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Er« 845 Samstag den 26. Juni R.G8K

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

7. Erscheint «M «Mw^bk Wi W-tttLKK. vic^rchährlich 2 Mart LS Pf. ts4i

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Amtlicher 6 ik.

Betreffend: Die Berufung der diesjährigen Dekanatssynode. Lang-Göns, den 24. Juni 1886.

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

an die evangelischen Kirchenvorstände des Dekanats.

lzbald 8?tE9en 3^CT' bie Berichterstattung in rubricirtem Betreff noch nicht erledigt haben, werden hiermit ernstlich aufgefordert, solches

Poiitis-che Ueberstcht.

_ . . Gießen, 25. Juni.

r er .?lLer letzt die am Monlag begonnene Trinkkur in Ems in regel- mäßigster Werse fort, während der hohe Herr hierbei zugleich die laufenden MgterungsgeschäfLe in gewohnter Weise erledigt und jeden Tag die Vorträge des Milttär- und des Cioil-CabinetS entgegennimmt. Das Wetter tft in den - Atzten Tagen auch in Ems trübe und regnerisch gewesen, erfreulicher Weise läßt jedoch das Befinden des greisen Monarchen nicht das Geringste zu wünschen EtlicheElsaß'Lothr. Landes-Zeitung" bestätigt, daß der Kaiser anläßlich der im Herbste stattfindenden großen Manöver bei Straßburg auch der Stadt Metz einen Besuch abstatten rotrb und gedenkt hierbei der allerhöchste Kriegsherr auch eine Rundfahrt auf die umliegenden großen Schlachtfelder zu unternehmen. 9

Von den beiden bayerischen Kammern hat diejenige der Reichs- räthe am ersten ihre Entscheidung in der Regentschafts-Frage getrosten. Em- stimmig nahmen am Montag die anwesenden 48 Reichsräthe den Antrag ihres Ausschusses an, Der Einsetzung der Regentschaft zuzustimmen, womit die Reichs- rachscammer dem Ministerium Lutz in gewissem Sinne Decharge ertheilt hat. Dle vorausgegangenen Debatten rechtfertigten in ihrem Verlaufe vollkommen dlL so viel angefeindeke Haltung des Ministeriums Lutz in dem ganzen erschüt­ternden Königsorama, wozu namentlich- der klare, sachliche Bericht des Referenten

Neumayr mit beitrug. Aus demselben geht hervor, daß der geistige Zustand König Ludwigs schon längere Zeit in bedenklichstem Maße gestört worden ist, was sich in den verschiedensten Aeußerungen und Handlungen des unglücklichen Monarchen kundgab. Bezüglich der vielerörterten Frage, wie es mit dem an­geblichen Anleiheversuche König Ludwigs bei dem Grafen von Paris stehe ergubt der Commissionsbericht nichts, das die mannigfaltigen, hierüber im Um­laufe befindlichen Gerüchte auch nur einigermaßen zu bestätigen geeignet wäre. Selbst ein vorgefundener, dem Könige zugeschriebener Zettel über eine Anfrage beim Gräfin von Paris dürfte keineswegs auf die Initiative Ludwigs II. zurückzuführen sein, vielmehr gewinnt es mehr unö mehr den Anschein, daß man es in dieser Affaire mit dem Anerbieten irgend eines Schwindlers zu thun hat und hiermit entfallen auch alle die seltsamen Combinationen, welche an dieses angebliche Anleiheproject geknüpft worden sind. In der Besprechung des Berichts wurden von klerikal-patriotischer Seite verschiedene Versuche gemacht, die Hal­tung des Ministeriums zu verdächtigen und namentlich die Vorgänge in Hohen­schwangau und Berg gegen dasselbe auszubeuten. Ministerpräsident v. Lutz wies indessen alle diese Angriffe energisch zurück und betonte besonders, daß das Ministerium bis Anfang dieses Jahres noch nichts von der Geisteskrankheit des Königs gewußt habe und beleuchtete dann die Schwierigkeiten, welche sich dem Ministerium bei seinem Vorgehen hinsichtlich der Materialbeschaffung und Zeugen­vernehmung entgegenstellten. Die Reichsrathskammer hat denn auch durch Zu­stimmung zur Regentschaft des Prinzen Luitpold die Rechtfertigung des Mini­steriums ausgesprochen und dasselbe wird auch hoffentlich von Seiten der Abgeordnetenkammer geschehen, wenngleich sich die Verhandlungen Daselbst j.den- falls nicht so glatt abwickeln werden.

Deutschland.

. . .Berlin, 24. Juni. Der m der gestrigen Bundesrathsfitzung im Aus- ttag des Kallers von Staatssecretär v. Bötticher dem Könige Ludwig II von Bayern gewidmete Nachruf lautet:

Der Kaiser beauftragte mich, im Schooße des Bundesraths den Empfin- j Abdruck zu geben, welche Allerhöchstdieselben gegenüber dem tief erschüt­ternden Verluste hegen, den durch Hintritt weiland König Ludwig II. von Bayern der Kmser und das Reich erlitten haben. Se. Majestät erinnern sich in unver­gänglicher Dankbarkeit an die verständnißvolle Mitwirkung, mit welcher König Ludwig ernst an der Mitbegründung des Reiches betheiligt gewesen: an die der Entwickelung und Förderung der Reichs-Einrichtungen von dem Heimgegangenen Bundesgenossen allezeit bereitwillig gewährte Unterstützung; an die Bundestreue, welche Der höchstselige König ihnen, sowie einzelnen Gliedern des Reiches selbstlos und thatkrästig erwiesen. Je lebhafter dieser Dank ist, um so aufrichtiger ist d:e Trauer, welche mein erhabener Herr über das Hinscheiden des Königs em­pfindet, um so inniger die Teilnahme für das bayerische Königshaus und das seines Königs beraubte Bayern. Se. Majestät wissen sich mit den hohen Ver- vmldeLen in diesen Empfindungen eins und leben Der Überzeugung, daß, wie bfiiJwn, so auch im deutschen Volke die dankbare Erinnerung an den dahin-

Siebenen König nicht erlöschen wird."

< . - DerReichs-Anz." publicirt die Verordnung, betr. die Commission für oeu^che Ansiedelungen m den Provinzen Westpreußen und Posen, welche Bestim­mungen über Zusammensetzung, Sitz, Geschäftskreis und Geschäftsführung der Commission enthalt. , 7 9

. ~ Die Stadtverordneten beschlossen, den Treplocher Park für die deutsch- nationale Ausstellung im Jahre 1888 zu überlassen und 2 Mill. jl für bie- leibe unter den bekannten Voraussetzungen beizusteuern.

. 24 Juni. Se. Maj. der Kaiser empfing gestern Mittag 1 Uhr

den emstundigen Besuch Ihrer Maj. der Kaiserin, Allerhöchstwelche mit Separat­zug von Koblenz hier eingetroffen war. An dem Diner nahmen Theil- Der Graf und die Gräfin Hohenau, sowie bie Gräfin Wimpffen. Heute machte Se Maiestat eine Kurpromenade und nahm später die Vorträge des Hofmar challs Grafen Perponcher und des Generallieutenants v. Albedyll entgegen.

England.

London, 24. Juni. Im Unterhause theilt Bryce mit, in Folae einer unvermeidlichen Verzögerung Seilens Spaniens könne die englisch-spanische Handels-Convention nicht am 1. Juli in Kraft treten, man hofft jedoch, im Laufe des Juli. Der Parlamenlsschluß findet morgen Nachm. oy2 Uhr statt.

Bulgarien.

Sofia, 24. Juni. Die National-Versammlung berieth gestern die auf die, Thronrede des Fürsten zu ertheilende Antwort. Die Minorität der Com­mission, welche gegen die Regierung ein Tadelsvotum aussprechen will, berfith über einen Gesetzentwurf. Heute wird die Berathung fortgesetzt.

Die Regengüsse der letzten Tage haben namentlich in Schlesien, in der Gegend von Hirschberg. Warmbrunn, Landshut u. s. w. ein bedrohliches Anwachsen der Gemässer veranlaßt. Aus Hirschberg wird vom Dienstag ge­meldet, daß der Bober Nachts 2 Uhr einen Stand von 2 Metern erreicht habe, feitdem aber langsam zu fallen beginne; ebenso meldet man aus Warmbrunn ein Zurücktreten des Zacken.

In Oesterreich ist am Dienstag die Vertagung des Abgeordnetenhauses bis zum Herbst erfolgt,, nachdem dasselbe an dem genannten Tage noch den neuen Zolltarif mit 157 gegen 86 Stimmen definitiv genehmigt hatte. Die Zolltarifs Verhandlungen des Abgeordnetenhauses gaben mehrfach zu erregten Debatten und ©eenen zwischen der Regierungs-Mehrheit und der linken Seite des Hauses Anlaß und hauptsächlich bildete die Erhöhung des Petroleumzolles eine heißumstrittene Position, da die Polen Miene machten, der von der deut­schen Opposition vorgeschlagenen beträchtlichen Erhöhung des Petroleumzolles zu­zustimmen. Als es zumKlappen" kam, kehrten die Polen freilich reumüthig in den Schooß der Regierungs-Mehrheit zurück und das Cabinet Taaffe hatte die Genugchuung, durch Annahme des polnischerseits gestellten Vermittelungs- Antrages, den Zoll für Rohpetroleum auf 2 fl. festzusetzen, deneisernen Ring der Majorität" wiederum zusammengefügt zu sehen. Wie lange er noch halten wird, ist aber trotzdem eine sehr berechtigte Frage, auf welche vielleicht schon die nächste Zukunft die Antwort erteilen wird.

Australien.

Brisbane, 23. Juni. Das englische KriegsschiffUndine" ist von bett Neuen Hebnben eingetroffen. Der Kapitän constatirt, daß weder eine Annexion noch eine formelle Ocmpation Seitens Frankreichs erfolgt ist, ebensowenig ist ein Protektorat Frankreichs proklamirt worden. Der Kapitän bestätigt ferner daß auf den Neuen Hebriden französische Einwohner von Seiten der Eingebo­renen Beschimpfungen und Schädigungen erlitten haben.

TelegraMM Depeschen.

Wolff'S UUtit» Tonesponderrz - varea«.

Bern, 24. Juni. Der Nationalrath genehmigte einstimmig die Ueberein- tunft mit Deutschland, betreffend die Eheschließung zwischen den beiderseitigen Staats­angehörigen.

Paris, 24. Juni. Ter Gras und die Gräfin von Paris schifften sich in Tre- port Nachmittags 2V2 Uhr ein, von zahlreich eingetroffenen Freunden begrüßt. Rufe!' Es lebe Frankreich, eS lebe der Graf von Paris!" wurden laut. Kein Zwischen­fall trug sich zu. Die Gräfin kehrt nach Eu zurück, um ihre kranke Tochter zu pflegen.

Die Demission Foucher de Careil's wird bestätigt. Die Gerüchte, wonach Eourcel und Waddington ihre Entlassung gegeben, sind, derAgence Havas" zufolge unbegründet. '

Nach einem Telegramm derFrancais" aus Eu sind heute Vormittag eine Compagnie Infanterie und fünf Compagnien Gensdarmerie in Treport eingetroffen