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beseelten und die Politik ihrer Negierung durchdringen. Ich wage -u hoffen, daß Ew. Majestät geruhen wird, mir die Erfüllung dieser Aufgabe zu erleichtern, indem mir fortgesetzt das Wohlwollen zu Theil wird, mit welchem Allerhöchstdieselben meine Vor­gänger beehrt haben und von welchem ich selbst in früheren Zeiten meiner dienstlichen Laufbahn kostbare Beweise empfangen habe. Ich habe die Ehre, Ew. Majestät meine Beglaubigungsschreiben als Botschafter der französischen Republik zu überreichen."

Auf diese Ansprache antwortete der Kaiser:

Herr Botschafter! Sie haben meinen Gedanken ausgesprochen, indem Sie sagen, daß Deutschland und Frankreich zahlreiche gemeinsame Interessen haben und daß Sie in diesen den Boden für eine beiden benachbarten Nationen vortbeilhafte Ver­ständigung werden finden können. Dank Ihrer großen Geschäftserfahrung und Ihrer tiefen Kenntniß der Interessen, welche Frankreich mit Deutschland gemeinsam hat, ver­einigen Sie in sich alle nothwendigen Eigenschaften, um mit meiner Regierung an der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern zusammen zu arbeiten. Ich beglückwünsche mich aufrichtig zu der Wahl, welche der Herr Präsident der Republik getroffen hat, indem er Ihnen die hohen Functionen übertrug, welche Sie erfüllen werden. Seien Sie überzeugt, Herr Botschafter, daß meine Mitwirkung Ihnen niemals fehlen wird, um jede Maßregel zu unterstützen, welche das von Ihnen bezeichnete versöhnliche und friedliche Ziel zu erreichen bezweckt."

Der Kaiser hat üch heute um 1 Uhr 20 Min. mittels Extrazuges nach Blankenburg zur Jagd begeben.

Grau-enz, 24. October. Amtliches Resultat der am 20. ds. Mts. im dritten Wahlkreise Graudenz-Straßburg stattgehabten Reichstags-Ersatzwahl. Es wurden im Ganzen 18,822 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Staatsminister a. D. Hobrecht (natl.) 9335, Rittergutsbesitzer v. Rybinski (Pole) 8486 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Brüssel, 24. October. Der Entwurf, betr. die Convertirung der Schuld der Stadt Brüssel, ist von der Regierung ratificirt worden.

Petersburg, 24. October. Der heute Mittag stattgehabten feierlichen Ent­hüllung des Denkmals für die in dem Kriege 1877/78 Gefallenen wohnten der Kaiser und die Kaiserin, die übrigen Mitglieder des kaiserlichen Hauses, die Hofstaaten, das diplomatische Corps, die Staatswürdenträger und die ehemaligen Führer, sowie Re­präsentanten sämmtlicher Truppentheile des Reiches bei, welche an dem Feldzuge theil- genommen haben. Unter den Truppenführern befanden sich, außer den Feldmarschällen Großfürst Nicolaus der 21eitere und Großfürst Michael, die Generale Gurko, Radetzky, Paul Schuwaloff und v. d. Roop. Aus den von der Provinz eingetroffenen Repräsen­tanten waren drei Bataillone combinirt; die Garde und die Petersburger Garnison stellten zu der Feier 11 Bataillone, 10y3 Schwadronen und 22 Geschütze. Die ganze Parade commandirtc Großfürst Wladimir Alcxandrowitsch. Die Umgebung des Fest­schauplatzes war sinnig geschmückt, für das Publikum waren Tribünen errichtet. Die Kaiserin und die Großfürstinnen nahmen in einem zu diesem Zwecke errichteten prächtigen Pavillon Platz, um welchen sich die Hofstaaten, das diplomatische Corps rc. gruppirten. Nachdem der Kaiser mit den Großfürsten und der militärischen Suite die Front der Truppen abgeritten, begann der Weihgottesdienst, während dessen das Denkmal enthüllt wurde. Als das Gebet für die Seelenruhe des Kaisers Alexander II., des im Kriege gefallenen Herzogs Sergius von Leuchtenberg und der übrigen im Kriege 1877/78 gefallenen russischen Krieger gesprochen wurde, ließen sich sämmtliche Anwesende auf die Knie nieder. Alsdann präsentirten die Truppen das Gewehr und gaben die Geschütze der Peter-Pauls-Festung 101 Kanonenschüsse ab. Zum Schlüsse defilirten die Truppen, beide Feldmarschälle voran, vor dem Kaiser. Bald nach der Enthüllungs- feier fand eine Speisung der Truppen Seitens der Stadt Petersburg statt, welche auch der Kaiser mit der Kaiserin besuchte. Beide wurden überall mit jubelnden Zu­rufen begrüßt.

Petersburg, 24. October. Anläßlich der heutigen Enthüllung des Denkmals für die in dem Kriege 187778 Gefallenen wirft derRussische Invalide" einen historischen Rückblick auf die von der russischen Armee in diesem Kriege erfochtenen Siege und gedenkt hierbei der zahlreichen Opfer an Menschen, die er auf circa 100,000 angibt. DerInvalide" schließt mit den Worten: Durch den standhaften Widerstand des Gegners kam der Sieg uns theuer zu stehen. Das durch die großen Verluste in den Truppentheilen hervorgerufene allgemeine Bedauern fand den wärmsten Widerhall in dem großmüthigen Herzen des verewigten Kaisers. Derselbe benahm sich den Truppen gegenüber wie ein liebender Vater und verbarg seine Thränen nicht bei den Nachrichten von den schweren Verlusten. Möge das heute zu enthüllende Denkmal die Truppen nicht nur an die Mühseligkeiten und Errungenschaften des letzten Krieges Er­innern, sondern auch an die Liebe ihres in Gott ruhenden obersten Führers, ebenso an die heilige Pflicht aller russischen Krieger, dem erhabenen Sohne ebenso treu zu dienen, wie sie dem Vater gedient haben.

DasJournal de St. Petersburg" bemerkt zu der Londoner Nachricht, nach welcher die Mächte darüber einig seien, daß Rußland eine leitende Rolle in dcr

Beschwichtigung der bulgarischen Krise zukomme, allerdings habe Rußland dem von ihm befreiten Lande gegenüber ein ganz besonderes Recht zu jener Rolle. Das Jour­nal weist ferner auf die heutige Einweihung des Denkmals zum Gedächtniß der im Kriege 1877 Gefallenen hin und hebt hervor, diese Feier erinnere auf's Neue an die unvergleichliche Tapferkeit der russischen Armee; das seien Blätter in der Geschichte, die nichts verlöschen könne.

Lokale-.

Gießen, 25. October. Am 11. d. M. starb in Armsheim in Rheinheffen ein Geistlicher, der seine Jugendzeit in hiesiger Stadt zugebracht, später auch 12 Jahre im hiesigen Schulwesen gewirkt hat, Pfarrer Gustav Drescher. Wie er sich durch sein freundliches biederes und treues Wesen hier manchen Freund und viele dankbare Schülerinnen erworben hat, so fand auch in seiner Gemeinde sein stilles, eifriges Wirken Anerkennung und sein plötzlicher Tod er starb nach dreitägiger Krankheit an der Rose allgemeine Theilnahme. Milde Gesinnung, gediegene Eigenschaften des Charakters, Eifer in seinem Beruf zeichneten ihn aus und werden Allen in Erinnerung bleiben, die ihm näher getreten sind.

Gießen, 25. October. Unter den vielen fremden Bieren, welche in unserer Stadt zum Ausschank kommen, nimmt auch das Augustiner-Bräu einen hervor­ragenden Rang ein, so daß sich die Production dieser Brauerei im verflossenen Jahre auf 200,000 Hectoliter belief; gewiß ein günstiges Resultat und der beste Beweis von einem guten Stoff.

Vermischte

X Großen-Linden, 25. October. Durch die Errichtung des Haltepunktes an der Main-Weser-Bahn werden vom 1. November d. I. ab die für die hiesige Post­agentur einlaufenden Postsachen dortselbst abgeholt, so daß die seit 15. Juni 1881 zwischen hier und Gießen bestandene Laudbriefträgerfahrt eingeht und von diesem Tage ab zwischen Lützellinden (über Allendorf an der Lahn) und Gießen eingerichtet roiro. Briefe bis zum Gewichte von 15 Gramm kosten von Gießen nach hier, weil Post- agentur besteht, 10 H, was seither nicht immer beachtet, wurde und manche 15 H Strafporto für mit nur 5 H-Marke beklebten Briefen bezahlt werden mußten.

Theater.

Gießen, 24. October.

Der Königl. Schauspieler Julius Rudolph, welcher gegenwärtig mit seinem Hoftheater-Ensemble in unserer Nachbarstadt Marburg glänzende Erfolge erzielt, ist von dem Besitzer des Cafö Leib gewonnen worden, im Monat November in Gießen einen Cyclus von Lustspiel-Aufführungen zu veranstalten. Herrn Rudolph geht ein vorzüglicher Ruf voran und können wir unseren Theaterfreunden eine zwar nur kurze, aber höchst interessante Theater-Saison in Aussicht stellen. Julius Rudolph, seit 10 Jahren beliebtes Mitglied der Königl. Hofbühne in Cassel, ist ein Schüler von Friedrich Haase und während der Glanzzeit des Leipziger Stadt­theaters zu Anfang der 70er Jahre, als Haase das dortige Theater leiiete, ausgebildet. Der noch junge Künstler, schon frühzeitig durch ungewöhnliche Gaben des Geistes aus­gezeichnet, hat eine selten künstlerische Erziehung genossen und auf der Bühne besonders schöne Erfolge in solchen Rollen erzielt, welche unbedingte Feinheit und Noblesse der Repräsentation verlangen. Seine Zusammenstellung des Repertoirs macht uns mit den hervorragendsten Novitäten der deutschen Bühne bekannt und werden wir unseren Lesern noch ausführlich über die bevorstehenden Vorstellungen berichten.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 23. October. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter 4.005.00, Eier das Hundert JC 4.505.50, Butter per Pfund JL 1.10 bis 1.20, Weißkraut per Stück 10-12 H, Rothkraut per Stück 20-25 H, Kohlrabi per Stück 34 H, Ochsenfleisch per Pfund 4570 H, Kuh- u. Rindfleisch 4560 X Kalbfleisch 40-60 H, Schweinefleisch 65-70 Hammelfleisch 50-70 X 1 Hahn JL 0.70-1.80, 1 Huhn JL 1.002.50, 1 Ente JL 2.003.50, 1 Gans 4.008.00 1 Taube 40-70 X Welsche J4 5.0010.00.

Grün berg, 23. October. (Fruchtpresse.) Weizen 16.70, Korn 13.50, Gerste v4 13.50, Hafer JL 11.00, Erbsen 14.00, Linsen JC. 24.00, Lein 00.00, Samen 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00.

Kirchliche Anzeigen der evangrl. Gemeinde.

Die Bibelstunde muß heute ausfallen wegen Unwohlseins des Pfarrers Dr. Naumann.

Versteigerung von PorMan- sschen und Möbel

aus dem Nachlaß des verst. Porzellan­malers Gebhardt sollen Dienstag den 26. October, Nachmittags 2 Uhr, Bahnhofstraße 32, Hinterbau:

Kleine Service (Dejeuner), feine gemalte und gekratzte Taffen in allen Farben, Tassen mit Namen, sodann Möbel, namentlich 1 Kommode mit Glasaufsatz, Pfeiler- schränkchen, Kommoden, 1 Gallerie- schränkchen, Kleiderschränke, Küchen- fchrank mit Glasaussatz, runde ovale und andere Tische, Sophas und Küchen- geräthe versteigert werden. [7536

Sämmtliche Gegenstände sind neu und sehr gut erhalten.

In Auftrag: ____________ F. Hofmann.

Dienstag den 26. Dclober,

Nachmittags 2 Uhr, werben in meinem Bureau versteigert: a. zwangsweiser Taschenuhren, Klei­derschränke, Tische, Sopha's, Laden­schränke, 1 Klavier.

b. freiwillig: Getragene, aber noch sehr gut erhaltene Kleidungsstücke, als: 1 Herren-Anzug, 1 Uniformsrock, 1 Damen»Regenmantel, 2 Damen- Wintermäntel, Herren- und Damen­hüte, Damen-Kleider, Röcke, Strümpfe 2 Tischtücher, 3 Servietten, Hemden und Stiefel.

Die Versteigerung ad b findet bestimmt statt. |

Gießen, den 25. October 1886.

Bühner, 7667 Gerichtsvollzieher.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekauulmachung.

Das 4. Ziel Communalsteuer 1886/87 kann in den nächsten 8 Tagen an den Zahltagen: Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur hiesigen Stadtkasse bezahlt werden.

Gießen, den 23. October 1886.

Der Stadtrechner:

7622 H. Enders.

In zweiter unveränderter Auflage ist im unterzeichneten Verlage erschienen und in allen Buchhandlungen vorräthig:

Aphorismen

zum

Lehren und Lernen der medicinischen

Wissenschaften

von

Br. T8u JLWlr&th.

Mit einer Tafel: Frequenz-Bewegung der Studirenden an der Wiener medicinischen Facultät von 1866 1886.

Geh. Preis: 2 Mark.

Die erste Auflage war binnen wenigen Tagen vergriffen.

Carl Gerolds Sohn, Verlagsbuchhandlung

Wien, I., Barbaragasse 2. 7673

7640 Circa 15 Ctr. Holzkohlen | 7666 Eine noch sehr gute Dickwurz- btllig abzugeben. Zu erfragen Kasernen- Mühle zu verkaufen. Näheres bei Neubau (Spengler Schmidt.) l Schmied 81. Heß, Teufelslustgärtchen.

! Die Lieferung einer eisernen Pumpe ! in d. Pfarrbrunnen zu Odenhausen veranschl. z. 75 soll Freitag d.

29* d., um 10 Uhr, hier vergeben werden.

Crofdorf, den 23. October 1886.

7642 Das Bürgermeisteramt.

Aeilgeöotenes.

Vorzügliche

Speifchärtoffcln,

Casseler Samenkartoffeln, von be­währter Güte, sind zu haben und werden frei ins Haus geliefert von 7643 Ludwig Clotz,

Odenhausen, Post Londorf. Schellfische^ nur prima Helgoländer Waare, em­pfiehlt in täglich frischen Sen­dungen zum billigsten Tagespreise A» Koch Nachfolger.

Hamburger 7669

Aisch- u. Delicatessen-Handlung Monsheimer Rahm-Käse,

Camembert übertreffend, empfiehlt in alleiniger Niederlage 7410

Cmil Fischbach.