Ausgabe 
25.4.1886 Drittes Blatt
 
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die Herren Carl Kor mann, Ang. Noll II. und Friedr. Bender als Revisoren. Da die Kasse durch vorhin angesührte Thalsachen den Beweis der Lebensfähigkeit er­bracht hat, geben wir dein Wunsche Ausdruck, verehrliche Handelskammer und Handels­stand möge diesem zeitgemäßen und gemeinnützigen Institute mit immer mehr Wohl­wollen begegnen und dasselbe durch Veranlassen der jungen Leute zum Beitritt thatkräftig unterstützen. Bei dieser Gelegenheit machen wir auch alle Bureaubeamten der Ver­waltungen, Anwälte 2C. auf die Kasse aufmerksam, da auch diese in dieselbe aus­genommen werden.

Universität- - Ehrorrik.

Der bisherige Medicinal-Assessor, praktische Arzt und Privatdoccvt Dr. med. Paul Gueterbock in Berlin, ist zum Medicinalrath und Mitglied des Medicinal- Collegiums der Provinz Brandenburg ernannt worden.

Der ordentliche Professor der philosophischen Fakultät zu Kiel, Dr. Las­st a y r c s, ist nach Bonn berufen worden.

Am 13. d. M. feierte in Tübingen der Mineraloge Professor Dr. 2 neu­ste dt sein 50jähriges Doetor-Jubiläum. Prodekan Dr. Cimer überreichte ihm das von der Universität Berlin erneute Diplom.

Der Privatdocent Dr. Joseph von Mering in Straßburg ist zum außerordentlichen Professor in der medicinischen Fakultät ernannt worden.

ZZerrnisctrt--.

Apolda. Im Jahre 1884 verstarb hier der Schuhmachermeister R. und hinter­ließ eine Wittwe und 6 Kinder. Der Mann hatte den Feldzug 187071 mitgemacht, das eiserne Kreuz erworben, aber auch Verwundungen am Kopfe davongetragen, Nach seiner Entlassung vom Militär konnte der Mann zwar seinen Geschäften nachgehen, litt aber fortgesetzt an empfindlichen Kopfschmerzen. Der Arzt befürchtete den Aus­bruch von Irrsinn, doch trat der Tod ein, ehe sich diese Besorgniß verwirklichte. Den Anspruch aus Pension für sich oder seine Angehörigen hatte R. nicht rechtzeitig er­hoben und so stand die Wittwe ohne jede dauernde Unterstützung da. Da wandte sich der Bruder des Verstorbenen mit einem Briefe an den Fürsten Bismarck, ob ihm der Fürst nicht einen Weg bezeichnen könne, auf welchem eS möglich sei, der Wittwe und ihren sechs Kindern eine Unterstützung zuzuführen. Laut Meldung derMagdeb. Ztg." wurde der Frau in vergangener Woche durch den Bezirksdirector eröffnet, daß sie für sich monatlich 15 JL und für jedes Kind 10,50 JL Pension von dem Todestage ihres Mannes au zu beziehen habe.

Marseille, 15. April. Eine schreckliche Katastrophe warf gestern Nacht Be­stürzung unter die Bewohner Ajaccios. In der Straße Fesch, welche zu den be­völkertsten der Stadt gehört, ist ein siebenstöckiges Haus zur Hälfte buchstäblich ein­gestürzt. Von allen Seiten wurden beim Fackelschein unter Jammerschreien Der Opfer und deren Freunde Hilfeleistungen inscenirt, Bevölkerung und Garnison wetteiferten in dem traurigen Werke. Die Opfer des Unglücks sind 16 Personen, 12 Todte und. 4 schwer Verwundete. Die Bevölkerung gibt der städtischen Behörde die Schuld an dieser Katastrophe, weil sie das längst baufällige Haus immer noch hatte

sieben lassen. Von Algier wird gemeldet, daß ein wegen Trunkenheit in's Gefängniß gesetzter Soldat des zweiten leichten afrikanischen Bataillons in seiner Zelle verhungert ist. Man hatte acht Tage lang vergessen, ihm seine Nahrung zu bringen.

** [6ine alte Klaget Im Jahre 1386, also genau vor jetzt 500 Jahren, erließ der Rath von Regensburg ein Verbot gegen die Weinverfälschungen mit Waidasche (Waid ist eine Färbepflanze, isatistinctoria), Kalk, Alaun undsonst einem Gernächre, das am Leben schadet". Hat wohl nicht viel geholfen, zum Bedauern der durstigen Regensburger: denn durstig müssen sie gewesen sein, die guten alten Regensburger und Regensburgerinnen: die Gemahlin des im Jahre 1381 neuerwählten Bürgermeisters wurde von den Rathsfrauen (d. h. den Frauen der Rathsherren) mit einer Ohm wälscken Weins beschenkt. Die Rathsfrauen selbst hatten, während sie bei dem Kämmerer auf die Ankunft der Frau Bürgermeisterin gewartet, fünf Köpf desselben Weins ge­trunken! So berichtet eine glaubwürdige Chronik.

Von einem braven Locomotivführer berichtet man aus Kopreinitz vom 12. d. M.: Die Passagiere des zwischen Zakany und Karlstadt in Siebenbürgen ver­kehrenden Postzuges wurden heute durch die Geistesgegenwart des Maschinenführers vor einer großen Gefahr verhütet. Gegen 5 Uhr Nachmittags erhob sich plötzlich ein schrecklicher Sturm, der auf der Station Lepavina drei leere Wagen in's Rollen brachte und dieselben dem aufahrendcn Postzuge mit rasender Schnelligkeit entgegentrieb. Der Zusammenstoß schien unvermeidlich. Noch rechtzeitig bemerkte der Maschinenführer die Gefahr, brachte den Zug zum Stehen, ließ die Maschine loskoppeln und fuhr mit derselben mit aller Kraft den heranrollenden Wagen entgegen. Das Wagniß gelang. Zwei der Wagen wurden zwar total zertrümmert, der dritte schwer beschädigt, aber der wackere Maschinenführer, dessen Namen wir zu unserem Bedauern nicht erfahren konnten, hatte mit Gefährdung seines eigenen Lebens ein großes Unglück verhütet, ohne glücklicherweise selbst Schaden zu nehmen. Nach zwei Stunden war die Strecke frei und der Zug konnte seine Fahrt fortsetzen. K

Literarisches.

»Musikalische Jugendpoft". Verlag von P. I. Tonger, Köln. Preis 1 JL pro Quartal.

Diese vorliegende neue musikalische Jugendzeitschrift bestrebt sich, in einer Fülle anregender Lectüre: Erzählungen, Märchen, Gedichtchen, in allgemein verständlichen kunstgeschichtlichen und pädagogischen Aufsätzen, in werthvollen Musikbeilagen und hübschen Illustrationen in der Unterhaltung belehrend und in der Belehrung unter­haltend zu sein, macht der übersprudelnden Jugendlust Concesssoncn, ohne den gesunden, sittlichen Lebensernst aus dem Auge zu verlieren und ist dem kindlichen Verständniß angepaßt, doch so, daß auch Erwachsene Manches darin finden mögen, was ihnen, sei es belehrend ober unterhaltend, zusagen wird.

Allen, welche die Tonkunst lieben und ein gleich warmes Interesse für unsere Heranwachsendemusikalische Zukunft" unsere liebe deutsche Jugend hegen, fei das neue zeitgemäße musikalische Blatt bestens empfohlen.

Die für das Rechnungsjahr 1885/86 rückständigen Kapitalzinsen, sowie die für ersteigerte Früchte des landwirth- schastlichen Versuchsfeldes, noch nicht berichtigten Beträge sind innerhalb der nächsten 14 Tage zur Uni­versitätskasse zu bezahlen.

Gießen, den 20. April 1886. Großherzogl. Universitäts-Rentamt.

_________Schmitt.______3014 Ein geräumiges Kocal wird für Schulzwecke bis Herbst d. I. zu miethen gesucht.

Gießen, den 20. April 1886.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

________A. Bramm. 3019

Eichrnhch- Versteigcrung.

Donnerstag den 28. April, von Vormittags 9 Uhr an, werden in dem Walddiftricte Burg­wald an der Staatsstraße Gießen- Marburg versteigert:

318,75 Festm. Eichenholz von 16 bis 40 Ctm. Durchmesser,

108,11 Festm. Eichenholz von 40 bis 50 Ctm. Durchmesser,

35,71 Festm. Eichenholz von 50 Ctm. Durchmesser und darüber,

68,92 Festm. in Längen von 1,50, 2,00 und 2,50 Mtr., letztere zu Eisenbahnschwellen geeignet- Gegen Bürgschaft wird Zahlungs­frist bis 15. September d. I. gestattet und sind Rr.-Verzeichnisse von dem Unterzeichneten gratis zu beziehen.

Staufenberg, am 17. April 1886. Im Auftrag:

Vogel, Bürgermeister. 2993

Ieikgeöotenes.

Eine Wandpumpe mit Bleirohr und Schlarnmseie, fast neu, zu verkaufen. r.

C. Hohmeier, Schlößer, 2933 Sonnenstraße 11

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Albert Sehrend.

Allgemeiner Anzeiger.

Oeffentliche Versteigerung.

Unterzeichneter läßt Mittwoch den 28. April d. I., Vormittags V2IO Uhr, auf dem Karls Hof bei Nidda unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen folgende Gegenstände versteigern:

Ein braunes Stutenpserd, norddeutsche Zucht, edel, 12 Jahre alt.

Stute Fuchs mit Fohlen, selbstgezogen, 6jährig, Racenpferd.

Braune Stute, selbstgezogen, 5jährig, beide sehr gut eingeritten und gefahren. Schwarzschimmel, selbstgezogen, 4jährig, zum Reiten und Fahren geeignet. Zwei Kühe, braun, Schwitzer und Holländer Kreuzung, sehr gut in der Milch. Einige Enten.

Eine vollständige Brennerei (kupferner Dampfkessel, Säulenapparat, eisernes Kühlschiff, Inhalt 3000 Liter) steht noch aufgestellt auf Hof Dauernheim, Station Ranstadt der Oberhess. Bahn, ist beinahe vollständig neu und dort einzusehen.

4 vollständige eiserne Achsenwagen, 1 Chaise, 1 Schlitten, Pflüge, Eggen, Bettwerk, Möbel und sonstige Oekonomiegeräthe, wie Fruchtmähmaschine, Häckselmaschine, Futterschneidmaschine, Dickwurzmühle, Schrotmühle u. s. w.

Ein Haufen Stroh von circa 60 Fuder Weizen.

Ungefähr 5060 Wagen Mist.

Nidda, 19. April 1886.

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