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ist, einen Ausstand in Tjomas, einer PrivaLbesttzung im District BuiLenzorg, mit bewaffneter Hand zu unterdrücken. Von den Ruhestörern, die bewaffnet waren und etwa 500 Mann zählten, sind 50 theils getödtet, theils verwundet worden. Die Ruhe ist wieder hergestellt und es wird angenommen, daß die Bewegung durch die Anforderungen des Eigenthümers der Besitzung hervorgerufen fei.

Frankreich.

Paris, 22. Mai. DerUnivers" veröffentlicht ein Manifest des Don Carlos, worin derselbe gegen die Proklamirung Alfonsos XIII. protestirt und erklärt, er werde niemals seinen Rechten entsagen.

Italien.

Catania, 22. Mai. Gestern Abend öffneten sich noch weitere neue Krater des Aetna, die Intensität des Lavaauswurfs ist jedoch geringer geworden.

Vormittags wurden in Paterno und Biancavilla neue Erderschütterungen verspürt. Die neu erschlossenen Krater befinden sich in dauernder Eruption. Die Ort­schaften Nicolosi, Belpasso und Pedara sind noch immer gefährdet.

Spanien.

Madrid, 22. Mai. Die Taufe König Alfonso's XIII. hat heute stattgefunden Die Minister, der hohe Klerus, das diplomatische Corps und die obersten Staats­behörden wohnten der Taufhandlung bei. In den Höfen und Gallerten des Königs­palais hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge angesammelt. Die Ordnung wurde nirgends gestört.

Portugal.

Lissabon, 22. Mai. Die Vermählung des Kronprinzen mit Prinzessin Amalie, Tochter des Grafen von Paris, ist heute vollzogen worden.

Türkei.

Konstantinopel, 22. Mai. Ein Circular der Pforte erklärt, die feindseligen Vorgänge an der türkisch-griechischen Grenze seien ganz zufällige gewesen, falls sie nicht durch Officiere, welche Anhänger von Delyannis wären, hervorgerufen sein sollten. Uebrigens erhielt der türkische Commandant Befehl, aus der Defensivhaltung nicht herauszutreten.

Kriechenlano.

Athen, 22. Mai. In der Kammer befragt Philaretos die Regierung wegen der türkischen Angriffe. In Abwesenheit des Herrn Trikupis erwidert der Minister des Innern, Lombardos, es seien Schritte gethan, um diese Angelegenheit zu ordnen und er fügte hinzu, daß ohne die Zwischenfälle an der Grenze das Decret zur Ent­waffnung schon veröffentlicht sein würde.

sTelegramm derAgence Haaas".j Wie es heißt, hätten die Türken auf der Linie Melonna-Raveni und gegen Mavrelli das Feuer eröffnet. Die Griechen hätten die Türken zurückgeworfen und einige türkische Stellungen besetzt.

Amerika.

Newyorr, 22. Mai. Hier eingegangene Depeschen aus Washington melden, der Minister des Auswärtigen, Bayard, habe von der englischen Regierung außer der Freilassung des FischerbootesDavid Adams" auch eine Schadloshaltung der Besitzer desselben verlangt. _ ,

Washington, 22. Mai. Ein Schreiben des Ministers des Auswärtigen, Bayard, an den Senator Frye besagt, es seien Schritte gethan zur Aufklärung des Gerüchts über die Weigerung der kanadischen Behörden, dem amerikanischen Schiffe Jennie und Julia" zu gestatten, in Digby (Neuschottland) Häringe zum Einsätzen zu taufen. Bayard habe sich mit directen Vorstellungen an den britischen Gesandten, West gewandt und denselben ersucht, von dem Director des Zollamts in Digbn Aus-, kunft über diese augenscheinliche Verletzung der Rechte der amerikanischen Händler zu verlangen. Was endlich das tadelnswerthe Verfahren der kanadischen Behörden gegen­über amerikanischen Schiffen angehe, so versichere er (Bayard) bestimmt, daß den Rechten amerikanischer Bürger, so lange deren Schutz in seinen Händen liege, kein Ein­trag geschehen solle.

Telegraphische Depesche«.

rvolst's telegr. Torrespondenz-Bureau.

Berlin, 23. Mai. Die Eröffnung der Jubiläums-Kunstausstellung hat pro­grammmäßig stattgefunden. Der Kronprinz wies in seiner Ansprache an den Kaiser­aus die vor hundert Jahren vollzogene Stiftung der Ausstellungen durch Friedrich den Großen hin. Nachdem dann ein Völkeraewitter ohne Gleichen vor mehr als 80 Jahren das alte Europa von Grund verändert hatte, bleibe es ewig denkwürdig, daß gerade Männer aus dem Norden, wie Winkelmann, Thorwaldsen, Carstens und Schinkel es gewesen seien, welche die Botschaft von Hellas verkündeten; eine andere Schaar, in deren Mitte Cornelius, habe die deutsche Vorzeit zurückgerufen. So er­wuchs mannigfaltig, wie es deutsche Art ist, auch die deutsche Kunst; immer mehr sich -erweiternd, gewährt sie eine Fülle von Erscheinungen, die wir in der Hoffnung ge­nießen, daß die mancherlei Gaben zuleüt in einem Geiste der Wahrheit, Gesittung und Vaterlandsliebe zusammenwachsen werden, nach dem Vorbilde der Geschicke unserer deutschen Stämme, die unter der väterlichen Leitung des Kaisers ein einiges Haus, eine starke Fmnilie geworden sind. Althergebrachter Sitte gemäß ist auch das Aus- lmrd gastlich eingeladen worden; mit freudiger Bereitwilligkeit sind die Künstler aus den Nachbarstaaten und aus weiter Ferne gefolgt. Ihnen Allen rufen wir ein freund­liches Willkommen zu.

Leipzig, 23. Mat. Heute fand hier die feierliche Grundsteinlegung der deutschen Buchhändlerbörse statt.

Nikolajew, 23. Mai. Gestern Vormittag empfing das russische Kaiserpaar die Ständeausschüsse des Cherson'schen Gouvernements. Später fand eine Truppenschau statt und sodann besuchte das Kaiserpaar das Marinehospital und verschiedene Lehr­anstalten. Nachmittags 4 Uhr fand der feierliche Stapellauf des KriegsschiffsKatha­rina II." statt. Abends war großes Diner, zn welchem die Spitzen der Behörden und Verschiedene Deputationen zugegen waren; um lO^/z Uhr Abends verließ das Kaiserpaar mit oen Grdßfürsten und Gefolge Nikolajew. An allen Orten, wo sie sich öffentlich zeigten, wurden dieselben enthusiastisch empfangen.

Athen, 23. Mai. (Telegramm derAgence Havas".j Die Feindseligkeiten haben heute früh auf denselben Linien wieder begonnen. Die Türken rücken in beträchtlicher Anzahl heran.

General Sapuxdzaki meldet heute von der Grenze, daß das Feuer der Vor­posten auf beiden Seiten eingestellt sei.

Catania, 23. Mai. Die letzten Nachrichten vom Aetna lauten beruhigender. Die flüssige Lava aus den ersten Krateröffnungen beginnt zu stocken, die Lava aus den späteren Krateröffnungen ist noch flüssig, nimmt jedoch ab. Das unterirdische Getöse hat aufgehört.

Berlin, 24. Mai. sPrivatdepesche.^ Professor Leopold von Ranke ist gestern Abend 103/4 Uhr gestorben. '

Lokale».

Gießen, 24. Mai. Die gestrige Turnfahrt des Turnvereins, an welcher eine sehr große Anzahl Gießener, Licher und Wiesecker Turner Theil nahmen, hatte einen allgemein beftiedigenden Verlauf. Morgens um 6 Uhr marschirten etwa 60 jüngere Turner nach Hausen, Garbenteich und nach kurzer Rast daselbst auf herrlichen Wald­pfaden nach dem freundlichen Lich.

Hier nun bcriethen, während die Jüngeren Freunde und Bekannte aufsuchten, die Vertreter der Turnvereine Lich und Gießen über die zur Gründung eines neuen Gaues erforderlichen Maßnahmen. Da wir selbst den Verhandlungen nicht beiwohnten,

müffen wir uns auf die freudige Mittheilung beschränken, daß ein Gau, wiewohl nur die Turnvereine Lich und Gießen umfassend, mit dem NamenLahn-Wetter-Gau" unter den günstigsten Auspicien zu Stande gekommen, ein provisorischer Gauausschuß gewählt und betreffs der turnerischen Feste dieses Sommers Abrede getroffen ist.

Nachdem der Extrazug von Gießen noch eine sehr große Zahl Turnschwestern und älterer Turnbrüder uns zugeführt, wurde unter den luftigen Weisen eines Theils der 116er Kapelle der Marsch nach dem idyllisch gelegenen Arnsburg angetreten. Und hier entwickelte sich ein Leben und Treiben, eine Stimmung, so froh, daß selbst das drohend aufziehende Gewitter kaum bemerkt wurde.

Um 5 Uhr führte uns der Gießener Turnwart eine recht nette Gruppe Frei­übungen vor. Kaum aber waren diese beendet, so blitzte und donnerte es von allen Seiten und der wuchtig niederprasselnde Regen verscheuchte Alle in die geräumigen Klosterräume, wo wir dichtgedrängt warteten, bis das Gewitter sich ausgetobt hatte. Dann Rückmarsch nach Lich, wo wir im Holländischen Hof noch zwei vergnügte Stunden, gewürzt durch kernige Ansprachen und Toaste auf den neuen Gau, dessen Gründung luftreinigend wie das eben erlebte Gewitter auf gewisse faule Zustände, wirken, der stets eingedenk der Umstände bei seiner Gründung fürWahrheit und Recht" unentwegt eintreten möae. Die Rückfahrt nach Gießen erfolgte gegen 10 Uhr. Wir müssen noch einer Scene gedenken, welche sich in Arnsburg absvielte, genau so wie vor 38 Jahren unter ähnlichen Umständen hier bei der Einweihung des Turnplatzes des Vereins. Ein knorriger Bauersmann aus der Umgegend, die recht zahlreich in Arnsburg ver­treten war, bemerkte nämlich, als das Gewitter losbrach:De Pedruß scheind scheinds aach nix von dene wisse zu wolle"; worauf ihm ein Gießener erwiderte:Liewer Mann, der Petrus begießt's, damit's wächst"; darauf Jener:Da konnd er aach Rüchd ho". Auch wir wünschen dem Lahn-Wettergau, daß er wachse, blühe und gedeihe zum Wohle der Turnerei.

Gieße«, 24. Mai. Der drückenden Hitze der letzten Tage folgte gestern Nach­mittag ein, oder wenn man will, ein Haufen Gewitter, welche sich über unsere Gegend hinzogen. Haben wir auch in loco nicht so sehr von Schaden, welchen dieselben an­gerichtet, zu klagen, so sind unsere benachbarten Orte nicht so glimpflich davon gekommen. In Wetzlar bildete sich über dem Bahnhof eine Windhose, welche sehr erhebliche Ver­heerungen anrichtete. Der Locomotivschuppen der Nassauischen Bahn wurde abgedacht, zwei Eisenbahnwagen, mit Steinen beladen, wurden aus den Schienen geworfen und umgestülpt. Auf der chemischen Fabrik sollen große Schornsteine eingestürzt, wie auch in dem benachbarten Hermannstein zwei Häuser von dem Sturm umgeweht worden sein. Kurzum, die Verheerungen werden als ganz großartig geschildert. In der Wetterau hauste das Wetter ebenfalls arg. Es regnete derart, als ob eine Sündfluth zu erwarten wäre. Man darf sehr gespannt auf die weiteren Nachrichten sein.

Geschichts-Kalender.

25. Mai.

1277. Zu Straßburg wird der Grundstein zum Bau des Münsters gelegt.

1809. Schill besetzt Stralsund.

1846. Flucht des Prinzen Louis Napoleon aus dem Gefängnisse zu Ham.

1871. Große Petroleum-Brandstiftung in Paris durch die Communards.

Handel und Verkehr.

Grünberg, 22. Mai. (Fruchtpreise.) Weizen vM 17.40, Korn JL 14.10, Gerste «4L 12.00, Hafer JL 13.30, Erbsen 16.00, Linsen JL. 00.00, Lein JL 00.00, Samen JL 24.00, Kartoffeln JL. 3.20, Wicken 00.00.

Kepertmr der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. M.

Opernhaus.

Dienstag den 25. Mai: Gastspiel des Herrn Perotti. Teil. (Arnold: Herr Perotti.)

Mittwoch den 26. Mai: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Turandot. Außer Abonnement.

Donnerstag den 27. Mai: Vorletztes Auftreten des Herrn Perotti. Der Maskenball. (Richard: Herr Perotti.)

Freitag den 28. Mai geschlossen.

Samstag den 29. Mai: Templer und Jüdin.

Sonntag den 30. Mai: Die Favoritin.

Montag den 31. Mai: Abschieds-Vorstellung des Herrn Perotti. Die Hugenotten. (Raoul: Herr Perotti.) Außer Abonnement.

Schauspielhaus.

Dienstag den 25. Mai: Die relegirten Studenten.

Mittwoch den 26. Mai: Barbier von Sevilla.

Donnerstag den 27. Mai geschlossen.

Freitag den 28. Mai: Zum ersten Male: Das neue Gebot. Schauspiel in 4 Akten von Ernst von Wildenbruch.

Samstag den 29. Mai: Ein Tropfen Gift.

Sonntag den 30. Mai: Zum ersten Male wiederholt: Das neue Gebot.

Auszug aus dm Kirchenbücher« der Stadt Gietzm. Evangelische Gemeinde. Getraute.

Den 20. Mai. Christian Jnderthal, Kaufmann zu Gießen, und Johanna Georgine Petri, Tochter des verstorbenen Bauunternehmers Louis Petri I. zu Gießen. Den 22. Mai. Franz Kronemeyer, Locomotioheizer zu Gießen, und Christine Jakobine Philippine Mahla, Tochter des Conditors Georg Mahla zu Gießen.

Denselben. Jakob Peter Nolte, Schneider zu Gießen, und Anna Elisabeth Lehning, ledige Tochter des Taglöhners Peter Lehning in Laubach.

Getaufte.

Den 16. Mai. Dem Gärtner Johannes Schneider III. ein Sohn, Robert, geboren den 12. Januar.

Denselben. Dem Restaurateur Peter Jmmel ein Sohn, Heinrich Gustav Otto, geboren den 25. April.

Denselben. Dem Oeconom Wilhelm Lindenstruth III. eine Tochter, Marie Christine, geboren den 21. April.

Denselben. Dem Schuhmacher Franz Neumeier eine Tochter, Sophie Susanne, geboren den 19. April.

Denselben. Dem Schneider Wernhard Brück eine Tochter, Elisabeth Henriette Margarethe, geboren den 22. April.

Denselben. Dem Porzellanmaler Carl Ernst Punge eine Tochter, Margarethe Henriette Katharine, geboren den 25. April.

Den 17. Mai. Dem Wagenrevisor Justus Beinhauer eine Tochter, Johanna Helene Martha, geboren den 29. April.

Den 21. Mai. Dem Hautboist Karl Fischer ein Sohn, Otto Max, geboren den 5. März.

Beerdigte.

Den 15. Mai. Lisette Kreuder, geb. Thron, Wittwe des Taglöhners Daniel Kreuder, 67 Jahre alt, starb den 13. Mai.

Den 18. Mai. Ottmar Köhler, Kaufmann, 36 Jahre alt, starb den 16. Mai.

Den 19. Mai. Katharine Margarethe Unverzagt, ledig, 74 Jahre alt, starb den 18. Mai.

Den 20. Mai. Johanna Pfaff, geb. Schneider, Wittwe des Schuhmachermeisters Philipp Pfaff, 70 Jahre alt, starb den 18. Mai.

Den 21. Mai. Johann Wilhelm Bieber, Mechaniker, lediger Sohn des ver- storbenen Stadtgärtners Christian Bieber, 21 Jahre alt, starb den 19. Mai.

Kirchliche Anzeigen der evsnget. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Matth.

Kap- 7, von Vers 1 an, Pfarrer vr. Naumann-

Temperatur der Lahn.

Am 24. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17«, Luft 16« R. im Schatten.

L. Chr. Nübsamen.