Ausgabe 
25.4.1886 Erstes Blatt
 
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Mr. 97

Erstes Blatt.

Sonntag dm 25 April

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Preis merteljLhrlich 2 Mark 20 Pf. mtt Mifinfc&SL Durch dir Post bezogen vierteljährlich 2 SRrcf 5« Pf.

Erscheint SLgttch mit de« MsrtichgS.

Gießen, den 24. April 1886.

Altern 1886.

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259$

Zu Nr. K. S. C.

Betreffend: Die Ferien in der Volksschule.

WUrssAt Dchulflraße 7.

2219 anftrtijfn.

Später als in anderen Jahren und sogar aus den letztmöglichen Tag fallend, naht uns in diesem Jahre das heilige Osterfest. Aber diese späte An­kunft des Festes, sie bewirkt es, daß uns in diesem Jahre, wie selten in einem anderen, die hohe, gewaltige Bedeutung des Festes vor Augen gerückt wird. Und daß dies geschehe, ist heutzutage um so wichtiger und wünschenswerther, als in vielen Kreisen die Weihe der christlichen Feste, ihre tiefernste Bedeutung verschwindet unter dem alltäglichen Flitterkram, der gelegentlich unserer Feste zum Aufputz des eigenen lieben Jchs und seiner Umgebung verwendet wird. Ist es doch leider eine ebenso wahre als beschämende Thatsache, daß es Hun­derte und aber Hunderte allüberall giebt, die zwar gedankenlos die christlichen Feste mitfeiern, die aber, wenn ihnen wirklich zur Zeit ihrer Confirmation die Weihe des Festes ausgegangen und verständlich geworden, wenige Jahre nach dieser Zeit von der wirklichen Bedeutung des Festes kaum etwas mehr als eine dunkle, verschwommene Vorstellung haben. Kann der aufmerksame Beobachter doch sogar bemerken, daß nicht wenige gedankenlos die Bedeutung, den Ursprung der verschiedenen christlichen Feste mit einander verwechseln und das geschieht nicht etwa von der Jugend, sondern von Erwachsenen, oft von den Eltern, bei denen die jugendliche Wißbegierde sich Raths erholen will und soll. Daß aber unsere hohen christlichen Feste doch wahrlich nicht dazu oa sind, um äußerlichen Schaustellungen, Vergnügungen und bergt zu dienen, das wird Jeder zugeben. Die christlichen Feste sollen doch eine lebendige und belebende Erinnerung jener gewaltigen Zeit sein, da durch des Erlösers Leben, Wirken und Tod die gesammte Menschheit aus der dunklen Nacht des Heidenthums in das Licht des' Christenthums geführt worden.

Lauter und eindringlicher aber, als durch Schrift und Wort, als selbst von der Kanzel herab, predigt uns die Naiur von jener großen, gewaltigen Zeit, von des Heilandes welterlösender That, von den Lehren, die wir aus ihr ziehen sollen. In diesem Jahre nun, in welchem die Feier des Osterfestes, des Auserstehungssestes, so spät wie selten sonst begangen wird, ist die Natur bereits wieder zu frischem frohem Leben erwacht, aus allen Bäumen und Sträuchern, aus dem Rieseln der Quelle, aus Feld und Flur, aus Busch und Hain, überall tönt uns des Frühlings mächtiges Wort entgegen, das da kündet die urewige, das All umsaffende Liebe Gottes, die Liebe, die da nimmer erstor­ben und nimmer ersterben wird, so lange noch Menschen athmen. Wie aber der Mensch selbst nur ein Theil der Natur ist, so ist er geneigt, eher auf diese stumme und doch so beredte Sprache zu hören, als aus Menschenzungen. Und namentlich in diesem Jahre, in welchem die Natur in ihrem Schaffen zur Zeit des Osterfestes weiter denn je fortgeschritten ist, zeigt sich das Menschenherz wohl empfänglicher für die großen Lehren, denn zu anderer Zeit.

Es ist eine unnütze Beschäftigung, die Bedeutung der jeweiligen Feste gegen einander abzuwägen und das eine für wichtiger und bedeutender, als das andere zu erklären. Wichtig und bedeutend sind alle unsere hohen christlichen Feste, gleich wichtig und gleich bedeutend, weil eines ohne das andere nicht denkbar, weil alle in der Lebensgeschichte des Heilandes wurzeln, weil alle zu­sammen die Urlehren des Christenthums enthalten. Allerdings ist wohl das Osterfest eines der schönsten Feste. Es ist ein Freudenfest, wie die meisten der christlichen Feste, aber es ist eine besondere Art Der Freude, die in das Menschenherz einzieht. Es ist die Freude, die dem unendlichen, thränenreichen Schmerze folgt, nachdem die Hoffnung wieder eingezogen, die Freude, die um so größer und nachhaltiger ist, als sie aus des Todes unfaßbarem Dunkel hervor-

luets,

tritt. Wie damals, nachdem sich das Grab über des Erlösers Leib geschloffen, am Tage der Auferstehung desto größerer Jubel und Freude über das uner- wartete Ereigniß herrschte, so ist auch heute noch für das Menschenherz am Osterfest die Freude um so größer, als die verheißungsvollen Worte, die uns neoen anderen die Ostern zurufen, die WorteUnd es muß doch Früh- ling werden!" nach langer banger Winternacht ertönen, tröstend, Hoffnuna erweckend, erlösend. a

Auch ein Tag der stillen Einkehr und Zwiesprache mit sich selbst soll das Osterfest sein, namentlich da, wo jüngere Familienmitglieder am Confirmation«- tage für den Eintritt in die kirchliche und bürgerliche Gemeinschaft geweiht werden. Mögen Eltern und namentlich Mütter der Weihe dieses Tages voll und ganz theilhaftig werden und die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ernste und gute Lehren in das an diesem Tage ganz besonders empfängliche Kindes­herz zu streuen, mögen aber auch die Kinder selbst an diesem Tage den besten Vorsatz fassen, auf dem schließlich die irdische Glückseligkeit beruht: Stets das Gute zu wollen und zu erstreben.

Und endlich jene armen Kranken, an Leib oder Seele Wunden, die in des Winters bangen Nächten wohl oft verzweifelt haben mögen, sie mögen am Oster­feste wieder neue Kraft, Lebensmuth und Hoffnung schöpfen, denn auch ihnen tönt ja die verheißungsvolle Kunde: Christ ist erstanden! Und die Gesun­den, Krastgeitählten, sie mögen in des Frühlings belebendem Hauch neue An­regung und Lust zu dem Besten finden, das unsere Erde bietet, zur ernsten, fruchtbringenden, der Allgemeinheit nützenden Arbeit, mögen sie nimmer ver­gessen, daß auch unseres Heilandes Leben ein Leben voll Mühen und Arbeit gewesen und daß alle diese Mühen und all' diese Arbeit im Dienste der leiden­den Menschheit geschehen!

Wir aber wollen auch diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne unseren freundlichen Leserinnen und Lesern, aufrichtig wünschend, zuzurufen:

Recht feohe, schöne Ofterfeiertage!

^urdasComptoii garrevfabrik einen H wrt guten Echnb ii,

V. Fiesser,

Spanien.

Madrid, 22. April. Das Leichenbegängniß des ermordeten Bischofs Jzqmerdo hat am Mittwoch vom bischösiichen Palast in der Straße Sacramento aus unter großartiger Betheiligung stattgefunden. Als Hauptleidtragende folgten o^.Sarge zwei Bruder des Verstorbenen in einfacher Bauerntracht, ferner der päpstliche Nuntius, die Kardinal-Erzbischöfe von Sevilla und Toledo, die Spitzen der Behörden, darunter Sagasta und andere Minister, die General-Capitäne Martinez Campos und der Marquis von Habana an der Spitze von Officiers- Abordnungen sämmtlicher Regimenter der Garnison, welche sich auf besondem Wunsch der Königin an dem Zuge betheiligten, und endlich eine lange Reihe der angesehensten Bürger der Stadt. Die Leiche wurde in der Kirche San Isidro beigesetzt, wo nächstens eine größere Trauerseierlichkeit folgen wird.

SerLieu.

Belgrad, 22. April. Das Ministerium hat die Wiederaufnahme des Processes wegen des an dem Abgeordneten Jakomljemitsch am 5. August v.J. verübten Mordes, m welchem ein freisprechendes Urtheil ergangen war, angeordnet. Mehrere Führer der Nadicalen, gegen welche bei diesem Anlaß die Untersuchung eingeleitet werden sollte, sind auf türkisches Gebiet übergetreten.

Kriechenland.

Athen, 22. April. In der vergangenen Nacht entspann sich zwischen den griechischen und den türtischen Vorposten in der Nähe von St. Clias ein etwa halb­stündiges Gewehrfeuer, bei dem aber Niemand verletzt wurde. Die türkischen Vor­posten gingen zurück, wurden jedoch von dem Befehlshaber der griechischen Vorposten aufgefordert, ihre frühere Stellung, die sich auf türkischem Gebiete befand, rußig,

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen an die Schulvorstände des Kreises.

« Mai tnÄ^fiS9 Schulbehörde dürfen die diesjährigen Ferien am Schlüsse der Schuljahre von Mittwoch dem 28.. Mts. bis zum

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Gefunden: 1 Hundehalsband, 1 Wagenlaterne, 2 Portemonnaies, 1 Spazierstock, I Cigarrenetuis, l Taschentuch, I Weisel, I Kinder, kragen, 3 Schlüssel, 1 Bruchband, I Senkel, I Fisirkappe. '

Gießen, am 24. April 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

______ Fresenius.___

sp 3um Liquidator des Vereinsvermögens der dahier bestandenen Mitgliedschaft bet' Vereinigung ber Metallarbeiter Deutschlands haben wir den brüw0*' § ? DMer 1878 bie gemeingefährlichen Bestrebungen

Gießen, den 21. April 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

_______________________________Fr esenius.

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