Tie bei den Schalterstellen der Postämter und Postagenturen vorhandenen violetten SrempeLmarken sind mit Ablauf dieses Monats zurückzuziehen. Wegen des Weiterbetriebs der alten Wechselstempelmarken, deren fernerer Gebrauch zulässig ist, wird später Verfügung ergehen.
— Die Tagesordnung der am 8. April d. I. in Darmstadt stattfindenden 10. Sitzung des Großh. hessischen Eisenbahnbeiraths stellt zur Berathung die diversen Sommerfahrpläne und den Seitens der preußischen Staatsbahnen bei der General- Eonferenz der deutschen Eisenbahn-Verwaltungen eingebrachten Antrag auf Ermäßigung der Stückgutfracht für Eisen- und Stahlwaaren, Blei und Zink, andere unedle Metalle, Düngemittel, Getreide, Hülsenfrüchte, Sämereien, Kartoffeln, »Futtermittel; ferner den Antrag, die Güter des Specialtarifs 3 bei 5000 Kg. zum Satz des Specialtarifs 2 zu befördern.
— Beim Untergange des englischen Dampfers „Oregon", welcher Queenstown am 7. März verlassen hatte, ist nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten die mit demselben beförderte deutsche Post für die Vereinigten Staaten und für Mexiko in Verlust gerathen.
Landwirthschaftliche-.
— sKrebs und Brand der Aepfel- und Birnbäume.^ Zn der letzten Versammlung des pomologischen Vereins in Cronberg sprach der Gärtner Herr G. W. Eichenauer über Krebs und Brand der Aepfel- und Birnbäume. Wir entnehmen dem Vortrage Folgendes:
Was versteht man unter Krebs und was unter Brand der Obstbäume? Wodurch entstehen beide und wie sind sie zu heilen? Beide Krankheiten sind identisch, werden aber nach der Ursache ihres Entstehens bald als brandiger, knolliger oder schwammiger Krebs bezeichnet. Ersterer entsteht durch Frost, besonders an älteren Bäumen und namentlich bei abnormer Winterwitterung, wenn die nöthige Holzreife vor Beginn starken Frostes nicht eingetreten »ar. Kleine Saftgefäße platzen, die Rinde sinkt, Fäulniß tritt ein, der Zweig versagt die Functionen, im zweiten Jahre bildet sich ein schwarzer Fleck daselbst, vermehrt durch Käser, Schildläuse 2C. und der Krebs ist da. Gewisse Obstsorten find für das Uebel besonders disponirt. Nur durch sauberes Weg- und Ausschneiden kann dem Umsichgreifen der Krankheit vrrgebeugt werden, andernfalls tritt bei dem Baume eine Säftevergiftung ein. Durch das absteigende Kampium tritt an irgend einer Stelle eine Verwundung der Aeste auf, welche die Gallusbildung nicht überdecken kann. Der Saft des Baumes wird verschwendet, die Wunden schließen sich nicht und in Folge dessen ist die Ernährung der übrigen Theile unvollständig. Der Baum blüht zwar stark, aber Früchte trägt er nicht mehr, höchstens noch unvollkommene. Hierbei ist jedoch Heilung noch sehr oft möglich. Die betreffenden Stellen müssen bis auf das gesunde Holz sauber weggeschnitten (besser etwas gesundes Holz zu viel abschneiden als wie krankes stehen lassen) und hierauf mit kaltflüssigem Baumwachs gut bedeckt werden. Erwähntes Baumwachs sollte jeder Qbstbautreibende vorräthig haben, weil es wegen der wenig Zeit in Anspruch nehmenden Zubereitung und seiner Qualität allen anderen Salben vorzuziehen ist. Eine zweite Ursache, durch welche brandiger Krebs an jungen Bäumen entsteht, ist die, daß dieselben entweder zu tief ober auf nassem Untergründe gepflanzt sind. Das Auswerfen entsprechend großer Löcher ist überall angezeigt, das Wiedereinfüllen der Erde muß aber auch in Betracht gezogen werden. Der Baum muß nach dem Verpflanzen noch etwas höher stehen als das Niveau der Erde. Falls der Baum beim Verpflanzen nicht beschädigt wird, wird man fragen: Woher kommt es, daß der Baum dennoch den Krebs bekommen kann? In diesem Falle erklärt sich die Entstehung der Krank
heit folgendermaßen: Der srischgepflanzte Baum hat durch das Ausgraben aus der Baumschule einmal eine Unterbrechung in der ErnährunA und Säftecirculation erlitten. Um ihn wieder fähig zu machen, diejenigen Stoffe an sich ziehen zu können, welche er zum Anschlägen und zum Wachsthume nothig hat, schneiden wir ihm die Wurzeln so, daß die Schnittflächen auf der Erde sitzen. Würde dies nicht geschehen, so könnte an dem Wurzelende keine Vernarbung (Gallusbildung) vor sich gehen. Der auf- und absteigende Saft correspondirt mit den Wurzelenden; letztere suchen nach Nahrung, welche aus Kali, Phosphorsäure und Ammoniak bestehen muß. Wo aber bie, Atmosphäre auf diese Stoffe nicht einwirken kann, geht auch die Zersetzung der Stoffe nicht vor sich, welche die Wurzelenden zu erreichen nothig haben. Es wird dies dadurch verhindert, baß der Baum mit seiner neuen Wurzelbildung den atmosphärischen Einflüssen zu weit entfernt bleibt, weil er zu tief steht. Auch bilden sich um die zu tief gepflanzten Bäume oft Vertiefungen des Bodens, welche sich im Winter und Frühjahre voll Wasser stellen, in Folge dessen wird der Boden steinhart und dadurch wird den Wurzeln der Zutritt von Luft und Wärme erschwert. Dies gilt besonders von solchen Lagen, bei denen die Schichten des Untergrundes ohnehin viel Wasser führen.
, Solche Grundstücke sollen, bevor sie mit Obst bä um en bepflanzt werden, drainirt, riolt und die Bäume auf sogenannte Kegel gepflanzt werben. Wer so verfährt, wird die Wahrnehmung machen, baß derart gepflanzte Bäume nie ober höchst-selten krebskrank werden und sollte letzteres doch der Fall sein, bei richtiger Behandlung immer heilbar sind. Der schwammige oder knollige Krebs wird in der Regel heroorgerufen durch starke Ber «undungen, welche ohne jede Beachtung sich selbst überlassen bleiben, anstatt daß dieselben richtig ausgeschnitten und verbunden werden. Solche Verwundungen kommen besonders beim Ackern und Eggen der Baumäcker vor. Hierauf sollte mehr Sorgfalt verwandt werden. Wird die Wunde nicht gleich weggeschnitten, so springt namentlich im heißen Sommer das Holz auf. Durch den ausfließenden Saft bildet sich in der Baftschichte eine der Jauche ähnliche Gallerte, im Winter hat der Frost freien Zutritt, um die Wunde bildet sich eine schwammige Erhöhung, im zweiten Jahre wird die Stelle kohlschwarz und der Baum ist krebskrank.
Möchten diese Zeilen dazu beitragen, daß der Pflege und der Behandlung der Obstbäume mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde und daß jeder Obstzüchter erkennen möge, daß von den Feinden der Obstbäume der größte gewöhnlich der Mensch selbst ist.
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Holzversteigerung.
Mittwoch den 31. März d. I.
soll in dem hiesigen Gemeindewald, Distr. Ziegenberg und Stamm, folgendes Holz versteigert werden:
146 Kiefern-Stämme von 16—26 cm Durchm., 47 Festm.
800 Fichten-Derbstangen,
450 Reisstangen,
50 Rm. Buchen-Scheit,
6 „ „ Knüppel,
1200 Buchen-Wellen,
700 Nadel-Wellen,
20 Nm. Buchen-Stock.
Der Anfang ist Morgens 10 Uhr im Distr. Ziegenberg bei Geilshausen.
Geil; Haufen am 19. März 1886.
Großy. Bürgermeisterei Geilshausen.
_______ Pfeiff. 1965
Hohversteigerung.
Freitag den 26. März, von Vormittags 8 Uhr an, foll in hiesigem Gemeindewald Hardt nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
28 Eichenstämme von 30—50 Ctm. Durchmesser und 6—10 Mtr. Länge =16 Festm. enthaltend, 178 Rm. Buchen-Scheiter,
56 „ Eichen- „
100 „ Buchen-Knüppel,
52 „ Eichen- „
6000 Stück Buchen- u. Eichen-Wellen, 124 Rm. „ „ „ Stöcke.
Die Zusammenkunft ist beim Via- duct in der Plankenwiefe.
Bemerkt wird, daß die Eichenstämme Nachmittags von 1 Uhr an zur Versteigerung kommen.'
Lang-Göns, den 23. März 1886. Großh. Bürgermeisterei Lang-Göns.
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