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Freitag den 25 Juni

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ießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

yreiO virrteljLhrlich 2 Mark 2t Pf. «tt Bdn««tbte Durch die Post be-ogen vierteljährlich 2 Natt 5t Pf.

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Einladung zum Abonnement

auf den

Gießener Anzeiger,

Zmis- unö Lnzeigebtall für öen -Kreis Riegen.

DerGießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, tncL der BeilageGießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.

Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei in s Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark erd. Postgebühr.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1886 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige , ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir Vollzählige Exemplare liefern können.

Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, d' den Abonnenten des Anzeigers dieDerwaltuugsblätter" zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal geliefert werden und ersuchen wir Reflektanten sich des der gestrigen Nummer beiliegenden Bestellzettels gefl. bedienen zu wollen. Die Expedition.

Amtlicher Th eil.

Nr. 18 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 21. d. M., enthält:

(Nr. 1669.) Verordnung, betreffend die Einfuhr und die Ausfuhr von Gewächsen, sowie von sonstigen Gegenständen des Wein- und Gattenbaues. Vom 16. Juni 1836.

(Nr. 1670.) Vertrag zwischen Deutschland, den Niederlanden und ter Schweizbetreffend die Regelung der Lachsfischerei im Stromgebiete des Rheins. Vom 30. Juni 1885.

Gießen, am 23. Juni 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Politische Ueberficht.

Gießen, 24. Juni.

Die gesetzgeberische Thätigkeit in den beiden größten deutschen Parlamenten, im Reichstage und im preußischen Landtage, wird diesmal in außergewöhnlichem Maße in Anspruch genommen. Obwohl die Session des ersteren schon seit dem 19. November des vorigen Jahres währt und auch der preußische Landtag bereits seit dem 14. Januar dieses Jahres versammelt ist, tonnte weder dort noch hier bis zum Pfingstfeste, trotzdem daß dasselbe Heuer so ungewöhnlich spät fiel, der definitive Schluß der Arbeiten bewerkstelligt wer­den, und somit ist der bei uns nicht allzuhäufige Fall eingetreten, daß sich die parlamentarische Winter-Campagne bis in den Sommer hinein erstreckt. Das preußische Abgeordnetenhaus hat am vergangenen Dienstag seine Arbeiten wieder ausgenommen, während der Tag der Wiedereinberufung des Herrenhauses noch nicht festgesetzt zu sein scheint; in beiden Häusern wird aber die Erledigung des Restes des Arbeitsprogramms voraussichtlich nur noch wenige Sitzungen erfor­dern. In beiden Häusern ist noch die Nothstands Vorlage bezüglich der Ueber- schwemmungen im Weichselgebiete zu berathen, daneben hat sich das Abgeord­netenhaus mit der nochmaligen Durchberathung der vom Herrenhause abgeänderten Kreisordnung für Westfalen und einiger untergeordneter Gesetzentwürfe zu befassen, indessen das Herrenhaus außer durch die Nothstands - Vorlage im Wesentlichen nur durch die dritte Lesung des Lehrer-Anstellungsgesetzes für Posen und Westpreußen in Anspruch genommen werden dürste. Nicht ganz so klar stehen die Dinge hinsichtlich des letzten Abschnittes der Reichstags-Session. Wie bekannt, tritt der Reichstag nicht am 30. Juni oder 1. Juli, wie ursprünglich -verlautete, sondern an diesem Freitag wieder zusammen und stehen für diese Sitzung Petitionen, die Literar-Convention mit England und die erste Lesung des Gesetzentwurfes, tetr, die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen an der Berliner Universität, auf der Tagesordnung; am Samstag soll die Speeialberathung der in der Commission gescheiterten Branntweinsteuer- Vorlage folgen. Es ist begreiflich, daß die Regierung eine endliche positive -Lösung der Branntweinsteuer-Frage dringend wünscht, aber die Vorgänge in der Commission müßten doch an leitender Stelle die Ueberzmgung hervorgerusen haben, daß an eine Verständigung über diese Frage für sitzt nicht mehr zu denken ist. Wenn trotzdem nun der Reichstag an letztere nochmals herantreten soll, so deutet dies darauf hin, daß man regierungsseitig noch immer gewisse Hoffnungen hegt, die aber in Hinblick auf die so wenig entgegenkommende gegen­seitige Stimmung der Parteien als durchaus leere bezeichnet werden müssen und die Pfingstpause wird in dieser Beziehung schwerlich einen plötzlichen Umschwung bewirkt "haben. Es wird daher auch die zweite Lesung der Branntweinsteuer- Vorlage im Plenum jedenfalls nur zu einem negativen Resultate führen und bei der gegenwärtigen Stimmung im Reichstage ist etwas Anderes auch-gar nicht ru erwarten. Nach officiösen Andeutungen wäre aber hiermit das Arbeits- material des Reichstages noch keineswegs erschöpft, die Regierung soll vielmehr

beabsichtigen, demselben auch den Nachtragsetat, der durch mehrere Beschlüsse des vorhergehenden Sessions-Abschnittes nöthig geworden ist, ferner das dem Bundes- rathe bereits zugegangene Militär-Relictengesetz und außerdem einige kleinere Gesetzentwürfe, wie denjenigen über die Revidirung des Servistarifs, vorzulegen, was eine Verlängerung des Reichstages bis in den Juli hinein bedeuten würde. Es ist aber ziemlich zweifelhaft, ob sich der Reichstag hierzu bereit finden lassen wird; das Haus tagt nunmehr bereits über 7 Monate und wenngleich zu Weih- nachten, dann zu Ostern und jetzt zu Pfingsten größere Pausen in seiner parla­mentarischen Thätigkeit zu verzeichnen waren, so läßt sich doch nicht leugnen, daß die Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit des Reichstages nunmehr an ihrer äußersten Grenze angelangt sind. Zum Mindesten würde die Qualität der Arbeiten bei einer nochmaligen Verlängerung der Session entschieden leiden und gerade das Militär-Relictengesetz will nicht über das Knie gebrochen fein, sondern verlangt eine sorgfältige und gewissenhafte Prüfung. Im Uebrigen kann ja der Reichstag in feiner gegenwärtigen Session, der längsten, welche es überhaupt gegeben hat, auf eine ganze Reihe positiver und erfreulicher Leistun­gen zurückblicken, so daß dieselben trotz des Scheiterns des Monopol-Projectes und der Branntweinsteuer-Vorlage mit zu den fruchtbarsten Sessionen gehött und ihr definitiver Abschluß könnte nunmehr mit Fug und Recht erfolgen.

Der Bundesrath wird sich in dieser Woche u. A. über die Vorlage, welche 3 Millionen J-L aus Reichsmitteln für die im Jahre 1888 in Berlin zu veranstaltende deutsche nationale Gewerbe-Ausstellung fordert, zu entscheiden haben. Desgleichen wird auch die Berliner Stadtverordneten-Versammlung in diesen Tagen über die Vorlage des Magistrats, die 2 Millionen «4L als successive zu zahlenden städtischen Beitrag zu dem Unternehmen fordert, Beschluß fassen. Man kann nur lebhaft wünschen, daß die Entscheidung beim Reiche wie bei der Stadt in einem dem Zustandekommen dieses friedlichen und fruchtbringenden Unternehmens günstigen Sinne ausfallen möge, welches zum ersten Male feit der Neuerstehung des Reiches die Erzeugnisse des Kunstfleißes und der Gewerbe- thätigkeit aller deutschen Stämme vereinigt darstellen will.

In sämmtlichen katholischen Kirchen der Stadt Pofen wurde am Sonntag der erste Hirtenbrief des Erzbischofs Dinder verlesen; in der Franziskanerkirche erfolgte die Verlesung in deutscher Sprache.

Der österreichische Reichsrath wird sich in diesen Tagen bis zum Herbst vertagen, da mit der Beendigung der Berathungen über den neuen Zoll­tarif fein vorläufiges Arbeitsmaterial erschöpft ist. Bezüglich des vielumstritte­nen Petroleumzolles ist es bekanntlich zwischen der Regierung und der Majorität des Abgeordnetenhauses zu einem Compromiß gekommen, wonach künftig der Zoll für Rohpetroleum 2 Gulden betragen soll. Es macht dies jedoch neue Verhandlungen mit der ungarischen Regierung nothwendig, weshalb der Gesetz­entwurf über den abgeänderten Zolltarif im ungarischen Reichstage nicht mehr zur Berathung gelangt und wird dessen Session am kommenden Samstag geschlossen.

Die am Montag im französischen Senate begonnene Special-