Nr. 167 Donnerstag den 22 Juli 188ß.
Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Ortsstraße in Launsbach, welche nach Wißmar führt, wegen Umbaues vom 20. bis 31. l. M. Mr Fuhrwerke gesperrt ist.
Gießen, am 20. Juli 1836. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
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Beka nntmachung.
Auf dem gestern dahier abgehaltenen Viehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen Eigenthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige, der Ansprüche an dieses Kalb machen zu können glaubt, wird ausgefordert, seine Ansprüche binnen 4 Wochen bei der unterzeichneten Behörde vorzubringen, widrigenfalls das Kalb als gefundener Gegenstand behandelt werden wird.,
Gießen, den 21. Juli 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. 5275
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Politische Ueberficht.
Gießen, 21. Juli.
Erst nachträglich wird bekannt, mit welch' lebhaftem Interesse auch der Kaiser die Nachricht von dem der deutschen Sache so günstigen Aus- lalle der elsaß-lothringischen GemeinderathSwahien entgegengenommen hat. Speciell über das Resultat der Metzer Wahlen zeigte ssch der Monarch hoch befriedigt, worüber ein dem Bürgermeisterei-Verwalter Halm in Metz noch von Mainau aus zugegangenes Telegramm des Kaisers Zeugniß ablegt. In demselben heißt es, daß her Kaiser von dem bisherigen Ausfälle der Wahlen mit lebhastem Interesse Kenntniß genommen habe und von demselben ein gedeihliches Ergebniß für die Verwaltung hoffe; die Depesche ist natürlich in den altdeutschen Bürgerkreisen der Stadt Metz mit Jubel ausgenommen worden. Uebrigens scheint die Niederlage, welche die Metzer Protestpartei bei den Ge- mnnderathswahlen erlitten hat, in ihren Reihen vollständige Muthlostgkeit und Rathlosigkeit hervorgerufen zu haben. Eine Kundgebung der genannten Partei in den protesilerischen Organen besagt, daß bei den bevorstehenden Nachwahlen, wenigstens so weit es sich um den Metzer Gemeinderath handle, gar keine pro- tcstlerischen Candidaten aufgestellt werden sollen. Um so besser, da haben die Altdeutschen und die gemäßigten Elemente der einheimischen Bevölkerung freies Feld und der lothringischen Hauptstadt wird es sicher nicht zum Nachtheile gereichen, wenn in dem neuen Gemeinderathe keine Protestler und somit keine Männer sitzen werden, denen die Politik über die städtischen Angelegenheiten geht. Was aber die erwähnte protestlerische Erklärung anbelangt, so bildet sie ein weiteres eclatantes Zeugniß für den Zusammenbruch der sranzosensreund- lichen Partei in Metz und scheint es überhaupt, als ob die Tage dieser Partei in den Reichslanden gezählt seien. Die Nachwahlen zum Gemeinderathe in Metz und Straßburg haben weitere Erfolge der altdeutschen Partei ergeben. In erstgenannter Stadt gewann die altdeutsche Partei noch 6 Sitze, so daß der Metzer Gemeinderath nunmehr aus 19 Altdeutschen und 13 Einheimischen besteht. Bet den Straßburger Stichwahlen wurden zwei Candidaten der altdeutschen Liste, eine Klerikaler, ein Candtdat des elsässischen Ausschusses und ein zu keiner Partei gehöriger Elsässer gewählt.
Die bayerisch-vatikanische Angelegenheit wird wohl nun einmal ausgespielt haben. Die Münchener „Neuesten Nachrichten" wissen auf das Bestimmteste zu melden, daß in letzter Woche aus Nom ein Telegramm an die bayerische Staatsregierung eingegangen ist, welches gegenüber den erhobenen Zweifeln und Verdächtigungen aus's Neue constatirt, daß die so viel erörterte Stelle in der Botschaft des Prinz-Regenten Luitpold von der Zufriedenheit des Papstes mit der Lage der katholischen Kirche in Bayern sich auf mehrfache Kundgebungen des Papstes bezieht, „die in ihrer Entschiedenheit und Klarheit auch dem hartnäckigsten Zweifel ein Ende bereiten." Blätter vom Schlage der „Germania" werden sich freilich nicht so leicht bekehren, ja, das genannte Blatt weiß bereits mit einem neuen Telegramm seines römischen Correspondenten auf* zu warten, aus welchem vertrauensselige Gemüiher entnehmen können, daß die „Germania" mit ihren Zweifeln und Behauptungen in der Sache des prinz- regentlichen Schreibens natürlich Recht gehabt hat. Indessen, der Depeschenschwindel, der in dieser Frage getrieben wurde, ist ja jetzt vollkommen ausgedeckt und so wird denn hoffentlich auch dieses seltsame Nachspiel der bayerischen Regentschaslssrage nicht länger mehr das allgemeine Interesse beschäftigen, zumal dies mehr als nöthig geschehen ist.
Es ist erklärlich, daß jetzt, zur eigentlichen Zeit der Sommer- und Badereisen, auch das Gerücht von einer Zusammenkunft des Fürsten Bismarck mit dem Grafen Kalnoky, dem Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns, wieder mit größerer Bestimmtheit austritt. Daran, daß auch in diesem Jahre eine Begegnung zwischen den beiden Staatsmännern statt- .finden wird, ist wohl nicht zu zweifeln, aber offenbar ist über Tag und Ort derselben noch nichts Näheres bestimmt und so thut man denn wohl, alle über die Einzelheiten der Begegnung schon in Umlauf befindlichen Mittheilungen einstweilen als unverbürgt zu betrachten.
Wie dagegen Wiener Meldungen übereinstimmend besagen, wird sich Graf Kalnoky in diesen Tagen nach Kissingen zum Besuche des Fürsten Bismarck begeben.
Die jüngsten Veränderungen in den höheren Commandostellen der österreichischen Armee werden in der österreichischen und ungarischen Presse noch immer lebhaft besprochen. Die definitive Versetzung des Generals Janski von Pesth nach Josesstadt wird trotz seiner gleichzeitigen Beförderung zum Divisionär allgemein als ein Zuzeständniß an hie Ungarn betrachtet und dem dürfte in der That so sein. Der General war durch Die bekannte Angelegenheit des Hevtzi- Denkmals und seine Berufung auf die altösterreichische Soldaten-Tradition den magyarischen Heißspornen ein Dorn im Auge geworden und hätte die kaiserliche Regierung den General noch ferner in seinem Pesther Commando gelassen, so wäre es in der ungarischen Hauptstadt sicher zu neuen ärgerlichen Austritten und Demonstrationen gekommen. Dem ist nun durch die Versetzung des den Ungarn so mißliebig gewordenen Generals vorgebeugt worden und man kann da allerdings von einer den Chauvinisten im Lande der Stefanskrone gegebenen Aenugthuung sprechen. Anderseits ist jedoch die Versetzung des Landes-Com* mandirenden von Ungarn, des Generals der Kavallerie v. Edelsheim - Gyulai, in den Ruhestand eine Den magyarischen Schreiern ertheilte Lection. Wenngleich sich der General seine Pensionirung selbst erbeten hat, so weiß man doch, was dahinter steckt: General v. Eoelsheim - Gyulai hatte sich in der Janski- Affaire offen aus die Seite der Ungarn gestellt und das ist ihm in Wien sehr übel vermerkt worden. Es wurde Daher von dort aus dem General nahe gelegt, seinen Abschied zu nehmen, obgleich er nur wenig über 60 Jahre alt ist und sich noch vollkommener Rüstigkeit erfreut. In Den leitenden Pesther Kreisen wird man auch die Pensionirung des Landes-Commandirenden richtig zu deuten wissen.
Die am Sonntag in Genua stattgefundene Enthüllung des dem ersten Könige des „befreiten Italien", Victor Emanuel, gefetzten Denkmals gestaltete sich zu einer glänzenden patriotischen Feier. Derselben wohnten der König und die Königin, der Herzog und die Herzogin von Genua, die Minister des Krieges, der Marine und der öffentlichen Arbeiten, zahlreiche Senatoren und Deputirte und eine nach vielen Tausenden zählende Volksmenge bei. Am Tage vorher hatte der König eine Revue über das permanente Geschwader von Genua abgehalten und den Officieren und Mannschaften desselben in einem Tagesbefehle seine vollste Anelkennung ausgesprochen. Nach der Enthüllungsfeier am Sonntag besuchte der König das Flotten-Arsenal in Spezzia.
Das neueste Stücklein, welches der französische Kriegsminister, General Boulanger, zum Besten gegeben hat — sein Duell mit dem monarchistischen Senator Lareinty — stellt sich als das reinste Possenspiel dar. Es ist herzlich gleichgültig, ob Soulanger, nachdem ihn sein Gegner gefehlt, in die Luft feuerte — wie die eine Version lautet — oder ob seine Pistole gar nicht geladen war — wie andere Meldungen wissen wollen — der ganze lächerliche Vorgang trägt so oder so den Stempel der Effecthascherei. Bei uns in Deutschland wäre ein solcher Minister einfach unmöglich, aber jenseits der Vogesen herrschen eben andere Anschauungen und das Duell mit Lareinty hat Boulauger gerade noch gefehlt, um ihn bei seinen Landsleuten vollends populär zu machen. Dies beweist schon der begeisterte Empfang, welchen die Pariser dem Kriegsminister am Samstag nach der Rückkehr vom Duell bereiteten und Die stürmischen Ovationen, die man Herrn Boulanger darbrachte, haben gezeigt, daß seine wohlberechnete Selbst-Reclame Früchte getragen hat. Er kann möglicherweise noch ein politischer Factor werden, mit welchem ernstlich gerechnet werden muß, ja, vielleicht hat man in Boulauger den künftigen Präsidenten der französischen Republik zu erblicken, wenngleich die Pariser Witzblätter meinen, daß ein „Bäcker" — boulanger bedeutet auf Deutsch „Bäcker" — doch nie die höchste Würde der Republik bekleiden könne.
Die englischen Parlamentswahlen sind nunmehr bis auf drei sämmtlich bekannt. Mit Einschluß der letzteren, von denen eine voraussichtlich zu Gunsten der Gladstonianer, zwei zu Gunsten der Parnelliten ausfallen werden, ergiebt sich folgende Zusammensetzung des neuen englischen Parlaments: 317 Conservative, 191 Anhänger Gladstone's, 76 dissentireude Liberale und 86 Parnelliten. Es haben demnach auch die Conservativen nicht die absolute Mehrheit und liegt daher die Entscheidung bet den dissentirenden Liberalen, die jedoch voraussichtlich in den Irland betreffenden Fragen mit Ersteren Hand in Hand gehen werden.


