gebens warteten dann die Adressaten auf ihre von der Mutter m Aussicht gestellte, mit Allein, was ein Nekrutenherz erfreut, gefüllte Kiste und kamen wohl gar noch m Verdacht, den bei solchen Sendungen Jnteressirtcn etwas vorgeschwmdelt zu haben. Endlich in voriger Woche gelang es einem der Harrenden, der sich der Mühe unterzog, aus der Post selbst mehrere Male nach seinem Packet zu fragen, den Betrüger beim Abholen der für ihn bestimmten Sendungen abzufassen. In Folge der Meldung des Geschädigten wurde die Untersuchung eingeleitet; den Husaren aber ist ein beängstigendes Gefühl abgenommen, das sich Zeder leicht erklären wird, der da weiß, welch' große sympathische Nolle die Wurst- und Schinkenkisten von Hause im inneren Garmson- leben spielen. _ c . „
— fLüften der Milch.j Die guten Folgen des tn Amercka von den rationellen Milchindustriellen stets sehr sorgfältig vorgenommenen Lüftens der Milch werden bei uns im Allgemeinen viel zu wenig beachtet.
Auf die Nothwendigkeit des Zutritts reiner guter Luft zur frisch gemolkenen Mllch hat sicher zuerst die Erfahrung aufmerksam gemacht, daß eine längere Aufbewahrung solcher Milch in luftdicht verschlossenen Gefäßen auf die Qualität derselben sehr nachtheilig wirkt. Die wohlthätige Wirkung der zutretenden frischen reinen Luft ist, wie in der „Milchzeitung" bemerkt wird, darin zu suchen, daß durch das Lüften in der frischgemolkenen Milch eine lebhaftere Wasserverdunstung veranlaßt, damit Verdunstungskälte erzeugt und so das Fortschreiten der Milchsäuregährung verzögert wird. Gleichzeitig werden durch die zutrelende frische Luft fremde, von der Milch angenommene Gerüche, welche die Qualität der aus ihr erzeugten Producte gefährden können, verdrängt. Dies sind die Gründe, welche zur sorgfältigen Lüftung der Milch vor ihrer weiteren Verarbeitung bestimmen und besonders darauf bestehen lassen, daß unter keiner Bedingung die frisch gemolkene Milch im Stalle selbst stehen bleibe oder an Orten aufbewahrt werde, wo sich andere, stark riechende Gegenstände befinden, während durch den Zutritt der reinen Lufd. vor allem der sogen, „thierische Geruch" beseitigt werden soll. (Wochenbl. d. landw. V. in Baden Nr. 7.)
— sDer furchtbare Wirbelsturm in Minnesotas Aus Newyork, 15. April, liegt die folgende Kabeldepesche vor: Die Verheerungen, welche der furchtbare Wirbelsturm in Minnesota angerichtet, sind viel größer als anfänglich gemeldet worden. Die Schilderungen, die aus den vom Typhon heimgcsuchten Landestheilcu einlaufen, umfassen geradezu haarsträubende Details. Die Gewalt des Orkans war eine phänomenale und ganze Ortschaften sind wie weggesegt vom Erdboden. So ist Saint-Cloud und Souberapids vollständig zerstört und unter den Trümmern der Wohnstätten liegen Familien begraben. In letzteren! Orte fand eben die Hochzeit der Tochter eines der größten Farmer mit dem Sohne eines Bergwerksbesihers statt. Die Hochzeitsgesellschaft, aus zwanzig Personen bestehend, war in bester Unterhaltung begriffen, als sich der furchtbare Wirbelsturm erhob. Das ganze Gebäude wurde zerstört und Braut und Bräutigani erschlagen. Von den zwanzig Personen blieb nur eine einzige unverletzt. In Racesstation, einer größeren Stadt, hat der Sturm nicht weniger als 300 Häuser zerstört, darunter eine Kirche; das Gebäude des Gerichtshofs und der neue Bahnhof, der nach amerikanischer Sitte aus Brettern gebaut ist, sind total verschwunden. Secks volle Stunden war es meilenweit so finster, daß man glaubte, es sei plötzlich die Nacht hereingebrochen. Der Staub war so dickt, daß viele Leute erblindeten oder erstickten, welche hilferufend auf die Straße gestürzt waren. Ein wahrer Hagel von Balken. Ziegeln, Erdstücken und Mauerresten ging nieder, und es war kein Schutz, keine Zufluchtstätte vorhanden, denn in den Häusern wankten die Mauern und stürzten die Plafonds krachend ein. Nach sechs Stunden hörte der Wirbelsturm auf, ein lachender
Himmel breitete sich über die so schwer heimgesuchte Gegend und es war der schönste Tag. So unmittelbar als er gekommen, so plötzlich hatte der Typhon auck aufgehört. Der ganze Umfang des Unglücks ist heute noch schwer zu übersehen. Die Zahl der Tobten beträgt bisher weit über hundert, die Zahl der Schwerverwundeten ist sicherlich dreimal so groß. Der Schaden, den dieser schreckliche Sturm angerichlet, kann ohne Uebertreibung auf 2 Mill. Doll, geschätzt werden.
— ^Gefährliches Spiels Ein zwölfjähriges Mädchen, welches dieser -tage zu Bonn um die Wette „Seilcken gesprungen" und es hierbei zu 118 Sprüngen gebracht hatte, liegt jetzt zum Leidwesen seiner Eltern schwer erkrankt an Darmverschlingung darnieder. Abermals eine Warnung vor Uebertreibungen dieses beliebten Spieles.
— sEine neue Praktik der Engländers Um deutsche Fabrikate, deren Concurrenz sie fürchten, im Auslande in Mißcredit zu bringen, haben die Engländer neuerdings die Praxis einaeführt, daß sie schlechte Fabrikate mit deutschem Fabrikstempel versehen. So machte in oer April-Sitzung des Berliner Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes der Ingenieur Kirchner darauf aufmerksam, daß man in Sheffield, um die deutsche Industrie in Verruf zu bringen, den schlechten Stahl, den man nach Amerika schickt, einfach mit der Marke „test german steel“ versieht.
— sWenn nicht wahr, so doch gut erfunden.^ Der „Bremer Courier" enthält folgenden Scherz: „Oldenbüttel! Aussteigen!" tönt es beim Halten des Zuges. Ein wohlgerundetes, behäbiges Bäuerlein windet sich mühsam aus einer Waggonthüre, sucht seine steif gewordenen Beine durch Trampeln wieder in gebrauchsfähigen Zustand zu bringen und schaut dann in aller Gemüthsruhe dem weitereilenden Zuge nach. Als ihm die eingetretene friedliche Stille auf dem Perron unheimlich wird, wendet er sich an den Herrn mit der bekannten rothen Mütze mit der Frage: „Ja, wo blief ick denn?" — Wohin wollen Sie denn?" — „Nah Bremen." — „Da hätten L>ie ja mit dem eben abgefahrenen Zuge Weiterreisen müssen!" — „De Kirl reep jo aber: Oldenbüttel! Aussteigen! Ick hcete Oldenbüttel!" Tableau!
— Der Druckfehlerteufel hat in Greiz eine Orgie gefeiert. Das dort erscheinende „Tagebl." erwähnte der Oper „Der Schmied von Nuhla" von Lux. Der Setzer hatte dafür „Der Schneider von Ruhla" gesetzt; das wurde berichtigt und es erschien nun in der Berichtigung zu allgemeinem Schrecken ein „Schinder von Ruhla"! — Folgende Notiz, welche der Dämon des Setzkastens in die Berliner „Volkszeitung" eingeschwärzt hat, verdient ebenfalls Verbreitung. Es heißt dort in einem Herrenhausberichte: „Während dieser Abstimmung ritt Fürst Bismarck in den Saal." Wofür ist er auch Kürassier-General?
— sWas ist denn das für ein Kerl?s Ter Dichter Scheffel erzählte selbst folgende nette Geschichte: „Ich spazierte einst mit meinem Sohn auf den Hohentwiel. Am Grenzpfahl unterhalb des Berges stand eine Bude mit Photographien und die Verkäuferin streckte mir ganz harmlos mein eigenes Bild hin und forderte mich auf, es zu kaufen. „Was ist denn das für ein Kerl?" fragte ich. „O bitte", versetzte sie eifrig, „das ist kein Kerl! Das ist ja der Herr Dr. Scheffel, der uns das schöne Buch über den Hohentwiel geschrieben hat." „So," sagte ich, „was ist denn aus dem geworden?" „Ach," sagte sic, „der ist nun schon lange tobt; aber es war ein sehr guter Herr!"
— „Na," sagt „der Onkel" zu bem Sobn seines Freundes, „na, Hans, morgen gibt es Ferien." „Ja", antwortet Hans, uno mit einem aus tiefer Brust geholten Seufzer setzt er ahnungsvoll hinzu: „aber auch Censuren!"
Allgemeiner Anzeiger.
Hohversteigkrungen.
In der fürstlichen Oberförsterei Hohensolms
soll nachverzeichnetes Gehölz an Ort und Stelle versteigert werden:
!• Dienstag den 27. d. M. in den Districten „Buchenberg", „Fuchslöcher" und „Iunkernwald".
34 Raummeter Kiefern-Prügelholz, meistens 2 Meter lang,
40 „ Fichten- und Kiefern-Stockhol;,
2070 Wellen dgl. Reisholz,
2300 „ Buchen-Forstreiser,
99 Fichten-Baustämme mit 32,26 Festmeter,
24 Lärchen-Stämme „ 9,46 „
67 Kiefern- „ „ 22,30 „
106 Stück Fichten-Stangen, zu Sparren und Leiterbäumen geeignet.
Der Anfang der Versteigerung ist Morgens präciS 10 Uhr in dem District „Buchenberg" zunächst Altenstädten, und wird dieselbe Nachmittags gegen 1 Uhr in den Districten „FuchSlöcher" und „Junkernwald" fortgesetzt.
Ile Mittwoch den 28. d. M. in den Districten „EichelS- berg" und „Grundwald".
55 Raummeter Buchen-, Eichen- und Tannen-Prügelholz,
79 „ dgl. Stockholz,
1710 Wellen dgl. Reisholz,
7650 „ Buchen-Forstreiser I. und II. Klaffe.
Der Anfang der Versteigerung ist Morgens präciS 10 Uhr im District „Eichelsberg", zunächst dem Teich, und wird dieselbe Nachmittags gegen 1 Uhr im District „Grundwald", zunächst dem Altenberg, fortgesetzt.
Hohensolms, am 17. April 1886.
Fürstliche Obersörsterei Hohensolms.
D ö r m e r, Reviersörster. 2994
Ortskrankenkasse Gießen.
Die Geschäfte des Kaffen- und Nechnungsführers sind von heute an dem Armenkaffenrechner Herrn 21. Lauber übertragen und finden im Bureau desselben (Alte Realschule) statt.
Geschäftsstunden täglich von 8 bis 12 Uhr Morgens und 2 bis 6 Uhr Mittags, zur Auszahlung der Krankengelder außerdem SamstagS von 12 bis 1 Uhr Mittags und 6 bis 7 Uhr Abends.
Die Erhebung der Beiträge des letzten Termins mußte in Folge dieser Uebergabe verschoben werden und findet erst zu Anfang nächster Woche statt.
Gießen, den 21. April 1886.
3049 Der Vorstand.
Ein neues Break, ein gebr. Halbverdeck
.Lillig zu verkaufen. 2939
S. Mohrmann, Vet.-Anst.
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