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Stammes erbt fort durch Baron Edelsheim-Gyulay, den Adoptivsohn des Bru­ders des Verstorbenen.

England.

London, 24. August. Das Unterhaus setzte die Adreß'Debatte fort. Parncll beantragt ein Amendement, welches besagt, der Preisrückgang der Bodenvrodukte erschwere die Pachtzahlung, die daraus im Winter entstehenden Exmissionen würden die sociale Ordnung gefährden. Der Pachtzins, welcher einst bei höheren Preisen der Bodenerzeugnisie festgesetzt sei, könne nicht die Basis für die mit Staatshülse erfolgenden Gutsankäuse sein. Plunket bekämpfte dieses Amendement und sagt, die Regierung beharre aus der Erweiterung der Bodenankäufe. Parnell übernehme, indem er die Pächter zum Widerstande auf- reize, eine sehr schwere Verantwortung. Im Verlaufe der Debatte wurde Glad­stone zur Ordnung gerufen, weil er nicht zur Sache sprach.

Unterhaus. Der Unterstaatssecretär des Auswärtigen, Ferguffon, erklärte, die der Negierung zugegangenen Nachrichten in Betreff Bulgariens ent­hielten nichts, was nicht schon durch die Zeitungen bekannt sei. Die Regierung verfolge die Ereigniffe in Bulgarien nicht ohne große Besorgniß. Ferguffon theilte ferner mit, die Regierung sei mit Rußland übereingekommen, die Grenz- Commission in Centralasien auszulösen, da die afghanische Grenze bis Dukchik abgesteckt sei. Die Festsetzung des Grenzabschnittes bis zum Oxus werde direct zwischen den beiden Regierungen ersolgen.

Rußland.

Petersburg, 24. August. Nach Beendigung der Truppen-Mannöver verabschiedeten sich gestern die ausländischen Osficiere von dem Kaiser und der Kaiserin, welche nach Petersburg übersiedelten. Heute findet in Kronstadt vor dem Kaiser eine Flottenschau statt, wozu 56 Schiffe versammelt sind.

Amerika.

New-Uork, 24. August. Cutting ist von der mexikanischen Regierung in Freiheit gesetzt worden.__

Mrst Alexander von Bulgarien.

Gießen, 25. August.

Im Nachstehenden lassen wir die bei uns eingelaufenen Nachrichten des Wolff'schen Telegr. Bureaus folgen- Die verschiedenen telegraphischen Nachrichten der einzelnen Zeitungen geben auch heute noch kein klares Bild über die Vorkommnisse in Bulgarien, da die dortige revolutionäre Negierung fast allen Verkehr auf den Bahnen, wie auch mittelst des Telegraphen sistirt hat.

Berlin, 24. August. Heber die Ereignisse in Bulgarien ist ein dichter Schleier gedeckt. Die jetzigen Leiter des Aufstandes haben mit aller Strenge eine völlige Ab­sperrung Bulgariens von der Außenwelt durchgeführt, nicht einmal die Vertreter der Mächte in Sofia, natürlich abgesehen von dem russischen und seltsamerweise auch von dem französischen Vertreter, sind in der Lage, mit ihren Regierungen Depeschen oder Briefe auszutauschen. Diese Thatsache läßt allerdings den Verdacht auftauchen, daß der Ausstand nicht in dem Maße gelungen, wie er anfänglich von den Leitern der Bewegung hingestellt worden ist. In der That liegen bereits einzelne Meldungen vor, wonach das Heer denn doch nicht so treulos und undankbar gewesen ist, wie es an­fänglich verbreitet wurde, doch fehlt vorläufig ein Anhalt, zu beurtheilen, ob dieser Widerstand Aussicht auf Erfolg hat. Vom Fürsten Alexander weiß man Ms rumä­nischer Quelle, daß er Rahowa gestern als Gefangener donauabwärts passl'^at. Die Nachricht, daß er rumänischen Boden betreten habe und frei sei, erweist'als un­richtig. Unklar ist auch die Rolle geworden, die Karawelow seinem Fürsten gegenüber gespielt hat. Man weiß, daß zwei dem Fürsten ergebene Bataillone des Sofia-Regi­ments nach Sliwnitza und zwei Bataillone des Küstendil-Regiments nach Pernik ge­sandt worden sind, angeblich um dort Schanzarbeiten zu verrichten; der eigentliche Zweck liegt klar auf der Hand. Auch weiß man jetzt, daß das bulgarische Ministerium selbst seit mehreren Wochen den Fürsten bestürmt hat, den Serben auf Grund angeb­licher neuer Rüstungen den Krieg zu erklären, und daß es deshalb dem Fürsten einen förmlichen Mobilmachungsbefehl vorgelegt hatte. Der Fürst bat aber die Vollziehung standhaft verweigert und durch seinen Widerstand das jetzige Verhangniß beschleunigt. Das Ministerium hat offenbar versucht, den Fürsten als den unleidlichen Friedens­störer hinzustellen und ihn so in der öffentlichen Meinung bloßzustellen. Dann würde es Grund gehabt haben, Rußlands Einschreiten anzurufen und den Fürsten abzusetzen. Dieser aber war klug genug, die ihm gestellte Falle zu erkennen und zu vermeiden, und nun erfolgte seine Absetzung auch ohne äußere Berechtigung. (Köln. Ztg.)

München, 24. August. Ueber die Vorgänge in Sofia enthält dieAllg. Ztg." folgendes Telegramm aus Kalafat: In der Nacht vom Freitag zum Samstag wurde das Palais des Fürsten von Bulgarien durch das Kostendiler Regiment umzingelt. Die Officiere drangen in das Schlafgemach des Fürsten ' und zwangen ihn mit vor­gehaltenen Revolvern, die Abdankung zu unterzeichnen. Morgens um 5 Uhr wurde der Fürst nebst seinem Bruder sortgebracht. Ihr Aufenthalt wurde drei Tage lang geheim gehalten. Am Montag Abend bestieg der Fürst in Rahowa seine Pacht und fuhr stromabwärts.

Wien, 24. August. DerPolit. Eorresp." wird aus Giurgewo gemeldet, daß die in Ostrumelien stehenden bulgarischen Truppen ein Pronunciamento zu Gunsten des Fürsten Alexander gemacht hätten. Oberst Mutkurow sei zum Chef der Reaierung proklamirt. Auch die Garnisonen in Schumla, Tirnowo und die Bevölkerung daselbst hätten sich für den Fürsten erklärt. Letzterer wäre als Gefangener auf seiner Pacht nach Rent-Russi gebracht.

Bukarest, 24. August. Es verlautet, Fürst Alexander schiffte sich gestern in Rahowa ein und würde heute über Giurgewo hier eintreffen.

~ sHavas" - Meldung.^ Die Pacht des Fürsten Alexander landete bei

Schumla nicht. Sie wurde Vormittags in der Nähe von Silistria ihren Lauf fort­setzend, gesehen. Man schließt daraus, es sei bulgarischerseits beabsichtigt, den Fürsten auf russischem Gebiet an's Land zu setzen. Die rumänische Regierung traf Anordnungen, dem Fürsten Alexander, sobald er irgendwo auf rumänischem Gebiete landet, Schutz zu gewähren.

London, 24. August. Meldung des Reuter'schen Bureaus aus Konstantinovel, 24. ds., Mittags. Eine zweite provisorische Negierung zu Gunsten des Prinzen Alexander unter dem Vorsitze Stamboulow's ist in Tirnowa gebildet und errichtet worden.

DieTimes" tritt der Ansicht entgegen, daß die Interessen Englands durch die Absetzung des Fürsten von Bulgarien besonders benachtheiligt seien, will jedoch nicht leugnen, daß diese neue Enthüllung über Rußlands Pläne England dem schließ­lichen Jnteressenconflicte mit Rußland, der seit Langem vorausgesehen werde, wesentlich näher bringe.

Petersburg, 24. August. DasJournal de St. Petersbourg" sagt anläßlich der Vorgänge in Bulgarien, man müsse hoffen, daß die politischen Persönlichkeiten Bulgariens und Rumeliens die Klugheit besäßen, einzusehen, daß die Geschicke der beiden Länder vor Allem von ihrem eigenen Verhalten abhingen und daß die Mächte, welchen die Entscheidung zustehe, vor Allem die Erhaltung des Friedens wünschten. Sie müßten sich daher des Wohlwollens der Negierungen zu versichern suchen, indem sie sich jeder Agitation, jedes Unternehmens enthielten, das geeignet wäre, eine wohl­wollende Action der Mächte zu verhindern. Die Zukunft Bulgariens sei der Preis, um den es sich handle.

Konstantinopel, 24. August. sReuter-Meldung.^ In einem Circular der Pforte an die Vertreter der Türkei bei den Mächten, welche den Berliner Vertrag unterzeichneten, heißr es: Die Absetzung des Fürsten Alexander versetzte Bulgarien in' eine Lage, welche die Mächte ebenso wie die Türkei interessire. Der Eisenbahn­verkehr mit Numelien ist seit heute suspendirt, obschon irgendwelche Beschädigung der

Eisenbahnen nicht stattgefunden habe. In Adrianopel ist die Weisung eingegangen, keinerlei Eisenbahnfahrkarten für Numelien auszugcben. Die eingegangenen Konsular­berichte constatirten, daß die rumelischen Truppen und Garnisonen in Widdin und Schumla mit der Absetzung dcs Fürsten nicht einverstanden sind. Vor dem russischen. Konsulat in Phtlippopel hat gestern eine von 2000 Personen besuchte Versammlung stattgefunden, die für die Wiedereinsetzung des Fürsten Alexander sich ausgesprochen hat. In Sosia standen sich zwei Parteien, eine dem Fürsten feindlich, eine ihm freund­lich gesinnte in scharfem dauerndem Gegensatz gegenüber.

Bukarest, 24. August. Meldung der Agence Havas.^ Nach Nachrichten aus- Bulgarien hätten sich außer den Garnisonen von Schumla, Tirnowo, auch diejenigen von Widdin, Nikopolis und Silistria offen gegen die provisorische Regierung aus­gesprochen. Oberst Mutkurow, Chef der rumelischen Milizen, hätte sich erboten, den Fürsten mit militärischer Hilfe nach Sofia zurückzuführen. Der Kammeipräsident Stambulow befinde sich mit Mutkurow im Einvernehmen und werde die Leitung der Protestbewegung übernehmen. Stambulow soll die bulgarischen Milizen einberufen und erklärt haben, die Garnison von Sofia, welche die revolutionäre Bewegung, anfänglich begünstigte, wäre heute bereit, die Waffen niederzulegen, wenn ihr Amnestie versprochen würde. Auf das Gerücht, der Fürst Alexander werde nach Bukarest kommen, soll sich eine bulgarische Deputation hierher begeben, um den Fürsten abzuholen.

Die Pacht, auf welcher sich der Fürst Alexander befindet, hat, hier einge­gangenen Nachrichten zufolge, Braila und Galatz passirt und ist jetzt in der Nähe von Reni, wo die Landung erfolgen dürfte.

Adrianopel, 24. August. Zuverlässigen Nachrichten aus Philippopel zufolge ist daselbst die Garnison zu Gunsten des Fürsten Alexander unter die Waffen getreten. Das dortige Infanterie-Regiment marschirte mit klingendem Spiel vor die verschiedenen Consulate, wo der Commandeur erklärte, die ganze bulgarische Armee widersetze sich der Absetzung des Fürsten und sei bereit, für ihn zu streiten und zu sterben. Aus allen umliegenden Dörfern wird morgen die Landbevölkerung erwartet, welche durchweg dem Fürsten ergeben scheint. In der Stadt fraternisirt das Volk mit den Truppen.

Konstantinopel, 24. August. In Ostrumelien wächst die Bewegung zu Gunsten des Fürsten. Der Vormarsch der dortigen Streitkräfte gegen Sofia wird demnächst erwartet.

Konstantinopel, 24. August. In dem Circular, welches die Pforte an die Mächte anläßlich der Vorgänge in Bulgarien gerichtet hat, gibt dieselbe auch Kenntniß. von dem Telegramm, welches sie an ihren Commissar in Bulgarien, Gadban Effendi, gerichtet hat. Dasselbe besagt, die Pforte, welche sich augenblicklich noch in Unwissenheit befinde über den Grad der Berechtigung des Actes, welcher den Fürsten so plötzlich seiner Würde beraubte, bedauere dieses Ereigniß und müsse für den Fall einer Ruhe­störung in Bulgarien oder Numelien sbis zu dem Augenblick, wo die kaiserliche Re­gierung in der Lage sei, nach vorangegangenem Einvernehmen mit den Mächten über die Situation Beschlüsse zu fassen, alle Urheber derartiger Unruhen für dieselben ver­antwortlich machen. Gadban Effendi wird beauftragt, dieses den Personen, welche die Macht in Sofia in Händen haben, mitzutheilen. Das Circular tveist den Vertreter der Pforte ferner an, besonders hervorzuheben, daß die Pforte im allgemeinen Interesse außerordentlichen Werth darauf lege, sich nicht von der Verhaltungslinie zu entfernen, welche sie sich schon seit Beginn der rumelischen Frage gezogen, nämlich nur im Ein­vernehmen mit den Großmächten zu entscheiden und zu handeln. Nachdem die Frage in eine neue Phase getreten, wünsche die Pforte nach wie vor mit Hilfe der Mächte den gegenwärtigen Stand der Dinge in die normale, den internationalen Verpflicht­ungen entsprechende Situation wieder einzuleiten.

Ueber sämmtliche Städte Bulgariens ist der Belagerungszustand verhängt.. Der telegraphische und Postoerkehr ist für Private suspendirt, ebenso der Verkehr auf der Eisenbahn Varna-Nustschuk für Reisende, die aus dem Auslande kommen; auch in Philippopel ist der Bahnverkehr eingestellt.

Darmstadt, 24. August. Seine Großh. Hoheit Prinz Alexander ist bis jetzt immer noch ohne directe Nachrichten von seinen Söhnen, dem Fürsten Alexander und Prinz Franz Joseph.

Es liegen bis jetzt nur folgende heute eingetroffene telegraphische Nach­richten vor:

Hofprediger Koch, welcher dem Fürsten nachreiste, als dieser nach Lompalanka entführt wurde, telegraphirt heute, er höre von einem rumänischen Minister, daß Fürst Alexander am 23. ds., Abends 6 Uhr, von Rahova stromabwärts abge­führt sei.

Bankdirector Parcus telegraphirt heute aus Pirot: Der Fürst und sein Bruder seien am 22. August nach Wartza und am 23. nach Nicopolo oder Grahovo gebracht worden und per Schiff weitergereist. (N. Hess. Volksbl.)

Bei Schluß des Blattes erhielten wir noch nachstehende Privatdepesche aus Wien vom heutigen Tage: DieNeue Presse" meldet aus Kalafat den Sturz der bulgarischen provisorischen Regierung, sowie die Verhaftung der Mitglieder derselben, wie auch die Wiedereinsetzung de- Ministerium- Karawelosf. Das Volk wie auch das Militär sei höchst erbittert und weise jede neue Negierung zu­rück. Es sollen Deputationen abgehen nach Bukarest, Wien, Berlin und Darmstadt, um den Fürsten, wo sie ihn treffen, zur Rückkehr zu bewegen.

Lokale-.

Gießen, 25. August. Gestern Nachmittag mährend des heftigen Gewitters fuhren zwei Knechte einer hiesigen Grubenentleerungs-Anstalt ihre vollen Grubenfässer nach einem Acker am Wismarer Weg. Unterwegs kippte der eine Vorderwagen um, das volle Faß fiel herunter und dem einen Knechte auf die Beine. Sein College ent­leerte vorerst sein Faß und fuhr sodann nach Hause, um Hülfe zu holen. Während dieser fast eine Stunde währenden Zeit mußte der Verunglückte unter seiner schweren Last liegen bleiben. Er hatte einen Beinbruch davongetragen und wurde in die Klinik verbracht.

Auf einem Neubau in der Westanlage stürzte gestern Nachmittag ein Spenglerlehrling vom Gebälk in den Keller hinunter. Der Junge soll einen Schenkel­bruch erlitten haben und wurde gleichfalls in die Klinik verbracht.

Gießen, 25. August. Gestern Abend stürzte in der Bahnhofstraße das Pferd eines hiesigen Fuhrwerksbesitzers und brach hierbei ein Bein. Das Pferd mußte ab­geschlachtet werden.

In der Wallthorstraße lief gestern Abend ein kleines Kind in ein daher­kommendes Fuhrwerk. Es erlitt nur eine geringe Verletzung. Den Fuhrmann trifft keine Schuld.

Universität- - Chronik.

Marburg, 23. August. Dem ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät, Geheimer Justizrath Dr. Ubbelohde, ist die Universitätsrichterstellenebenamtlich über­tragen worden.

Der ordentliche Professor zu Rostock, Dr. K. Birkmeyer, ist zum ordent­lichen Professor des Strafrechts zu München ernannt worden.

Der ordentliche Professor und Director der medicinischen Klinik und Poli­klinik an der Universität Dorpat, Kaiser!, russischer Wirklicher Staatsrath Dr. med. Friedrich Albin Hoffmann, ist zum Director der medicinischen Poliklinik und ordentlichen Professor der specie'len Pathologie und Therapie der Universität Leipzig ernannt worden.

Verwischte-.

Schotten. In der Nacht zum Donnerstag voriger Woche brach, wie das ,^Sch. Anzbl." mittheilt, auf bis jetzt unaufgeklärte Weise in der HofraUhe des Konrad Schreiner II. in Feldkrücken Feuer aus, wodurch der obere Stock der Schneidmühle, sowie des Wohnhauses mit Mahlmühle vollständig zerstört wurden. Dem energischen