— [Untere SDfftciere.] Siebzig, aus allen Theilen des Deutschen Reiches zum Generalstab commandnte Ossiciere kamen nach anstrengender Uebungsreise in diesen Tagen in Schmiedeberg im Riesengebirge an. An einem Rasttage wurde zu tfUB em Ausflug nach der Koppe unternommen, über dessen Verlauf aus Schmiedeberg geschrieben wird: Der bunte Zug ging hinaus nach Krummhübel und mancher Sommergast, der ahnungslos beim Morgenkaffee saß, erblickte staunend all die Uniformen, bte plötzlich aus dem Thale stiegen und rüstig immer höher schritten. Welch ungewohntes schönes Bild — und doch, wie bald verschwunden! Ein dichter Nebel hüllte die sarbenschillerndc Gesellschaft ein, noch ehe sie die Hampelbaude erreichte; dann kam ein schwerer Regen, eine Wolkenschicht, die keinen Durchblick gönnte und erst den Koppenkegel offenbarte, als man ihn mühsam zu erklimmen hatte. Doch der Humor war wasserdicht und das Gefühl des Sieges über Wetter, Wind und Hohe so stark, daß oben gleich ein Gruß an Moltke abgesandt wurde. Und dann der Abstieg! Die es bisher verschmäht, kauften noch lange Alpenstöcke und zogen hinter ihrem Oberst und seinen Stabsofficieren her den steilen Weg hinab. Das war beschwerlich und ermüdend, zumal das Felsgeröll vom Regen glatt, die Uniformen vollgesogen waren und kalter Wind den nassen Niederschlag entgegenjagte. Und doch erreichten sie im strammen Marsche schon nach der halben vorgesehenen Zeit Schmiedeberg wieder. Kaum waren sie darin, zielfreudig, gutgelaunt, so schrillen sie in Sectionen weiter. Infanterie, Garde, Artillerie, Genie und Kavallerie von allen Farben, allen Bundestruppen, lauter Ossiciere nnd vor denselben der Generalstabsoberst. Als wär's Dienst, so klang es plötzlich: „Tritt gefaßt!" und als sie dann sämmtlich scherzbereit im festen Schritt und Tritt das Slraßenpflaster erdröhnen ließen, da hieß es weiter: „Sectionsabstand — — die Alpenstöcke auf die linke Schulter! — Richt Euch!" und nie ist Militär strammer einher marschirt als diese nasse Lieutnantsschaar im Regen und von der Koppe an's Hotel in Schmiedeberg. Hier stellte sich der Oberst vor den Eingang und commandirte schneidig: „Parademarsch!" — und triefend, fest, durch nichts erschüttert, marschirten jetzt die Siebzig der Geueralstabsreise mit „angefaßtem" Alpenstock an ihrem Chef vorbei.
Welterod, im Kreise St. Goarshausen, 15. Juli. Dem „Rh. Cour." wird von hier berichtet: Im Jahre 1870, beim Ausbruche des deutich-französischen Krieges, zog ein damals schon verheiratheter Landwehrmann von hier, Namens Breitenbach und Landmann von Geschäft, mit in das Feld und gerieth bei einer Schlacht in französische Kriegsgefangenschaft. Wegen eines Subordinationsoergehens erhielt er eine Strafe von 24 Jahren Einsperrung bei schwerer Arbeit und wurde zur Verbüßung dieser Strafe nach Algier verschickt. In diesem Jahre nun, und zwar am 26. April, gelang es ihm, von dort zu entkommen und nach vielen Irrfahrten ist er vor einigen Tagen endlich in seinem Heimathorte hier angelangt. Längst schon war er in Vergessenheit gerathen und für tobt gehalten. Seine Frau hatte sich, da er nie ein Lebenszeichen von sich gegeben, inzwischen anderweit verheirathet und das Wiedersehen mag wohl bei beiden Theilen sonderbare Empfindungen hervorgerufen haben. Die Frau erkannte ihren ersten Mann sofort wieder. Der Zurückgekehrte erzählt wunderiame Geschichten über seine Entweichung und lange Reise in die Heimath. Schon seit Jahren will er die Flucht geplant und nur auf einen günstigen Augenblick gewartet haben. Dieser bot sich ihm am 26. April d. I. dar. In Gemeinschaft mit einer Anzahl anderer Gefangenen nämlich hatte er unter strenger Aufsicht Feldarbeiten zu leisten und war so in die Nähe eines Waldes gelangt. In einem unbewachten Augenblicke entwischte er, schlüpfte zunächst in den Wald und führte seine Wächter, die ihn unter fortwährendem Gewehrfeuer verfolgten, dadurch irre, daß er auf einen Baum kletterte und sich da so lange versteckt hielt, bis seine Verfolger den Rückweg angetreten hatten. Nach langen Irrfahrten bat er sodann die Farm eines Deutschen erreicht und ist von diesem mit Nahrung, Kleidung und Geld reichlich ausgestattet worden. Durch weitere Unterstützungen, die ihm unterwegs gute Menschen zu Theil werden ließen, gelangte er nach Deutschland und der Heimath immer näher, bis er, wie schon gesagt, vor einigen Tagen, vom Wetter gebräunt, hier eintraf. Er machte übrigens auch die Mittheilung, daß in Algier, und zwar auf demselben Platze, wo er gewesen sei, noch ein Landsmann, Namens Koch, aus dem Regierungsbezirke Wiesbaden — den Ort konnte er nicht nennen — in französischer Kriegsgefangenschaft sei.
— Etwas entschieden Neues ist wohl das von Herrn Gustav Fiedler in London auf den Markt gebrachte Chamäleon-Wetterbild, ein auf Glas hergestelltes Bild in einem Rahmen, der vermöge eigenartiger Präparation der Farben rc. die Eigenschaft hat, durch den Wechsel seines Colorits die Feuchtigkeits-Verhältnisse der Luft, resp. die eintretenden Witterungs-Schwankungen anzuzeigen, ganz wie ein Barometer. Wenn man das Bild, die Vorderseite nach dem Innern des Zimmers zugekehrt, möglichst hoch an ein Fenster hängt, wo cs von den Sonnenstrahlen getroffen wird, so markirt
cs sehr feuchte Lust durch ein herbstliches Aussehen mit schwach g-röthetem Himmel und gelben Bäumen rc.; sehr trockene Luft wild durch tiefblauen Himmel und dunkelgrünes Laub markirt, während die dazwischen liegenden Abstufungen durch mamng- faltige Mitteltöne der Farben-Scala angezeigt werden, welche man nach ihrem Grade leicht bestimmen lernt. Im Winter zeigen diese merkwürdigen Bilder ungeheizten »immer durch den Grad des Colorits auch nut Sicherheit den Wassergehalt, resp. dessen gesundheitsschädlichen Mangel, der Stubenluft an, haben daher eme hohe praktische Bedeutung. Last not least, bilden sie eine hübsche Zrmmerzierde, daß sie Landschaften, Ansichten von der Küste oder von Städten rc. m fünf Farben darstellen.
Literarische-.
— [Uniücdum.J Die verhängnißvolle Katastrophe bei Schloß Berg hak eine solche Fluth sensationell aufgebauschter Berichte und das an sich schon unglaublich Gräßliche der Thatsachen in übertriebenster Weise entstellender Schilderungen über die Person des unglücklichen Königs Ludwig II. hervorgerufen daß wir auf das Angenehmste überrascht und gefeffelt wurden durch die wahrhaft wurde- und pietätvolle Form, welche soeben die mehrfach schon von uns empfohlene illustnrte Zeitschrift „Universum", redigirt von Jesko von Puttkamer, Verlag des „Universum" (E. Friese) in Dresden, gefunden, einen Cypressenzweig schönster Art auf den Altar des noch in frischer Erinnerung lebenden tteftraurigen Begebnisses niederzulegen. Das- prächtig ausgestattete 21. Heft dieser vortrefflichen Zeitschrift bringt außer einem in photographischem Lichtdruck wiedergegebenen Portrait Ludwigs II. aus jener großen Zeit, welche der Glanzpunkt dieses so seltsamen Herrscherlebens, sowie einem doppelseitigen Kunstblatte: „Die Durchfahrt des Königs durch den Münchener Hofgarten", von P. F. Messerschmied, einen in hohem Grade fesselnden Aufsatz: „Zur Charakteristik König Ludwig II.", dessen aus warm empfindendem Herzen geflossene Schilderungen sachgemäß und lebenswahr das Bild dieses unglücklichen Monarchen zeichnen und einen Trauerflor um dasselbe schlingen. Der ungenannte Versasier muß zu der Person dieses so jäh geendeten verfehlten Fürstenlebens in sehr nahen Beziehungen gestanden haben, uns könnte keine andere Feder zu einer so viel Sympathie erweckenden Kundgebung, besser berufen erscheinen. Jllustrirt ist dieser Artikel durch zwei nach der Natur aufgenommene in Holzschnitt vorzüglich reproducirte Abbildungen des Schlosses „Neu4 schwanstein", als die Katastrophe einleitend und der „Stelle der Auffindung der Leichen , des Königs und Dr. v. Gudden's" am Schlüsse derselben. In innigem Zusammen^ hange damit konnte sodann wohl nicht besser am Platze sein ein nicht minder in=*- teressanter Aufsatz aus der trefflichen Feder Dr. H. Klencke's über „Irrsinn und Irrenärzte", von einem Gesichtspunkte aus, welcher überraschend und doch nicht neu, indem uns schon Goethe in dem Singspiel „Der Triumph der Empfindsamkeit" einen Prinzengezeichnet, welcher ein frappirendes Seitenstück zu dem unglücklichen Bayernkönig ab- gibt. — Außerdem ist auch der Feier des 100jährigen Geburtstags König Ludwigs L von Bayern, welche in diesem Monat in München begangen werden sollte und durch die verhängnißvolle Katastrophe so traurig gestört wurde, in einem illustrirten Artikel von R. Tenge in treffender Weise gedacht. Novellistisch wird das Interesse des Lesers in hohem Grade gefesselt durch die kleine Erzählung von Hans von Spielberg ^Gefunden am Nil" und durch den Schluß der Novelle „Zur Sonnenhöhe" von A. Müller von Brandenburg. Wir erwähnen dann noch zwei poetische Gaben „Waldesfrieden" von Wilh. Kunze und „Elfenleben" von Julius Sturm. Eine reichhaltige „Allgemeine Rundschau" schließt das Heft würdig ab, welches noch durch ein drittes Kunstblatt in Holzschnitt, „Krabbenfänger an der Nordsee" von I. Bodenstein, prächtig ge- ziert ist. '
Schiffs-Bewegung
der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.
„Borussia", 11. Juli von St. Thomas nach Hamburg. „Lessing", 1. Juli von New-Pork, 12. Juli in Hamburg angekommen. „Gellert", 11. Juli von Hamburg nach New-Pork, 13. Juli von Havre weitergegangen. „Thuringia", 25. Juni von St. Thomas, 15. Juli in Hamburg angckommen. „Rhenania", 15. Juli von St. Thomas nach Hamburg. „Rugia", 15. Juli von New-Pork nach Hamburg. „Taormina", auf der Reise nach New-Pork, 16. Juli Dover passirt. „California", von New-Pork kommend, 18. Juli in Hamburg eingetroffen. „Hammonia", 8. Juli von New-Pork, 19. Juli in Hamburg angekommen. „Suevia", 18. Juli von Hamburg nach New-Pork, 20. Juli in Havre angekommen. „Moravia", 1. Juli von Stettin, 16. Juli in New-Pork angekommen. „Wieland", 4. Juli von Hamburg, 16. Juli in New-Pork angekommen. „Polynesia", ab Hamburg am 18. Juli in New-Pork angekommen. „Rhaetia", 8. Juli von Hamburg, 20. Juli in New-Pork angckommen.
Bekanntmachung.
Montag den 26. d. M., Vormittags 9 Uhr, wird eine Parthie herrenloser Brenn- n. Nutzhölzer — zunächst den Endladegeleisen liegend — meistbietend geßen Baarzahlung dahier versteigert. Die Güterexpedition der Oberh. Bahnen.
Zöckler. 5318
Ieikgeöotenes.
5271] Vorzügliche Frühkartoffeln werden verkauft. Kaplansgasse 5, Nebenh.
Brennholz in Spalten und auch klein gemacht empfiehlt in trockener Waare 144_______Andr. Euler»
Mein noch vorräthiges Lager in
Sonnenschirmen,
garnirten und ungarnirten
Damen-, Mädchen-, Herren- u. Knabenhüten verkaufe, um damit gänzlich zu räumen, zu ganz bedeutend billigeren Preisen. 5243
A, Fangmann-
Steinkohlen, mel. Nußkohlen, Brennholz re.
empfiehlt 4959
J. Happel.
4 9. Neustadt 49
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35
n
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per □
Ledertreibriemen
aus bestem lohgarem Kernleder, doppelt ausgestreckt, genäht, gekittet und auf Wunsch genietet, stets in allen Dimensionen auf Lager. Näh« und Binderiemen in jeder Stärke bei 4906
Frmis Senner, Sattler.
Patentirtes Rohrgewebe, weit und geschält,
„ Doppelrohrgewebe, geschält,
„ Asphaltpapierrohrgewebe, geschält, 22 H \ Mr.
in Nollen von 10 und 20 slj Meter <b hier.
la. Baugyps zum Verputz, bei 10 Säcken zu «X 1.30 per Sack — 40 Kilo ab hier. Die leeren Säcke werden innerhalb zwei Monat, wenn in gutem Zustande, franco gegen eine Vergütung von 25 H per Stück zurückgenommen. 5279
Allgemeiner Anzeiger.
Porzellan- und Glaswaaren.
Kaffee-, Thee-, Speise-Service, Waschgarnituren, weiße und decorirte Taffen rc,
Biergläser
geaicht auf 3/10, V10, V2, Vi Liter, mit und ohne Beschlag,
Bieruntersätze, Feuerzeugständer, besonders die patentirten Terra Vulcana-Ständer, empfiehlt billigst Oart jPunge, Porzellanmaler, 5105___Bahnhofstraße 26.______________________
Kaiser & Roth, Baumaterialien-Geschäft, Marburg, nächst dem Bahnhofe, empfehlen:
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Stollwerck'sche ■ Brust-Borons
eine nach ärztlicher Vorschrift be I reitete Vereinigung von Zucker und! Kräuter-Extrakten, welche bei Hals ■ und Brust-Affectionen unbedingt wohl- ■ thuend wirken. Naturell und in heisser Milch aufgelöst, sind ■ dieselben Kindern wie Erwachsener J zu empfehlen.
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