Einzelbild herunterladen

dem Regensburger Handschuhmacher war der Wiener Privatier Pichler geworden. Er besuchte von Paris Versailles und Fontainebleau. Die Excellenzherren suchten weiter, und wer weiß, wie lange die Königsjagd noch gedauert hätte, wenn ihnen nicht eines Morgens der Telegraphenbote im Grand Hotel eine Depesche des Königs gebracht hätte, die aus Schloß Berg datirt war. In ziemlich scharfer Weise enthielt sie für die Herren Minister die kategorische Aufforderung, von ihreraus eigener Macht­vollkommenheit ohne königlichen Urlaub angetretenen Auslandsreise" unverzüglich Lurückzukehren.

Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich am Pfingst-Sonntag in der chemischen Fabrik zu Aussig ereignet. Drei Personen haben in Folge Einathmens von Schwefelwasserstoffgasen den Tod gefunden. Die drei in der Fabrik beschäftigten Arbeiter, Joseph Schulze, Joseph Eberhardt und Anton Tschapek, traten nämlich Sonntag Vormittag 11 Uhr, nachdem sie den Tag zuvor frei hatten, die Arbeit an. Schulze stand in der Abtheilung der Kupfervitrislgewinnung in Verwendung, während Eberhard und Tschapek bei den Filtrirpressen verwendet wurden. In der Mittags­pause kamen nun Eberhard und Tschapek zu Schulze auf Besuch und da er sich mit ihnen unterhielt und plauderte, vergaß er, das Ventil der Salzsäureröhre zu schließen und jenes der Röhre, wodurch die Gase, zumeist Schwefelwasserstoffgasse, entweichen sollten, zu öffnen. In Folge dessen füllten die Gase gar bald das Arbeitslocal und die drei genannten Arbeiter, welche die Gase einathmeten, fanden hierdurch den Er­stickungstod.

Vorige Woche wurde einem Bergmanne in Langendreer eine Chasse­potkugel, die er in der Schlacht vom 16. August 1870 vor Metz erhalten hatte, aus dem rechten Kniegelenk entfernt. Die Kugel war in eine dicke Schleimhaut gehüllt.

Die belgische Königs-Familie begab sich vor einigen Tagen nach dem Schlosse Bouchoute, um der Kaiserin Charlotte zu ihrem sechsundvierzigsten Geburtstage ihre Glückwünsche darzubringen. Der Zustand der Kaiserin hat sich gebessert, sie ist ruhiger, besonders seitdem ein ausgezeichneter Specialist, Dr. Smets, sie behandelt. Sie präsidirt jetzt regelmäßig der Mittagstafel, an der aber nur ihre acht Edeldamen theil- nehmen. Diese Damen, die aus der Brüsseler Aristokratie gewählt werden, sind durch­weg musikalisch. Die Kaiserin selbst ist eine vorzügliche Klavierspielerin, spielt täglich, und die Ehrendamen spielen entweder mit ihr vierhändig oder tragen Musikstücke vor. Hört die Kaiserin mit dem Spiel auf, so stickt sie leidenschaftlich. Dabei spricht sie niemals ein Wort; von Zeit zu Zeit sucht ihr Auge etwas; sie scheint nach einer Er­innerung zu Haschen. Zweimal täglich macht sie in dem schattenreichen Park und im Eichenwald Spaziergänge, aber auch hierbei ist sie gewöhnlich ganz schweigsam. All­sonntäglich besucht sie die Kapelle des Schlosses, der Pfarrer der Gemeinde Moysse hält den Gottesdienst; sobald die Orgel ertönt, belebt sich ihr Blick und sie selbst wird lebendiger. Ihr gejammter Hofstaat besteht jetzt aus fünfzig Personen; die Aufsicht und Leitung des ganzen Hauswesens, des Personals und Schlosses ist dem pensionirten Oberst Dupont vom Könige übertragen.

Die Gerichtsferien nehmen am 15. Juli ihren Anfang und dauern bis zum 15. September. Während der Ferien werden nur in Feriensachen Termine ab- gehalten und Entscheidungen getroffen. Dies sind folgende: Strafsachen, Arrestsachen und die einstweilige Verfügung betreffende Sachen, Marktsachen, Streitigkeiten zwischen Vermiethern und Miethern von Wohnungs- und anderen Räumen wegen Ueberlassung, Benutzung und Räumung derselben, sowie wegen Zurückhaltung der von Miethern in die Miethsräume eingebrachten Sachen, Wechielsachen und Bausachen, wenn über die Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Es können jedoch auf Antrag auch andere Sachen, wenn sie einer besonderen Beschleunigung bedürfen, vom Gericht als Feriensachen bezeichnet werden. Das Mahnverfahren, das Zwangsvollstreckungs­verfahren und das Concursverfahren wird durch die Gerichtsferien nicht unterbrochen.

Auch sind die Gerichtsferien auf die Angelegenheiten der nicht streitigen Gerichtsbarkeiten ohne Einfluß.

Genf, 18. Juni. Heute Vormittag um 10 Uhr entstand in der Universität zwischen zwei Studenten, Soltianow von Torno (Bulgarien) und Pagan (Genf) ein Streit; letzterer warf den ersteren zu Boden, dann wollte Soltianow auf Pagan einen Schuß abfeuern, das Pistol fiel jedoch zu den Füßen eines Professors und der Schuß ging los. Soltianow wurde sofort in's Gefängniß abgeführt. Der Vorfall erregte großes Aufsehen.

sFesthaftender Oelanstrich auf Zinkblechs Bekanntlich haftet ein Oelfarben- anstrich auf Zinkblech, namentlich, wenn solches der Witterung ausgesetzt fist, nur mangelhait. Um diesen Uebelstande abzuhelfen, wird empfohlen, vor dem Anstrich das Zinkblech mit nachstehender Beize zu überziehen. Rian löst 1 T. Kupferchlorid, 1 T. salpetersaures Kupferoxyd und 1 T. Salmiak in 64 T. Wasser, dem man 1 T. rohe Salzsäure zusetzt. Mittelst eines breiten Pinsels wird das Zinkblech mit dieser Flüssig­keit bestrichen, worauf es eine tiefschwarze Farbe annimmt, welche sich nach dem Trocknen (in 1224 Stunden) in eine dunkelweißgraue Rüance verwandelt, auf welcher nunmehr jeder Oelfarbenanstrich fest und dauernd haftet.

Geschichts-Kalender.

24. Juni.

1789. Silvio Pellico, italienischer Dichter, geboren.

1812. Napoleon überschreitet den Niemen mit 450,000 Mann.

1848. Vollständiger Ausbruch des Arbeiteraufstandes in Paris.

In den besten Gesellschafts-Kreisen wird Wtdtfeldt's Aachener Magenbehagen den renommirtesten Liqueuren oorgezogen. Niederlage bei Emil Fischbach. 4644

Rein seidene Stoffe Mk. 1.35 Pf. per Meter, sowie d Mk- 1.80 Pf. und 220 bis 9.80 (farbig, gestreifte und carrirte Dessins) vers. in einzelnen Roben u. Stücken zollfrei in's Haus das Seidenfabrik-D^pot 6- Henneberg (K. u. K- Hoflief.) Zürich. Muster umgehend. Briefe kosten 20 Pf. Porto. 497

Notiz!

Man kann bei den sich massenhaft mehrenden zweifelhaften Mitteln gegen Haar­leiden nicht genug auf das bereits 18 Jahre sich bewährende, von Autoritäten empfohlene, sich durch Güte und Billigkeit auszeichnende

Haarwasser v. Retter, München aufmerksam machen, welches wirklich leistet, was es verspricht: Conservirung und Kräftigung der vorhandenen Haare, Reinigung von Schuppen, weich und glänzend machen der Haare nebst Festhalten des Scheitels. 1117

Zu haben um 40 Pfg. und Mk. 1.10 bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße.

prakL n. Speedalarzt für Haut-, Frauen u. Ge- schlecht« krankhelten (Syphilis)etc. Frankfurt a. M. Stiftatr. 22, fr. Aaaist. Prof. Bicord«. Auev. hriefl. OV

Temperatur der Lahn.

Am 23. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 11°, Luft 12° R. im Schatten.

L. Chr. Rübsamen.

Dr. Gensch,

teriallieferungen, als:

10 Uhr,

n n

ii ii

ii

n

ii

ii

veranschl. zu

Jt. 3483 20

1711

2313

1225 -

2816 -

760

485 -

1650 -

40 -

168 -

a. Mauerarbeit

b. Steinhauerarbeit

c. Zimmerarbeit

d. Dachdeckerarbeit

e. Schreinerarbeit

f. Schlosserarbeit

g. Glaserarbeit

h. Weißbinderarbeit

i. Pflasterarbeit

k. Spenglerarbeit

1. Lieferung von 380 Ctr. Kalk, 20 Tonnen Cement. und 72 qm Sandsteinplatten

Iumpensortirerinnen

gegen hohen Lohn gesucht. 4605

Alexander Mayer.

Submission.

Die bei Erbauung einer neue« Kirche zu Arnshain vorkommenden Bauarbeiten und Ma­

der Submission

sollen auf dem Wege

Freitag den 2 Juli 1. I Bormittags 10 Uhr,

vergeben werden.

Voranschlag und Pläne können vor­her bei Herrn Kreistechniker Braun zu Alsfeld, die Bedingungen bei unterzeichneter Stelle eingesehen wer­den. Die Offerten sind bis zu obigem Termine verschlossen und mit der Auf­schriftSubmission auf Kirchenbau­arbeiten" versehen, portofrei bei unter­zeichneter Stelle einzureichen.

Arnshain (Post Kirtorf), am 21. Juni 1886.

Großh. Bürgermeisterei Arnshain.

Brodhäcker._____4648

Verding.

Montag den 28. d., um 10 Uhr, wird dahier f- d. Gem. Wißmar ver­geben: Anstreicher- und Weißbinderarbeit zu 228,10 ai, Spenglerarbeit zu 102 veranschlagt-

Krofdorf, den 22. Juni 1886.

4666 Das Bürgermeisteramt.

Allgemeiner Anzeiger.

Die Heugrasversteigerung von den Domanialwiesen in den Ge­markungen Alten-Buseck und Wieseck vom 17. und 18. Juni ist genehmigt und können die Abfuhr­scheine bei Großh. Rentamt Gießen vom 30. d Mts. an abgeholt werden.

Die Heugrasversteigerung in der Gemarkung Giesien ist nicht ge­nehmigt worden.

Gießen, den 22. Juni 1886. Großherzogl. Obersörsterei Gießen. ___________Block._________4650

Heugras- Versteigmmg.

Das diesjährige Heugras von den Domanialwiesen in der Gemarkung Gießen, insbesondere von den Wei­denstrauchwiesen, der Wiese am Scheid- qraben und den Ochsenwiesen, ein­schließlich der angekauften vormals von Schenk'schen Ochsenwiesen, wird

Montag den 28. Juni, Nachmittags 2 Uhr, bei Wirth Leib im Philosophenwald wiederholt versteigert.

Gießen, den 22. Juni 1886. Großherzogl. Obersörsterei Gießen.

Block.4659

Die Grasernte

von 2 Wiesen ist zu verkaufen. 4662_________Nord-Anlage 19 H.

Heugras Verpachtung von den

Rump fscta Wiesen ju Grasten-Buskck findet

Freitag den 23. Juni-

| Nachmittags 2 Uhr, statt. 4638

Montag den 28. Juni,

Vormittags 11 Uhr, sollen auf dahiesigem Ortsgericht die den Erben des verstorbenen Heinrich Andreas Jughard gehörigen Immo­bilien

Flur XXXVI Nr. 60 2331 Mtr. Wiese unter den alten Eichen, zwischen der mittelsten und der Wald­gasse,

XXXVI Nr. 61 - 1025 Mtr. Acker daselbst,

xxxvi Nr. 62 604 Mtr. Wiese daselbst,

XXXX Nr. 95, 98 u. 99,2 731 Mtr. Acker an den Schwarz­lachsgärten am Flutharaben,

XXXX Nr. 95, 98 u. 99.8 2357 Mtr. Acker daselbst,

nochmals freiwillig meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 23. Juni 1886.

Großh. Ortsgericht Gießen-

I. A-

______________Vogt.__________4658

Irbeitsversteigerung,

Donnerstag den 1 Juli d. I., des Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Nathhause die zur Herstellung der Weedmauer und des äußeren Verputzes des Nathhauses er­forderlichen Arbeiten und Lieferungen an den Wenigstnehmenden verstrichen werden, als:

1. Weißbinderarbeit «X 305 90

2. Maurerarbeit 120

3. 30 Ctr- Wasserkalk 36 -

4. 10 Cubm. Sand 60

5. circa 18 lsd- Meter

Mauerdeckelplatten 108

6. circa 18 Cubikmtr.

Bruchsteine 36

Hattenrod, am 21. Juni 1886. Großh. Bürgermeisterei Hattenrod.

Menget. 4654

4667 Ein kräftiger Bursche, nicht unter 20 Jahren, kann baldigst als Haus- bursche bei mir eintreten.

Louis Lenz, Restaurateur, (Felsenkeller).

Mirthslhast

unter T. Z. 297 an Haasenstein &

Vogler, Frankfurt a. M. 4651

Magenbehagen

Gesundheits- und Tafel-Liqueur ersten Ranges, welches sämmtlichen auslän­dischen Fabrikaten die Spitze zu bieten vermag, empfiehlt 4381

Emil Fischbach.

Polstermöbel

Stuhle, Spiegel, Bettvorlagen, Rouleaux, Wachs-Ledertuche empfiehlt 511

W. Kutzschrad,

Tapezier, Kaplansgasse 27.

Vermischte Anzeigen.

Längstens big jum 5. Juli

Wohnung von 45 Zimmern gesucht, am liebsten in den mittleren Stadttheilen.

Offerten bittet man unter X. Y. in der

Exp. d. Bl. abzugeben. 4590

4643 Ein Dreher und einige junge Leute finden Arbeit bei

Kauffmann & Co., Lampenfabrik.

4645 Eine diesige Ligueur- fabrik und Weinhandlung sucht gegen hohes Salair einen tüchtigen

Reisenden.

Nur solche wollen sich melden, die in gleicher oder ähnlicher Branche schon mit Erfolg gereist haben.

Offerten sub O. besorgt die Exped. d. Bl.

4670 Mehrere Mädchen mit guten Zeugllissen können geaen hohen Lohn gute Stellen erhalten. Näheres bei

Frau Tränkner, Vermiethfrau.

Ä^Technicum Mittweida Q s \

e <) Maiehiaen - Ingenieur Schale \ e h) Werkmeister Schale. \

l Yoruntarrtcht fröL \