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Nr. 143

Donnerstag den 24 Juni

1886

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Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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ik$" Einladung zum Abonnement -^3

auf den

Gießener Anzeiger,

Amts- unö flnjeigeöfatt für Öen .Kreis fließen.

DerGießener AnzeiAer" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, incl. der BeilageGießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.

Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei ins Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg?; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1886 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasten.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können.

Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß den Abonnenten des Anzeigers dieBerwaltungsblätter" zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal geliefert werden und ersuchen wir Reflektanten sich des der heutigen Nummer beiliegenden Bestellzettels gefl. bedienen zu wollen. Die Expedition.

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Allgemeiner Anzeiger.

Gießen, am 21. Juni 1886.

Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen der Einsendung der Verzeichniffe der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen.

_____________________________________________________Dr. Boekmann.__

Das Großherzoglichc Steucr-Commissariat Gießen.

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Daubringeu, Garbenteich, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Steinbach, Treis a. d. Lda. und Watzenborn und Steinberg.

Wir müssen Sie um baldigste Rücksendung der Reclamationstabellen ersuchen, da die Bezirks-Commission in den nächsten Tagen hier zusammen­treten soll, später einlangende Reclamationen daher vorerst nicht berücksichtigt werden können.

Gießen, den 22. Juni 1886. Süffert.

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AuS dem Großherzogthum Hessen. Bei der zweiten Kammer ist ein Antrag des Abg. Schröder eingelausen, dahin gehend:Die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen um 1) umfassende, insoweit nöthig, wie möglich außerhalb des Großherzogthums vorzunehmende Erhebungen zur sorg­lichen Prüfung der Frage, ob und eventuell aus welchen Grundlagen eine Staats­anstalt zur Versicherung gegen Hagelschaden mit Versicherungszwang errichtet werden kann, wie solche für die Jmmobilien-Brandversicherung seit Menschenaltern in unserem Lande wirksam ist? 2) um geneigte Mittheilung der zusammengefaßten Ergebnisse dieser Untersuchungen und der darauf gegründeten Ansichten über den Gegenstand."

Berlin, 21. Juni. In Hoskreisen hat man über das Wohlbefinden des Kaisers in Ems besondere Freude in Rückerinnerung daran empfunden, daß der hohe Herr im vergangenen Jahre so angegriffen dort angekommen war. Es besteht nun die Absicht, an dem Kur- und Reise-Programm des vergangenen Jahres möglichst nichts zu ändern; danach wäre also nach Beendigung der Kur in Ems ein Besuch der Insel Mainau, dann eine dreiwöchentliche Kur in Gastein und darauf ein Aufenthalt auf Schloß Babelsberg bis zur Reise zu den Manö- vern in den Reichslanden zu erwarten, welche auch die Kaiserin zum ersten Male besuchen würde. Dem Vernehmen nach wären bereits Anordnungen sür den Gasteiner Aufenthalt des Monarchen ergangen. Von einer Absicht des Fürsten Bismarck, im August nach Gastein zu kommen, ist hier vorläufig noch nichts bekannt, die österreichischen Blättern entnommene Angabe bedarf durchaus der Bestätigung.

Der Eisenbahnzug, welcher den Kronprinzen nach München führte, ent­ging, wie nachträglich bekannt wird, nur durch die Sorgfalt eines Beamten bei der Einfahrt in Hof der Gefahr der Entgleisung; es mußte ein Schlafwagen ans dem Zuge entfernt werden, an dem ein Radbruch befürchtet wurde, daraus entstand die verspätete Ankunft des Zuges in München-

Die Postanweisungen sür den Inlands-Verkehr und dieinternatio­nalen" Postanweisungen werden geändert und einige Zusätze gemacht, um die Absender zur Angabe der Wohnung des Empfängers beziehentlich der eigenen Wohnung zu veranlassen. Die mit Werthstempel versehenen Postanweisungs- Formulare der neuern Art in der Einrichtung sür den Inlands-Verkehr wer­den bereits geliefert, während mit der Versendung der ungestempelten und der Miterwähnten Formulare Anfangs Juli, beziehentlich Anfangs October begonnen

werden wird. Die vorhandenen Formulare sind auszubrauchen und dann erst die neuen Formulare zu verwenden und zu verkaufen.

Berlin, 22. Juni. Das Abgeordnetenhaus erledigte die erste Lesung der Weichsel-Rothstandsvorlage, sowie der Vorlage, betr. die Abänderung der Synodalordnung. Die zweite Lesung der beiden Vorlagen findet im Plenum, statt. Die Berathung des Gesetzentwurfs über die Kanton-Gefängniffe in der Rheinprooinz wurde wegen zu schwacher Besetzung des Hauses von der Tages­ordnung abgesetzt. Die Vorlage, betr. den Verkehr auf den Kunststraßen, wurde in der vorn Herrenhause beschloffenen Fassung genehmigt.

München, 21. Juni. Kammer der Reichsräthe. Die Sitzung begann unt 5 Uhr. Anwesend waren sämmtliche Prinzen, die Minister und fast sämmtliche Reichs­räthe. Der Präsident theilte mit, daß er im Namen des Reichsraths der Königin- Mutter condolirt habe. Der Referent des Ausschusses, v. Neumayer, berichtete über die Verhandlungen des geheimen Ausschusses betreffs der Regentschaft und theilte mit, daß der Ausschuß die Doctoren Grashey, Hubrich, Hagen und Müller bezüglich des eingereichten Gutachtens über den Zustand des verstorbenen Königs, sowie in Betreff Details der geistigen Krankheit und über den Sectionsbefund vernommen habe. Die Vernehmung habe sich ferner erstreckt auf die früheren Cabinetssecretäre Ziegler und Müller, sowie die Diener Hesselschwert, Meyer und Belker, welche den König in der letzten Zeit ausschließlich persönlich umgaben, und den Stallmeister Horn, welcher dem Könige Jahre lang nahe gestanden, endlich seien auch noch eine Anzahl minder wich­tiger Zeugen vorgeladen worden. Aus dem so gewonnenen Gesammtmaterial stelle sich die Krankheit dar als allmählich hervorgegangen aus der Sucht nach Einsamkeit, so daß dem Könige schließlich der Verkehr mit Menschen wahrhaft entsetzlich erschienen sei, ferner hätten sich furchterregende Wahnvorstellungen entwickelt, während deren der König oft stundenlang herumraste, oft wieder stundenlang festgebannt schien, Messer vor sich zu sehen glaubte 2c., endlich sei eine phantastische Sucht nach Projecten hervor­getreten. Beispielsweise habe der König zweimal Horn nach Kapri gesandt, um die beste künstliche Beleuchtungsart der dortigen blauen Grotte herzustellen. Der König habe Bayern verkaufen wollen, um ein Reich mit absolutistischer Negierungsform zu kaufen und habe die eingesandten Staatsacten und selbst die Gesammtvorstellung des Ministeriums vom 6. Mai den Stallbeamten zur Erledigung überwiesen.

Referent erwähnte weiterhin die schweren Mißhandlungen der Bediensteten bei. den geringfügigsten Anlässen, betonte das stete Herumsuchen nach Geld bei allen euro­päischen Höfen und bemerkte mit Bezug auf die Meldung der Blätter über angebliche Unterhandlungen mit dem Grafen von Paris, die Commission habe in den Acten und aus den persönlichen Vernehmungen absolut keine Andeutungen auf dergleichen ge­funden, außer auf einem vom Könige corrigirten Zettel über eine Anfrage um Geld bei dem Grafen von Paris. Die hinterlassenen Tagebücher des Königs seien aus Pietät und weil das anderweit vorhandene Material ausreichend sei, nicht durchsucht worden. Zur Entlastung des Ministeriums hebt der Referent den Bericht des Finanz-