Nr. 223
Samstag dm 25. September
Bttretin r Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontagS.
Politische Ueberficht.
m,. . Sietzerr, 24. September.
-wit oem Vefuche des deutschen Kronprinzen in Mek haben bte Kaisertage im Reichende ihren definitiven Abschluß gesunden. Der Em. Dn k^en d-s deutschen Kaiserthroner in der lothrin.
*n H°up'st°dt bereitet wurde, bildet die glücklichste Ergänzung der sortge- _^E?^^ungeN' die dem greisen Oberhaupte der Reicher Seiten» der elsässischen Bevölkerung zu Theil geworden find und wenngleich der Kaiser leider
DerJ^ten mußte, die Huldigungen auch der Bewohner Lothringens per- W, «M°"runehmen - abgesehen von dem Empfange der Deputation der Metzer Gemeinderathe» — so haben jene dafür seinen Vertreter, den Kron« H'”.'. KnfiAl!8r(ti6t' t®er Aufenthalt de» kronprinzlichen Herrn in Metz S Lh I^uer ferneren Reisedirposttionen nur ein kurz bemeffener
kQ,U Montag Nachmittag und die Frühstunden de» i blmfe L“.r}e 3eit 0enÜ0t- um erkennen zu lassen, daß gLjL?^rDdl,er“n0 bi° Anhänglichkeit an unser erhabene» Kaiserhaus feste Wurzeln geschlagen hat. - Am Dienstag Vormittag hat der Kronprinz Metz wieder verlassen, um über Straßburg, bi» wohin ihn sein S$»ageC bet Großherzog von Baden, geleitete, zunächst nach Basel abzureisen. Hier besuchte der Kronprinz sofort nach seiner Ankunft dar Museum, das Munster und die mittelalterliche Sammlung und reiste Abend» 8 Uhr nach fammentnsft^e ^' roo er mlt *einet Gemahlin und seinen Töchtern zu-
«u» Baden-Baden wird berichtet, daß das Befinden de» Kaiser» * “ünSäen übrig läßt; derselbe nimmt auch hier die regelmäßigen Vor. trage de» Militär- und Cwil. Cabinet» entgegen, während die gewohnten täg- lichen Ausfahrten in Folge der eingetretenen kühlen Witterung eine Beschränkung erlitten haben.
m Montag zu Ende gegangene außerordentliche
Reichs iagr-Sessiou beherrscht noch immer die innerpolitischen Angelegen, heilen^ Namentlich deshalb, weil die an diesem Tage erfolgte definitive Geneh. migung der Handelsvertrages mit Spanien mit den aus diesem Lande einge- gangenen beunruhigenden Nachrichten zusammenfiel und letztere deutlich bewei en wie nothwendig der Zusammentritt der Reichstages behufs schleunigster Erledigung des Handelsvertrages war. Der überraschende Madrider Militärputsch bekundet wiewohl seine rasche Niederschlagung gelang, aus'« Neue die Unsicherheit der spanischen Zustände und dadurch erklärt sich auch da» Drängen der Reichs, regierung, die Verlängerung der deutsch-spanischen Handelsvertrager aus» Schleunigste ratifieiren zu lassen, zur Genüge. Sie hatte eben sichere Nachrichten über die sonst für alle Welt überraschend gekommenen Vorgänge in Madrid erhalten und da man nicht wissen konnte, welchen Verlaus die Dinge jenseits berißgrenäen nehmen würden, so war unter allen Umständen die schnellste Sicherung des wichtigen Vertrage« geboten. Den vielfachen Kritiken gegenüber, welche der Reichskanzler wegen der ungewöhnlichen Berufung de» Parlaments über sich ergehen lassen mußte, erscheinen darum die Ereignisse in der spanischen Hauptstadt als die glänzendste Rechtfertigung für fein Verhalten. Inzwischen ift auch die kaiserliche Ratification der Vertrages erfolgt und dann Alles ge- fchehen, war geschehen konnte, um den Vertrag deutscherseits zu fichern und es ist anzunehmen, daß man denselben auch spanischerseils, selbst den ungünstigsten I gau eines Regierungswechsels vorausgesetzt, respectiren wird.
i. Br. ist dem am Montag stattgefundenen Einzüge des I neuen Erzbischofs Dr. Roos am Dienstag die feierliche Inthronisation desselben u/x 8 Ä? kirchliche Feier anschließende Festmahl gab dem Erz« I bischof Gelegenheit, feine friedfertige Gesinnung zu documentiren, indem er bei I ^oa^Q ßU.L5en ^[fer, den Papst und den Großherzog die Harmonie zwi- I 'chen der staatlichen und der Kirchengewalt hervorhob. Minister Nock, als Ver- tretet der Staatsregierung, toastete auf den Erzbischof und gab hierbei der Hoffnung auf ein vollkommener Einvernehmen zwischen Staat und Kirche Aurdruck. I
< 3” s®*en Prinz Peter von Oldenburg, der jüngere Bruder I
der Prinzen Alexander von Oldenburg, des russischen Candidaten für den bul- garffchen Thron, emgetroffen. Prinz Peter bekleidet in der russischen Armee die Stelle eines Kosaken-Obersten. Aus dieser Meldung erhellt zugleich, daß Prinz Alexander noch in Petersburg wellt, das er angeblich verlassen haben sollte um den Wiener Hos für feine Candidatur zu gewinnen. •
Da» englische Unterhaus wird schon seit voriger Woche durch die I oon Parnell eingebrachte Bodeugesetz-Bill für die irischen Pächter, welche den- ; selben ganz besondere Pacht-Erleichterungen gewährt, in Anspruch genommen. I i
I c, I Darmstadt, 23. September. Der Großherzog ist mit dem Erb. h?r°^MiOn unb Prinzessinnen Irene und Alix gestern Abend von Füed.
I Tink.i» z"rückgekehrt, woselbst nunmehr die Herrschasteu wieder im Neuen Palais wohnen. Der Fürst von Bulgarien, sowie Prinz und Prinzessin ®.altenber0' welche mit demselben Zug von Friedberg abreiften |aben sich bereits gestern Abend noch nach Schloß Heiligenberg bei ^uaen«
I ?' d' begeben. Mit den Herrschaften ist auch die Prinzessin Lutte von England (Marquise of Larne), welche seit Montag in der Friedberger Burg zu Besuch war, hier eingetroffen. Dieselbe reift morgen nach Kobura ihre Schwägerin, die Herzogin von Edinburgh, besuchen will brx drinzessin ^uise, Prinz Christian Victor von Schleswig. Holstein, welcher mit dem Großherzog und dem Erbgroßherzog sämmllichm Ma. növern in Oberhessen beiwohnte, hat sich gestern in Frankfurt von seinen hiesigen Verwandten getrennt und sich nach Homburg begeben. 9 “
Unser Großherzog reift mit seiner Tochter, der Prinzessin Irene, morgen Vormittag nach England ab, um einer Einladung der Königin Victoria^zu 3tn^LSe®^,en anr b°w englischen Hose zuzubringen. Die Königin wettt augenblicklich in Balmoral in Schottland.
22. September. Der Ausbruch der Cholera in einzelnen G^reten Oesterreichs und Ungarns hat, wie anderweitig gemeldet worden, die preußische Regierung bereits veranlaßt, Schutzmaßregeln anzuordnen, unö es mtro bekannt, daß auch andere deutsche Bundesstaaten an der österreichischen Grenze diesem Beispiel folgen. In Bundesrathskreisen hat man an der Hand - ?^,?orgänge in den letzten Tagen wiederum die Frage wegen Anordnuna einheitlicher Bestimmungen bezüglich der Vorkehrungen gegen seuchenartige Krank- gebracht; frühere Versuche nach dieser Richtung hin sind bekanntl ch erfolglos geblieben. Es ist nicht unmöglich, daß man sich jetzt rum Erlaß eines Seuchengesetzes entschließen wird, und zwar in der Weise, daß die bereits bewährten Anordnungen in den Einzelstaaten auf das Reich übertragen
Anzeigen.
Rann, 33 Jahr alt, i Löhner in einem iner Bierbrauerei- k mb schreibt Deutsch -
er Schülerinnen Pension.
eb. b. Bl._________
jungen, £5'y-.*«e.
m B-rhandlung-n über bie genannte Bill wird durch die von der irischen Fraktion wieder einmal infcenirte Obstructionr.Politik von einem ?Pt9sRihm Derä4fler2' ba "e Anhänger Parnell's hierdurch die Gegner ®‘a "würbe zu machen hoffen. Die Regierung hat sich entschieden gegen Gesetzentwurf erklärt, da er die irische Bodenfrage in radikaler SJBeife lösen will, während ihn andererseits Gladstone unterstützt. "Die Verband- lungen über die Bill lausen demnach auf eine interessante parlamentarische Machtprobe zwischen dem Cabinet Salisbury und dem Führer der Liberalen hinaus. Mittlerweile werden täglich neue GewaltthätMten au» Irland ge. melbet und namentlich ist Belfast wiederum zum Schauplatze blutiger PöbA- Sonntag, Montag und Dienstag geworden, so daß die Verkündigung rbung8etmogmnSanbei ” ber f° untu^en ®tabt »nstlich von der fftegie®
I h." u oS, e$nte. nn8aufe ber Dienstags-Debatte die Par.
28^8 zweiter Lesung nut 297 gegen 202 Stimmen ob, die Regierung H demnach in dieser Frage einen entschieoenen Erfolg davongetragen ® 9
.3" b°n Petersburger Regierungskreisen bezeugt man sorige- I e?e Unzufriedenheit mit den Männern, die gegenwärtig an der Svike ÄÄ'rtrt' ni^‘ ber russischen Pfeise tanzen wollen. Da» „Journal be_©t. Peteröbourg" hält Stambuloff, Mutkuroff u. s w wieder tohen• 6Leänh-nre£l|icrk DOr unb ifi w" allen Maßnahmen derselben un^
I Jn0ar ,bie, a^?rbnung der Wahlen zur großen Sobranje auf den I 10' ?c?,ober wtrd als überstürzt bezeichnet. Auch sonst sucht Rußland bei jedem rinkiff„6me9nPai?enbe,ylntafTercbtx provisorischen Regierung Bulgariens Schmiß zu bereiten. Der russische Consul hat nämlich Aufklärung über ver-
I 9 2eile Peden angeblich anii-russischer Tendenz, die jüngst auf einem Banket I " galten worden sind, verlangt, dem Vernehmen nach ist demselben die
Auftlärung zu Theil geworden. Außerdem hat die Forderung Ruß- ‘a"bä’ ba6 ?et °CCl FT" bte, Urheber bei Staatsstreiches vom 21. August vertagt merben solle, bei der bulgarischen Regierung Befremben hervorgerufen Da-Wiener „Frembenblatt warnt anläßlich ber Erörterungen der
I V1 ’“rIament°tier über die bulgarische Frage, da» Ver. I /mß zu DeutWanb, welches sich in ber Angelegenheit um bie Erhaltung de» 6t”otben h°be, vor einer Behandlung zu bewahren welche das Verständurß des Werthes sehr beeinträchtigen würde. Uebrigens sei an,Unef>xen' Poßland werde den Triumph über den Fürsten Alexander nur unter Achtung de» internationalen Rechter aurnutzen. ' nur
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G.eßeu, am 20. September 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
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e ° ^"7" 1886
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.


