Mondamin. --
Mit Mondamin gekocht wird Milch für den schwächsten Magen leicht vardaulich und verliert dabei ausserdem nicht ihren Wohlgeschmack. Dies ist hauptsächlich bei wärmerer Witterung für Kinder u. Kranke von grösster Wichtigkeit u. machen wir deshalb Mütter u. Ammen darauf aufmerksam.
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eirigereicht und da derselbe als eifriger Orleanist bekannt ist, wird man seine [ Demission ohne Zweifel mit den Maßregeln gegen die Prinzen zusammenzubringen haben. Schließlich besagt noch eine Pariser Meldung, daß der Wohnsitz des Grafen von Paris in England künftig Tunbridge - Wells sein werde.
Monsignor Renier, von Geburt ein Venetianer und Abkömmling eines Dogen von Venedig, päpstlicher Hausprälat und berühmter Schriftsteller, sowie Kanzelredner, 60 Jahre alt, hat, der „Köln. Ztg." zufolge, den römisch- katholischen Glauben öffentlich vor dem Pfarrer der Amerikanischen Set. Paulskirche, Mr. Verin, abgeschworen, sich der italienisch-katholischen Kirche in Rom angeschlossen und sich unter den Schutz des anglikanischen Episcopats gestellt.
Der am Freitag erfolgte Schluß der Parlamentssession in England räumt auch die letzte Schranke weg, die der vollsten Entfaltung der dortigen Wahlagitation vielleicht noch entgegenstand. Mit deren Verlauf kann bis jetzt Mr. Gladstone am meisten zufrieden sein, denn seine nun beendigte Wahlreife durch Schottland gestaltete sich für den greisen Premier zu einem wahren Triumphzuge und der liberale Widerpart Gladstone's, Lord Hartington, welcher am Freitag gleichfalls eine Wahlreise nach Schottland angetreten hat, wird daher keinen leichten Stand haben. Empfindlich ist es aber trotzdem für Gladstone, daß sich wegen der irischen Frage noch immer langjährige Mitglieder der liberalen Partei von ihm lossagen, wie dies erst jüngst der Abgeordnete Caine gethan hat.
Verwischtes.
Coblenz, 18. Juni. (Die Kanonenboote „Rhein" und „Mosel" gestohlen.^ Die „Cobl. Ztg." veröffentlicht folgenden Steckbrief:
Steckbrief: Gegen den unten beschriebenen Kaufmann Adolf Tilger, geboren zu Frechen bei Köln, früher in Coblenz und zuletzt zu Köln wohnhaft, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls zweier Rhein-Kanonenboote, genannt „Rhein" und „Mosel", verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Arresthaus zu Coblenz abzuliefern.
Coblenz, den 13. Juni 1886.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Beschreibung: Alter 40 Jahr§. Größe 1,54 Meter. Statur untersetzt, ziemlich corpulent. Haare dunkelblond, etwas meint, kurz geschnitten. Stirn hoch. Bart: dunkelblonder, nicht großer Schnurrbart und kleiner Mücke (Kinnbart). Augen braun. Nase gewöhnlich. Mund gewöhnlich. Kinn und Gesicht rund. Gesichtsfarbe gesund. Besondere Kennzeichen: unbekannt.
Diese Nachricht ist geeignet, Ben Akiba's Spruch, daß schon alles dagewesen, zu Schanden zu machen. Kaufmann T. hatte die Boote, wie die „Cobl. Ztg." nachträglich meldet, im Auftrage einer Kölner Firma von der Regierung gekauft und dafür eine Provision bezogen, nunmehr aber die Boote nach Holland verkauft. Als die Firma durch die Zeitungsnachrichten aufmerksam wurde und die Staatsanwaltschaft benachrichtigte, waren die Boote bereits über die Grenze. Die Kanonenboote waren ursprünglich zum Schutze der Rheinhauser Brücke bestimmt und haben auch längere Zeit im Rheine bei Hochfeld gelegen. Später wurden sie nach Coblenz gebracht.
— Ueber die Gugelmänner, welche beim Leichenbegängniß des Königs in München so viel Aussehen erregten, wird dem „Münchener Fremdenblatt" geschrieben: „So oft ein Mitglied des königlichen Hauses an seine letzte Ruhestätte gebracht wird, schreibt das gewöhnlich von dem Ober-Ceremonienmeisterstab ausgegebene Programm vor, daß hinter dem Erzbischof und vor dem Leichenwagen „vierundzwanzig Männer in der Gugel mit dem königl. Wappen und doppelt brennenden weißen Kerzen", ein sünfundzwanzigster aber mit dem Bildnisse des h. Georg gehe. Eine Gugel trugen bereits die alten Römer, welche an der paenula — einen mit einem Schlitzloch versehenen Mantel — angebracht war. Von den egyptischen Mönchen, welche sie getrennt als ein über Kopf und Schulter reichendes Tuch trugen, ging die Gugel in die Kapuze bei unseren Mönchsorden über und machte die verschiedensten Formen durch. Schon Karl der Große schreibt vor, daß Niemand eine Gugel trage, denn es sei ein Mönch oder kalte Witterung. Im „Parsifal" kommt die Gugel als ein Stück Thorenkleidung vor. Im 14. Jahrhundert gehörte die Gugel zur Frauenkleidung; später wurde sie von Hofnarren getragen, welche sie mit Zacken, Eselsohren, einem Hahnenkamm u. s. w. versahen. Später blieb die Gugel nur noch bei Processionen, Bitt- und Bußgängen im Gebrauche. In Constanz begleiteten Gugelmänner die Leichenzüge mit schwarzen Pechfackeln. Westenrieder erwähnt in seiner „Beschreibung von München" über die hiesigen Sitten bei einem Leichenbegängnisse: „Wer ein Wappen führt, dem hängt man sie um den Sarg und die Hauptkläger gehen in Gugel, das ist in einem langen schweren Mantel und solcher Kapuze über den Kopf." In der Gugel zu gehen und die hohe Leiche in die Gruft hinabzutragen, war in München ein Recht der „Trocken-Lader".
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— Ueber die boshaften Streiche einer den besseren Ständen angehörendeiL jungen Dame in Hamburg wird der „Köln. Ztg." gemeldet: Den Beweggrund zu dem , boshaften Treiben bildete die — Eifersucht. Ein junger studirter Mann, welcher in der Familie der 23jährigen Dame verkehrte, wurde von derselben besonders ausgezeichnet, ohne daß er die Huldigungen, welche ihm entgegengebracht wurden, erwiderte, vielmehr schenkte er seine Zuneigung einer jungen Freundin der B. — so heißt das wegen ihrer Bosheit in Haft genommene Fräulein. In der letzteren reifte nun der Entschluß, die ihr vorgezogene Freundin moralisch zu vernichten, um dadurch den von ihr angebeteten Herrn zu bestimmen, sich von der Freundin ab- und ihr zuzuwenden. Es blieb nicht bei der Anstiftung der Teufeleien und mehr als schlechten Späße, bie in der Zustellung von Todtenkränzen, gefälschten Einladungsschreiben und Absagebriefen bestanden, das boshafte Weib erdichtete sogar schamlose Verdächtigungen, welche Ehegatten anonym zugestellt wurden und welche stellenweise geradezu eine Vernichtung des häuslichen Glückes und Friedens bewirkt haben sollen. Alle die Dinge waren indeß nur Vorbereitungen von langer Hand. Den unmittelbaren und Hauptschlag gegen ihre Nebenbuhlerin führte die Verworfene dadurch, daß sie verdächtigende Briefe an sich selbst schrieb, diese ihrem Vater mit dem Verlangen vorzeigte, nach dem geheimniß- vollen schändlichen Verfasser zu fahnden und dabei den Verdachr gegen ihre Freundin durchblicken ließ. Die Folge davon war, daß der Vater den Muthmaßungen seiner Tochter schließlich Glauben schenkte und im Hinblick auf das zur Plage gewordene- Unwesen, welches die geheime Briefschreiberei u. s. w. in der ganzen nächsten Umgebung anrichtete, Anlaß nahm, die Aufmerksamkeit der Behörden auf die besagte Freundin seiner Tochter zu lenken. Die Letztere, ein 21jähriges Mädchen, wurde denn auch zur Vernehmung vor die Staatsanwaltschaft geladen und hatte eine Reihe von Verhören zu bestehen, in denen ihr die schamlosen verleumderischen Briefe vorgelegt wurden. Es fanden Schriftoergleichungen statt, welche zu dem Ergebnisse führten,, daß mehrfache — es wird behauptet, vier verschiedene — Gutachten übereinstimmend die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit bekundeten, die Verdächtigte sei in der Thal die ihre Handschrift verstellt habende Schreiberin der Schmähbriefe. Der vernehmende Staatsanwalt sah indeß schärfer, trotz der Urtheile der Sachverständigen vermochte er an eine Schuld der Verdächtigten nicht zu glauben, so daß dieselbe schließlich unbehelligt blieb. Scheinbar wurden weitere Nachforschungen eingestellt, bis vor einigen Tagen die Polizeibehörde die Gelegenheit wahrnahm, in einen Leseclub einzudringen, an welchem die Angeberin und Beschuldigerin ihrer Freundin Theil nahm. Es wurden hierbei Bücher beschlagnahmst in welchen einzelne Briefe der Dame lagen, die sie an sich selbst gerichtet. Der Umstand, daß diese Briefe mit den Schriftzügen anderer von ihr geschriebenen große Aehnlichkeit besaßen, führte dazu, daß Fräulein B. von der Staatsanwaltschaft in ein scharfes Kreuzverhör genommen wurde, bei welchem sie sich in solche Widersprüche verwickelte, daß genügende Gründe vorhanden waren, dieselbe in Untersuchungshaft abzuführen, worin sie sich zur Zeit noch befindet und auch bis- zur Eröffnung des Hauptverfahrens verbleiben dürfte. Dies die Sachlage des teuflischen, aus Eifersucht geborenen Planes zur moralischen Vernichtung eines reinen, unschuldigen Lebens. Das Hauptoerfahren wird voraussichtlich wegen der vielen, als- 1 Beweismaterial dienenden schamlosen, verleumderischen Briefe unter Ausschluß ber . Oeffeutlichkeit stattfinden.
Literarisches.
— Das vierte bis sechste Heft der Zeitschrift „Friedrich Norrnemarm'S Was Ihr wollt!* enthält eine Fülle des Lesenswerten und Interessanten, so z. B. einen höchst inftructioen, eingehenden Artikel über die königliche Akademie der Künste in Berlin und ihre diesjährige Jubiläums-Kunst-Ausstellung, einen Artikel, der der hohen Bedeutung der letzteren in vollem Maße gerecht wird; ferner verschiedene reizvolle Novellen und Novelleten, wie die von A. Scholz „Aus dem Herzensleben eines Krüppels", bie jjon F. Meister „Vor Anker" und „Drei Küsse" von L-teinbeck, sodann zahlreiche Aufsätze über das Gebiet des socialen Lebens, über naturwissenschaftliche Stoffe 2C. und allerlei Curiosa, Skizzen und Plaudereien. Das hochinteressante Thema „Mormonenleben", das in vielen Punkten für den Europäer noch immer dunkel ist,, behandelt in einer längeren Erzählung der mit den amerikanischen Verhältnissen in hohem Grade vertraute Schriftsteller Max Lortzing; es war dieser in der Lage, das Tagebuch einer Dame zu verwerten, welche viele Jahre durch die verbrecherischen Ränke der Mormonenführer das höchste Leid an sich und ihren Familiengliedern zu erdulden hatte. Als Beispiel der Reichhaltigkeit fügen wir hier das Jnhaltsverzeichnitz des vierten Heftes bei: Im Hause des Todes. Novelle von Friedrich Berner. (Schluß.) Etwas vom Nigger. Von Ernst Otto Hopp. Aus dem Leben der Pflanze. Von R. A. Körnig. Kindermund. Werther's Leiden in Sexta. Eine Berliner Geschichte von Ernst von Wolzogen. Russische Characterköpfe. Anekdoten und Skizzen, nach russischen Quellen, gesammelt von A. Scholz. Ein Deutscher in Amerika. Nach, einer wahren Begebenheit erzählt von R. Jmman. Nöthen einer Schülerverbindung. Skizze aus dem Gymnasialleben. Von H. Berg. Kohlensaures. Von G. van Muydem Die lahme Taube. Fabel von August Scholz. Komische Inserate. Die „Schwaben". Eine südungarische Plauderei. Aus der Werkstätte der Natur. Von Ottomar Beta. Allerlei Humor. Naturfsrschung ohne alle Apparate. Von Ottomar Beta. Im Cabinet des ersten Napoleon. Ein Fechter in zwei Welten. Von Max Lortzing. Marie. Erzählung aus dem Schauspielerleben von Wilhelm Grothe. Sociale Plaudereien. — Somit beweisen auch diese Hefte wieder, daß das, was „Friedrich Nonnemann's Was Ihr wollt!" in einer würdig-einfachen Ausstattung bietet, bei dem j geringen Abonnementspreis (1 <Ä vierteljährlich) gediegen und außerordentlich reichhaltig ist. Herausgeber Friedrich Nonnemann, Berlin; Verleger Reinhold Werther : Leipzig.
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