Freitag den 26. März
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Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
Greßen, den 23. März 1866.
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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
em die Großherzoglichen Bürgermeistereien Bellersheim, Hungen, Inheiden, Langd, Obbornhofen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Atphe.
Wir haben den praktischen Thierarzt Kröll in Hungen ermächtigt, die nach dem Milzbrand-Regulative vom 28. April 1880 (s. Anzeiger von 1880, Nr. 102 und 201) dem Großherzoglichen Kreisveterinärarzte zustehenden Amtshandlungen, sowie die Beschau kranker oder bei der Schlachtung krank befundener Thiere nach § 8 der Fleischbejchauordnung vom 10. April 1880 (Regierungsblatt S. 57) in den Ihren Bürgermeistereien unterstellten Gemarkungen auszuüben und den Genannten zu diesem Zwecke vorschriftsmäßig verpflichtet.
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gelangt ist. Der belgische Staat mit seiner übergroßen Arbeiter-Bevölkerung befindet sich eben in einem krankhaften socialen Zustande, der nothgedrungen zu heftigen Ausbrüchen führen muß und wenn vorläufig anscheinend die Furcht vor der militärischen Macht den Pöbel in den industriellen Centren des Lander wieder in Schranken hält, so ist das eine Wahrnehmung, die kaum darnach an- gethan erscheint, das Vertrauen zu der inneren Festigkeit des socialen Friedens in Belgien zu erhöhen.
Neber die englische Ministerkrisis liegen zur Stunde noch immer keine weiteren Nachrichten vor, als was hierüber schon bekannt ist, nämlich, daß die Herren Chamberlain und Trevelyan aus ihrem Rücktrittsgesuch beharren. Wie die „Neue Fr. Presse" wiffen will, verschieben die beiden Minister ihre osficielle Austritts-Anzeige nur deshalb, damit Gladstone seine irischen Vorschläge dem Parlament unterbreiten könne, während sonst die ausscheidenden Minister im Parlamente die Gründe ihrer Demission zuerst mittheilen würden, bevor Gladstone alle Details seiner Vorlagen dem Unterhause vorlegen könnte. — Die fortgesetzte „Concentration nach rückwärts" in der egyptischen Politik Englands wird recht deutlich durch die Meldung des „Standard" illustrirt, daß die Regierung die sofortige Zurückberusung Sir Drummonv Wolffs aus Kairo in ernstliche Erwägung ziehe. Der bisherige außerordentliche Bevollmächtigte Englands am Hofe des Khedive hat allerdings in seinen Conserenzen mit Mukhtar Pascha, dem schlauen und zähen Vertrauensmanne des Sultans, in Kairo bis jetzt herzlich wenig erreicht und ist in der Hauptfrage, der Reorganisation des egyptischen Heeres, so gut wie gar keine Verständigung zwischen Sir Drummond Wolff und Mukhtar Pascha erzielt worden. Oder will man etwa das Zugeständnis des letzteren, daß die für die Garnison von Suakim bestimmten egyptischen Bataillone englische Oberosficiere erhalten sollen, als eine wichtige Errungenschaft des englischen Diplomaten ansehen? Ueberhaupt scheint es, daß in Kairo gegen Wolff geheime türkische Jntriguen gesponnen werden und daß Sir Drummond, in Erkenntniß der wahren Sachlage, selbst seine Wie- derabberusung in London beantragt hat. Dieselbe würde auch mit dem weiteren Rückzüge der englischen Occupations-Truppen aus dem Sudan vollkommen in Einklang stehen, denn die Zurückverlegung der bisherigen englischen Garnison in Wady-Halsa nach Affuan, die in London fest beschlossen scheint, kommt der völligen Aufgabe des Sudan Seitens Englands gleich. — Unzweifelhaft die interessanteste Nachricht aus dem Pharaonenlande ist aber die, daß bei Gebet- Zeyd, in der Gegend von Suez, Petroleum-Quellen entdeckt worden find, zu deren Besichtigung der egyptische Ministerprässdent Nubar Pascha nach dem Fundorte abgereist ist. Man schließt aus den geologischen Formationen in Geb-el'Zeyd auf ein großes Petroleum-Lager; nun, die egyptische Regierung könnte dasselbe bei ihren ewigen finanziellen Verlegenheiten recht wohl, gebrauchen.
Aus Birma war seit der bedenklichen Nachricht, daß in der Stadt Demethen eine englische Truppenabtheilung von aufständischen Birmanen vollständig eingeschlossen sei, noch keine weitere Meldung eingelausen. Inzwischen scheint es aber dem General Prendergast gelungen zu sein, den Eingeschlossenen Hülfe zu bringen; in der Montagssitzung des Unterhauses machte der Staats- secretär für Indien, Kimberley, die Mittheilung, daß in der Nähe von 9)eme* then eine größere Abtheilung Aufständischer gefangen genommen worden sei, auch unterhielten die benachbarten Stämme freundschaftliche Beziehungen zu dem englischen General.
Aus den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika wird fortgesetzt über umfangreiche Arbeitseinstellungen berichtet. In West-Pennsyloanien sinken 4000 Kohlengruben-Arbeiter und ebenso haben sämmtliche Weichensteller der Kansas-Eisenbahn den Dienst eingestellt, in Folge dessen die Güterzüge aus den Strecken der Kansasbahn bis aus Weiteres nicht verkehren.
Berlin, 24. März. Die Behauptung der „Freisinnigen Zeitung", der Reichskanzler habe von Rechtsgelehrten Gutachten darüber erbeten, wie das bestehende directe geheime Reichstagswahlrecht ohne Zustimmung des Reichstages zu beseitigen sei, wird von der „Nordd. Allg. Ztg." als aus Erfindung beruhend erklärt.
— Das Abgeordnetenhaus erledigte heute die auf der Tagesordnung stehenden, kein allgemeineres Interesse bietenden Petitionen und eine Reihe von Wahlprüsungen in unerheblicher Debatte fast durchweg nach den Anträgen der Commissionen. Die Wahl Simons von Zastrow wurde entgegen dem Corn-*
Politische Ueberficht.
Gießen,. 25. März.
Unter den in der Reichshauptstadt versammelten Parlamenten wird das preußische Herrenhaus wieder einmal die allgemeine Auj- nurksamkeit in besonderem Grade auf sich ziehen, da im Herrenhause dieser Tage die zweite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage beginnt. Es ist bereits bekannt, daß die Beschlüsse der zur Vorberathung des Kirchengesetzes eingesetzt gewesenen Herrenhaus-Commission, trotzdein, daß dieselben einstweilen geheim gehalten werden sollten, den ursprünglichen Regierungs-Entwurf noch mehr zu Gunsten der Kurie verändert haben und bezweifelt man nicht, daß die Vorlage in ihrer abgeänderten Gestalt auch die Zustimmung des Plenums finden wird. Mit besonderer Spannung sieht man dem Eingreifen des Bischofs Dr. Kopp in die betr. Verhandlungen entgegen, da er in der kirchenpolitischen Commission eine auffallende reservirte Haltung beobachtete; aus seinen Ausführungen wird man nun hoffentlich ersehen, ob der Vatikan das neue Kirchengesetz endlich als die geeignetste Grundlage betrachtet, aus welcher sich der definitive Friedens- jchluß zwischen Berlin und Rom vollziehen lassen wird. Daß der Fuldaer Bischof seine Instructionen längst aus dem Vatikan erhalten hat, steht wohl kaum zu bezweifeln, hierfür spricht auch schon der Umstand, daß die so viel erörterte Romfahrt des Herrn Dr. Kopp unterblieben ist. Uebrigens wird aus Berlin gemeldet, daß die etwas auffällige Abwesenheit des Bischofs bei der Feststellung des Berichts über die kirchenpolitische Vorlage in der Commission lediglich auf eine geschäftliche Verhinderung desselben zurückzusühren ist und dürste er zur Stunde behufs Teilnahme an den Plenar-Verhandlungen wieder in Berlin eingetroffen sein.
In den parlamentarischen Dispositionen im Reichstage für diese Woche scheinen in letzter Stunde noch Veränderungen eingetreten zu sein. Wenigstens hat der Reichstag am Dienstag — die Montagssitzung fiel in Folge des Geburtstages des Kaisers aus — nicht, wie mit solcher Bestimmtheit erwartet worden war, die zweite Lesung der Branntwein-Monopol-Vorlage begonnen, sondern zunächst den Gesetzentwurf über die Communal-Besteuerung der Offnere in dritter Lesung erledigt. Auch unter den übrigen Punkten der ziemlich reichhaltigen Tagesordnung für Dienstag befand sich die zweite Lesung dec Monopol-Vorlage nicht, so daß der Reichstag in dieselbe wahrscheinlich erst gegen Ende dieser Woche eintreten wird. Was die zweite Berathung der Socia- listen-Vorlage onbelangt, so soll dieselbe nächsten Montag ihren Anfang nehmen, die ursprüngliche Mittheilung, wonach die fernere Plenarberathung der letztgenannten Vorlage an diesem Donnerstag stattfinden sollte, ist schon dadurch hin- fällig geworden, daß wegen des auf diesen Tag fallenden katholischen Feiertages Maria Verkündigung) die parlamentarischen Sitzungen wohl überhaupt aus- sallen werden.
Durch k a i s e r l i ch e O r d r e sind mehrere organisatorische Veränderungen in der Kriegsmarine angeordnet worden. Dieselben beziehen sich aus die Einsetzung einer Torpedo-Jnspection als obere Fachbehörde für das Torpedowesen, mit dem Sitze in Kiel, aus die Bildung einer dritten Matrosen-Artillerie- Abtheilung zu drei Compagnien mit dem Garnisonorte Lehe und aus die Bildung einer fünften Compagnie bei den beiden Werst-Divisionen.
Die Lütticher Unruhen haben in Jemevpe, einem der industriellen, von einer zahlreichen Arbeiter-Bevölkerung bewohnten Vororte Lüttichs, und ebenso iy Seraing ein Nachspiel erfahren. In beiden Orten kam es zu Zusammenstößen zwischen der Gensd'armerie und den offenbar von anarchistischen Emissären aufgehetzten Arbeitermoffen, wobei aus beiden Seiten Blut floß; besonders ernst scheint die Lage in Seraing zu fein, da es der belgische Kriegs- Minister für nothwendig befunden hat, sich dorthin zu begeben und sich von dem eigentlichen Stande der Dinge zu überzeugen. Außerdem wird aus Ans gemeldet, daß daselbst ein neuer Strike der Kohlengruben-Arbeiter ausgebrochen Ü und auch hier müssen die Sachen ziemlich bedenklich flehen, da zwei Schwadronen Carabiniers nach Ans abgegangen sind. Dagegen ist der Sonntag in Brüssel, für welchen Tag in den Vorstädten mehrere socialistische Meetings an- Mndigt waren, durchaus ruhig verlausen, wozu jedenfalls die umfassenden Sicherheitsmaßregeln, welche die Behörden getroffen hatten, das Ihrige Beige* tragen haben. — Es liegen indessen Symptome dafür vor, daß mit den erwähnten Vorgängen in Lüttich, Jemeppe u. s. w. die Bewegung, welche nunmehr euch die belgische Arbeiterwelt ersaßt hat, noch keineswegs wieder zum Abschlüsse
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