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vr. Filehne in Erlangen hat einen Ruf all Ordinarius nach Breslau (zum Ersatz für Professor Hese) erhalten.

Mit Bezug auf eine durch die Zeitungen laufende Notiz, daß in Berlin eine orientalische Akademie zur Ausbildung junger Diplomaten in den modernen Orientsprachen nach dem Muster der Wiener und Pariser Akademien errichtet werden soll, durfte es von Interesse sein, mitzutheilen, daß in Berlin ein geborener Araber lebt, der seine Ausbildung in Deutschland genossen hat, nachher mehrere Jahre bei .einem deutschen Consulat im Orient als Dragoman thätig gewesen und jetzt beim Magistrat in Berlin als Secretär angestellt ist. Derselbe ertheilt seit einer Reihe von Jahren Unterricht in seiner Muttersprache und zwar sind seine Schüler vorzugsweise junge Leute, die sich der Eonsulatslaufbahn widmen und Kaufleute, die den Orient bereisen, resp. Handelsgeschäfte dorthin unterhalten. Unter den Fachprofessoren an der Universität sollen namentlich die Professoren Dr. Sachau und Dr. Jahn die Tätig­keit des Arabers stets in lobcnswerther Weise anerkennen.

Vermischte -.

Darmstadt, 18. Januar. DieDeutsche Turnzeitung" brachte kürzlich die Mittheilung, daß denjenigen Untereffreieren und Soldaten einer bayerischen Garnison, welche Mitglieder des Turnvereins seien, der Urlaub an den Uebungsabenden bis nach Beendigung des Turnens verlängert worden sei. Auch bei einem Theile der hiesigen Garnison ist dieselbe Begünstigung eingctreten, zunächst für Diejenigen, welche bei einer deinnächstigen Veranstaltung eines Bazars in der Turngemeinde actio mit­wirken. (D. T. A.)

Darmstadt, 19. Januar. sZum Verbrechen an den Fach'schen Eheleuten.] Es hat sich aufgeklärt, daß eine Gesellschaft von 46 jungen Leuten, welche um die Zeit der Verübung des Verbrechens durch die Dieburger Straße nach der Stadt zu- tarnen und sich gegenseitig am Thatorte anriefen, nichts mit der Thäterschaft zu thun haben. Dieselben halten nur einen Gang nach dein Walde zu gemacht, wovon sie zurückkehrten. Der verhaftet gewesene Scharmann ist als unbetheiligt am Verbrechen entlassen. .

Groß-Bieberan, 14. Januar. Ter Sohn eines hiesigen Landwirths gcrictl) kopfüber in den Trichter einer Wurzelmühle. Tie an den Walzen angebrachten Haken erfaßten den Kopf und zerfleischten ihn dermaßen, daß das Ableben des Verunglückten befürchtet wird.

Düsseldorf, 17. Januar. Seltenes Jagdglück hatte der Oeconom Huxol am 13. d. M. auf der Treibjagd im Uentroper Revier bei Arnsberg. Derselbe erlegte in zwei aufeinanderfolgenden Schüssen drei Hirsche, wovon zwei im Feuer blieben und der dritte zwanzig Schritte weiter abgcnickt wurde.

Zwei Cometen zu gleicher Zeit werden Ende April am Himmel für das freie Auge sichtbar werden. Der eine, am 1. December v. I. von Fabry in Paris entdeckte, wird schon in der ersten Hälfte des April im SternbildeCassiopeja" sicht­bar werden, der andere am 4. December von Barnard in Nashville entdeckte, etwas später. Beide zusammen werden in nicht sehr großer Entfernung von einander so­dann in der zweiten April-Hälfte geraume Zeit auch dem unbewaffneten Auge sichtbar bleiben, ein ebenso seltenes wie großartiges Schauspiel.

Aus der Pfalz, 15. Januar. sZur Beachtung dringend empfohlen.] Ober­amtsrichter Schäfer in Speyer erläßt folgendes Schreiben:Vor einiger Zeit wurde in Schifferstadt wegen schweren Diebstahls eine Mannsperson verhaftet, welche angab, sie heiße Bernhard Mährte und sei gebürtig aus Adelshofen in Baden, welche Angabe sich jedoch als unwahr herausstellte. Anläßlich dieser Erhebungen ergab sich auch, daß diese verhaftete Person vor 5 bis 6 Jahren mit dem Bernhard Möhrle nach Adels­hofen kam, sich dort mit diesem bei dessen Geschwistern aushielt, dann 'sich aber mit dem Bernhard Möhrle wieder in die Fremde entfernte. Seit dieser Zeit trat der Ver­hütete unter dem falschen Manien Bernhard Möhrle auf und verbüßte sogar unter diesem falschen Manien in Bruchsal eine Zuchthausstrafe. Die Frechheit und Kalt­blütigkeit, mit welcher der Verhaftete Einbruchsdiebstähle zur Nachtzeit verübte, gibt mit Rücksicht darauf, daß er sich seit 5 bis 6 Jahren des falschen Namens Bernhard Möhrle mit so großer Sicherheit bedient hat, der Vermuthung Raum, daß er, weil wegen schweren Verbrechens steckbrieflich verfolgt, seines richtigen Namens sich nicht mehr bedienen konnte, deßhalb sich des Namens Bernhard Möhrle bedient, diesen aber, um die Entdeckung der falschen Namensangabe zu verhindern, ermordet hat. Es erscheint deßhalb geboten,, über den Verbleib des Bernhard Möhrle, von dem man seitdem nichts mehr gehört hat, Erhebungen anzustellen. Ich bitte deßhalb die Re­dactionen sämmtlicher Blätter um Weiteroerbreitung des vorstehenden Sachverhalts, um vielleicht auf diese Weise über den dunklen Punkt Auskunft zu erhalten und um so­fortige Mittheilung etwaiger sachdiensamer Anhaltspunkte."

Berlin, 16. Januar, lieber die Ausgezeichnetsten im Deutschen Reich, das will besagen die am meisten mit Orden decorirten Persönlichkeiten, giebt die soeben erschienenePreußische Rang- und Quartierliste für 1886" interessante Auskunft. Abgesehen von dem Kaiser, als oberstem Kriegsherrn, besitzt die meisten Orden von allen Offizieren der Kronprinz, nämlich 72, dann folgen der General k la suite der Armee Graf Pückler (Hausmarschall) mit 51, Fürst Bismarck mit 48, Graf Perponcher -(Hofmarschall) mit 46, Gras Moltke mit 44, Generallieutenant von Albedyll mit 42, Oberstlieutenant Graf zu Eulenburg (Hofmarschall) mit 41 2c. Prinz Wilhelm besitzt bereits 34 Orden (4 mehr als im vorigen Jahre), Prinz Heinrich 24, Prinz Friedrich Leopold 10. Graf Herbert Bismarck hat 18, Graf Wilhelm Bismarck 13 Orden. Erstaunlich ist die große Zahl von Orden, welche der zum Ober-Marstall commandirte Major v. Mexer, k la suite des 9. Dragoner-Regiments, alljährlich bekommt. Derselbe hat im letzten Jahre wieder 5 Orden erhalten und besitzt jetzt bereits deren 30.

(Geschichte eines Bettlers.] DieKl. Pr." erzählt aus Frankfurt: An der Thür einer hiesigen Kirche konnte man seither während jedem Gottesdienst einen alten, weißköpfigen, gebrechlichen Mann finden, der die Andächtigen um ein Almosen anflehte. Dieser Alte ist vor einigen Tagen gestorben und hat eine Summe von über 8000 JL in baarem (Selbe hinterlassen. Der verstorbene lebte früher zur Zeit, als noch in Homburg v. d. H. und in Wiesbaden die Spielbank existirte, auf großartigem Fuße, denn er besaß ein ziemlich bedeutendes Vermögen. Noch im Jahre 1867 be­wegte er sich in den feinsten Schichten der Bevölkerung. Das Spiel brachte ihn jedoch in's Verderben, er verlor in kurzer Zeit sein Vermögen. Seine Verwandtschaft half ihm mehrere Male auf die Beine, indem sie ihm größere Summen zukommen ließ. Doch auch dieses Geld hatte die Bank bald verschlungen. Der Mann konnte das Spielen nicht lassen. Seine Verwandten bekümmerten. sich nicht mehr um ihn, ja, selbst seine leibliche Schwester wies ihn von ihrer Thür. Da er viele Jahre hindurch weiter nichts gethan hatte, als gespielt und sich vergnügt, so war er nicht im Stande, Pich zu ernähren. Er fiel dem Mitleid seiner Mitbürger zur Last und nach und nach sank er zum gemeinen Bettler herab. Vor einiger Zeit, als seine auf einem Gute in

Sachsen in sehr guten Verhältnissen lebende Schwester erfuhr, daß er bedenklich er­krankt sei und man für das Leben des alten Mannes fürchten müsse, ließ sie denselben zu sich holen, wo er auch starb. Das von ihm hinterlassene'Vermögen fällt nun auch seiner Schwester als nächster Erbin zu.

Meister (zu seinem Lehrjungen, den er soeben durchgeprügelt hat):Es macht mir wahrhaftig feinen Spaß, Dich immer durchprügeln zu müssen l" Lehrjunge Denken Sie denn, Meister, mir vielleicht?"

Köln.Hähr, helft mer", stöhnte in der Nähe des Heumarktes ein an der Erde Liegender einen Vorübergehenden an.Wie ist das gekommen?" fragte dieser, indem er dem Müden auf die Beine half.Ich den mitnem half Aenkerche gefalle."Wo liegt denn das Faß?" fragte der Samariter, indem er sich umsah, worauf der Schwergeladene schmunzelnd erwiderte:Ja, Hähr, dat Aenkerche han ich em Lief."

Sterblichkeit in Gießen im Kauft des Jahres 1885.

Während im Jahre 1883 die Zahl der Todesfälle in Gießen 487 und im Jahre 1884 im Ganzen 414 betrug, belief sie sich im verflossenen Jahre auf 454. Kinder vom ersten bis zum 15. Lebensjahre wurden 161, Erwachsene 293 betroffen.

Von Jnfections- (sog. ansteckenden) Krankheiten waren es besonders Masern, welche ziemlich viele Todesfälle herbeiführten. Es ft arbeit an denselben 17 Kinder (im Monat August allein 14), dagegen an Scharlach nur 3, Diphtherie 14, häutiger Bräune 2, Rose 2, Ruhr 3. An Kindbettfieber starben 4 Frauen, an einer anderen Krankheit des Wochenbetts 1. Die Zahl der an Lungenschwindsucht Gestorbenen war, wie dies schon seit lange hier der Fall ist, wieder eine hohe, sie betrug 80. An acuten Entzündungen der Athmungsorgane (Lungenentzündung, Bronchienentzündung) starben 37 Personen, an Schlagfluß 16, an Darnicatarrh 13, an acutem Gelenkrheumatismus 1, an sonstigen bekannten Krankheiten 229. Eine bestimmte Todesursache konnte, weil eine ärztliche Beobachtung vor dem Tode nicht stattgefunden, in 14 Fällen nicht näher bezeichnet werden. 11 Menschen büßten in Folge von Verunglückung ihr Leben ein, doch waren diese nicht sämmtlich hiesige Einwohner, sondern mehrere derselben, die auswärts in Bergwerken u. s. w. verunglückt und zu ärztlicher Behandlung hierher gebracht worden waren, erlagen hier erst ihren schweren Verletzungen. Selbstmord kam in der Stadt viermal vor, dreimal durch Erhängen, einmal durch Vergiftung mittelst Schwefelsäure.

Die Zahl der Todesfälle in den einzelnen Monaten war eine sehr verschiedene und schwankte zwischen 24 und 51. Die geringste Zahl mit 24 hatte November, dann kommen in steigender Reihe: Juni mit 28, Januar mit 29, September mit 33, Oct ober mit 36, Juli mit 38, Februar mit 40, Mai und December mit je 41, April mit 44, März mit 49 und zuletzt August, in welchem, wie schon erwähnt, allein 14 Kinder an Masern starben, mit 51.

Handel und Verkehr.

_ Das Frankfurter Exponniusterlager hat, wie angekündigt, am 12. Januar feinen Geschäftsbetrieb eröffnet. Abends 6 Uhr fand eine Versammlung der Aussteller im Saale der Handelskammer statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrathes, Herr Sonnemann, theilte mit, daß die Zahl der Aussteller nunmehr 154 betrage und daß man hoffe, demnächst die Zabl von 200 zu erreichen. Rach Orten vertheilt kommen bis jetzt 47 Aussteller auf Frankfurt, 43 auf Offenbach, 18 auf Darmstadt, 9 auf Hanau, 7 auf Mainz, 3 auf Pfungstadt, je 2 auf Karlsruhe, Mannheim, Aschaffen­burg und 20 auf verschiedene andere Plätze. Nach Jndustriegruppen geordnet haben die Mustersammlung wie folgt beschickt: Parfümeriewaaren 6 Firmen, Hüte 3, Metall- roaaren 18, Waagenfabriken 2, Musikinstrumente 2, Papier und Tapeten 10, Knöpfe 4, Bürsten 3, Chemische Producte 18, Perlen 2, Graphische Erzeugnisse 4, Lebensmittel 12, Maschinen 24, Textilwaaren 7, Leder und Lederwaaren 20, Kurzwaaren 4, Confection 2, Cigarren 1, Billards 1, Gummi und Guttapercha 4, Spielkarten 1, Möbel 1, Hopfen 1, Spedition 1, Holzwaaren 4 Firmen. Der Vorsitzende sprach schließlich die Erwartung aus, daß die Verwaltung in Hinsicht auf den Abschluß von Verkäufen ebenso erfolg­reich sein werde wie in Bezug auf die Heranziehung von Ausstellern. Das Unter­nehmen beruhe auf einem einträchtigen Zusammenwirken Frankfurts und seiner industriereichen Umgebung. Dieses einträchtige Zusammenwirken sei dringend geboten, wenn man gegenüber der Rührigkeit, welche überall, im Jnlande wie im Auslande, auf industriellem Gebiete an den Tag gelegt werde, nicht zurückbleiben wolle. Die Versammlung schritt nunmehr nach kurzer Debatte auf Grund des § 14 der Statuten zur Wahl von 5 Delegirten der Aussteller, welche einerseits deren Wünsche gegenüber dem Aufsichtsrathe vertreten sollen, andererseits berechtigt sind, an den Sitzungen des Aufsichtsrathes mit berathender Stimme Theil zu nehmen. Gewählt wurden die Herren Kupferberg-Mainz, Böhm-Offenbach, Hochstätter-Darmstadt, Zimmermann-Hanau und Wertheim-Frankfurt. Die Wahl erfolgt für ein Jahr.

(Für Exporteure nach Rumäniens Von der Frankfurter Handelskammer wird uns geschrieben: Wie mehrfach erwähnt, verlangt die Königlich rumänische Zollverwaltung Urspiungszeugnisse für die aus Deutschland eingehenden Maaren, damit dieselben nicht wie die französischen deni allgemeinen Tarif unterworfen werden, vielmehr die Meist­begünstigung genießen. Diese Ursprungszeugnisse wurden seither von den rumänischen Consulaten, sowie von den Ortspslizeibehörden ausgestellt. Um jedoch den Export thunlicbst zu erleichtern, hat auf Antrag der Handelsbehörden der Herr Minister für Handel und Gewerbe laut Verfügung vom 14. Januar im Einverstandniß mit der rumänischen Regierung fortan auch den Handelskammern die Befugniß zur Ausstellung der Ursprungszeugnisse ertheilt. Demnach ist die Handelskammer von Frankfurt a. 3M. bereit, von heute an Ursprungszeugnisse für Rumänien gratis auszustellen.

Limburg, 20. Januar. Rother Weizen JL 13.85, weißer Weizen JL 00.00, Korn JL 10.40, Gerste 8.10, Hafer JL 6.35, Kartoffeln k 100 Pfund JL 0.00, Erbsen k 100 Pfund JL 00.00.

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