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Bulgarien.
Philippopel, 21. November. Der russische Consulat« - Verweser ist heute Morgen abgereist, nachdem er die Behörden davon benachrichtigt halte.
Eingesandt.
Gießen, 20. November.
Auf das „Eingesandt" vom 18. d. M. möchte ich erwidern, daß der Uebelstand^ wie er genannt wurde, nach dem Philosopbenwald nicht so dringend erscheint, als im „Eingesandt" geschildert wurde. Ich bin der Ansicht, daß ein Spaziergänger, welcher nur dieses Bedürfnitz hat, nichts umgeht, wenn er V* Stunde weiter über die Germania seinen Spaziergang einschlägt, die Zeit geht dann wohl besser herum, was er ja doch nur suchte. Im Sommer, wenn spazieren gegangen, ist der Weg zu jeder Zeit passirbar, im Winter bei Schnee wird der schöne Philosophenwald zur Erholung nicht so besucht sein, daß dieser Weg passirt werden muß. Was das Hals- und Beinbrechen anbelangt, so kann das auch geschehen, wenn der Weg noch V/z Fuß erhöht würde, indem diese Durchlässe Nothwendigkeit sind, zur Be- und Entwässerung des großen Wiesengrundes, welches doch nothwendiger und zweckmäßiger ist, als dem Spaziergänger reinliches Schuhwerk zu erhalten. Ich glaube, daß der Stadtsäckel jetzt genug in Anspruch ge- nommen ist, ohne daß man noch unnöthige Ausgaben verlangt.J.
Schiff-Nachrichten»
Bremen, 22. November. Wer transatlantischen Telegraph.]! Der Postdampfer Saale, Capt. H. Richter,, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. November von Bremen und am 11. November von Southampton abgegangen war^ ist am 20. November 2 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Neywork angekommen.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Bttreau.
Bre-larr, 22. November. Nach der „Schles. Zeitung" findet außer in Oderberg auch in Natibor und Oppeln eine ärztliche Untersuchung durchpassirender Auswanderer statt. In Natibor werden dieselben auch bezüglich der Geldmittel reotdirt. 22. November. Der „Eorrespondent" meldet: In Lauenburg,
Stormarn und Pinneberg sollte gestern ein socialisttsches Flugblatt vertheilt werden. Es gelang der Polizei, die Vertheilung vielfach zu verhindern. In Elmshorn und Pinneberg wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und große Schrtftenvorräthe vorgesimdem^ 2?. November. Der Präfekt des Rhonedepartements, Massicault, ist an Stelle Bihourds zum Residente» in Tunis ernannt.
Gent, 22. November. Anläßlich einer beabsichtigten Arbeiterkundgebung untersagte der Municipalrath jeden öffentlichen Aufzug, W> Entfalten von Fahnen und Emblemen, Gesänge in den Straßen. Jede Ansammlung soll sofort zerstreut werden. Die Garnison ist konsignirt, die ganze Bürgergarde zusammenberufen. Aus Lille sind Arbeiter eingetroffen, um hier Arbeit zu nehmen. Mehrere Fabrikbesitzer ersuchten den Bürgermeister, Maßregeln zum Schutze der Arbeit zu treffen.
London, 22. November. Die von der socialdemokratischen Föderation veranstaltete Kundgebung beschäftigungsloser Arbeiter, welche gestern Nachmittag auf dem Trafalgar-Square staltfand, nahm einen ruhigen Äerlauf. Von den Theilnehmern der Versammlung mochte die Hälfte aus solchen, die mit den beschäftigungslosen Arbeitern sympathtsiren, bestehen. Zu den vorgeschlagenen im soctalistischen Sinne gehaltenen Resolutionen nahmen drei Redner das Wort. Die Resolutionen wurden angenommen. Während den Verhandlungen erschienen mehrere Deputationen mit Musikcorps, welche Lei der Ankunft und bei dem Wtederabmarsche die Marseillaise spielten. Eine Deputation begab sich im Laufe des Nachmittags zu der Wohnung Lord Salisbury's. Da dieser nicht anwesend war, kehrte die Deputation nach dem Trafalgar Square zurück, wo eine weitere Resolution angenommen wurde, welche den Mangel an Rücksicht des Premierministers gegenüber den Arbeitern tadelt. Die Versammlung ging sodann auseinander. Zur Verhinderung von Ruhestörungen waren von der Polizei die umfassendsten Maßregeln getroffen. Der Polizeichef Warren befand sich mit gegen viertausend Polizeimannschaften, darunter hundert berittenen, persönlich am Platze; außerdem wurden in den benachbarten Kasernen noch fünfhundert Mann Militär in Bereitschaft gehalten.
Bukarest, 22. November. Nach einer Meldung der „Corr. Havas" trafen die russischen Eonsuln aus Rustschuk und Widdin in Bukarest ein. Bei der Abreise der ersteren hielten der Präfekt von Rustschuk und der Chef der Oppositionspartei, Zacharias Stojanow, eine Ansprache an denselben und erklärten die Abreise der russischen Consuln für Bulgarien beklagenswerth und ein Abbruch der Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien unmöglich. Alle Slaven, sowohl Bulgariens als Macedoniens, würden einen derartigen Zustand nicht dulden. Sie schoben alle Verantwortung für dte gegenwärtigen Verhältnisse dem General Kaulbars zu und erklärten schließlich, Bulgarien sei bereit, die von Rußland vorgeschlagenen Existenzbedingungen anzunebmen, wenn nur die Verfassung gewahrt bleibe.
Odessa, 22. November. Der Dampfer „Gedächtniß Merkurs" ist Vormittags von Varna etngetroffen. Der Dampfer „Zadiaka" folgt alsbald. Beide Schiffe, auf denen der russische Consul aus Varna und zahlreiche bulgarische Emigranten sich befinden, gehen in eine sünstägige Quarantäne.
Athen, 22. November. Der Prinz von Wales wird im Laufe des nächsten Monats hier erwartet, um an den anläßlich der Mündigkeitserkläruug des Kronprinzen slattfindenden Festlichkeiten theilzunehmen.
Aden, 22-November. Meldung des Bureau Reuter.] Der Capitän und sieben Personen der Mannschaft des französischen Kriegsschiffes „Pengonia" in Ambadu, woselbst sie, um Wasser etnzunehmen, gelandet, sind vom Stamm Ecassa Somanli ermordet worden. _
Berlin, 23.. Noüember. Wrioatdepesche.] Die Zeitungsnachricht, daß die deutsche Regi^ung die Uebernahme des Schutzes russischer Unterthanen in Bulgarien äblehnte) ist gänzlich unbegründet. Eine vor einigen Tagen russischerseits gestellte Anfrage , ob die zur Bewachung der russischen Archive in Sofia zurückgelassenen russischen Beamten nötigenfalls sich wegen des Schutzes russischer Unterthanen an die deutschen Vertreter wenden könnten, wurde umgehend vorbehaltslos zustimmend beantwortet.
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Gießen, 23. November. Auf dem heutigen Markt Mete: Butter per Pfund X 1.05—000, Hühnereier pr. St. 7—8 Enteneier St. 0—0 4, Käse pr. St. 5—9 H, KSsematte 3—0 Erbsen pr. Liter 16 H, Linsen 27 H, Tauben per Paar 50 biS
65 H, Hühner per Stück X 0.85—1.00, Hahnen pr. Stück X 0.60—1.00, Enten per Stück X 1.20-1.80, Ochsenfletsch per Pfund 62-64 4, Kuh- und Rindfleisch 54—56 4, Schweinefleisch 56—60 Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 46—50 Kartoffeln per 100 Kilo Jt 3.40—5.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner M 4 00-4.50.
Zu Mitgliedern des Ausschusses sind gewählt: Als Gauvertreter Herr Ph. Uhl, Gießen, Gauschriftwart Herr L. Mank, Wieseck, Gauturnwart Herr Gg. St off er, Gießen, Gaurechner Herr L. Sch er ff, Lich.
Gleichzeitig wurde die Anmeldung zum IX. Kreis (Mittelrhein) beschlossen und wird dieselbe in den ersten Tagen an den Kreisverlreter Rothermel (Darmstadts abgeschickt werden; es ist dies umsomehr zu begrüßen, da auch unser Gießener Verein nun seinem längst geplanten Ziele, wieder in die Reihen der deutschen Turnerschaft eingereiht zu sein, einen merklichen Schritt näher getreten ist. S.
— Gießen, 23. November. Wortrag.] „Deutsche Frauenarbeit im Gebiet der schönen Lttteratur" lautete das Thema des Vortrages, den Fräulein Dr. Ella Mensch aus Darmstadt vor einer sehr zahlreich versammelten Hörerschaft in der Aula des Gymnasiums am gestrigen Abende hielt.
Der Inhalt des gediegenen Vortrags zerfiel in zwei Theile, von welchen der erste die hervorragendsten weiblichen Dichter und Schriftsteller nach den in ihren Werken zu Tage tretenden Charaktereigenschaften behandelte und der zweite sich eingehend mit der Frage beschäftigte, woher es käme, daß wir auf dem Gebiet der Poesie keine Frauenschöpfungen ersten Ranges, keine Werke, die einer ganzen Zeit den Stempel aufdrücken, zu verzeichnen hätten.
Hierbei kam die Vortragende auf ein sehr interessantes Kapitel zu sprechen, nämlich auf die Bedingungen, welche zur Hervorbringung eines Meisterwerkes erforderlich sind, und lieferte an der Hand von Thatsachen den Beweis, daß sich solche weder im bisherigen Lebens- und Bildungsgänge der meisten schriftstellernden Frauen aufzeigen ließen. Werke, die den Besten einer Zeit genug thun müssen, um für alle Zetten zu leben, schaffe eben nur der, in dessen Geist Form und Gang der geschichtlichen Entwicklung und die jedesmalige Bildungsstufe der Menschheit, kurz die Gestalt des Jahrhunderts und Körpers der Zeit, zur klaren Anschauung gekommen ist. Im Hinblick auf den gegenwärtigen Umbildungs- und Entwicklungsprozeß, in welchen die Frau gestellt ist, könne man die Ueberzeugung gewinnen, daß vielleicht die dritte klassische Periode unserer Literatur, der wir entgegensteuern, durch Frauenschöpfungen ersten Ranges bestimmt sein werden. Dann würde man auch auf die Vorboten und Bahnbereiterinnen, von denen Rednerin die bedeutendsten nannte, verweisen und in. ihren Werken die Keime und Ansätze der späteren höheren Bildungen erkennen. Ihre Zahl wird um so größer und achtunggebietender sein, je mehr sie es sich zum Grundsatz machen, nur dann zur Feder zu greifen, wenn das, was sie zu sagen haben, zum Mindesten ein Sandkorn zum Bau der Ewigkeiten trägt.
Die Rednerin verstand es, die Zuhörer durch ihre Rhetorik und den Glanz ihrer Darstellungsweise eine Stunde hindurch zu fesseln und in einer andachtsvollen Spannung zu erhalten. Reicher Beifall wurde ihr zum.Schluß gespendet.
Gießen, 22. November. sTheater.] Franz v. Schönthan dürfte unstreitig der beste Arzt gegen alle Hypochondrie sein, denn mehr kann unmöglich im Theater gelacht werden, als wie dieses gestern Abend bei der Aufführung von „Der Raub der Sabinerinnen" geschah. Damit ist eigentlich Alles gesagt. Unsere Schauspieler waren sammt und sonders an ihrem Platze und wetteiferten mit einander, den tollen Schwank nach besten Kräften zur Geltung zu bringen. Die Herren Becker, Tem me und Schröder spielten ihre Rollen ganz superb und wurden von den Damen Reidner, Schrader und Hartmann erfolgreich unterstützt. Ganz besonders belobt zu werden verdient das geradezu musterhafte Ensemble. Man merkt es jeder Vorstellung an, mit welchem Fleiß die betreffenden Stücke einstudirt sind. Der Erfolg war ein großer und war das Theater wiederum sehr gut besetzt. Eine Bitte möchten wir bei dieser Gelegenheit an unsere theaterbesuchende Damenwelt richten, doch die Hüte während der Vorstellung abzulegen. Diese zarte Aufforderung geschieht im Interesse der die letzten Plätze einnehmenden Zuschauer.
Gieße«, 23. November. Kommenden Montag, den 29. d. Mts., Nachmittags Vz3 Uhr, soll die neu erbaute „Herberge zur Hetmath" mit einer entsprechenden Feier eröffnet worden.
— Gestern wurde ein Taglöhner aus Wismar in dem Momente dahier verhaftet, als er eine von ihm einem Arbeiter auf der Straße in Wismar gestohlene Uhr einem hiesigen Uhrmacher verkaufen wollte.
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Gießen, 23. November. Werein für Krankenpflege.] Vergangenen Donnerstag wurde im „Casö Ebel" die Generalversammlung dieses Pereins abgehalten. Der Vorsitzende erstattete eingehenden Bericht über die Thätigkeit des Vereins mährend des verflossenen Jahres, dabei hervorhebend, daß die Schwestern stets vollauf beschäftigt waren und sich immer mehr der allgemeinen Anerkennung erfreuten. Nach Verlesung des Casseberichtes, welcher zwar ein nicht unerfreuliches Bild gab, jedoch Hebung der Einnahmen wünschenswerth erscheinen ließ, wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten und der seitherige Vorstand einstimmig wiedergewählt.
Von Seiten eines Mitgliedes wurde mit Rücksicht auf Obiges der Antrag gestellt, bei hiesigem Stadtvorstande wegen eines Beitrages für den Verein vorstellig zu werden, was Seitens der Versammlung allgemeinen Beifall fand.
Wir hoffen, daß das an die Stadt zu richtende Gesuch, welches, im Hinblick auf die - dem allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege gewährten Erleichterungen, ein nur billiges ist, bei der Vertretung der Stadt eine geneigte Aufnahme finden möge.
— sT u r n e r i s ch e §.] Bezugnehmend auf das s. Z. schon Mitgetheilte kann ich Ihnen nunmehr berichten, daß nach einer am vergangenen Sonntag im Hotel Victoria hier stattgehabten Sitzung Seitens der Vertreter des neugegründeten Lahn- Wetter-Gaues der Pereine Gießen (Turnverein), Wieseck und Lich zur definitiven Wahl des Gauausschusses sowohl wie zur Fertigstellung der bereits provisorisch entworfenen Statuten geschritten wurde.
Allgemeiner Anzeiger
8365
M. Kann, Lirrderrplatz
7436
Mein seit 5 Jahren am Lindenplatz bestehendes
Wäsche- und Werhwaaren-Geschast gebe am 1. Februar 1887 dortselbst auf und verlege solches nach Markt- straße, Ecke der Wettergaffe 1, in das Haus des Herrn M. Weiner; ich verkaufe Umzugs halber sämmtliche Waaren zu ganz enorm billigen Preisen.
Ganz besonders mache auf große Posten
fertiger Wasche und Unterwäsche,
sowie auf mein Lager in Kleiderstoffen aufmerksam.
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