peschen aufzugeben hatte, von Soldatenhaufen und von mit Stöcken Bewaffneten überfallen und derartig mißhandelt, daß er besinnungslos in das Generalconsulat gebracht wurde. Nachdem Kaulbars ermittelt, der Ueberfall sei auf Befehl der Militärbehörde geschehen, forderte er von Natschewitsch die Absetzung des Commandeurs der Lscal- brigade, des Stadtcommandanten, exemplarische Bestrafung der bei dem Uebafall betheiligten Leute und Erweisung militärischer Ehren an die russische Flagge. Kaulbars wies in der bezüglichen Note darauf hin, daß er, falls eine Genugthuung nicht bis zum 17. November erfolge, Bulgarien verlassen werde. Da weder eine Genugthuung noch überhaupt eine Antwort erfolgte, so muß Kaulbars heute früh aus Sofia abreisen und sämmtliche russischen Copsuln in Bulgarien und Ostrumelien haben Befehl, ihre Posten zu verlassen. Das Communique schließt mit der Anführung der von Kaulbars an das bulgarische Ministerium am 8. November gerichteten Note, worin er die Beschwerden Rußlands zusammengefaßt hat.
Amerika.
Newport, 20. November. Der Proceß gegen den früheren Stadtverordneten Mc. Quade wegen Annahme eines Geschenks von der Broadwaystraßenbahn wurde wieder ausgenommen. Der Mitangeklagte Fullgraff bezeugt, daß dreizehn Stadtverordnete je 20,000 Dollars für die Abgabe ihrer Stimmen zu Gunsten der Concessionirung der Straßenbahn erhielten.
— Die Leichenfeier Arthur's findet auf Wunsch der Familie sehr einfach, ohne militärische Ehren, statt.
Montevideo, 20. November. General Maximo Tajes ist zum Präsidenten der Republik Uruguay gewählt worden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 21. Novbr. Staatsminister v. Bötticher hat als Stellvertreter des Reichskanzlers eine Bekanntmachung erlassen, wonach die Eröffnung des Reichstags am 25. d. M., Mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des königlichen Schlosses stattfinden wird. Zuvor wird ein Gottesdienst, und zwar für die Mitglieder der evangelischen Kirche im Dom um 11 Uhr, für die Mitglieder der katholischen Kirche in der St. Hedwigskirche um IV/z Uhr, abgehalten. — Der Kaiser empfing heute Vormittag den Besuch des Großfürsten und der Großfürstin Wladimir und ihrer Kinder, ertheilte darauf dem General v. Zychlinski Audienz und empfing Nachmittags die Besuche des Prinzen Heinrich, des Prinzen Wilhelm, des Kronprinzen, der Kronprinzessin und der Erbprinzessin von Meiningen. — Um fünf Uhr findet Familiendiner bei dem Kronprinzen statt. — Aus Anlaß des Geburtstages der Kronprinzessin fand heute Vormittag in der Kapelle des kronprinzlichen Palais Gottesdienst, Mittags Festfeier in den Wohlthätigkeitsanstalten statt, deren Protektorin die Kronprinzessin ist. In der Stadt haben alle königlichen und viele Privatgebäude festlich geflaggt.
Berlin, 21. November. Wegen des Fehlens einer Gewinnnummer am letzten Ziehungstage der Lotterie der Jubiläums-Kunstausstellung hält der Senat der Akademie die Wiederaufnahme des ganzen Ziehungsaktes für geboten und beschloß deshalb, die Genehmigung der vorgesetzten Behörde nachzusuchen.
KottbuS, 21. Nov. In dem vor dem hiesigen Schwurgericht stattgefundenen Processe gegen die Rädelsführer des Spremberger Krawalls wegen Landfriedensbruchs bezw. Aufruhrs und Auflaufs sind die Angeklagten Saebischka zu 2 Jahren, Korn zu IVr Jahren, Gustav Hoffmann, Franke und Just zu je 1 Jahr, Warmulla zu 9 Monaten, Brosig und Dubran zu je 8 Monaten und Wonneberger zu 6 Monaten Ge- fängniß verurtheilt; Franke, Just, Wannulla und Brosig wurden je 3 Monate, Dubran, Horn und Wonneberger je 2 Monate auf die Untersuchungshaft abgerechnet. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Saebuschka, Korn, Gustav Hoffmann, Just und Franke wurden in Haft behalten. j
Greifswald, 21. Nov. Der Professor der pathologischen Anatomie Geheimer Medicinalrath Dr. Friedrich Grohe ist heute früh gestorben.
Paris, 21. Nov. Der bisherige Resident in Tunis, Bihourd, hat den ihm angetragenen Posten eines Generalresidenten in Tonkin angenommen.
Petersburg, 21. Nov. Das „Journal de St. Petersbourg" bezeichnet die Abreise des Generals Kaulbars aus Bulgarien lediglich als eine logische und bis tzu einem gewissen Punkte auch vorausgesehene Folge der blinden Halsstarrigkeit der in Bulgarien Regierenden. — Der deutschen „Petersburger Zeitung" zufolge ist der Fürst Nikolai von Mingrelien gestern aus dem Kaukasus hier eingetroffen und er hat sich alsbald nach Gatschina begeben. — Der am Freitag Abend hier eingetroffene französische Botschafter Laboulaye machte gestern dem Minister des Auswärtigen, Herrn v. Giers, sowie den übrigen hier anwesenden Botschaftern einen Besuch.
Lokales.
Gießen, 22. November. sTheater.j Die morgen zur ersten Aufführung gelangende Gesangsposse „Der Walzerkönig" dürfte von allen Freunden der leichtgeschürzten Muse mit Freuden begrüßt werden. Das lustige Stück hat in Berlin über 300 Aufführungen mit sensationellem Erfolge erlebt. Der .Kritiker der „Neuesten Nachrichten" läßt sich in folgenden Worten über das neue Stück aus:
Das Central-Theater hat nach dem vorigen Winter des Mißvergnügens endlich in dieser Saison den günstigen Stern wieder gefunden, unter dem es geboren; „Blitz- mädsl", „Goldonkel" waren lauter leuchtende Devisen, die von ihrem Schimmer an die Theaterkasse einen erheblichen Theil abgaben. Seit gestern ist ein „Walzerkönig" hinzugekommen; eine so betitelte Posse von Moser und Girndt ist mit keckem lieber; muth und tollster Ausgelassenheit an dem Publikum vorübergesaust, und die gesunde Gymnastik des Lachens hat für die blasse Gedankenarbeit keine Zeit übrig gelassen. Wo die Vernunft schüchtern sich hervorwagen wollte, verdrängte sie die immer toller und ungebundener sich geberdende Karnevalslaune, die den Schwank erzeugt hat, und am Ende erklärte man sich besiegt, da die Nerven sich auf Gnade und Ungnade ergeben mußten.
Den Beweis, daß ein gutes Volksstück noch immer sehr viele Liebhaber findet, lieferte die gestrige Aufführung von „Mein Leopold". Das Theater war vortrefflich besetzt und wurde durchweg ausgezeichnet gespielt. Leider war der Vorhang nicht so ausgezeichnet und versagte einige Male den Dienst. Die Direction sollte es sich doch ernstlich angelegen sein lassen, Derartigem vorzubeugen. Dann möchten wir noch bemerken, bei Gesangsstücken lieber ein Clavier zu benützen, denn die Begleitungsmusik gestern war nicht besonders erbaulich. Auch das Musik-Programm könnte einen kleinen Wechsel vertragen.
Gießen, 22. November. Allen Verehrerinnen und Verehrern des classischen Dramas steht am Mittwoch, 24. d. M., ein interessanter Abend bevor, indem Herr Oscar Zack zu seinem letzten diesjährigen Vortrage Shakespeares: „Romeo und Julia gewählt hat. Die Schauspiele der großen Klassiker sind allmälig so selten geworden auf den Theatern, daß es nur mit Freuden begrüßt werden kann, wenn eine Gelegenheit geboten wird, nur eine Tragödie von Shakespeare wenigstens formvollendet vorgelesen zu hören und so verfehlen wir nicht, das geehrte Publikum auf den am Mittwoch stattfindenden Vortrag der romantischen Tragödie „Romeo und Julia" hierdurch hinzuweisen.
W e ff m i f te 4.
△ Mainz, 21. Novbr. Der seit gestern Nachmittag zum Besten der Armen in unserer Stadthalle eröffnete Jahrmarkt übertrifft, wie man ohne Ueberhebung sagen darf, alle derartige Veranstaltungen auf Weit und Breit. Nichts Gekünsteltes, sondern Das ächte wirkliche Jahrmarktsleben leuchtet dem Besucher der weiten Hallenräume entgegen und nur die reizenden holden Damenerscheinungen erinnern einem daran daß man sich auf einem improvisirten Jahrmarkt befindet. Nichts was man auf einem Jahrmarkt zu sehen gewohnt ist, fehlt da: Orgelmänner, Caroussels, Blumenstände Wein- und Bierbuden, Glücksrad, Schießstände, Zucker- und Waffelverkäuferinnen' Photographiebuden, kurzum Alles, was man an Sehenswürdigkeiten auf Jahrmärkten kennt; dazwischen 3000 bis 4000 heitere, lebensfrohe Menschen — natürlicher läßt sich een Jahrmarktsleben wohl nicht darstellen! Zu den ersten Besuchern des Jahrmarkts gehörte die Großherzogliche Familie: Se. Königl. Hoheit der Großherzog, der Erb- großherzog, Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg, Prinz Alexander und
Prinzessin von Battenberg, Fürst Alexander und Prinz Joseph von Battenberg, die geleitet von dem Provinzialdirector Küchler und Beigeordneten Dr. Gaßner mit Tusch und allgemeinen Hoch den Saal betraten. Die hohen Herrschaften, von welchen der in Ctvilkleidung befindliche Fürst Alexander, der zum allgemeinen Ergötzen auch das Caroussel bestieg, besondere Aufmerksamkeit erregte, waren über ein Stunde in der Halle und rechts und links Einkäufe machend und überall sich lobend über die Einzelheiten ausdrückend. Nach Weggang der Herrschaften füllte sich die Halle alsbald derartig, daß kaum noch zu circuliren möglich. Das bunte Treiben dauerte bis 10 Uhr Abends, um heute Nachmittag in verstärktem Maße fortgesetzt zu werden. Das Er- trägniß für die Armen wird jedenfalls ein sehr beträchtliches sein, denn gestern allein wurden 4000 Karten für den Eintritt gelöst.
A Mainz, 21. November. Vergangene Woche ist hier anläßlich der Stadtverordnetenwahlen ein von dem aus der socialdemokratischen Partei ausgeschlossenen und der Führerschaft enthobenen Schneider Leyendecker unterzeichnetes Flugblatt erschienen, worin neben heftigen Ausfällen gegen das socialistische Wahl- comiti, welches von Leyendecker beschuldigt wird, im Voraus beschlossen zu haben, ihn in der Stadthallenversammlung mundtodt zu machen, dem Landtagsabgeordneten Isst vorgeworfen wird, er habe seiner Zeit von irgend einer Seite 7000 AL zu einer Reise nach Amerika erhalten, welcher Betrag entweder von den Jesuiten, den National- liberalen oder dem Reptilienfonds gekommen sei. Gegenüber dieser Behauptung, welche so ziemlich die Runde durch die ganze deutsche Presse gemacht hat, veröffentlicht nunmehr Abgeordneter Jöst heute in den hiesigen Lokalblättern eine längere Erklärung, me um deswillen interessant ist, weil sie einen Blick in die häuslichen Verhältnisse der socialdemokratischen Partei hier gestattet. Auf eine notarielle Urkunde verweisend, von wem und zu welchem Zwecke die 7000 AL zu der erwähnten Reise nach Amerika gegeben worden sind, deutet Herr Jöst wenig verblümt die Gründe an, weßwegen der ehemalige Führer Leyendecker aus der socialdemokratischen Partei ausgeschlossen worden lst. ^Nach der Angabe des Herrn Jöst ist im Jahre 1882 ein aus den Abgeordneten Liebknecht, Grillenberger, Kräcker und Hasenclever gebildetes Schiedsgericht zusammengetreten, um eine Reihe von Anschuldigungen gegen Leyendecker zu schlichten und dessen Urtheil sehr zu Ungunsten Leyendeckers ausgefallen. Welcher Art diese Anschuldigungen waren, läßt sich aus dem Satz der Jöst'schen Erklärung errathen: „Sicher ist, daß weite Kreise der Gesellschaft von Ober-Olm bis Krimitschau der Ansicht sind, Herr Leyendecker thäte besser, sich ausschließlich der Regelung seiner eigenen geschäftlichen Angelegenheiten zu widmen, als eine überflüssige Neugier nach denen Anderer zu ver- rathen." Eine keineswegs schmeichelhafte Charakteristik findet die bei den letzten Gemeinderathswahlen zum ersten Male aufgetretene „Opposition der Arbeiterpartei" durch die Erklärung Jöst's. Ein Mitglied, heißt es da, brannte mit Unterschlagung von 400 Rubeln durch, ein anderer verduftete nach Beschwindelung der Fachvereine, ein dritter vergaß bei seiner Abreise seine Schulden zu decken, wieder andere halten sich zu öffentlichem Auftreten minder geeignet, da sie nicht nur wegen politischer, sondern wegen anderer ehrenrühriger Delicte mit dem Strafrichter in unliebsame Berührung gekommen sind." Nach allen diesen Schmeicheleien darf man erwarten, daß Herr Leyendecker nun auch mit einigen Enthüllungen heroortreten wird.
— Die Abrechnung über das Universitätsjubiläum zu Heidelberg ist nun im Wesentlichen beendigt; sie gestaltet sich in jeder Beziehung günstig und wird die Vater der Stadt nicht wenig erfreuen. Dem Voranschlag, welcher eine Einnahme von 97,000 AL und ein weiteres Saldo von 13,800 AL erwartete, steht eine wirkliche Einnahme und Ausgabe von über 200,000 AL gegenüber und ein freies Saldoguthaben von 30,000 AL. Ein unerwarteter Gewinn wurde durch die Anzüge erzielt, indem 150 derselben billiger hergestellt als verabfolgt wurden. Die Sammlung in der Stadt ergab frei 77,000 AL, die Tribünen warfen einen Ueberschuß von 14,000 AL ab; aus verschiedenen Gegenständen wurden frei 10,000 AL und an Geldeszins und Neben- cinnahmen — Verlagsrechten rc. — kamen 8000 AL ein. Dieses schöne Ergebniß ist zu verdanken der Umsicht des Festausschusses, dem öffentlichen Festinteresse und der herrlichen Witterung.
— Eine neue Construction von Fernrohren hat Herr Professor Hasert in Eisenach erfunden. Dieselben sollen angeblich die bisher gebräuchlichen Instrumente an Helligkeit und Schärfe des Bildes um das Vierfache übertreffen. Es soll dieses nach Angabe des Erfinders dadurch bewerkstelligt werden, daß das neue Fernrohr nur eine einfache Objectivlinse hat, welche aus Flintglas besteht. Die hierdurch entstehenden Fehler, Regenbogenfarben, umnebeltes Bild u. s. w. sollen durch eine im Okular befindliche kleine Linse beseitigt werden.
Handel und Verkehr.
Grün berg, 20. November. lFruchtpreise.) Weizen AL 16.70, Korn AL 13.70, Gerste AL 13.20, Hafer AL 11.00, Erbsen AL 13.10, Linsen AL 24.00, Lein AL 23 00, Samen AL 00.00, Kartoffeln AL 0.00, Wicken 00.00.
Frankfurt, 20. November. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter AL 4.50—5.00, das Gescheid 8—10 H, Eier das Hundert AL 5.00—8.00, das Stück 7—10 H, Butter im Großen AL 86.00—88.00, im Detail das Pfund AL 1.10 bis yo, Weißkraut per Stück 10-12 H, Rothkraut per Stück 20—00 H, Kohlrabi 3-4^, Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-60 H, «aWfa» 40—65 Schweinefleisch 65—75 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn JL 0.80—1.50, 1 Huhn AL 1.00—2.50, 1 Ente AL 2.00—3.00, 1 Gans AL 4 00—8.00 1 Taube 40—60 H, Welsche AL 5.00—12 00.
Verdauungsbeschwerden beseitigt schnell Widtfeldt's vortrefflicher a^agen; behagen u- sollte stets im Hause sein. Nieder!, u. A. b. Emil Fischbach. 8372
Kirchliche Anzeigen der evsngrl. Gemeinde.
Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, Markus Kap. 2, von Vers 13 au, Pfarrer Pr. Naumapn.
Repertoir der vereinigten Stadttheater zu Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 23. November: Herodias. Große Preise.
Mittwoch den 24. November geschlossen.
Donnerstag den 25. November: Junker Heinz. Große Preise.
. Freitag den 26. November geschlossen.
Samstag den 27. November: Der Prophet. Große Preise.
Sonntag den 28. November: Neu einstudirt: Linda von Chamounir
Hierauf: Wiener Walzer. Mittelpreife. ^yamounrx.
Schauspielhaus.
Dienstag den 23. November: Zum ersten Male wiederholt: Der Kernpunkt Große Preise.
Mittwoch den 24. November: Alfred.
r „ Donnerstag den 25. November: Vorstellung im Abonnement A (für den ausfallenden Freitag). Brigitta. Große Preise.
Freitag den 26. November geschlossen.
Samstag den 27. November: Der Kernpunkt. Große Preise.
Sonntag den 28. November: Zum ersten Male: Die Hanni weint, Hansi lacht. Komische Operette in 1 Akt von I. Offenbach. Vorher: Sie weih etwas. Große Preise.
Zur bevorstehenden Winter-Saison empfehle:
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Robert Stuhl.
7412 Neustadt 33.


