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Die Schöpfung.

Oratorium von Joseph Haydn.

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*** Die Gesellschaft bot nun ohne Zweifel auf Swieten's Anregung ein Honorar von 500 Ducaten und dieser machte sich an die Bearbeitung des englischen Textes. Drei Jahre später war das volksthümlichste aller Oratorien, dieSchöpfung" vollbracht.

Hayd'ns Lied, das Lied echter deutscher Empfindung, schon längst nationales Eigenthum, sollte durch die Schöpfung seine volle Befestigung erhalten und wie Mozart's Zauberflöte" bereits die Herzensweise des deutschen Lölkes aussprach, so sollte Haydn's Schöpfung mit ihr den endgiltigen Sieg deutscher Musik davontragen, und so hat sie allmälig auch für den Tiefsinn der vorausgegangenen Epoche der norddeutschen Organistenschule, vor allem S. Bachs den Sinn erschließen, wie den Weg zu dem hoch­überragenden dramatischen Schaffen R. Wagners eröffnen helfen.

Griesinger führt an:Haydn componirte die Schöpfung im 65. Jahre seines Lebens mit einem Feuer, welches sonst nur die Brust eines Jünglings zu beleben pflegt. Ich hatte das Glück, Zeuge der tiefen Rührung zu fein, welche mehrere Auf­führungen unter Haydn's Leitung bei allen Zuhörern bewirkten. Der Componist gestand mir auch, daß er die Empfindungen nicht zu schildern vermöge, von denen er durchdrungen gewesen sei, wenn die Ausführung ganz seinen Wünschen entsprach und die Zuhörer in der größten Stille auf jeden Ton lauschten; bald war ich eiskalt am ganzen Leibe, bald überfiel mich glühende Hitze und ich befürchtete, mehr als einmal vom Schlage getroffen zu roerdeu."

Wie sehr es ihm Herzenssache war mit derSchöpfung", bezeugen seine Worte: Ich war niemals so fromm, als in der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete. Täglich fiel ich auf meine Kniee nieder und bat Gott, daß er mir Kraft zur glücklichen Ausführung dieses Werkes verleihen möchte.

Wenn wir nun auch das Außerordentliche desselben nicht gerade in de» Chören )U suchen haben, so liegt doch so Erhabenes und Schönes in der Innigkeit der Sprache, in der unvergleichlichen Natürlichkeit, dem seligen Frohmuth, dem ganzen unschuldvollen Sinn, der dem Lächeln holder Kinderaugen gleicht.

Ein frischer Born ewiger Jugend sprudelt uns aus dem:Nun beut die Flur", Des Frühlings reizend Bild",Und Liebe girrt das zarte Taubenpaar" entgegen; und wie sprechen die herrlichen Malereien von edlem schöpferischen Geiste. So ist das Aufgehen des Mondes z. B. ebenso anschaulich, wie wehmuthsvoll dargestellt, während

Univerfitärs - Chronik.

Gießen, 25. Juni. Am heutigen Tage feiert Herr Geheime Rath Professor Dr Friedrich Wilhelm Hermann Wasserschleben sein fünfzigjähriges Doctor- Jubllaum. Anläßlich dieses Tages hat die Juristenfacultät der Universität Gießen dem Jubilar eine Festschrift, betitelt:Secum pensare überreicht, welche von Herrn Professor vr. Gustav Kretschmar verfaßt, von der Verlagsbuchhandlung Emil Roth verlegt und in der Brühl'schen Druckerei auf das Eleganteste gedruckt worden ist. Auch die theologische Facultät hat dem Jubilar eine Festschrift ge­widmet.

Gießen, 24. Juni. Nach dem heute zur Ausgabe gelangten Personal-Bestand der Ludewigs-Universität für das Sommer - Semester 1886 besuchen unsere Hochschule im Ganzen 513 Studirende gegen 536 im Wintersemester. Von diesen 513 sind 419 Hessen und 94 Nichthessen. Auf die einzelnen Fächer vertheilt, widmen sich der Theologie 108, Rechtswissenschaft 58, Medicin 84, Thierheilkunde 31, Zahnheilkunde 5, Kameralwissenschaft 28, Forstwissenschaft 44, Mathematik 26, class. Philologie 38, neueren Philologie 24, Philosophie und Naturwissenschaften 25, Geschichte 4,Pharmacie 20 und Chemie 18 Studirende. Außer diesen Studirenden besuchen noch 11 nicht im- matrikulirte Hörer die Vorlesungen.

Unter Bezugnahme auf eine Nachricht in Nr. 134 unseres Blattes, wonach dem Gymnasiallehrer Dr. Weddigenfür das beste Gedicht zur Jubelfeier der Uni­versität Heidelberg der in einem silbernen Humpen bestehende Preis zuerkannt worden", wird uns von geschätzter Seite die Mittheilung, daß diese Nachricht nicht corrcft sei. Die Verlagshandlung von Moritz Schauenburg in Lahr hat für fünf ganz gleiche Preise fünf sehr elegante Humpen gestiftet und sind solche von dem Preisrichter-Collegium den fünf besten Festliedern für die Festlieder-SammlungAltheidelberg" ausgesetzt und bereits an fünf preisgekrönte Dichter vertheilt worden. Ein einziger Preis für das beste Gedicht ist nicht ertheilt worden. Unter den preisgekrönten Poeten befindet sich auch Herr Oberförster Adolf Müller zu Krofdorf, dessen Festgedicht, betitelt Altheidelberg", bereits von Vinzenz Lachner componirt und in die Festgabe des erwähnten Licder-Albums ausgenommen ist.

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um etwaige Ruhestörungen zu verhindern. 150 Senatoren und Deputirte sind heute Vormittag in Eu angekommen.

Paris, 24. Juni. Heute sand bei Freycinet ein diplomatischer Empfang statt. Die Vertreter der fremden Mächte waren zahlreicher als sonst erschienen und besonders wurde die Anwesenheit des belgischen Gesandten bemerkt.

Der Prinz Napoleon ist gestern Abend nach Genf abgereist. Einige Freunde erwarteten denselben am Bahnhofe.

Paris, 24. Juni. Beim gestrigen Empfange beim Prinzen Victor hielt letzterer eine Ansprache, worin er sagte, man möge von seiner Seite keine eitlen Proteste gegen die Ausweisungsbeschlüsse erwarten. Das französische Volk öffnete schon öfter den Verbannten die Thore wieder. Er bleibe der Repräsentant des Kaiserreichs, wie es die Napoleone geschaffen. Er wünsche eine starke Autorität, Gleichheit aller Bürger, Achtung vor allen Religionsbekenntnissen.Seien Sie überzeugt, daß, welche Pflichten mir auch auferlegt sein werden, ich nicht aus dem Auge verlieren werde, was ich der Demokratie und meinem Namen schuldig bin. Auf Wiedersehen, meine Herren!"

Paris, 24. Juni. DieAgence Havas" meldet gerüchtweise, anläßlich der Demission Fancher de Careil's (Botschafters in Wien) würde Spuller in den diplomati­schen Dienst treten.

London, 24. Juni. Gestern fand in der St. James Hall eine Kundgebung zu Gunsten von Homerule statt. Der irische Abgeordnete Sexton hielt eine Rede, in welcher er erklärte, die Irländer hätten bei den letzten Wahlen für die conservativen Candidaten gestimmt, weil die Führer der irischen Partei Grund hatten, anzunehmen, daß nach den von Lord Carnarvon dem Deputaten Howard Vincent abgegebenen Erklärungen die conservative Partei einen Homerule-Entwurf vorschlagen würde.

Dover, 24. Juni. Der Gras und die Gräfin von Paris, sowie der Herzog von Chartres sind heute Abend 7 Uhr hier eingetroffen, von dem Bürgermeister und einer großen Menschenmenge herzlich begrüßt.

Mailand, 24. Juni. Gestern wurden 8 Führer der Arbeiterpartei verhaftet und die Vereine aufgelöst, welche dem Programm dieser Partei zugestimmt haben. Unter den Verhafteten befinden sich die socialistischen Candidaten bei den letzten Wahlen. Bei den erwähnten Vereinen und in den Wohnungen der Socialisten ließ die Polizei Haussuchungen vornehmen. In Oberitalien sollen 159 Vereine bestehen, welche dem betreffenden Programm beigestimmt haben. Es ist eine Untersuchung wegen Verschwörung eingeleitet.

Gegen die gestern verhafteten Führer der Arbeiterpartei wurde wegen Auf­reizung zur Revolte und Umsturz der bestehenden Staatseinrichtungen Untersuchung einzeleitet. Es heißt, sie beabsichtigten, einen ausgedehnten Strike der ländlichen Arbeiter zu organisiren. Hier befinden sich 10 Sectionen des Mailänder Arbeiter­vereins, in dem übrigen Theil der Provinz noch 25 Sectionen. Die Arbeitervereine in Como, Pavia, Cremona, Brescia und Novara wurden gleichfalls geschlossen, ebenso haben daselbst Verhaftungen und Haussuchungen stattgefunden.

Rom, 24. Juni. In der Kammer interpellirte gestern der Socialist Costa den Ministerpräsidenten wegen der in Mailand vorgekommenen Verhaftungen. Depretis will am Freitag mittheilen, ob und wann er die Interpellation beant­worten wird.

Rom, 24. Juni. Cholera - Bericht. Vom 23. bis 24. Juni, Mittags, kamen in Brindisi 18 Erkrankungen und 8 Todesfälle vor, in Latiano 12 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Sanvito 6 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Francavilla 4 Er­krankungen und 2 Todesfälle.

Athen, 24. Juni. Das Königspaar begibt sich heute nach Thessalien, um der Einweihung der letzten Strecke der thessalischen Eisenbahn beizuwohnen. Dasselbe wird am Dienstag zurückkehren.

Fiume, 24. Juni. Der Fürst von Montenegro ist gestern Abend hier ein- getroffen.

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Gießen, 25. Juni. Wir wollen nicht verfehlen, unsere Leser noch besonders auf die Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung auf­merksam zu machen, welche am nächsten Sonntag und Montag in Wiesbaden statt- finbet. Die Gesellschaft, welche sich die Forderung der Volks erziehung zur Ausgabe gestellt hat, ist in 600 -700 Vereinen und etwa 200,000 Mitgliedern über das ganze Reich verbreitet und verdient den Namen eines gemeinnützigen Vereins der besten 2m. Von Schultze-Delitzsch und Bennigsen im Jahre 1871 gestiftet, hat sie besonders die Begründung von Volksbibliotheken, Fortbildungsschulen u. s. w. in Menge in unserem Vaterlande gefordert und sie beschäftigt sich gegenwärtig mit der Einführung bildender und erziehender gemeinnütziger Einrichtungen. Die Generalversammlung in Wiesbaden verspricht eine in der That sehr anziehende zu werden. Nachdem Samstag den 26. Juni, Abends, ein Begrüßungscommers ftattgefunben, welchen ber Lehrer-Gesang­verein mit Gesangsvorträgen schmücken wirb, leiten am Sonntag ben 27., früh 6V2 Uhr, ein Concert in den Anlagen und am Kochbrunnen, der Besuch der Ausstellung in der Gewerbeschule und die Besichtigung ber Schuleinrichtungen bes Gewerbevereins bie erste Hauptversammlung im Saale des Victoriahotels ein, in welcher der Thätigkeits- bericht der Gesellschaft abgestattet und folgende Vorträge gehalten werden:Haus- wirthschaftliche Ausbildung und Erziehung der Mädchen der weniger bemittelten Volksklassen", Referenten: Frau Professor Weber in Tübingen und Herr David Peters in Neviges.Die Ausbildung für das Handwerk"; Referenten: die Herren Oberlehrer Lautz und Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden.Was ist bisher für die Verbesserung der Volkslectüren geschehen und was muß dafür geschehen?" Referent: Herr vr. Fränkel in Berin.Wie können die Vorträge der Bildungs­vereine weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden?" Referent: der Generalsecretär ber Gesellschatt, Herr Dr. Wislicenus. Um 31/2 Uhr erfolgt ein Festessen im Saale des Victoriahotels und Abends eine Zusammenkunft auf dem Neroberge. Am Mon­tag den 28. erfolgt ber Besuch bes Museums unb Vorschußgebäubes und ber Volks­kassenschenke. In der zweiten Hauptversammlung werden darauf bie obengenannten Vorträge zu Ende geführt. Ein Ausflug nach Mainz ermöglicht den Theilnehmern die Besichtigung des Germanischen Museums und des Domes. Abends 7 Uhr findet in den Wiesbadener Kuranlagen großes Gartenfest mit Feuerwerk statt. Der Diens­tag bringt einen von der Kurdirection veranstalteten Ausflug auf besonderem Dampfer nach Aßmannshausen und mit der Zahnradbahn auf den Niederwald und hinab nach Rüdesheim.

Gießen, 25. Juni. Das Jahresfest des Oberhessischen Vereines für innere Mission hat, wie den Lesern dieses Blattes bekannt, am vorigen Mittwoch stattgefunden und ist sehr schon verlaufen. 9iad) einer würdigen, durch trefflichen Gesang des Kirchengesangoereins gehobenen Liturgie hielt Herr Pfarrer Rom Held von Arheilgen eine mächtig packende Predigt über Jes. 28, 16, in der er zur Mitarbeit am Aufbau des Reiches Gottes aneiferte. Aus dem von Herrn Pfarrer Schlosser erstatteten Jahresbericht heben wir besonders hervor, daß für die neue Herberge im Ganzen 39691 JL eingegangen sind, darunter aus Gießen 27 900 X an Darlehen, 1041 JL an Geschenken, aus Lich 6900 JL, daß bie Kosten bes Bauplatzes unb des Baues sich bis jetzt auf 43000 JL belaufen, unb alles in allem schließlich auf ca. 46 000 JL an­zuschlagen sind, so daß noch etwa 6000 <A aufzubringen sein werden. Dankend wurde erwähnt die große Erleichterung der geschäftlichen Behandlung, welche durch das fteund- liche Entgegenkommen des Herrn Bankiers Heichelheim dem Verein gewährt wurde.

Ucberaus interessant war der Vortrag des Herrn Pastor RadeüberWeltlichen und christlichen Hausirbuchhandel", fruchtbar unb roeittragenb feine Gebauten und Vorschläge, in welcher Weise bas Lesebebürsniß bes Volkes zu befriebigen sei. Mochten seine Anregungen zur Schaffung einer wahrhaft gesunden christlichen Volkslitteratur, wozu er mit seiner Lutherbiographie selbst ein gutes Vorbild gegeben hat, auf frucht­baren Boden gefallen sein!

*** Gießen, 25. Juni. sConcert.j Auch das 2. Sommer-Abonnement- Eoncert des Herrn Musikdirectors Krauße mußte im Saale stattfinden. Johannes hatte zwar die dräuenden Wolken am Himmel verscheucht, um dem Rosenfeste wenigstens ein freundliches Gesicht zu geben, die Sonne hatte aber nicht vermocht, den Tag zu erwärmen und so mußte man denn statt unter kühlen Laubdächern zu träumen, mit dem heißen Dache von Stein's Saalbau fürlieb nehmen, um im Großen und Ganzen einen recht winterlichen Eindruck zu empfangen. Hätte Herr Krauße nicht ein so an­genehm unterhaltendes Concert gegeben, so hätte vielleicht Mancher von dem recht zahl­reichen Publikum mit den Witterungsschicksalen des Sommers gehadert; so verstand es aber unsere Regimentscapelle, einige Stunden darüber hinweg zu täuschen.

Besonders interessirte der 2. Theil des Programms, welcher der gelegener en Musik angehörte und mit Beethoven'sPrometheus-Ouvertüre" eine vielversprechende Eröffnung fand. Bei der Doppelnummer: Reinecke-Schubert wurde höchst beachtens- werthes geleistet. In dem Entreact aus Reinecke's Manfred behaupteten die Streicher ihr Feld vollkommen, während in der Schubert'schen Hirtenmelodie die Bläser vor­trefflich intonirten. Auch die Carmen-Fantasie mit ihren frischen echt nationalen Melodien übte eine zündende Wirkung aus. Bei den Variationen von Beer zeigte sich Herr Wieg mann als tüchtiger Clarinettist unb errang wohlverbienten Beifall.

Wir sagen nicht zu viel, wenn wir bie Concerte bes Herrn Musikdirectors Krauße als in gewisser Beziehung recht gebiegen bezeichnen, ba vor allen Dingen ber Geschmack unb bas Pietätvolle zu rühmen ist. Diese beibe Factoren gehen vielen anberen Militärcapellen ab.

Schließlich mochten wir noch erwähnen, daß das Geplauder stellenweise am Donnerstag wieder bis zur Rücksichtslosigkeit ausartete. Wir haben s. Z. in einem kunstsinnigen Städtchen" gesehen, wie der Musikbirector plötzlich mitten in einer Pi^ce aufhören ließ, bis das Publikum durch diesen Act frappirt, ganz mäuschenstill wurde unb bie Störenfriede beschämt zur Seite blickten, bann setzte bie Capelle bas (Concert wieder fort unb wir glauben fast, daß diese Lehre ein wenig geholfen hatte. Was meinen Sie, Herr Musikdirector Krausse, wenn Sie diesen Streich auch einmal versuchten? Jedenfalls thäten Sie denjenigen Musikfreunden, bie in's Concert gehen, um etwas zu hören, einen großen Gefallen. a

Gießen, 24. Juni. sSchwurgericht.j Ein äußerst zahlreiches Publikum, aus Stabt unb Umgebung von Gießen hatte sich heute im Schwurgerichtssaale ein- gesunben, um ben unter theilweisen Ausschluß ber Oeffentlichkeit geführten Verhand- lungen gegen bie lebige Marie Buß von Watzenborn beizuwohnen, welche beschuldigt war, ihr unehelich geborenes Kinb in oder gleich nach der Geburt gelobtet zu haben.

Die 21 Jahre alte Angeklagte ftanb längere Zeit auf dem Braunsteinbergwerk bei Gießen in Diensten. Sie hat in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar d. I. ein Kind geboren, welches sie alsbald nach der Geburt getöbtet hat. Am Morgen des 13. Februar will sie die Leiche des Kindes in einen Putzlumpen gewickelt unb im Keller verborgen, nach vergeblichem Versuche, bie Leiche bei Seite zu schaffen, aber am Donnerstag ben 18. Februar im Ösen verbrannt haben. Nach längerem Leugnen und mehreren unwahren Angaben in der Voruntersuchung legte die Angeklagte ein reu- müthiges Geständniß vor dem Untersuchungsrichter ab. Sie gab an, aus Furcht vor ihren Eltern habe sie das neugeborene Kind, welches sich zwar nicht bewegt, jedoch geathmet habe, im Bette an sich gedrückt und längere Zeit mit der Bettdecke bedeckt; als sie nach etwa zweistündigem Schlafe erwacht, sei das Kind kalt unb tobt gewesen. In ber heutigen Verhandlung roiberrief sie das damals abgegebene Geständniß und führte an, dasselbe in der Angst und Aufregung abgelegt zu haben. Sic wisse nicht, ob das Kind geathmet habe, sie habe dies in der Bestürzung auch nicht wahrnehmen können. Die Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen hat einen Beweis dafür, daß das Kind nach der Geburt gelebt habe, nicht ergeben, ebenso ist die Angabe des Verbrennens der Leiche nicht erwiesen worden. Ter Vertheidiger der Angeklagten, Herr Rechtsanwalt Katz, machte die Geschworenen in seiner Vertheidigungsreoe darauf aufmerksam, daß ein Geständniß der Angeklagten nur dann als wahr angenommen werden könne, wenn die dasselbe begleitenden Thatsachen auch erwiesen seien, was jedoch im vorliegenden Falle nicht zutreffe.

Die Geschworenen verneinten hierauf die gestellte Schuldftage und der Gerichts­hof mußte sonach auf Freisprechung der Angeklagten erkennen.

Die Kosten des Verfahrens, sowie die der Vertheidigung wurden dem Staate auferlegt.