Darmstadl, 24. Februar. ^Stellvertretung.^ Wegen Abkommandirung Sr. ßLxcellenz des Generals der Cavallerie, Freiherrn v. Schlothetm. zu einer Commission in Berlin, sind Se. Großh. Hoheit der Prinz Heinrich mit der Stellvertretung des Heommandirenden Generals des 11. Armee-Corps beauftragt.
Berlin, 23. Februar. Einem Telegramm der „K. Ztg." zufolge ist General "v. Werder auf seinem Gitte Grüssow schwer erkrankt.
Berlin, 22. Februar. Mit der Strafanzeige eines Stettiner Agenten gegen eine hiesige Wittwe wegen „gewerbsmäßiger Verlobung" beschäftigt sich zur Zeit die Criminalppltzei. Der Denunciant will mit der Beschuldigten, die er hier kennen gelernt, und mit der er sich auf die Versicherung, daß sie ein bedeutendes Vermögen besitze, verlobt habe, seine ganzen Ersparnisse durchgebracht haben. Da seine Braut demnächst ohne Veranlassung das Verlöbniß aufgelöst habe und ihre anderen Bräutigams dieselbe Erfahrung gemacht hätten, müsse er annehmen, daß sie das Verloben gewerbsmäßig betreibe.
Halle, 24. Februar. In dem benachbarten Zöschen ist eine Ackerfläche von 10 Morgen mit mehreren Arbeiterhäusern und 3 Menschen plötzlich versunken. Der niedergegangene Acker war ein alter Schacht, der jetzt zusammengebrochen ist.
Kassel, 23. Februar. Die Tochter eines hiesigen Beamten vergnügte sich am Sonntag durch ^Schlittschuhlaufen auf der Eisbahn der Fulda. Unbeachtet war sie dabei von der Sette einiger Freundinnen entschwunden, in deren Gesellschaft sie sich befand, und abseits der Bahn an einer gefährlichen Stelle des Flusses eingebrochen. Ein energischer Rettungsversuch durch in der Wabe befindliche Leute blieb erfolglos und so sand das neunzehn Jahre alte, blühende Mädchen in dem nassen Elemente unter der Eisdecke einen jähen Tod. Der Schmerz der Eltern ist namenlos -roß.
Freiburg i. B., 22. Februar. Der „N. Bad. L.-Ztg." zufolge lautet das Urtheil in der Affaire Hellwig-Sachs auf 3>/s Jahre Festungshaft und Dienstentlassung gegen Hellwig.
Kempen, 19. Februar. Der um 12,47 Uhr heute Mittag fällige Venloer Hersonenzug, der dem Vernehmen nach von einem Hilfsmaschinisten gefahren wurde, sprang aus dem Geleise und ist in den neu erbauten Wartesaal hineingedampft. Zwei hiesige Herren, die beim Frühschoppen saßen, hatten noch eben Zeit, zur Seite zu springen, um dem eindringenden Unaeheuer nicht zum Opfer zu fallen. Glücklicherweise sind die wenigen Personen, die im Wartesaal anwesend waren und auch das Zugpersonal mit dem Schrecken davon gekommen; an der Locomotive scheint wenig beschädigt zu sein. (Crefdr. Ztg.)
— Das Jagdglück war dem Prinzen Wilhelm auf seiner Jagdfahrt nach den im Gouvernement Minsk gelegenen russischen Besitzungen des Fürsten Anton Radziwill besonders günstig; der Prinz erlegte, wie man hört, 4 Bären. Am Montag trat der Prinz von Schloß Nieswicz aus die Rückreise nach Berlin an.
Nie der-Kainsbach, 17. Februar. Gestern Morgen fand man von einer Heerde Schafe, die in einer hiesigen Hofraithe übernachtete, 27 Stück zerrissen, während eine weitere Anzahl mehr oder weniger schwer verletzt war. Von einem Wolf, an den man bei einem solchen Falle sofort denkt, hat man indessen in der Gegend noch nichts gemerkt und glaubt man deßhalb, daß ein oder mehrere Hunde die Verheerung an- gertchtet haben.
Stettin, 19. Februar. Eine Familientragödie hat sich, wie man der „N. Stett. Ztg." schreibt, am 11. d. M. im Försterhause zu Mohrbrügge bei Neuwarp abgespielt. Der dortige Förster Robert Schwochow Hal einen 28jährigen Sohn Otto, der bei dem Jagerbataillon in Natzeburg gedient hatte, wegen allerlei Ungehörigkeiten aber aus dem Dienst entlassen war. Seit etwa zwei Jahren hielt er sich in dem Haushalt seines Vaters auf. Sein Verhältnis zu den Familienmitgliedern, besonders zu dem 57jährigen Vater, war indessen ein überaus gespanntes; wie allgemein ausgesagt wird, hatte der Sohn nie ein gutes Wort, weder für seine Eltern noch für seine Geschwister. Es fehlte nicht an häufigem Zank und Streit. Am vorigen Donnerstag gerieth Otto Schwochow wieder mit seiner ein Jahr älteren Schwefle.' Ida in Streit und wurde dabei so erregt, daß er in das Nebenzimmer stürzte und eine Doppelflinte, sowie eine Büchse, die beide geladen waren, herbeiholte. Mit der gespannten Doppelflinte drohte er, seine Schwester und seinen Vater zu erschießen. Zwischen Bruder und Schwester entstand nun ein Kampf, in welchem es der letzteren gelang, ihrem Gegner das Gewehr zu entreißen. Als sie es in die andere Stu.be getragen hatte und wieder zurückkehrte, sah sie ihren Bruder Otto und den Vater am Boden liegen und miteinander ringen. Sie sprang sofort dem Vater zur Hilfe und befreite ihn. 9hm wandte sich der Bruder gegen die Schwester, packte sie an den Haaren und zog sie aus der Stube in den Flur, wo er sie losließ, als der Vater ihr zur Hilfe eilte. Diesen warf der Unhold zu Booen und eilte dann fort in den Keller unter dem Hause. Nach kurzer Zeit kam er wieder zum Vorschein, holte aus dem Stalle eine Dunggabel und verlangte Einlaß in das Haus, das man inzwischen verriegelt hatte. Mit lauter Stimme schrie er: „Du......kommst Du mir heraus,
ich ermorde Dich!" Darauf trat der alte Förster, Robert Schwochow, mit einem Gewehr aus der Stube an die Hausthür, legte auf seinen Sohn an und drückte ab. Der Schuß ging dem Sohn durch den Kopf; Otto Schwochow war sofort eine Leiche. Das schreckliche Ereigniß hat ungemeines Aufsehen erregt. Der Förster Robert Schwochow ist bereits verhaftet und sitzt im gerichtlichen Gefängniß zu Neuwarp. Er gesteht die That ein und behauptet, seinen Sohn in der Nothwehr erschossen zu haben.
Allgemeine Bekanntmachung.
Vom 1. März 1886 ab wird die in dem Orte Wieseck (Kr. Gießen) bestehende Posthülsstelle in eine Postagentur umgewandelt, deren Verwaltung dem bisherigen Hülfstellenverwalter Herrn Dorfeld daselbst übertragen worden ist.
Der Postverkehr der neuen Postagentur wird, wie bisher, durch die zwischen Gießen und Altenbuseck verkehrende Landpost, sowie durch Landbrief- träger zu Fuß des Postamts in Gießen vermittelt werden.
Die Dienststunden für den Verkehr mit dem Publikum sind, wie folgt, Festgesetzt:
A. an Wochentagen:
von 9 bis 12 Uhr Vormittags und von 4 bis 7 Uhr Nachmittags.
B. au Sonntagen und den nicht auf einen Sonntag fallenden Feiertagen:
von 8 bis 9 Uhr Vormittags und von 5 bis 6 Uhr Nachmittags.
Darmstadt, den 20. Februar 1886.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
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Frankfurterstraße 67.
— In der Spielhölle zu Monaco ist der „Now. Wr." zufolge der italienische Consulatagent verhaftet worden, weil er unter der Anklage steht, mehrere Fälle von Selbstmorden italieniicher Unterthanen, die sich in Folge zu großer Verluste das Leben nahmen, verheimlicht zu haben und zwar in gewinnsüchtiger Absicht, mit anderen Worten, weil er von dem Spielverwalter bezahlt wurde, lieber diese Angelegenheit ist eine Untersuchung eingeleitet, die wahrscheinlich mehrere heimliche Umtriebe in der Spielhölle enthüllen wird. Die Spielhölle bei Monaco hat übrigens wie der „Hann. Cour." einem Privatbriefe entnimmt, vor einigen Tagen neue Opfer gefordert. Ein Ehepaar hatte mit großen Summen den Spielsaal betreten und sich am Spiele be- theiligt. Nachdem der Mann sehr bedeutende Summen der Bank geopfert, verließ er in großer Aufregung den Spieltisch, an welchem die Frau noch zurückblieb. Diese versuchte, den Verlust durch weitere Betheiligung am Spiel wieder auszugleichen, aber mit so unglücklichem Erfolg, daß in kürzester Zeit der Nest des Geldes verloren war. In der Verzweiflung über den enormen Verlust stürzte sich die Unglückliche die Terrasse hinunter und blieb sofort tobt. Der zurückgekehrte Gatte, welcher alsbald von dem Tode der Frau Kenntniß erhielt, machte darauf auch seinem Leben durch einen Revolver- schuß ein Ende. Die Aufregung in Nizza über die neuen furchtbaren Opfer wird als sehr gr»ß geschildert. Wann aber wird endlich dem Treiben der Spielhölle ein Ziel gesetzt werden?
Manfred
Dramatisches Gedicht von Lord Byron. Musik »on R. Schumann.
III.
*** Schumann hat wieder im Text einige nicht unbedeutende Aenderungen oor- genommen, indem er gleich im ersten Act statt 7 nur 4 Geister einführt und auch den Gesang der einzelnen abkürzt. Auch den später folgenden Zauberspruch hat Schumann um die Hälfte gestrichen, indem er wohl hierbei einer Bühnenaufführung Rechnung trug. Weitere Kürzungen im Dialog sind ebenfalls im Sinne einer Jnscenirung unternommen.
Erscheint nun auch die melodramatische Bearbeitung für die Bühne wenig gerechtfertigt, so sind doch gerade diese Nummern neben der Ouvertüre und der Zwischen- actsmusik wirkliche Perlen in der Partitur und bezeugen, wie viel reicher der Vorrat!) von instrumentalen Mitteln bei Schumann angewachsen war, als der von vocalen. In der Ouvertüre veranschaulicht der Crmponist einen Kampf wilder Geister. Gleich die 3 Anfangsaccorde erinnern uns an die Schuld, die mit ihrer ganzen Wucht auf Manfred lastet und wie dann in dem langsamen Satze der Kampf schon beginnt; wie alle Elemente desselben: Manfreds ungestümes Ringen nach Befreiung in dem synkopirten Violinmotiv; der starre Widerstand der düsteren Gewalten und Manfreds Schuld in mächtigen Accorden und wie in dem lieblichen Motiv schon Astartes Bild trosterweckend eintritt; wie dann im Allegro der Kampf wild entbrennt, als dessen Mittelpunkt im zweiten Motiv Astarte immer deutlicher erkennbar wird; wie unter dem Einfluß der finsteren Geister der Kampf fast tumultuarisch sich steigert und nur durch Astartes liebliche Erscheinung, welche aber zugleich mit dem berühmten Einsatz der 3 Trompeten den Gedanken an die Schuld wieder lebendiger macht, gebändigt wird; wie dieser dann, nachdem der Kampf auf's Neue und heftiger entbrennt, allmälig milder wird, indem jener starre Accord in den 3 Trompeten harmonisch und melodisch aufgelöst erscheint und wie dann am Schluß Manfreds Auflösung im Tode als feiste Erlösung erscheint, dies alles weiter mit Worten nachweisen zu wollen, wäre „nut' thöricht Beginnen." Es bedarf für das Verständniß keines weiteren Commentares; da die einzelnen Motive so bestimmt und characteristisch erfunden, ihre Verarbeitung s- energisch unter dem Einfluß der Idee erfolgt, wie nach den allgemein gültigen Gesetzen formeller Gestaltung.
Bei der musikalischen Schilderung der Geister hat Schumann freilich mehr dem romantischen Spuk gehuldigt. Es wäre den Intentionen des Dichters entsprechender gewesen, den Gesang mehr monoton zu halten und den Schwerpunkt der Characteristik in das Orchester zu verlegen. —a—
Theater.
%* Die verwaiste Stätte, in welcher Rheinbergers Musen lange mit dem Tode gerungen haben, bis sie endlich ihren künstlerischen Schwächen erlagen, soll nun wieder Thaliens Heim werden, wenn auch nur auf kurze Zeit.
Herr Director Herrmann will das Wagniß unternehmen und am 28. d. M. einen Eyclus von Theatervorstellungen beginnen, indem er hofft, daß das Publikum, welches ihm in der Saison 1884/85 zugethan war, ihn noch nicht vergessen hat und sein Unternehmen auf's Beste unterstützt. Unter Herrn Herrmanns Direction gab es s. Z. viele recht anerkennenswcrthe Leistungen und manches reichbesetzte Haus. Wir glauben deshalb umsomehr, daß unser Publikum ihn willkommen heißen und nehme» auch an, daß nach einer so stillen Saison, wie die diesjährige, eine kurze lebhafte Nachsaison allseitige Theilnahme findet.
Schließlich bemerken mir noch, daß ein neues vieractiges Lustspiel von L'Arronge, „Der Weg zum Herzen", am Sonntag den 28. d. Mts. in Scene gehen wird, welches, wie der Verfassername verbürgt, gediegenen Stoff zur Unterhaltung bietet »nd von dem Herrn Director Herrmann sich verspricht, daß es für ihn den „Weg zum Herzen" des Publikums finden soll. — a—
r Anzeiger.
Deutscher Schulverein.
Generalversammlung am Donnerstag den 25. Februar, Abends 7 Uhr, im Cafe Ebel.
____________Berichterstattung. Nechnungsablage. Vorftandswahl.____________
Gießener Bienenzüchter-Verein.
Sonntag, den 28. b. MtS., Nach«. 2 Uhr bei Felfing, Neuenweg
General-Versammlung.
Tagesordnung: Rechnungsablage, Vorstandswahl, Bezug vo- Königinnen.
Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder ist dringend nothwendig.
Schluß des Inventur-Ausverkaufs am 6. März.
1227 _____Herrn. Aug. Müller.
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