Sonntag den 22 August
Erstes Blatt.
Nr.
M86
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Dreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brtngerkchn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
5994
Der Kaiser kam Vormittags 9% Uhr nach Berlin, be-
Berlirr, 20. August.
Geschütze und nahm hierauf im Kaiserpalais militärische Meldungen entgegen. Um
Wegen Vornahme baulicher Veränderungen bleibt die Dreihäusergaffe längs der Färber A. Vogt'schen Hofraithe bis auf Weiteres gesperrt. Gießen, den 21. August 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Kraemer.
Gefunden: 1 Kriegsdenkmünze, 1 Sonnenschirm, 1 Taschentuch, 1 Kinderkragen, .1 Petschaft nebst Cigarrenabschneider, 3 Manschetten, 1 Strumpf, 1 Sack Kartoffeln.
Gießen, am 21. August 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
_______________________________________I. V.: Kraemer.___________________________________________________________
Telegraphische Depesche«.
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Aeutschkand.
Berlin, 19. August. Eine Eingabe des Mittelrheinischen Fabrikanten- Vereins an den Reichskanzler, betr. die einheitliche Regelung des Submisstonswesens, ist besonders interessant wegen ihrer Motive und lassen wir daher die letzteren hier folgen:
„Für die Industrie ist kaum irgend eine Frage von größerer und einschneidenderer Bedeutung, als die des Submisfionswesens. Der weitaus größte Thell der Arbeits- und Lieferungs-Verträge wird auf dem Wege der Submtsston j vergeben. In erster Linie ist dies bei allen Staatsbehörden, sodann bei Pro- s vinzialbehörden, Städten, Eisenbahnen und in neuerer Zeit auch bei Privaten ■ der Fall. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat der Mittelrheinische Fabrikanten-Verein stets die Frage der einheitlichen Regelung des staatlichen Sub- wisstonswesens im Auge behalten und dieselbe wiederholt zum Gegenstand seiner Berathungen in Vorstands- und Plenar-Sitzungen, zuletzt in derjenigen vom 5. Mai d. Js. gemacht. Der Verein ist ungethetlt der Anstcht, daß das Submissionswesen hauptsächlich an dem Mangel einer einheitlichen Behandlung kranke, daß nicht nur die einzelnen deutschen Partikularstaaten, nach verschiedenen Grundsätzen verfahren, sondern daß sogar bei den einzelnen Ministerien desselben Landes eine große Verschiedenheit in Auffassung und Handhabung hervortrete. Ferner wird constatirt, daß in einigen Ländern häufig ein Unterschied zwischen den Angehörigen des engeren Vaterlandes und den übrigen deutschen Submit- \ tenten gemacht werde. Hierzu kommt noch, daß die meisten der bestehenden Submissions-Bedingungen so unvollkommen und von solcher Beschaffenheit sind, daß dieselben der Industrie zum Nachtheil gereichen und die letztere schwer darunter leidet. Dieser Zustand tritt noch schärfer bei allen nicht direct staatlichen Behörden, bei Städten und Privatbahnen, bei welchen ein regelrechtes Submissionsversahren oft gar nicht eingehalten wird, obgleich man ihm den äußeren Anstrich eines solchen verleihen will, zu Tage. Eine rühmliche Ausnahme hiervon machen die Submissions-Bedingungen des Königlich Preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten. Der Königlich Preußische Staatsminister und Minister für öffentliche Arbeiten Herr Maybach Excellenz hat seit Jahren sich mit dem größten Erfolge mit dem Submissionswesen beschäftigt und Normativ-Bestimmungen aufgestellt, welche den Bedürfnissen und Verhältnissen der Industrie in durchaus zweckmäßiger Weise Rechnung tragen. Es dürfte daher der gesummten deutschen Industrie nur zum Vortheil gereichen und für deren gedeihliche Entwickelung von entscheidendem Einflüsse sein, wenn dieselben in allen Staaten des deutschen Vaterlandes zur Grundlage der Submissions-Bedingungen gemacht würden. Wäre diese Ausdehnung einmal für die staatlichen Ausschreibungen erfolgt, dann würden die übrigen Behörden, Corporationen rc. baldigst Nachfolgen müssen und auch ihrerseits die bei den staatlichen Behörden maßgebenden Normativ-Bestimmungen in Anwendung bringen.
Amerika.
Chicago, 19. August. Die irische Convention nahm zwei Resolutionen an, welche dem Principe der irischen Lokal-Regierung zustimmen und Gladstone für seine diesfälligen Bemühungen, sowie der Demokratie Englands, Schottlands und Wales' für ihre Unterstützung der Gladstone'schen Vorlagen danken. Der irische Deputirte Redmond hielt eine Rede, worin er den Gesühlen des Dankes für Gladstone, der Irland Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte, Ausdruck gab und u. A. sagte: Die versöhnliche Politik sei nunmehr wieder verlassen; das ' irische Volk zeigte, daß es ein treuer Freund sein könne; es werde jetzt zeigen, daß es auch ein furchtbarer Feind sein könne. Die Politik Irlands werde künftig eine Politik des Kampfes sein, weil die Regierung Salisbury's die Politik der Zwangsmaßregeln wiederherstellen müsse.
— In dem Processe gegen die Anarchisten, welche die Unruhen im Mar ,'.ri.rsachten, wurden sieben Angeklagte des Mordes für schuldig erklärt und M Tode verurtheilt. Einer erhielt eine 15jährige Gesängnißstrase. Das ' Publikum begrüßte das Urtheil sehr beifällig.
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suchte die Verkaufsräume der königlichen Porzellanmanufactur (Leipzigerstraße), be- W'V, sichtiate die im Zeughause aufgestellten für den Sultan von Zanzibar bestimmten
1 Uhr hatte der Unterstaatssecretär Graf Berchem Vortrag. Nachmittags kehrte der Kaiser nach Babelsberg zurück, wo er die Gesandten Schlözer und Lerchenfeld-Köscring empfangen wird!
Gastein, 20. August. Der Kaiser von Oesterreich besuchte gestern Bismarck, in dessen Familie er eine Stunde verweilte.
Wien, 20. August. In Triest sind seit gestern bis heute Mittag an der Cholera. 16 Personen erkrankt und 3 gestorben.
Bern, 2,0. August. Anläßlich der drohenden Ausbreitung der Cholera in Oberitalien ließ der Bundesrath die üblichen cholerapolizeilichen Maßregeln sofort in Kraft treten, erneuerte die früheren Vorschriften für den Gotthardbahnverkehr, die Dampfschifffahrten des Luganersees und die Postfahrten und untersagte die Ein- und Durchfuhr von ungebeizten Häuten, ungewaschener Wolle, Hadern, alten Kleidern und Reisegepäck, ausgenommen solches Gepäck, das Reifende auf der Fahrt von Italien nach der Schweiz mitführen.
Stockholm, 20. August. Der König von Portugal ist Vormittags angekommen und festlich empfangen worden.
London, 20. August. Unterhaus. Flogusson erklärt, das Gerücht einer russischen Besetzung von Port Lazare sei unbestätigt. Giers habe am 25. Juli das Gerücht für unbegründet erklärt. Oconnor setzt die Adreßdebatte fort.
— Bei der gestern Abend in Reath stattgehabten Versammlung der Con- serv^tiven sprach sich der Staatssecretär des Auswärtigen, Lord Jddesleigh, weiter dahin aus, daß die im Innern Englands zu losenden Fragen den Vorrang vor den auswärtigen haben sollten, jedoch hervorhob, daß auch die einheimischen Interessen nicht gebührend gefördert werden könnten, wenn nicht die auswärtigen Angelegenheiten ebenso wie die einheimischen nach vernünftigen Grundsätzen gehandhabt würden. Die Regierung müsse gleichzeitig die Interessen Englands fördern und auf die Interessen und Ansprüche der anderen Länder Rücksicht nehmen.
Rom, 20. August. Im Arsenale von Castellamare bei Neapel brach heute in dem Baugerüste des Schiffes „Umberto" Feuer aus, welches den Hintertheil des Schiffes zerstörte. Der Schaden beträgt ungefähr 800,000 Frcs.
Petersburg, 20. August. Die großen Manöver in hiesiger Umgegend, denen deutsche, österreichifche, englische, französische, schwedische, dänische und japanische Offi- ciere beiwohnen, begannen gestern und endigen Montag. Ihretwegen nahmen der Kaiser und die Kaiserin zeitweiligen Aufenthalt in Krasnojeselo.
— Die „Neue Zeit" kündigt einen jüngst vom Kaiser vollzogenen Beschluß des Minister-ComitS's an, wonach die vsm Verkehrsministerium an die russischen Eisenbahn- Gesellschaften gestellten Forderungen, neue Tarife für den directen Auslandsoerkehr zur Bestätigung vorzulegen, sowie die Beschlüsse des obersten Eisenbahnraths in sämmtltchen Fragen des Bahnverkehrs mit dem Auslande als obligatorisch anzuerkennen sind.
Konstantinopel, 20. August. Meldung des Reuter'schen Bureaus.j Die Berathungen der türkischen und bulgarischen Delegirten in Sofia wurden einstweilen ausgesetzt, wegen einer Meinungs-Verschiedenheit betreffs der Basis der Unterhandlungen. Die türkischen Delegirten erbaten von der Pforte weitere Instructionen, con- statirten dabei jedoch gleichzeitig, daß eine zu gütlicher Vereinigung geneigte Gesinnung unter den Delegirten obwalte.
Montevideo, 20. August. Beide Kammern votiren eine Adresse an den Präsidenten, worin sie ihre Entrüstung über das Attentat ausdrücken. Anläßlich des Attentats wurden gegen 50e Personen verhaftet.
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Gießen, 21. August. fStadtverordnetensitzung vom 19. August, Nachmittags 4 Uhr.j Anwesend die Herren Bürgermeister Bramm und Beigeordneter Keller, sowie die Herren Stadtverordneten Batst, Georgi, Dr. Gutfleisch, Hoch, Homberger, Kauf, Adolf Noll, August Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.
Die Prüfung der Rechnung der Löber'schen Stiftung pro 1885/86 hat keine Anstände ergeben und wird daher auch von der Versammlung gutgeheißen.
Anläßlich der Feier des Sedantages wird, wie jedes Jahr, Blasen eines Choral vom Thurme und Beflaggung beantragt und beschlossen.
Behufs Anschaffung von Schulbänken wird noch ein weiteres Modell von Schreiner in Herborn, welches für Frankfurt, Cöln und andere Städte geliefert wurde und sich im Preise billiger stellt, vorgeschlagen und vorgezeigt; es wird jedoch auf der Anschaffung des früher angenommenen Modells beharrt, auch eine probeweise Einführung des Schreiner'schen Modells abgelehnt.
Einer Eingabe des Schulvorstandes, betr. die Anschaffung von Lernmitteln, insbesondere von Schulbüchern, wird auf Grund des Art. 26 des Volksschulgesetzes entsprochen.
Der Antrag von Bewohnern der Schillerstraße um Pflasterung des Trottoirs wird abgelehnt. — lieber weiteren Ausbau der O stau läge wird der Antrag der Baudeputation gutgeheißen.
Die von der Baudeputation beantragte Festsetzung von sogen. Richtungslaternen wird nach vorheriger Begutachtung des Beleuchtungs-Jnspectors angenommen. — Zur Beleuchtung des oberen Ntegelpfades wird die Aufstellung einer Laterne am Feuster'schen Hause beschlossen.
Eine Offerte des Herrn Ad. Menges auf Lieferung von Wasser-Reservoirs für das neue Schlachthaus wird auf Antrag des Stadtbaumeisters angenommen.
Die Intendantur der 21. Division ersucht die Vertretung der Stadt behufs Errichtung einer Feldbäckerei mährend der in der Nähe stattfindenden Manöver um Ueberlassuna 1) von Oswald's Garten, unseres einzigen mit Bäumen bewachfenen, zur Abhaltung der Jahrmärkte rc. dienenden Platzes, 2) des dahinter liegenden Holz-
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