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25.12.1886 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt. Samstag dm 25. December 1886.

ichemr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Bureont vchnlstraßs 7. Erscheint tSgttch mtt WwSna^me deS MonlagS. Lurch die Post bezogen viertel Ehrlich 2 Mart 60

Amtlicher Hheil.

Gefunden: 1 Paar Kinderstrümpfe, 1 Paar Handschuhe, 1 Butterbolle, 1 evang. Gesangbuch, 1 Taschentuch, 1 Kinderkragen, 1 Taschenmesser 1 Puppenröckchen, 1 einzelner Handschuh, t Flasche Wein. (Letztere auf dem Postamt stehen geblieben.)

Gießen, am 24. December 1886. Großherzogliches Polizeramt Gießen.

Fresenius._

Weihnacht!

DieNordd. Allg. Ztg." kann die Meldung der Blatter, der Reichskanzler habe auf eine Anfrage nach Friedrichsruh sich gegen die Auflösung des Reichstags aus­gesprochen und es scheine demnach, daß die Regierung hoste, auf der zu erweiternden Grundlage des Centrurnsantrags zu einer Verständigung mit dem Reichstage zu ge­langen, als willkürliche Erfindung bezeichnen und hinzufugen daß in Regterungs- kreisen nirgendswo Zweifel an der Notwendigkeit des Festhaltens an der Militar- vorlage um jeden Preis besteht. .

Köl« 23. December. Die englische Post aus London von gestern Morgen hat in Köln den Anschluß nicht erreicht, weil dieselbe wegen verspäteter Landung de^ Schiffes eine Verzögerung von 46 Minuten und auf belgischer Strecke eine Verspätung von Ostende von 27 Minuten gehabt hat. .. , .

Chemnitz, 23. December. Der Bahn- und Postverkehr auf den Hauptlinien nach Dresden, Riesa und Leipzig ist noch unmöglich, mit Berlin s it Montag keine Eisenbahn-Verbindung. Von heute ab wird eine Schlittenpost von- hin- nach Penig eingerichtet, wo eine solche von Leipzig erwartet wird. Vielfach herrscht Kohlenmangel, auch ein Mangel an Viklualien und Schlachtvieh macht sich fühlbar.

Chemnitz, 23. December. Die Verbindung mit Dresden und Berlin ist über Frankenberg-Roßwein hergestellt. . o . . , n

Leipzig, 23. December. Die Bahnstrecken Leipzig-Bitterfeld, Leipzig-Halle, Leipzig-Hos sind noch unterbrochen. Hierherreisende werden über Halle - Eorbelha dirigirt^ 23 december. DasEorrespondenz-Bureau" ist auf Grund authentischer Nachrichten in der Lage, zu erklären, daß die Blätternachricht über eine seitens der österreichisch-ungarischen Regieruog in amerikanischen Waffenfabriken gemachte Bestellung von 400,000 Nepetirgewehren vollständig grundlos ist.

Bern, 23. December. Auch der Ständerath ermächtigte den Bundesralh, den für 188889 vorgesehenen Eredit zur Beschaffung von Kriegsmaterial schon in 1887 zu verwenden. Morgen wird die gegenwärtige Session der Bundesversammlung geschlossen. Auf den 12. April 1887 ist eine außerordentttche Session anberaumt.

Basel, 23. December. Der Bahnoerkehr auf der Gotthardbahn ist trotz starken Schneefalles in Folge der getroffenen Vorkehrungen nicht gestört. Am Sudabhange der Alpen bei Atrolo verursachte der Schneefall Lokale Störungen, die schnell gehoben wurden und den Schnellzugverkehr nicht beeinträchtigten.

Basel, 23. December. In Folge des auch hier andauernden starken Schnee­falles ist der Eisenbahnvertebr zwischen dem Elsaß, Baden und der Schweiz gestört. Seit Montag Nacht ist jede Post aus Norddeutschland ausgeblieben.

Tilfit, 23. December. Die Schifffahrt ist in Folge starken Eisganges unter- brochem 23 december. Flourens machte dem Grafen Münster, der dem gestrigen Empfange des diplomatischen Eorps im auswärtigen Amte wegen Unwohlseins nicht beiwohnen konnte, heute einen Besuch.

London, 23. December. Lord Randolph Churchill hat als Schatzkanz er demissionirt. Als Grund des Rücktritts desselben wird angeführt, daß Churchill tbeils mit den vom Kriegsdepartemeut und der Admiralität für das Budget gemachten Vor­anschlägen, theils mit den für die innere Verwaltung einzubringenden Gesetzentwürfen nicht einverstanden sei. . a . ,, t , ..

Petersburg, 23. December. DerRegrerungs - Anzeiger" bezeichnet die Zeitungsnachricht, wonach die Regierung beschlossen Hätte, künftig keine Lokomotiven mehr im Auslande zu bestellen, als unbegründet. Eine solche Entschließung sei nicht er^° 23. December. Die Schifffahrt bis Kronstadt wurde heute officiell

geschlosmi.^^ 23. December. Se. K. Hoheit der Prinz Friedrich Leopold ist heute früh von Jeypore hier eingetroffen und begibt sich heute Abend mit dem Herzog und der Herzogin von Connaught nach Punah, wo er die Weihnachtsfeiertage zu­zubringen gedenkt. _________

Lokale-.

Gießen, 24. December. Gestern Morgen ist es den Anstrengungen gelungen, den ersten Zug ab Gießen wieder bis Fulda durchzubringen, seitdem ist der regelmäßige Betrieb auf der Linie Gießen-Fulda ebenfalls wieder ausgenommen worden, wenn auch Verspätungen der Züge, welche der Weihnachtsverkehr übrigens auch sonst hervor­ruft, nicht zu vermeiden sind. .

Gießen 24. December. Aus einem verschlossenen Schränkchen eines Gesell­schaftszimmers in der Luft'schen Wirthschaftzum Löwen" dahier wurde rm Laufe dieses Sommers zu verschiedenen Malen die Vereinskasse gestohlen. Der Dieb ein junger Mechaniker und ehemaliges Mitglied des Vereins ist nunmehr entdeckt und in Haft genommen worden.

Mehrere noch schulpflichtige Jungen erbrachen einige Backsteinhäuschen in der Schwarzlach und eine dort stehende Schäferhütte, entwendeten aus denselben ver­schiedene geringwerthige Gegenstände. Die jugendlichen Verbrecher wurden heute dem Amtsgericht vorgeführt und in Haft genommen. .

Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet die von der Rudergesellschaft projectirte Weihnachtsbescheerung nicht statt.

Es klingen die Glocken der stillen, heiligen Nacht; Org-.lklang erbraust und an unzähligen Bäumen erglimmen Lichter, der Jahres heiligsten Abend zu beglänzen. Und auch in uns, tief in des Busens Berge, rauscht und klmgt et wunderseltsam und ein unverlöschlich Licht erglänzt in Aller Augen: bk Liebe, des heiligen Abends heiliger Gehalt ist'r, die unsere Herzen höher schlagen, unsere Augen strahlen macht, die Liebe, der diese Feier gilt.

Die Liebe, die der Wunder größter ist, ward heute vor säst zweitausend Jahren durch ein Wunder geboren und seitdem haben die Wunder der Liebe kein Ende genommen. m , , . .

Engel sangen in der heiligen Nacht von der Liebe Geburt auf der Ebene von Judäa, Sterne strahlten von Himmelshöhen durch dar Dunkel der Winter- nacht und der schlummernden Erde ward verkündet die Paradieser-Botschast vom »rieben, der sich ergießen werde in der müden, sehnsüchtigen Menschheit Herzen, »riebe aus Erden", es war die Botschaft von der Allmacht der Liebe, die in des Kindleinr Gestalt mit scheuem, weichem, göttlichem Kinderlächeln zum ersten Male hinausschaute in die unverstandene Welt, mit zagendem Kinderfuß die raube Erde betrat, dem Stern vertrauend, der über der Wiege ihr freudekun- dend erglänzte. War feit Jahrhunderten des heiligen Stromes Master gerauscht und gemurmelt, was die Prophezeiungen verkündet hatten von dem erlösenden Helden - er war herrlich in Erfüllung gegangen: aus dürrem Gestein war die Role vom Jordan aufgefprießt und glänzte stillgewaltig hinaus m die Welt, und Hirten, die armseligsten der Menschen, sangen Lieder aus dem Felde und «riefen dar Wunder, das sich in der Krippe zu Bethlehem offenbart hatte. Uno Äön ae und Weise folgten dem himmlischen Lichte, das ihnen den Weg zeigte zu kne/milden, erlösenden Gewalt, die mächtiger als all« Macht der Erde, mcht in Marmor-Palästen haust, und nicht in Purpur-Gewändern einherschreitet, son- Bern in der Armuth Hütten ihren Thron ausschlug und von da ihr Reich könialick beiter ausbreitete über die armuthselige, verworrene Welt. Jene Könrge aus dem Morgenlande waren eben auch Weise und sie ahnten wohl, daß e n Strahl der Liebe mehr werth ist, als alle Schätze der Erde, mehr werth als Derlen. Myrrhen und Edelgestein. r n .

Jahrhunderte, Jahrtausende sind seitdem dahingebraust über Glauben und Unglauben, über Heiliger unb Unheiliges, doch wie auch dre Wellen der Zetten tost«', jenes Gnadenlicht der Liebe haben sie nicht zu löschen, ,enes Kreuz nicht u brechm vermocht, welcher als das Symbol dieser gottgeborenen Liebe ewig durch die Zeiten ragen wird. Dsium alljährlich, wenn oer Liebe Fest sich erneut und des Tannenbaumes Arme uns hinüberwinken in.der Kindheit Zmiberreich, erneut sich auch in uns das Wunder der Nacht zu Judäa, wird auch in uns bie Liebe neu geboren. So arm ist keine Hütts, so vornehm kein Palast, daß nicht ein Strahl Raum fände in ihnen, wenn der Tag der Liebe wrederkehrt. Mr Tannenbaum wird zur Palme des Friedens, unter der wir stille Einkehr batten und unsere Seele rühren und läutern lasten von dem großen unb heiligen a)ll,|}e4Uämflimmertnt,bnie, es rauscht de« Weihnachtsbaumes Flittergold, Komme Sänge ziehen dnrch die stille, heilige Nacht leise, lesse erklingt auch in uns ein Lied von der Jugend glücklichen, Mldlosen Zetten und leise, lesse Mert eine Zähre an der Wimper--auch nur empfangen die Botschaft

von der welterlösenden, holden Gewalt, dre unser Sporn uno unser Lohn ist, auch uns singen die Engel:

Friede au s Erden!" .

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Corresporrdenz - Drrreau.

23 December. Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag den Worirag Perponcker's, fodann eine größere Anzahl militärischer Meldungent un te Morträae Albedyll's und des Kriegsministers entgegen und empfing Nachmittags der nuf einer Urlaubsreife hier eingetroffenen Botschafter v. Schweinitz aus Peters g. Um 4 Uhr erscheint der Staatssecretär Bismarck zum Vortrag.

Stockhausen, 22. December. Gestern brach dahier in der Hofraithe des Hrck. Ludwig Beier Feuer aus, welches Wohn- und sämmtliche-econonnegebaude in Asch- 1=9tc"3lug Rheinhessen, 23. December. Die Stadtverordneten von Worms haben in ihrer gestrigen Sitzung ein Ortsstatut angenommen, nach welchem ur dre Folge nur noch dann die Concession für den Betrieb emer Schank- oder Gastwirth- schäft ertheilt wird, wenn das Bedürfniß nachgewiesen ist.

A Mainz, 23. December. Das Jahr 1886 droht in gleicher Weise abzuschließen wie das Jahr 1882. Von 2 Grad Kälte heute Früh sind wir plotzlrch in vollständiges

---Berlin, 23 December. Gutem Vernehmen nach wirb bie Ansiedelung«- Commission demnächst probeweise mit bet Besiedelung zweier Güter vorgehen. Mit innerhalb der Commission nicht erledigten, dem Staatsministerium zur Entscheidung vorgelegten Fragen, dürste sich letzterer in seiner heutigen Sitzung schäsMjjNcheN, 23. December. Der Prinz-Regent richtete an den Finanz- Minister ein huldvolles Dankschreiben für bie umsichtige und unermüdliche Tha- ttgkeit bei Regelung der Cabinetskaffe, und übersandte ihm sein Blldniß als

Zeichen der Anerkennung.