Vertretung des Reichskanzlers im Bereiche des Auswärtigen Amtes beauftragt ge- wesen 21 September. In dem Diätenprocesse gegen den Reichstags-
abgeordneten Kräcker hat das hiesige Oberlandesgcricht das die Klage des Fiskus abweisende Urtheil des hiesigen Landgerichts vom 24. November v. I. aufgehoben und Nkklaalen rur Zahlung von 1501 X verurtherlt.
b n «reslau. 21 September. Die Entscheidungsgründe des oberlandesgerichtlichen UrtMfa in Sacken Diskus contra Kräcker heben hervor, die Verfassung enthalte eine ausdrückliche Verbotsbestimmung, überdies ,-i durch B-weisausnahmc fefWctlt, dag Svctatisteneonaretz in Gotha den Abgeordneten zur Pflicht gemacht habe, mit Xfr Partei ru stimmen; durch die Diätenannahme binde sich daher der Abgeordnete wenigstens moralisch in verfassungswidriger Weise hinsichtlich der Abstimmung. , WCn 8 «U<it 21 September. Cholerabulletin. Es erkrankten resp. starben in Triest 9/t Istrien 7/0,' Pest 12/3 Personen. Außerdem kamen 11 Sterbefälle früher Erkrankter vor. gl September. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz besuchte sofort nach r,i„pr gjnfnnft das Museum, das Münster und die mittelalterliche Sammlung und nahm Abends 6V2 Uhr das Diner im Hötel Euler ein. Die Weiterreise erfolgt Abends
Amsterdam, 21. September. Der Socialist Geel, des vorbedachten und itforleaten Attentats angeklagt, ist zu achtjährigem Gefängniß verurtheilt worden.
0 Rom, 21. September. Der Papst empfing heute Nachmittag Herrn v. Schlozer.^^ September. Unterhaus. Bei der Fortsetzung der Berathung der Darnell'schen Bill bekämpfte Gibson dieselbe Namens der Regierung. Die Aus- ^bruna derselben sei unmöglich, jede Ermuthigung von Seiten Gladstone's besiegele Lp Verdammung seiner eigenen Landakte. Gladstone erklärte dagegen, er werde für die »weite Lesung stimmen, weil die Bill die natürliche Folge der Seitens der Re- aierung angekündigten Untersuchung sei, ob eine Pretsdrückung den Pachtzins vermehre- die Regierung habe dadurch zugegeben, daß der Pachtzins zu hoch sei, sie habe Whhilfe versvrochen und die armen Pächter müßten bis dahin Erleichterung haben. Ueber die Details der Bill zu sprechen, behielt Gladstone sich bis auf Weiteres vor. Der Minister des Innern, Matthews, wies Gladstone's Auslegung der angekündigren Untersuchung auf das Entschiedenste zurück. Die Debatte wurde auf heute vertagt. — Das Unterhaus nahm sodann in zweiter Lesung das Finanzgesetz mit 176 gegen 66 21. September. Unterhaus. Churchill erklärt, es seien in Bulgarien
keine ernstlichen Schwierigkeiten zu erwarten; träten solche ein, so würde die Regierung constitutionell verfahren und der Königin den für die Interessen des Reichs geeignetsten Rath ertheilen. Morley setzt die Debatte der Bill Parnell's fort..
Belfast, 21. September. Heute Nachmittag kamen hier Ruhestörungen vor. Eine Anzahl Arbeiter bewarf die Polizei mit Steinen, welche sie jedoch zerstreute. In einem anderen Stadttheil wurde das Militär mit Steinen geworfen, wobei die Ruhestörer zerstreut wurden und mehrere Verwundungen vorkamen.
Madrid, 21. September. Die liberale Vereinigung beschloß, die Königin bei ihrer Rückkehr am Bahnhofe zu begrüßen, um ihre Anhänglichkeit zu beweisen und gegen die Jnsurrection zu protestiren.
_ Ueber die Provinz Neucastilien ist der Belagerungszustand verhängt. Gestern wurden hier 85 Militärs und 19 Civilisten verhaftet. Die schon gemeldete Gefangennahme der Insurgenten erfolgte bei Vicaloaro und Morata.
Sofia, 21. September. Karawelow und Radoslawow beabsichtigen, sich heute auf das russische Consulat zu begeben und wegen der Zurückweisung der gestern von der bulgarischen Regierung auf die jüngste Note Rußlands ertheilten Antwort Rücksprache zu halten. Die Note Rußlands hatte eine Vertagung des Processes gegen die Urheber des Staatsstreichs verlangt, in der Antwortnote der bulgarischen Regierung wurde dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß Rußland auf Grund unrichtiger Mit- theilungen diese Forderung gestellt habe. Die russische Note sei geeignet, Beunruhigung heroorzurufen. Der in Rede stehende Proceß werde nicht vor Ankunft des Generals Kaulbars stattfinden.
— Das Dekret, welches die große Nationalversammlung aus den 10. October einberuft, ist heute unterzeichnet worden. Die Negierung beschloß die demnächstige Aufhebung des Belagerungszustandes.
Sofia, 21. September. Wegen der beim Bankett am 18. September von verschiedenen Personen gehaltenen Reden, welche bezüglich des Verhältnisses zu Rußland entstellt verbreitet worden sind, wurden von den betreffenden Rednern im russischen Consulate Aufklärungen gegeben.
Lokale-.
K. Gießen, 22. September. sSterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeit, welche in der Woche vom 12. bis 18. September die Zahl 8 erreichte, vertheilt sich auf 3 Erwachsene und 5 Kinder, von welchen letzteren sich 3 im ersten Lebensjahr befanden. Der Tod erfolgte bei den Erwachsenen je einmal durch Krebs, Gehirnschlagfluß und Altersschwäche, während von den Kindern zwei an Diarrhöe und je eines an Rachen- bräune, Lungenentzündung und Verblutung aus der Nabelschnur starben.
Gießen, 22. September. Am 1. October d. I. wird die Gensdarmeriecaserne in das srühere Zollamtsgebäude am Brandplatz verlegt.
— Die an der Frankfurterstraße aufgestellte Feldbäckerei hat ihre Thätigkett beendet und kehrt heute zu ihrem Regiment zurück.
— Unser Regiment wird Donnerstag, voraussichtlich gegen 11 Uhr, aus den Manövern wieder hier eintreffen.
— Der Verein „Union" wird sein diesjähriges (13.) Stiftungsfest am 9. und 10. October d. I. feiern. Um die zahlreichen Festgenossen aus Nah und Fern würdig aufzunehmen, ist hierzu der Stein'sche Saalbau ausersehen und verspricht die Feier nach dem uns vorliegenden Programm eine derart festliche zu werden, daß alle früheren an Glanz und Umfang jedenfalls weit übertroffen werden.
»erwischte-.
Alsfeld, 21. September. In der Nacht vom 18. auf den 19. d. M. hat ein hiesiger Einwohner, der Maurer Georg Enders, seine Ehefrau mittelst Schlägen so furchtbar mißhandelt, daß der Tod noch in derselben Nacht eintrat. Der Thäter, ein dem Trünke ergebener Mensch, ist verhaftet worden, er zeigt jedoch nicht die geringste Reue über seine That.
— sArbeitercolonie Neu-Ulrichsteins Am 15. d. M. fand eine gemeinschaftliche Sitzung des Verwaltunasausschusses und des Localcomitös des Vereins für das Großherzogthum Hessen und den Regierungsbezirk Wiesbaden zur Beschäftigung Arbeitsloser auf dem Gute Neu-Ulrichstein statt. Auf Einladung des Herrn Präsidenten Geheimerath Dr. Goldmann waren erschienen die Herren Ministerialpräsident Weber und Ministerialrat Drauth, die Polizeipräsidenten von Hergenhahn und von Strauß. Geheimerath Ladenburg, geistl. Rath Münzenberger, Rechtsanwalt Curtman, Decan Stromberger, Kreisrath Hoffmann, Decan Müller, Kreisbaumerster Schnitzel und Forsttnspector Koch. Das Ergebniß der Besichtigung der Anstalt war ein allgemein befriedigendes. Der unter der umsichtigen Leitung des Herrn Jnspectors Schmidt stehende landwirthschaftliche Betrieb der Anstalt fand ebenfalls allgemeine Anerkennung. Nach Prüfung der Rechnungen, Feststellung der Voranschläge, Berathung des an die Generalversammlung zu erstattenden Rechenschaftsberichts, Festsetzung des Tages und Orts der Generalversammlung, welche in Frankfurt abgehalten wird, hatte ein gemeinschaftliches Essen in Homberg statt. Zu bedauern ist, daß in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach keine Naturalverpflegungsstationen sich befinden. Die Arbeitercolonien finden ihre nothwendige Ergänzung in den Verpflegsstationen. Da eine Arbeitercolonie nunmehr in Neu - Ulrichstein besteht, dieselbe aber von durchgreifender Wirkung nicht sein kann, wenn es an den Naturalverpflegungsstattonen fehlt, sollten die maßgebenden Factoren nicht länger zögern, da, wo die Lücke der Verpflegungsstation fühlbar wird, die Station sobald als möglich zu errichten. Für den Kreis Alsfeld würde wohl eine einzige Verpflegungsstation genügen, da es keinem Nach- Iheile unterworfen ist, wenn die Verpflegungsstationen einen halben Tagemarsch von einander liegen.
*♦ Nach dem September-Heft der Zeitschrift „Neue Flamme" findet am 27. und 28. September 1886 zu Gotha eine „Delegirten-Versammluug deutscher und österreichischer Vereine für Reform des Bestattungsmesens und sacultatioe Feuer-Bestattung" statt. Auf der Tagesordnung der auf dem Rathhause zu Gotha tagenden Versammlung stehen unter anderen folgende Gegenstände: „Berathung von Satzungen für den Vereinsverband, Vereinsorgan, Internationale Congresse für Feuerbestattung (zu Mailand im Jahre 1887, zu Berlin im Jahre 1888), Herabsetzung der Eisenbahntarife ür Leichentransporte nach den Verbrennungs-Tempeln, öffentliche Kundgebung zu Gunsten der Feuerbestattung unter Appell an die Toleranz.
Gelegentlich der Versammlung findet eine eingehende Prüfung der Feuerbestattungsanlagen auf dem Friedhöfe zu Gotha unter Führung der zuständigen Beamten und Behörden statt. , . Q
Alle Mitglieder des hessischen Landes-Vereins für Reform des Bestattungswesens und facultative Feuerbestattung haben das Recht an der Versammlung und den hiermit verbundenen gemeinsamen Unternehmungen Theil zu nehmen und wollen sich als hierzu eingeladen betrachten.
— Der Aufenthalt des Kaisers in Straßburg ruft die Erinnerung an folgende Episode aus dem Jahre 1879 wach. Bei den damaligen Manövern stieß der Kaiser auf einen Stelzfuß mit dem Kreuz der Ehrenlegion und verschiedenen Kriegsmedaillen. In französischer Sprache fragte der Kaiser: „Wo haben Sie gedient und wo den Fuß verloren ?" Sich gerade aufrichtend und militärisch falutirend, antwortete der Gefragte: „Ich diente 34 Jahre als Corporal bei dem 2.Zuaven-Regiment, machte14 Campagnen in Algerien, der Krim, Italien und Mexiko mit und verlor den Fuß bei Sedan. Da haben Sie viel durchgemacht, mein Braver!", erwiderte freundlich der Kaiser. „Nun, es geht, Sire, es ist gutes Soldatenblut in unserer Familie, mein Vater diente über 30 Jahre, ich lange Jahre und mein ältester Junge, der jetzt bei den Gardeschutzen in Berlin steht, wird, will's Gott, dem Kaiser Guillaume ebenfalls lange Jahre dienen! Erfreut über diese Antwort, fragte der Kaiser: „Kann ich Ihnen irgenwie dienen. „Merci, Monseigneur," antwortete der Veteran, „ich erhalte eine Jnvalidenpension aus Paris, flechte Körbe und schnitze Schuhe, habe ein kleines Haus mit Garten und das genügt!" „Sie sind ein selten braver Mann, ich habe mich gefreut, Sie kennen gelernt zu haben", sagte der Kaiser beim Fortreiten. „Merci, Sire, die Ehre war ganz auf meiner Seite!" erwiderte der höfliche Elsässer. c t _ .. _
- [-Born Blitz erschlagen.) Ans Hirschberg i. Schl, wird der „Voss. Z? unter dem 13. September folgender Unglücksfall als erneute Warnung, wahrend eines Gewitters Schutz unter Bäumen zu suchen, mitgetheilt: Samstag Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr entlud sich über dem nahen Arnsdorf ein sehr schweres Gewitter mit tarkem Regenguß. Um vor diesem sich zu schützen, flüchteten 10 Arbeiter, die bet einem Wehre an der Lomnitz beschäftigt waren, unter eine am Wege stehende große Eiche. Ein Arbeiter warnte zwar davor, doch wußte der Bauaufseher Schneider die Furcht der Leute zu beschwichtigen, indem er ihnen zurief: „Wenn Einen der Blitz treffen soll, dann kann dies auch im freien Felde passiren". Im nächsten Augenblicke schlug ein Blitz in die Eiche mit schrecklichen Folgen für die darunter stehenden Arbeiter. Der eine von ihnen, Namens Herzog, fiel tobt um, der Bauaufseher blieb gelahmt liegen und mußte in ein Krankenhaus geschafft werden, und die übrigen Arbeiter waren längere Zeit betäubt, einer klagt sehr über heftige Schmerzen im ganzen Körper. An. dem Todten sind am Halse und am Oberarm breite, dunkle, wie blutunterlaufene Streifen zu sehen. , .
Frankfurt, 16. September. In dem Hosraume der Fabrik des Herrn Wellhöfer befindet sich soeben ein Faß im Bau, welches das größte ist, das Deutschland, ja vielleicht Europa besitzt. Das Holz zum Fasse kostete 8700 X ohne Zoll und Fracht. Tas Faß, welches in einem Loche steht und durch einen starken Flaschenzu^ bewegt wird, hat eine Länge von 7 Metern, reicht also, aufgestellt, bis zum zweiten Stock eines modernen Hauses, mißt im Bauch 7 und oben und unten 6 Meter. Die Dauben des 125 Stück (1 Stück = 1200 Liter) enthaltenden Colosses werden von 24 eisernen, 1 Ctm. dicken und 10—16 Ctm. breiten Reifen zusammengehalten. Das Holz hat im Kopse eine Stärke von 18—20 Ctm. und im Bauche von 12 Ctm.; die Böden sind 16 Ctm. dick. Das große Heidelberger Faß erreicht den Umfang des vorstehend bezeichneten Ungethüms nicht, das feinem Besteller auf 15,000 X zu stehen kommt.
Eupen, 16. Septbr. Heute Morgen bei Tagesanbruch wurden hinter Dolhain durch belgische Grenzbeamte 6 Schmuggler verhaftet, welche Alkohol in Schwemsblasen aus Deutschland nach Belgien einzuführen suchten. Der beschlagnahmte, in den Blasen, enthaltene Sprit füllte mehrere Fässer aus. . .
St. Wendel, 18. September. Die Brände hier und in der Umgegend hauferr sich immer mehr. Nicht weniger als viermal ertönten in unserer Stadt in den letzten 14 Tagen die Feuersignale. Dem letzten Brande sind drei gefüllte Scheunen zum Opfer gefallen. Ein großes Feuer wurde vorgestern aus Tholey gemeldet, wohin alle Nachbarorte ihre Feuerwehr entsandten. Trotz der energischen Thätigkeit der Löschmannschaften sind doch 6 Wohnhäuser mit ihren Nebengebäuden niedergebrannt. Noch gestern hatte die Feuerwehr mit dem Dämpfen des Feuers zu thun. Besonders zahlreich sind auch die Brandfälle in dem benachbarten Fürstentum Birkenfeld. In Idar hat es in den letzten 8 Tagen zweimal gebrannt, nachdem kurz zuvor in der Schwesterstadt Oberstein 2 Häuser ein Raub der Flammen geworden.
Wiesbaden, 18. September. Gestern Abend gegen 7 Uhr meldeten Glocken fignale Großfeuer. Es brannte in den Gebäuden der ehemaligen Huber'schen Mühle, jetzt Wirtschaft, genannt „zur Dachshöhle", an der Walramstraße belegen. Das Feuer hatte sich in der Schreinerwerkstätte eines Hintergebäudes entwickelt und durch das dorten lagernde Material an Holz rc. eine ziemlich große Dimension angenommen, so daß in Folge dessen das Vorderhaus fammt Nebengebäude mit in Flammen aufging,, aber durch die rasch herbeigeeilte Feuerwehrmannschaft und die dabei entwickelte Thattg- feit auf feinen Herd beschränkt blieb. Das Hintergebäude ist zwar bis auf den Grund zerstört, während Vorderhaus und ©eitengebäuoe nur mit etwas Beschädigung, davongekommen sind. ,
Aus Mittelfranken, 17. September. In rascher Aufeinanderfolge haben sich zwei Unglücksfälle durch Schußwaffen zugetragen. Der Jagdpächter Bach von Regelsweiler befand sich auf der Hühnerjagd. In der Nähe einer Sandgrube strich ein Huhn dieser Grube zu. Bach schoß nach dem Huhn, ahnte jedoch nicht, daß sich in dieser Grube Kinder befanden. Das Unglück war geschehen. Drei Knaben waren getroffen und zwar einer so schwer, daß nach Aussage des Arztes derselbe kaum mit dem Leben davonkommen wird. — Unvorsichtige Manipulation wtt dem Gewehr hat in Titting bei Eichstätt ein junges Menschenleben gefordert. Auf der Kegelbahn des Ruff'schen Gasthauses war eine fröhliche Gesellschaft beisammen, als plötzlich ein Schuß krachte und ein Mädchen, eine Verwandte des königlichen Oberförsters Niederreuter, in das Genick getroffen todt zusammenstürzte. Das Unglück war dadurch herbeigeführt worden, daß einer der Anwesenden mit dem Gewehr des Forstgehilfen spielte, wobei es sich entlud.
Pesth, 17. September. Ueber das Radnaer Unglück wird dem „P. T." vom 12. ds. berichtet: Wie bekannt, ist Radna ein berühmter Wallfahrtsort, welchen in den Sommermonaten, namentlich an Marienfesttagen zahlreiche Wallfahrer aufzusuchen pflegen. Auch zu dem heutigen Festtage waren zahlreiche Processionen aus der Nähe und Ferne herbeigeströmt und war die Kirche von einer nach Tausenden zählenden Menge überfüllt. Da geschah es, daß während der Messe das Kopftuch einer Frau, welche knapp neben einem mit brennenden Kerzen versehenen Opferstocke stand, plötzlich Feuer fing. Die Umstehenden hatten so viel Geistesgegenwart, sich auf die brennende Frau zu werfen, um mit ihren Händen das Feuer zu ersticken, was auch gelang. Der Zwischenfall hätte keine weiteren Folgen gehabt, wenn nicht eine in der Nähe befindliche Person den unglücklichen Einfall gehabt hätte, Feuer! zu schreien. In diesem Augenblicke ward die Menge von einem unaussprechlichen Schrecken ergriffen und mit furchtbarem Angstgeschrei drängte Alles dem Hauptausgange zu. „ Was nun geschah, spottet jeder Beschreibung. Die Ausgangsthür war natürlich für die anstürmende riesige Menge viel zu eng; es entstand ein fürchterliches Gedränge, mehrere Personen wurden an oie Wand gedrückt und boi t im wahrsten Sinne des Wortes zerquetscht; andere wurden zu Boden geworfen, erlitten Hand- und Beinbrüche, und nun ftürmttf über sie noch die SDtenge dahin, diese unglückliche Opfer mit Fußtritten zerstampfend und zermalmend. Das Aechzen der Sterbenden, das Jammern der Verwundeten, das Wehklagen der Frauen, das Angstgeschrei der Kinder erschütterten die Luft und fanden einen schauerlichen Widerhall in den hohen Räumen der Kirche. Endlich war das Menschengewühl hinaus auf den vor der Kirche befindlichen freien Platz gelang^


