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(Fr- I.)
— (Deutsche ©tubcnteiv.^erborgen.] Durch eine Zuschrift aus Hohenelbe wird die „N. Fr. Pr." in Kenntniß von einem Unternehmen gesetzt, das alle Anerkennung und Unterstützung, sowie möglichst zahlreiche Nachahmung verdient. Sie schreibt darüber: Es sind dies deutsche Studenten-Herbergen, welche an mehreren Orten längs der nordöstlichen Grenzen Böhmens errichtet wurden, um deutschen Studenten der Mittel- und Hochschulen das Unternehmen von Fußreisen und speciell den Besuch des Riesengebirgs zu erleichtern. Solche Studenten-Herbergen sind zunächst tn Marschendorf, Spindelmühle, Rochlitz und Harrachsdorf errichtet worden, von wo man alle sehenswerthen Punkte des Riesengebirges binnen wenigen Stunden erreichen kann. In diesen Herbergen wird deutschen Studenten unentgeltliche Unterkunft und ein Frühstück geboten, wenn sie sich in den zu diesem Zwecke eigens ausgegebenen Legitimanons- liüchern mit einer Bestätigung der Lehranstalt, der sie angehören, ausweisen können. Später soll eine solche Herberge auch auf der Schneekoppe, dem Hauptberge des Riesengebirges, errichtet werden. Die Herbergen sind vom 15. Juli bis 15. September, als während der Ferienzeit, geöffnet, und jeder Student kann jede Herberge zweimal — auf der Tour- und Retourreise — benützen. In der uns zugekommenen Zuschrift ist leider nicht gesagt, von wem dieses jugendfreundliche, uneigennützige Unternehmen herrührt. Aber es ist eine sehr dankenswerthe Unterstützung jenes Theiles der studi- renden Jugend, der nicht genug bemittelt ist, um sämmtliche Kosten einer Ferienreise
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aus Eigenem bestreiten zu können. Die Idee würde in unseren Alpen Nachahmung verdienen und vielleicht nehmen die Touristen- und Alpenvereine die Sache zu diesem Zwecke in die Hand.
— (Bestrafungen von Landstreichern und Bettlern im Deutschen Reiche von 1877—1884.] Es sind seil Jahren im Deutschen Reiche amtliche Erhebungen über die auf Grund des 8 361 Nr. 3 und 4 des Reichsstrafgesetzbuchs ergangenen Bestrafungen von Landstreichern und Bettlern veranstaltet worden. Die Ergebnisse dieser Statistik für die Jahre 1877—1884 zeigen, daß der Höhepunkt des Deutschen Bettelwesens im Jahre 1880 erreicht wurde und seitdem die Straffälle alljährlich abgenommen haben. Der Hauptgrund der Abnahme dürfte in den seit 1880 entstandenen Vereinen gegen Bettelei und in der Begründung von Arbeitercolonien und Verpflegungsstationen zu suchen sein. Auch die Bestrebungen des im Jahre 1880 begründeten deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit haben wesentlich dazu beigetragen, im Publikum einen Umschwung in der Fürsorge für Arme hervorzubringen und dem planlosen Almosengeben, welches das Bettlergeschäft einträglich machte, entgegenzuwirken. Die nachstehenden Zahlen sind eine lebendige Illustration der segensreichen Früchte edler Gemeinnützigkeit, welche jetzt im ganzen deutschen Volke zur Linderung socialer Schäden beiträgt. Es ergingen nämlich folgende Bestrafungen von Landstreichern und Bettlern im Reiche: 1877: 219,514, 1878: 280,518, 1879: 316,846, 1880: 320,548, 1881: 319,259, 1882: 278,040, 1883: 242,473, 1884: 203,578. Die Gesammtzahl der Bestrafungen in den 8 Jahren von 1877—1884 beträgt 2,180,776. Im Durchschnitt kommen jährlich auf 10,000 Einwohner im Reiche 60,3 Bestrafungen. Die einzelnen deutschen Staaten, geordnet nach der Anzahl der Straställe, welche in den Jahren J 877 -1884 im Durchschnitt jährlich auf 10,000 Einwohner nach der Zählung von - 1880 kommen, nehmen die nachstehende Reihenfolge ein: Bayern 137,6, Mecklenburg- Schwerin 123,9, Württemberg 111, Schaumburg-Lippe 96,9, Baden 90,4, Lübeck 89,6, Hamburg 82,5, Hessen 78,5, Sachsen 76,8, Schwarzburg-Rudolstadt 75,1, Mecklenburg- Strelitz 72,6, Sachsen-Altenburg 72,1, Oldenburg 62,2, das Reich 60,3, Braunschweig 54,3, Sachfen-Coburg-Gotha 48,3, Neuß ältere Linie 48,1, Sachsen-Weimar 47,1, Lippe 42,8, Elsaß-Lothringen 39,8, Preußen 38,2, Schwarzburg-Sondershausen 28,8, Waldeck 26,5, Sachsen-Meiningen 24,3, Anhalt 23,7, Bremen 18,6, Reuß jüngere Linie 12,1 Straffälle.
— (Verwendung von Vogelfedern.] Welche Ausdehnung die Verwendung von Vogelfederu zum Schmuck der Damentoilette angenommen hat, ergiebt sich aus der Thatsache, daß England allein jährlich für mehr als 2 Millionen Pfund Sterling (rund 40 Millionen Mark) Vögel und Vogelfedern einführt. Die meisten Federn stammen aus Indien, aus verschiedenen asiatischen Ländern, aus Afrika und, jedoch in geringerenr Maße, aus Amerika. Die jährliche Einfuhr exotischer Vögel mit glänzendem Gefieder erreicht in England und Frankreich zusammen die ansehnliche Zahl von 1500000 Stück, davon 250 000 Kolibris. Für den Handel mit Straußenfedern ist Aden ein Haupthandelsplatz, da jährlich 32 000 bis 36 000 k von dort verschickt werden. Die Hälfte der Federn stammt aus der Berberei. Auch in Südafrika hat die Straußenzucht großen Erfolg aufzuweisen, wie die Ziffern für die Einfuhr in den Jahren 1875 bis 1883 beweisen. Diese betrug 1875 5 877 600, 1883 aber 29 516 000 <M.
— Ein drolliges Militärbefreiungsgesuch ist jüngst der Assent - Commission einer ungarischen Bezirksstadt zugegangen: „Militärbefreiungsgesuch. Ich Franz und sie Martha N. aus H., Eheleute mit Tisch und Bett, kümmerlich Sorgen, sieben erzeugte Kinder in der Ehe belastet, wobei bemerkt wird, 4 Buben und 3 Mädchen, 37 Jahre lang als getreuer Unterthan, bei den theuren Zeiten in einem fort eheliche Treue gepflogen. 2. Ich als väterlicher Ehemann, 37 Jahre lang geboren, dabei immer mühseliger und nicht mehr im Stande, meine Arbeitsamkeit zu erzwecken. 3. Und die wirkliche Mutier Martha, welche mit obigen sieben Kindern vor Altersschwachheiten zittert, wovon 4 Kinder am Leben, 2 Buben und 2 Mädchen, wornach bemerkt wird, mit 2 liegende Todtenscheine (!) zu gemäß der Wahrheit, wornach erster Sohn Johann als Rentirungs- Departement Bediensteter, mit 22 Jährig entkräfteten . Unterleibs-Organen bitterlichen Spitalstod für das hohe Vaterland sich nothdürftig unterzogen hat. 4. Im Jahre 1850 haben wir unseren- zweiten Sohn Stefan gestorben, welcher als „Gemeiner" dies Irdene jammerthal mit demokratischen B.'eschuren fluchwürdigerweise verlassen hat, wogegen 5. Unser fortlaufender Sohn Nr. 6, welcher auf den Namen Zacharias hört und Taubstumm ist, wegen heilloser Magenschwäche und tobsichtigem Athen bereits als tobsichtiger Hausgenosse in Miserablen Betracht gezogen kömmt. 6. Nun ist unser bisher letztlicher Sohn Simon, obwohl von Jugend auf mit einem sehr frommen Lebenswandel angethan, zu berittener Kavallerie num- merirt, wo unterschiedliche Zögellosigkeiten losgehen. 7. Daher bitten wir täglich segensreich, daß unser zwangsweise reitende Simon nicht zu Schandcfi werde, weil selber als letztes mannbares Erzeugniß in der Wirthschast unentbehrlich anzusehen ist und verbleiben in ergebungsvoller armseligkcit eines wohl Allerhöchsten Rescriptes unter- thänigst Franz und Martha N."
— Gefreiter (bei den Rekruten): „Herr Unteroffizier, ich weiß nicht, woran es liegt, daß diesem Manne kein Helm sitzen will!" Unteroffizier (sich Mann und Helme ansehend, nach kurzer Pause): „Woran das liegt! Die Helme sind alle recht. Der Kerl hat nur einen verdammt unvorschriftsmäßigen Kopf!"
— sMißtrauen gegen sich selbst.] Sonntagsjäger, der soeben einen Hasen geschossen: „Wie? Sollte noch Jemand außer mir geschossen haben?"
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den Rücken zu kehren, wahrscheinlich um nicht die magere Kost in Plötzensee kosten zu müssen. Der Coup kostet zwar 10,000 »A, indeß Herr Becker hat ja genug der Einfältigen gefunden, die ihm für seine „Kuren" gutmüthig ihre Börsen öffneten, er kann sich also ein so theueres Vergnügen leisten. Dem Gericht hat er angezeigt, er wäre auf längere Zeit nach Italien gereist; sein ehemaliger Spediteur Friedrich hat aber im gestrigen Termin die Vermuthung ausgesprochen, daß der Allerweltsdoetor wohl eine Reise nach Amerika unternommen haben dürste. Die Berufungskammer beschloß nun, in Abwesenheit des Angeklagten zu verhandeln und bestätigte das erstinstanzliche Erkenntniß, welches auf eine Woche Haft lautet.
— (Das Wetter und die Landwirthschaft.] Der „Schwäbische Merkur" schreibt aus Stuttgart vom 21. Juni: „Die Sonne, deren warme Strahlen für die Trauben- blüthe so dringend nothwendig wären, wagt sich, wie sich auch Barometer und Thermometer bewegen und der Wind sich drehen mag, nicht heraus. Heute früh mar der bisher vorherrschende Südwestwind wieder einmal in einen Nord umgeschlagen. Dumpfe Donner hinter dem dichten Nebelgewölk lassen ein Gewitter errathen, welches an das Eintreten der Hochsaison erinnert, die in der Temperatur in keiner Weise zum Ausdruck kommt. Selten erreicht das Thermometer 15° R., wenn es auch nur ganz vorübergehend auf 5—6° R. gesunken und die kritische Temperatur von 4° R. gar nicht erreicht hat. Das Barometer bewegt sich, ohne bemerkliche Aenderung der seit zwei vollen Wochen immer den gleichen Charakter tragenden Witterung, in dem Rahmen von 730—745 mm. In manchen Gegenden kann die Heuernte nicht in Angriff ge-' nommen werden. Die Landwirthe gerathen mit diesem Aufschub in ein Gedränge der Geschäfte, das Menschen und Thiere aufzureiben droht."
Nicht minder traurig lautet in der „Neckar-Ztg." ein Bericht aus dem Oberamt Gerabronn, 20. Juni: Schon acht Tage dauert der Regen mit geringen Unterbrechungen fort und fängt nachgerade an, auf dem gesammten Gebiete der Landwirthschaft nachtheilig einzuwirken. Abgesehen davon, daß eine große Menge Klee, welcher nun 8 bis 14 Tage gemäht ist, ohne eingeheilnst werden zu können, nahezu werthlos geworden, fällgt auch das Futter an, am Halme zu faulen, nachdem dasselbe bereits überreif ist. Nicht minder Noth leiden die Früchte am Halm. Am schwersten aber wird der Weinstock davon betroffen. Da die Trauben vor der Blüthe stehen, während diese bei dem trüben Wetter sich nicht entwickeln kann, so werden solche gelb, rostig und fallen ab. So wird bann, was vom Frost verschont blieb, auf diese Weise geschädigt, so daß die Aussichten auf „einen Herbst" immer geringer werden.
In der „Straßb. Post" vom 21. Juni lesen wir: „Heute Nachmittag gegen 3 Uhr verfinsterte sich der Himmel sehr stark und bald kündete grollender Donner, daß eilt Gewitter int Anzuge sei. Dasselbe berührte diesmal die Stadt unmittelbar; eilt heftiger Blitzschlag ging, wie uns versichert wird, an der Blitzleitung des Münsters nieder. Gleichzeitig waren die Platzregen, welche sich in kurzen Zwischenräumen über der Stadt entluden, überaus heftig. Bemerkenswerth war der häufige Wechsel der Richtung des Windes, welcher bald aus Süden, bald aus Westen, bald aus Nordosten blies. Das Thermometer stand auf 10° R. Die Wettergelehrten erklären die Gewitter bei so starker Abkühlung etwa folgendermaßen. Durch den Regen, nainentlich anhaltenden Regen, wird ein zur Erde senkrechter Luftstrom erzeugt, welcher die über der Regenwolke gelegenen höheren Luftschichten mit an sich zieht. In den noch höheren Luftschichten ist nun fortwährend positive Elektrieität stark angehäuft, welche gleichzeitig mit herniedergerissen wird und mit der negativen Erdelektricität die elektrische Entladung, den Blitz, entstehen läßt."
Der „Hannov. Cour." berichtet, daß es in Hannover schneidend kalt sei und die Oefen wieder benützt werden. Er fügt bei: Hoffentlich schlägt das Wetter bald zum Besseren um. Es wäre sonst gerathen, um etwas Sommerwärme zu genießen, nach Lappland auszuwandern. Kein Scherz! Man sehe nur die Witterungsberichte ein. Als wir hier 4-7—8° C. hatten, wurden aus dem hohen Norden 4-20—220 C. gemeldet.
Aus Schlesien wird gemeldet, daß das Riesengebirge voll Schnee liegt und die
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