wieder einzunehmcn. Zwischen den Vorposten ist hernach wieder vollständige Ruhe eingetreten.
Amerika.
Washington, 22. April. Der Präsident Clevcland richtete heute eine.Bot- schaft an den Kongreß, in welcher er eine Gesetzgebung über das schwierige Problem der Arbeiterfrage empfahl und hervorhob, jede Gesetzgebung über diesen Gegenstand müsse eine ruhige, wohl überlegte und unparteiische sein. Das gegenwärtige Verhält- niß zwischen Kapital und Arbeit sei ein wenig befriedigendes, die Unzufriedenheit der Arbeiter sei zum großen Theil durch die unüberlegten Forderungen der Arbeitgeber hervorgerufen. Es müsse indessen auch constatirt werden, daß die Arbeiter es sich nicht immer angelegen sein ließen, Störungen der Ruhe und Ordnung zu vermeiden, die nicht zu rechtfertigen seien. Cleveland ist nicht gegen ein freiwilliges Schiedsgericht, schlägt aber vor, eine Arbeitscommission zu bilden aus 3 Mitgliedern, die Reaierungs- beamte sein sollen. Diese Commission solle beauftragt sein, die Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu regeln. _____
Telegraphische Depesche«.
Wolff'v ielegr.
London, 23. April. Ein gestern in der St. James Hall unter dem Vorsitze Labouchere's stattgehabtes Meeting, welches zahlreich besucht war, nahm eine Resolution an, welche sich mit der irischen Politik Gladstone's einverstanden erklärt. An der Diskussion betheiligten sich Labouchere, Bradlaugh und mehrere andere radicale Deputirte.
— Die „Times" schreibt, die englische Regierung setze volles Vertrauen in die Aufrichtigkeit Rußlands bezüglich der griechischen Frage, sowie in sein treues Festhalten an dem europäischen Concert. Das Gerücht, Delyannis sei von Petersburg aus heimlich ermuntert worden, entbehre jeder Begründung.
Petersburg, 23. April. Das „Journal de St. Pctersbourg" glaubt, daß alle Cabineie einig seien, sich der Aufforderung Englands bezüglich eines sehr dringlichen Collectivschrittes in Athen behufs Herbeiführung der Abrüstung anzuichlteßen. Das „Journal" meint, wenn Griechenland jetzt den auf Erhaltung des Friedens gerichteten Wünschen der Mächte entgegenkomme, so würde es sich in Zukunft ein weiteres Anrecht auf die Fürsorge der Mächte erwerben. Es sei zu hoffen, daß die Bemühungen der Mächte von Erfolg gekrönt sein würden.
Drinbifi, 23. April. Von gestern bis heute Mittag kamen hier und in der Umgebung 13 Cholera - Erkrankungen und 9 Cholera-Todesfälle vor. Von letzteren kommen 5 auf früher Erkrankte.
Lokale-.
Gießen, 24. April. sStadtverordnetensitzung vom 22. April, Nachmittags 4 Uhr.) Anwesend die Herren Bürgermeister Bramm und Beigeordneter Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Bai st, Georgi, Grüneberg, Dr. Gut- fleifch, Hanstein, Hoch, Kauf, Ad. Roll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.
Die Prüfung des städtischen Voranschlags, hier speciell die Frage, ob die im Budget vorgesehenen Kosten für Fortsetzung der Pflasterung der Frankfurter Straße, desgl. der Schillerstraße und Umänderung des Einlaufs Ecke der Löwengasfe, sowie die damit verbundene Umpflasterung und Röhrenlegung durch Kapitalaufnahme oder aus laufenden Mitteln zu decken seien, ergiebt nach namentlicher Abstimmung den Beschluß, daß für die beiden ersten Punkte die Kosten auf Rechnung der Kapitalaufnahme, der letztere Posten dagegen auf Rechnung der laufenden Einnahmen zrr setzen fei. —
Der Voranschlag des Realgymnasiums ergiebt einen Umschlag in Einnahme und Ausgabe von ca. 65560,57 JL und ist hierbei nichts zu beanstanden.
Die Fortsetzung der Trottoirpflastelung in der Bahnhofstraße von der Westan- lagc nach der Wieseck, vom Großh. Polizeiamte beantragt und von der Baudeputation befürwortet, wird genehmigt.
Das Gesuch des Turnvereins um Erlaubniß zur Benutzung der Turnhalle an 4 Abenden in der Woche statt der bisherigen 3 Abenden, wird ohne Erhöhung der Abgabe genehmigt.
Auf ein Gesuch des Markscheiders Herrn Ehr. Keller um käufliche Ueberlafsung <ines Bauplatzes an der Grünberger Straße wird beschlossen, 3 Bauplätze an genannter Ltraße, gemäß einer früheren Bestimmung, alsbald zur Versteigerung zu bringen. — Das von Herrn L. Treff eingelaufene Gesuch um Geländeaustausch wird dahin beantwortet, daß dieser zunächst mit seinem Nachbar, Herrn Huhn, stattzufinden habe und der zur Regelung des dortigen Fluthgrabens ndthige Grund alsdann der Stadt gratis zu überlassen sei.
Eine Eingabe des Bäckermeisters Herrn Jakob Horn um Bauerlaubniß, welche einen Anbau lind damit verbundene weitere Ueberbauung des Stadtbaches betrifft, kann wegen der in Aussicht stehenden Renooirung des letzteren (Legung in eine Steinsohle) vorerst nicht genehmigt werden; ebenso wird das Baugesuch des Redacteurs Herrn Eugen Laris wiederholt abschlägig beschieden.
Neber das Gesuch des Weißbindermeisters Herrn Louis Hellmold um Errichtung einer Abfahrt in der verlängerten Flügelsgasse kann erst mit einem eingereichten definitiven Baugesuch entschieden werden.
Das Gesuch des Backsteinfabrikanten Herrn Joh. Dcrn II. um Erlaubniß zur Anlegung eines Wasserablaufs wird unter den üblichen Bedingungen genehmigt.
Im Anschluß an die durch das Baugesuch des Herrn Carl Schwall festgesetzte Baufluchtlinie auf der linken Seite der großen Mühlgafse wird vom Großh. Kreisbauamte auch diejenige der andern Seite gewünscht; sie wird von dem Stadtbaumeister vorgelegt und gutgeheißen.
lieber einige Anstände von Seiten Großh. Kreisbauamtes in dem Nivellement für den Hamm wird die Baudeputation ermächtigt, unter Zuziehung des Großh. Kreisbaumeisters, Herrn Baurath Walter, diese Angelegenheit definitiv zu erledigen.
Die Aufstellung des Brunnens in der Nordanlage auf dem Grundstücke des Herrn Th. Schmidt wird genehmigt.
Hierbei bringt Herr Bürgermeister Bramm den sich auf ca. 105,000 JL belaufenden Voranschlag für die zu erweiternde Wasserleitung, ausgeiertigt von Herrn Rosenfeld, zur Kenntniß der Versammlung und beantragt, fämmtliche Wasserleitungs-Angelegenheiten dem Ressort der Bau-Deputation zu überweisen, welchem Antrag ohne Debatte entsprochen wird.
Die Errichtung eines Brunnens vor dem Hause Nr. 36 an der Frankfu'-ter- Straße wird gutgeheißen und die hierfür entstehenden Kosten von ca. 700 X genehmigt.
Die nun noch vorliegenden Punkte der Tagesordnung, welche weniger von allgemeinem Interesse sind, «erden alle nach Antrag des Henn Bürgermeisters Bramm genehmigt.
Schluß der öffentlichen Sitzung V|7 Uhr.
— Gießen, 24. April. Der Radfahrverein Gießen feiert sein erstes Stiftungsfest Sonntag den 2. Mai d. I. und zwar durch eine Corsofahrt um die Schoor, Auffahrt auf dem Trieb, sowie Concert und gesellige Vereinigung im Garten, bei ungünstiger Witterung im Saale der Liebtgshöhe. — An Vcreinstouren sind für diesen Sommer vorgesehen:
I. Tour: Sonntag den 9. Mai. Gießen—Garbenteich—Dorfgill—Eberstadt— Münzenberg — Oberhörgern — Butzbach — Pohlgöns—Kirchgöns—Langgöns—Großen- Linden—Gießen. (Entfernung ca. 49 Kilom.)
II. Tour: Sonntag den 30. Mai. Gießen—Wetzlar—Usingen—Bad-Nauheim— Gießen, event. Gießen—Wetzlar —Braunfels—Weilburg und zurück. (Entfernung ca. 80 Kilom.)
III. Tour: Sonntag den 1. August. Gießen — Reiskirchen — Wetterfeld — Raubach—Schotten—Rainrod—Eichelsdorf— Ober- und Unterschmitten—Nidda—Gießen. (Entfernung ca. 93 Kilom.)
IV. Tour: Sonntag den 29. August. Gießen—Bad-Nauheim und zurück.
Gießen, 24. April. Es ist an dieser Stelle schon früher auf den durch halbwüchsige Schlingel verursachten Unfug am Bahnhofe hingewiesen worden, ohne daß die Polizei im Stande war, diesem zu steuern. Heute nun gelang es ihr, einiger Bürschchen habhaft zu werden, welche auf einem mit Frucht beladenen Fuhrwerke die Säcke durch- ^chmtten und Weizen daraus gestohlen hatten.
Vermischtes.
M. Coblenz, 21. April. Das Leben und Treiben hier im engeren Rhein- thale hat sich in den letzten Wochen auffallend rasch entwickelt und der Sommer zeigt ein blähen überall. Auf dem Rheine zeigen sich immer mehr neue große Dampfer und Lastschiffe, die Gütertransporte nehmen zu; schon erscheinen auch häufiger Fremde und in Ems und Neuenahr ist längst alles zur Saison bereit, die hoffentlich wieder einmal etwas gewichtigere Gäste mitbringen wird, als in den letzten Jahren. Seit 1870—71, d. h. seit die reichen Franzosen nicht mehr kommen, und auch die Engländer nach und nach seltener wurden, hatte der Badeverkehr in Ems doch sehr gelitten und alle Verschönerungen des Ortes helfen nichts dagegen. Das wirkte sodann wieder auf den ranzen Verkehr der Gegend zurück, der mehr einen deutsch-spießbürgerlichen Anstrich bekam, aber durchaus nichts für die Hotels und anderen Geschäfte Erfreuliches hatte, denn wenn Ems die Fremden nicht mehr anlockt und festhält, so reisen sie eben gleich nach der Schweiz weiter und auch die vielen reizenden Ausflugsorte zwischen hier und dem Niederwalde leiden ebenso wie Coblenz darunter. Kein anderer Theil von Deutschland ist aber so geeignet, fremdes Geld in's Land zu locken, als die Rheinaegend, und deßhalb ist es ein allgemeiner Verlust, wenn es hier stockt. Wenn nur der deutsche Kronprinz oder sonst ein Mitglied des Kaiserhauses einige Sommermonate hier am Rhein zubringen möchte, dann würden sich die Dinge bald wieder bessern, dann kämen auch fremde Fürsten und Diplomaten und wiederum deren Landesangehörige herbei und der Verkehr der Fremden würde wieder der alte. — Demnächst beginnen schon die Wallfahrten nach dem alten Kloster Bornhofen, das so herrlich am Fuße der durch die Sage bekannten Burgruinen „die feindlichen Brüder" gelegen ist und das auch die Touristen eben wegen der Wallfahrten besuchen. Die Landbevölkerung hegt allenthalben frohe Hoffnungen, welche nur von den bekannten Mainächten zu Servatius, Pankratius und Bonifacius noch bedroht sind; der Stand der Saaten soll überall eine reiche Ernte versprechen und eine lange Kälte hatte das Rheinthal auch nicht, wenn auch die Witterung nicht besonders angenehm war. Der Wein und die Obftbäume zeigen gar keinen Schaden und letztere könnten sogar noch rechtzeitig abblühen, ehe jene kalten Nächte erscheinen. Die 1885er Weine erzielen bei den jetzigen Versteigerungen an der Mosel noch gute Preise, per Fuder Graacher 2600 Jt, feinere Sorten, wie Ober- emmeler 5000—5300 JL, wovon vieles nach Süddeutfchland geht. Die Restaurantspreise sind hier per V* Liter noch immer 30 H.
Auszug aus dm Stalldesamtsregistern des Standesamts Gieße«.
Aufgebote.
April: 22. Peter Joseph Möbs, Seifeilfabrikant zu Gießen mit Anna Marie Magdalene Trauth von Oberursel. 22. Christian Amold, Hülfsweichensteller zu Gießen mit Katharine Müller von da. 22. Johann Schneider, Spengler zu Gießen mit Mathilde Jacobine Schopbach von da.
Eheschließungen.
April: 19. Isaak Kahn, Kaufmann von Arloff mit Minna Klebe von Gießen. 21. Ludwig Lind, Lackirer von Gießen mit Elisabeth Werner von Gleiberg, wohnhaft zu Gießen. 21. Friedrich Frauenhain, Sergeant von Podelwitz, Amtshauptmannschaft Leipzig, mit Friederike Stroh von Londorf, wohnhaft zu Gießen. 21. Karl Dittmar von Romrod, Fuhrmann dahier mit Friederike Formhals von Allendorf a. d. Lumda. 21. Heinrich Schneider IV. von Wilnsdorf, Wirth dahier, mit Elise Lina Schuchard von Friedberg.
Geborene.
April: 12. Dem Kaufmann Feist Ellinger ein Sohn, Max. 15. Dem Bierbrauer Philipp Lindenstruth eine Tochter, Frida Christiane. 16. Dem Obersteiger Jacob Muth ein Sohn, Heinrich. 16. Dem Wagner Louis Faber ein Sohn. 16. Dem Schlosser Eugen Müller ein Sohn, Eugen. 16. Dem Zuschneider Peter König ein Sohn, Albert Wilhelm. 17. Dem Weichensteller Carl Ulm eine Tochter. 19. Dem Lehrer Heinrich Pfaff ein Sohn.
!Gefiorbeue.
April: 18. Der Bürgermeistereibureaugchülfe Karl Ritzel, 38 Jahre alt. 19. Der Rechtsanwalt Justizrath Dr. Karl Dornsciff, 74 Jahre alt. 17. Anna Fromm, geb. Schmidt, 75 Jahre alt, Wittwe des Gastwirths Jacob Fromm. 20. Rentnerin Mathilde Auguste Koch, 72 Jahre alt. 20. Ein Sohn des Lehrers Heinrich Pfaff dahier, 21 Stunden alt. 21. Christian Friedrich Hermann Walter Appel, 9 Monate alt, Sohn des Stations-Assistenten Fritz Appel. 22. Margarethe Rinn, geb. Koch, 28 Jahre alt, Ehefrau des Hausburschen Johannes Rinn.
Allszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getaufte.
Den 18. April. Dem Hilfsbremser Johann Heinrich Schneider eine Tochter, Elisabeth, geboren den 24. Januar.
Dem 20. April. Dem Hausburschen Lesch ein Sohn, Ludwig, geboren den 12. Januar.
Denselben. Dem Wirth Johann Heinrich Kiesselbach ein Sohn, Karl Theodor, geboren den 31. März.
Denselben. Dem Schaffner Johann Mahr ein Sohn, Karl Konrad Georg, geboren den 8. März.
Den 21. April. Heinrich Ludwig, Sohn des verstorbenen Bürgcrmeisterei- gehilfen Karl Ritzel, geboren den 29. März.
Den 23. April. Dem Gemüsehändler Christian Meinhardt ein Sohn, Theodor Emil, geboren den 19. Januar.
Beerdigte.
Den 17. April. Henriette Debus, geb. Treppinger, Ehefrau des Schuhmachermeisters Heinrich Debus, alt 43 Jahre, starb den 15. April.
Den 20. April. Eduard Plank, Metzgermcister, alt 44 Jahre, starb den 18.Aprll zu Londorf.
Denselben. Marie Göbel, geb. Finkernagel, von Oberwöllstadt, Wittwe des daselbst verstorbenen Gärtners Philipp Göbel, alt 45 Jahre, starb den 18. April.
Den 21. April. Marie Fromm, geb. Schmidt, Wittwe des Gastwirths Jakob Fromm, alt 75 Jahre, starb den 18. April.
Denselben. Dr. Karl Dornseiff, Rechtsanwalt, Justizrath, Kirchenvorsteher, alt 74 Jahre, starb den 19. April.
Denselben. Karl Ritzel, Bürgermeistereigehilfe, alt 38 Jahre, starb den 18. April.
Den 22. April. Auguste Mathilde Koch, ledig, alt 72 Jahre, starb den 20. April.
Kirchliche Anzeigen der evangel. Gemeinde.
Gottesdienst.
Ostersonntag, den 25. April.
Vormittags 9*/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Mitwirkung des Kirchengesangvereins.
_ , , Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen unserer Gemeinde. Ostermontag, den 26. April.
Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.
„ Mitwirkung der Chorschule.
Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der zu confirmirenden Gymnasiasten und Stadtschüler, Pfarrer Schlosser.
Nach beiden Gottesdiensten Kolle e für die hiesige Kirchenkasse zur Vermehrung des Kapitalvermögens der Kirchengemeinde.
.Am Sonntag den 2. Mai findet die Konfirmation der Gymnasiasten und Stadtschüler, sowie Feier des heiligen Abendmahls statt. Die Beichte wird am Samstag, den 1. Mai, Nachmittage. 2 Uhr, gehalten. Am Confirmationstag wird der Nachmlttagsgottesdienst um 6 Uhr gehalten; nach beiden Gottesdiensten wird eine Kollekte für die Armen unserer Gemeinde erhoben.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 25. April bis 1. Mai besorgt Pfarrer De. Naumann.
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