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Nr. 249» Dienstag den 26. October M86.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Store an: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS.

Amtlicher Hheit.

Betreffend: Die Ableistung des Verfaffungs- und Huldigungseides. Gießen, am 22. October 1886.

Das Großhcrzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen B ü r g e r me i ft e r e i e n des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 8. October l. I. Anzeiger Nr. 236 noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an Erledigung derselben erinnert.

__Dr. Boekmann._______________________________________________________

Betreffend: Verwendung von Schulkindern zu häuslichen Arbeiten. Gießen, am 23. October 1886.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

<m die Schulvorstände des Kreises.

Nachfolgende hohe Verfügung lassen wir Ihnen zur Kenntniß und Nachachtung zugehen. Sie wollen den Lehrern die Verfügung mitthellen und ihnen genaue Befolgung derselben empfehlen.

Dr. Boekmann.

Betreffend: Wie oben. Darmstadt, am 18. October 1886.

Das Großherzogliche Ministerium dcs Innern und der Justiz

Abtheilung für Fchulsngelegknheitrn

an die Großherzoglichen Kreis-Schul-Commissionen.

Obgleich von uns wiederholt in einzelnen Fällen gerügt worden ist, daß Lehrer ihre Schulkinder zur Besorgung ihrer häuslichen oder ihrer Feld- und Gartenarbeiten verwendet haben, scheint es doch auch jetzt noch vorzukommen, daß Schüler oder Schülerinnen zu solchen Arbeiten und sogar zu ständigen Aufwärterdiensten benutzt werden.

Wir sehen uns dadurch veranlaßt, eine jede solche Verwendung von Schulkindern, sowohl während, als außerhalb der Schuheit, bestimmt und allgemein zu untersagen, empfehlen Ihnen, Schulvorstände und Lehrer Ihrer resp. Kreise hiernach zu bedeuten und mit allem Nachdruck auf die Einhaltung dieser Bestimmung zu halten.

__v. Knorr,v. Beauclair.

Bekanntmachung.

Wegen Chaussirung in der sogenannten Lichtenau bleibt die bezügliche Wegstrecke von heute an für Fuhrwerke und Reiter bis auf Weiteres gesperrt. Gießen, am 25. October 1886. Großherzogliches Polizeiamt' Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 23. October. In den Ruhestand wurde versetzt: Am 12. October der zweite Univerfitätsdiener an der Landes-Universität, Johannes Sippet, auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 19. d. MtS. den Großh. Baumeister Georg Schneider aus Als­feld zum Kreisbaumeister zu ernennen.

Berlin, 23. October. Se. Maj. der Kaiser nahm Vormittags Vor­träge des Kriegsministers und des Chefs des Militär-Cabinets entgegen und empfing Mittags den Prinzen Albrecht, welcher seinen jüngst zum Lieutenant des ersten Garde-Regiments avancirten zweiten Sohn vorstellte. Nach Entgegen­nahme einer Reihe militärischer Meldungen machte der Kaiser eine Spazierfahrt und empfing nach der Rückkehr im Beisein des Staatssecretärs Grafen Bismarck den neuen franzöfischen Botschafter Herbette in feierlicher Audienz und conferirte alsdann noch mit dem StaatSsecretär Grafen Bismarck.

Wilhelm-bave«, 23. October. Das englische Geschwader, zu welchem außer 4 Panzerschiffen noch 1 Kreuzer und 1 Aviso gehören, hat unter gegen­seitigen Salutschüssen heute Vormittag 10 Uhr aus der hiesigen Rhede Anker geworfen. Heute Abend findet zu Ehren der englischen Officiere Festtafel im Officier-Kasino statt. Das Geschwader wird Kohlen und Waffer einnehmen und bis Montag hier bleiben.

Hesterreich.

Wien, 24. October. Der ehemalige Reichskanzler und Botschafter Graf Beust ist heute Morgen auf Schloß Altenberg bei Greifenstein plötzlich am Schlagfluß geworben.

Friedrich Ferdinand Freiherr v. Beust mar am 13. Januar 1809 zu Dresden geboren und widmete sich früh der diplomatischen Laufbahn. Er war von 1836 an Legationssecretär in Berlin und Paris, dann Geschäftsträger in München, Minister- resident in London und Gesandter in Berlin. Er wurde 1849 sächsischer Minister des Auswärtigen und verfolgte eine reactionäre Politik zuerst im Anschluß an Preußen und dann an Oesterreich. Um der liberalen deutschen Einheitsbewegung die Spitze abzubrechen, trat er selbst 1861 mit einem Bundesreformproject hervor, ging 1864 als Vertreter des Bundestags zu den Londoner Eonferenzcn, hielt sich aber immer zu Oesterreich, von dem er nach dem Ausgang des Krieges von 1866 als Minister des Auswärtigen nach Wien berufen wurde. Als solcher brachte er den Ausgleich mit Ungarn zu Stande und wurde dafür 1867 zum Reichskanzler ernannt und 1868 in den Grafenstand erhoben. Um sich für 1866 zu rächen, plante er etile Allianz mit Frank­reich und ließ Napoleon den Anschluß Oesterreichs in einem Kriege geaen Preußen hoffen. Er ivurde jedoch durch den Ausbruch des Krieges überascht und die deutschen Stege sowohl wie die Haltung Rußlands zwangen ihn zur Neutralität. Am 6. No­vember 1871 erhielt er plötzlich feine Entlassung, ging als Botschafter nach London und

1878 nach Paris, von wo er wegen seiner Jntriguen mit den Chauvinisten 1882 ab­berufen und pensionirt wurde. Die österreichisch-deutsche Allianz hatte ohnehin seiner Bedeutung schon lange ein Ende bereitet. (F. Z.)

Bulgarien.

Sofia, 23. October. Die Mitglieder der Regentschaft Stambulow und Mutkurow, der Ministerpräfident Radoslawow und mehrere Deputirte sind nach Tirnowa abgereist. Die Minister des Auswärtigen, Natchevitch, reist Montag dahin. Die Sobranje wird, soweit bis jetzt bestimmt, am 31. October eröffnet werden. Gaddan Effendi soll sein Bedauern über die Abreise der Minister nach Tirnowa ausgesprochen, jedoch gleichzeitig bemerkt haben, daß er trotzdem auch fernerhin vermittelnd und versöhnend zu wirken bestrebt sein werde.

Die bulgarische Regierung ersuchte bei Beantwortung der Note des Generals Kaulbars, in welcher derselbe gegen schlechte Behandlung russischer, in Bulgarien ansässiger Untertanen protestirte, um genauere Angaben bezüglich der behaupteten Gewaltthätigkeiten, um, falls die Thatsachen sich als begründet erwiesen, deren Urheber bestrafen zu können.

Amerika.

New: York, 22. Octbr. Heute früh wurden in Charleston, Savannah, Augusta, Columbia, Oraugeburg, Wilmington. Nord-Karolina und verschievenen anderen Districten stärkere Erderschülterungen verspürt. Der erste Erdstoß erfolgte um 5 Uhr Morgens, Nachmittags um 3 Uhr machten sich dann neue starke Erdstöße bemerkbar, Unglücksfälle sind bei den Erderschütterungen nicht vorgekommen.

New-Bork, 23. Octbr. In Washington und mehreren Orten in Virginien, Thennessee, Ohio und Florida wurden gestern gleichfalls Erderschütte­rungen verspürt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S ielegr. Correspon-enH-Drrrearr*

Berlin, 24. October. Bei dem gestrigen Empfange des französischen Bot­schafters durch den Kaiser hielt Herr Herbette folgende Ansprache:

Sire, indem ich zu der hohen Ehre berufen bin, die französische Republik bei Ew. kaiserlichen und königlichen Majestät zu vertreten, fasse ich mit einem tiefen Bewußtsein der mir obliegenden Pflichten den Gegenstand dieser hohen Mission tn's Auge. Deutschland und Frankreich haben zahlreiche gemeinsame Interessen und werden, wie ich überzeugt bin, mehr und mehr in denselben den Boden für eine beiden Ländern vrrtheilhafte Verständigung finden. Mit gutem Willen diese Elemente erhalten und fortentwickeln, ist das meinen Bemühungen vorgezeichnete Ziel. Ich werde dasselbe mit um so mehr Eifer und Vertrauen verfolgen, als ich tief durchdrungen bin von den Ideen des Friedens, der Arbeit und der Stabilität, welche die französische Station