hammelfleisch 50—66 4, Kalbfleisch 46—50 4, Kartoffeln per 100 Kilo A 3.40—5.00. Milch per Liter 12—18 4, Zwiebeln per Gentner A 3.00—4.00* Zwetschen A 5.00—0.00.
Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. W.
Opernhaus.
Mittwoch den 27. October: Letzte Gastdarstellung von Mr. R. D'Oyly Garte's en gl. Opern-Gesellschaft. Der Mikado. Außer Abonnement. Große Preise.
Donnerstag den 28. October: Der Prophet. Große Preise.
Freitag den 29. October geschlossen.
Samstag den 30. October: Für einen ausgefallenen Dienstag. Johann von Lothringen. Große Preise.
Sonntag den 31. October: Für einen ausgefallenen Donnerstag. Die Afrikanerin. Letzte Vorstellung im Abonnement. Große Preise.
ScharrspielharrS.
Mittwoch den 27. October: Ueberzählige Vorstellung im Abonnement B. Der schwarze Schleier. Große Preise.
Donnerstag den 28. October geschlossen.
Freitag den 29. October: Letzte Vorstellung im Abonnement A. Fromont jun. und Risler een. Große Preise.
Samstag den 30. October: Letzte Vorstellung im Abonnement B. Zum ersten Male: Brigitta. Trauerspiel in 4 Akten von Richard Voß. Große Preise.
Sonntag den 31. October: Ueberzählige Vorstellung im Abonnement C. Hum ersten Male wiederholt: Brigitta. Große Preise.
Allgemeiner Anzeiger.
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