Ausgabe 
21.12.1886 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kd« Setrtu E ^"loos^g

nen daselbst bis p

Glieder von bin

iry

sämmWe, dem :n Anhänger der Nachmittag 3 Uhr iligung die letzte 9051

Vorstand.

ufe Südanlage 7

werem Leiden sanft

h falt WiöAw« btt W TchroatzN

tttbliebenen.

**** lt>l£.

__ \ J

Air. 297 Grstes Blatt. Dienstag den 21. December 1886.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

W«ee««r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit «vßnahme befl MontagS. ^urch^die^Poft^b^ogen ^eÄjüchrl^

Aeutschkand.

Darmstadt, 18. Decbr. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog empfingen heute den Oberstlieutenant v. Chappuis, beauftragt mit der Führung des ersten Großh. Infanterie- (Leibgarde-) Regiments Nr. 115, den Oberstlieutenant a. D. Spohr von Gießen, den Oberstlieutenant z. D. Viesiell, Bezirks-Commandeur zu Bonn, den Major v. Nippold vom zweiten Garde-Feld-ArÜllerie-Regiment, den Rittmeister v. Scholl vom ersten Garde - Ulanen - Regiment, den Hauptmann v. Werner vom ersten Hannoverschen Feld-Artillerie-Regiment Nr. 10, den Premierlieutenant Müller vom zweiten Grobh- Infanterie-Regiment (Großherzog) Nr. 116, den Premierlieutenant Frhrn. Röder v. Diersburg und den Sekond- lieutenant Grafen v. Schweinitz vom Großh. Feld-Actillerte-Regiment Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps), den Hoftheater-Director Münzer, den Kaufmann Fehrer, den Hofmusiker Kugler; zum Vortrag den Staatsminister Finger, den Geheimerath Dr. Becker. ' J

Berlin, 18. December. Se. Majestät der Kaiser wohnte gestern der Vorstellung im Schausptelhause bei. Heute Vormittag nahm Allerhöchstoerselbe militärische Meldungen entgegen, arbeitete darauf mit dem Chef des Militärcabinets, v. Albedyll, und empfing Mittags im Beisein der Kaiserin die hier eingetroffene Großfürstin Katharine nebst Tochter. Nachmittags machte der Kaiser eine Spazierfahrt, wobei er der Großfürstin einen Gegenbesuch abstattete. Um 5 Uhr Nachmittags findet zu Ehren der Großfürstin ein größeres Diner statt.

Berlin, 18. December. Heute Nachmittag 1 Uhr fand die feierliche Eröffnung des Museums für Völkerkunde in Gegenwart des Kronprinzen statt. Anwesend waren n. a. die Minister Puttkamer, Goßler, Maybach, Friedberg, Lucius, Staatssecretär Bismarck, Bundesbcoollmächtigte, Vertreter auswärtiger Staaten, der Polizeipräsident, der Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Vertreter der Universität, der Kunst und Wissen­schaft, darunter Professor Mommsen, Rholfs, Siemens, Menzel u. s. w. Um 1 Uhr erschien der Kronprinz mit der Kronprinzessin, vom Cultusminister und dem General- d irector Schöne empfangen, sodann Prinzessin Victoria, die Prinzen Wilhelm. Friedrich von Hohenzollern mit Gemahlin und der Erbprinz von Meiningen. Minister Goßler hielt die Eröffnungsrede, worin derselbe einen Ueberblick über die Entstehung und die Bedeutung der Sammlungen gab. Sodann ergriff der Kronprinz das Wort, um im Auftrage des Kaisers der Freude und Genugthuung über die glückliche Vollendung des Werkes Ausdruck zu geben und den allerhöchsten Dank allen Denen auszusprechen, welche an dem Werke mitgewirkl hatten. Der Kronprinz schloß mit dem Wunsche, daß die «neue Schöpfung jederzeit eine Stätte strenger, unbefangener, auf Wahrheit beruhender Pflege der Wissenschaft bleiben möge. Der Cultusminister schloß die Feier mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf erfolgte der Rundgang der höchsten Herr­schaften. Aus Anlaß der Feier ist der Generaldirector der Museen, Schöne, zum Wirkt. Geh. Ober - Regierungsrath und Professor Bastian zum Geh. Regierungsrath ernannt worden.

DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die von hiesigen Blättern gebrachten Wiener Mittheilungen über den Empfang der bulgarischen Deputation durch den Prinzen Reuß als apokryph und erfunden. Auch die umlaufenden Nachrichten über den hiesigen Empfang der Deputation seien falsch. Die Deputation werde als solche in Berlin überhaupt nicht ewpfangen werden, weder amtlich noch privatim; nur dürften die einzelnen Mitglieder der Deputation als Privatpersonen den einen oder andern Beamten des Auswärtigen Amtes besuchen, ohne daß letztere jedoch in einem solchen Falle das Auswärtige Amt vertreten.

Holland.

Haag, 18. December. Die zweite Kammer nahm ein Amendement zum Marine - Budget an, wonach der Bau dreier Torpedoboote abgelehnt wird. Der Minister erklärte das Amendement, sowie das Marine - Budget selbst für un­annehmbar.

Belgien.

Brüssel, 18. December. Gutem Vernehmen nach werden über die Expedition unter Leitung Stanley's zur Aufsuchung Emin Bey's erst dann endglltige Beschlüsse gefaßt, wenn sich Junker, welcher am 19. September Ouyugi verließ und sich auf der Rückreise nach Europa befindet, über die Lage Emin Bey's näheren Bericht erstattet haben wird.

Irankreich.

Paris, 18. December. Die Deputirtenkammer hat die Vorlage über provi­sorische Bewilligung von zwei Zwölfteln des Einnahmebudgets in der vom Senat abgeänderten Fassung mit 486 gegen 13 Stimmen angenommen. Die Session wurde darauf geschlossen.

England.

London, 18. December. Dillon, Obrien, Harris, Sheehey und Redmond Crilli erhielten heute Vorladungen vor das Dubliner Polizeigericht. Sie erscheinen unter der Anklage, an einer ungesetzlichen Verschwörung betheiligt gewesen zu sein.

Dublin, 18. December. In einer besonderen Ausgabe derAmtlichen Zeitung" wird eine Proklamation veröffentlicht, worin die irische Agrarbewegung ein Feldzugs­plan genannt, für eine ungesetzliche verbrecherische Verschwörung erklärt und angekündigt wird, daß alle Diejenigen, welche sich der Bewegung anschließen, sich gerichtlicher Ver­folgung aussetzen, und daß das von den Theilnehmern an der Bewegung erhobene Geld oder Quittungen über Geldzahlungen von den Gerichtsbehörden confiscirt werden können.

Reichstag.

E. E. Berlin, 18. December 1886.

Der Präsident v. Wedell-Piesdorf erklärt, er beabsichtige heute die letzte Sitzung vor Weihnachten abzuhalten und die nächstes auf den 7. Januar 1887 an- juberaumem (Rchsp.) ersucht um Anberaumung einer Sitzung auf Montag

den 20. c., damit die Militärkommission noch ihre Berathungen beende.

Abg. Richter (dfr.) constatirt, daß kein Mitglied der Commission Herrn v Köller zu diesem Verlangen beauftragt habe, überdies könne der Bericht über die Commissionsverhandlungen nicht vor Weihnachten erfolgen.

Abg. Windthorst (Ctr.) meint, daß es sich gar nicht mehr um die Militär­vorlage, sondern um die Auflösung des Reichstags und die Wahlen zu handeln scheine. Dann sei die Sache aber gar nicht eilig. Vor dem In- und Auslande constatire er, daß das Centrum der Regierung Alles bewilligen wollte; kein Mann fehle und kein Groschen. Mit keiner Silbe sei nachgewiesen worden, daß 3 Jahre nicht ausreichen. Aber auch die Frage, woher das Geld nehmen, müsse geprüft werden und diese Frage werde er in der zweiten Berathung sehr recht stellen. Die Verzögerung liege einfach an der späten Einberufung des Reichstages und daran, daß die Auferlegung so hoher Lasten eingehende Prüfung erfordere. Er sei auf die Auflösung vorbereitet und sehe ihr mit Ruhe entgegen. Der Aufruf sei schon fertig.

Staatssecretär v. Bötticher: Die Regierungen und Se. Majestät der Kaiser werden sich zu einer Auflösung von keiner Weise drängen lassen; der Entschluß werde nach eigener Initiative und unter Prüfung der gegebenen Verhältnisse gefaßt werden. Die verbündeten Regierungen bedauern es lebhaft, daß die wichtige Frage nicht so zeitig zum Abschluß gebracht ist, daß die Verstärkung der Armee schon mit Beginn des neueren Etatsjahres hätte fertiggestellt werden können; lebhaft sei es zu bedauern, daß die in der Thronrede enthaltene Zuversicht, das Haus werde die Nothwendigkeit dieser Vorlage im Interesse der Sicherheit des Vaterlandes anerkennen, getäuscht worden sei. Die Regierungen hegen den dringenden Wunsch, die Vorlage recht bald zum Abschluß

gebracht zu sehen. ,

Abg. Dr. M^arquardsen (natlib.) bittet die nächste Sitzung bald nach Neujahr anzuberaumen. , , a

Abg. v. Helldorf (cons.) sieht gar keinen Zweck darin, die Commissionsver­handlungen noch länger hinzuziehen; das Plenum allein werde die Sache zum Abschluß

bringen. , . Q

Abg. Richter (dfr.) meint, daß die Conservativen nur des Lärms und eines rhetorischen Feuerwerks willen Widerstand leisten, im Innern hoffen sie auf eine Ab­lehnung ihres Verlangens. Der Kriegsminister hat in der Commission erklärt, daß auch beim jetzigen Stadium der Dinge die Neuformationen am 1. April k. I. in's Leben treten können. Die scharfen Erklärungen des Ministers v. Bötticher, welche sich gegen die Einigkeit des Reichstags wenden, bezeugen, daß es nach außen hin sehr friedlich aussehen müsse. x

Minister v. Bötticher betont nochmals den Standpunkt der verbündeten Re­gierungen und rechnet die Tage vor, welche nothwendig werden würden, um die Vorlage fertig zu stellen. , . .

Abg. Rickert (dfr.) verwahrt sich gegen diese Behandlung der Abgeordntten durch die Regierung wie die Schulknaben. Um die Abwendung einer augenblicklichen Gefahr -hele es sich nicht; eine Verzögerung der Fertigstellung trete durch die Ver­tagung abssut nicht ein. ,

Abg. Dr. Windthorst (Ctr.) erklärt, daß die Rücksichten auf die Finanzen es sind, welche für einen Theil der Vorlage nur die einjährige Bewilligung erforderlich gemacht habe.

Abg. v. Helldorf widerstreitet, daß seine Freunde auf eine Auflösung hin- arbeitem^ d)ter (j>fr.) Betont, daß jedem Abgeordneten freie Entschließung über­lassen bleiben müsse, an der Wünsche der verbündeten Regierungen und der Krone, wenn der Abgeordnete sich nicht diesen anschließen könne, nichts zu ändern vermögen.

Hiermit ist die Geschäftsordnungsdebatte, die fast zwei Stunden gedauert hat, beendet.

In der danach folgenden Etatsberathung wird die Forderung von 200,000 JL zur Hebung der Hochseefischerei bewilligt. c

Gelegentlich eines darauf folgenden Antrages auf Vertagung der Sitzung be­zweifelt der Abg. v. Köller (cons.) die Beschlußfähigkeit des Hauses, um durch den infolgedessen nöthig werdenden Namensaufruf feststellen zu lassen, welche Mitglieder heute gefehlt haben. t _

Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von nur 163 Mitgliedern; das Haus ist somit nicht beschlußfähig.

Der Präsident beraumt infolgedessen die nächste Sitzung auf den 4. Januar 1887 an.

Telegraphische Depeschen.

Wokff's telegr. Corresporrdenz - Drrrrarr*

Metz, 19. December. Das Hochwafser der Mosel hat einen sehr hohen Stand erreicht, zwischen Novöant und Siereck sind weite Thalstrecken überfluthet. Auch von der französischen Grenze wird fortwährendes Steigen des Flusses gemeldet.

Konstantinopel, 19. Decemaer. Der Minister der Civillifte Agob Pascha ist zum Finanzminister, der bisherige Finanzminister Zihni Effendi ist zum Handels­minister, der bisherige Handelsminister Haki Pascha ist zum Präsidenten der Beamten­commission ernannt worden.

Lokale-.

Gießen, 20. December. (Schwurgericht). Die vorletzte Sitzung des Gerichts nahm den Samstag bis um 8 Uhr Abends, sowie den Sonntag bis 2 Uhr Mittags in Anspruch.

Unter der Anklage der vorsätzlichen Brandstiftung steht der Müller Conrad Schreiner n. von Feldkrücken. Der Angeklagte ist Besitzer einer dicht beiFeldkrückeu gelegenen Schlag- und Schneidemühle, welche sich in einem sehr baufälligen, reparatur- bedürfttgen Zustande befindet. Der Angeklagte ist durch Leichffinn nach und nach in Vermögensrückgang gerathen, so daß ihn eine bedeutende Schuldenlast drückte, die ihn seit Jahren nicht aus den Händen der Executionsbeamten kommen ließ. Sein sämmtliches Vieh und seine Erndte war zwangsweise versteigert worden; Aussichten auf einttetende Besserung seiner Verhältnisse hatte er nicht, er ließ deßhalb alles gehen wie es wollte und sein Anwesen gerieth immer mehr in Verfall. Da er die aus­gewachsenen Zinsen eines auf demselben ruhenden Kapitals auch nicht mehr decken konnte, so stand die Aufsteckung der Hofraithe und wohl auch seine demnächstige Aus­weisung aus derselben zu erwarten. Die Hofraithe war in der Brandversicherung mit 7530 JL versichert. Am 11. August d. I. begab sich der Angeklagte des Abends gegen 8 Uhr mit seinem Fuhrwerk nach Frankfurt, um den dortigen Markt am anderen Tage zu besuchen, während seine Frau, wie sie das öfter zu thun pflegte, nach Stum­pertenrod auf Arbeit ging und die 15 Jahre alte Tochter sich die Nacht über bei einer Freundin aufhielt. In derselben Nacht gegen Vsl2 Uhr gewahrte ein aus der Spinn­stube heimkehrender Bursche, daß in der Schreiner'schen Besitzung Feuer ausge­brochen war, er machte alsbald Lärm im Dorfe und es gelang den Einwohnern nach längerem Bemühen des Feuers Herr zu. werden. Schreiner, welcher bereits auf der Rückreise von Frankfurt Kunde von dem Vorgefallenen erhielt, vermißte bei seinem