Ausgabe 
21.11.1886 Zweites Blatt
 
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Steinbach.

1 Gießen.

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r Edmund Tcmme. Amalie Reidner.

r Zar!. Hohgart. Marie Hartmann.

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Dore Briefe.

ßto Langwald.

Bertha Schrader.

Carl Reidner. t Paul Banse.

Max Mller.

Luise Coppi.

K. Engel- Max Franke, n Fritz Scbröder.

Robett Pehl.

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!2. November Sabinerinnen.

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Föritz Schroder- .u Walle Mm.

Kerlha Schroder. Carl Reidner- i Dora Fricke-

Edmund Temme. n Leo Langwald.

Earl Becker.

'"Mit lin65«rl.5«hart' r » NE Sine «eine »ll4t : @(61"®*' ... &r - Anfang gant 8Ubr.

bft Herrn v «bi* W-ch lienten M J .gxl-

Sonntag d u 21. November

1886.

Amts- und

M., 272 Zweites Blatt

nzerger

für den Kreis Gießen.

ShtrMttt Gchulstraße 7.

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Durch die Voll bezogen vierteljäbrlich 2 Mark M)

Dir Concurrrn;.

Der Kampf um die Existenz ist niemals ein stärkerer gewesen, als jetzt, er ergreift alle Berufsstände und Arten des menschlichen Daseins. Letzteres zeigt sich deutlich genug in der Beobachtung des öffentlichen Lebens. Fast alle Berufe sind heute schsn überfüllt und die technischen, wie die gelehrten Hochschulen leiden dermaßen an Uebcrfrequenz, daß die Regierungen bereits zu Warnungen und Erschwerungen der Prüfungen vorzugehen sich veranlaßt gesehen haben. .

Steht es aber im industrielle^ und gewerblichen Leben besser? Keineswegs! Hier tritt die Eoncurrenz, welche an sich ^rls der Lebensnerv für die Entwickelung der Menschheit bezeichnet werden darf, am deutlichsten zwischen dem fabrik-und handwerks­mäßigen Betriebe hervor und beeinflußt dieselben in sehr verschiedener Weise.

Ist das wesentliche Merkmal des fabrikmäßigen Betriebes die Großartigkeit der Leistungen, begründet durch einen tüchtigen, energischen Unternehmer, durch zweckmäßige Arbeitstheilung, Maschinenbenutzung rc., so bildet hierzu das Handwerk den Gegensatz; t>enn es arbeitet im Kleinen und verfertigt das einzelne Product im Ganzen oder doch größtentheils durch eine und dieselbe Person; es bedarf vergleichsweise weniger Capital, weniger ausgedehnte und umfangreiche Arbeitswerkstätten, weniger Maschinen, iind der Unternehmer sieht sich gewöhnlich so gestellt, daß er auch als Arbeiter an der Pro­duction theilnimmt. , ,,

Das Fabrikwesen fördert in höherem Maße die Gutervermehrung, als die Handwerksindustrie. Durch das Schaffen im Großen, durch die ausgedehntere Capital- werwendung, zweckmäßigere Betriebseinrichtung und Maschinenbenutzung können die bezüglichen Maaren viel billiger hergestellt werden, sie werden also wohlfeiler und -leichter absetzbar; dagegen sind beim handwerksmäßigen Betriebe die Arbeiten zwar öfter mit größerer Sorgfalt ausgeführt, die Maare ist daher gewöhnlich dauerhafter und solider hergestellt und demnach besser, wodurch sie allerdings wieder theurer und nicht so leicht absetzbar wird, rote die fabrikmäßig gearbeitete; endlich kann das mit der Maschine Gearbeitete im eigentlichen Sinne nicht als ein Kunstwerk gelten, während das Handwerk sich sehr wohl zu wahrhaft künstlerischer Höhe auszuschwingen vermag. , ' . r

Diese Gegensätze zwischen dem Fabrikwesen und dem Handwerk führen, wenn­gleich sie immerhin einen volkswirthschaftlichen nützlichen Wettstreit Hervorrufen, zu großen Reibungen und fangen an, für den einzelnen Handwerker fast unleidlich zu werden, denn der handwerksmäßige Betrieb sieht sich gezwungen, das Aeußerste aufzu- bieten, will er mit dem Großbetrieb überhaupt noch in Eoncurrenz treten. Dazu kommt, daß auch der Gegensatz zwischen Klein- und Großbetrieb immer mehr und mehr schwindet; es kommen neben vereinzelt arbeitenden Handwerkern handwerksmäßige Betriebsleitungen in Aufschwung, welche in ihren inneren Einrichtungen dem Fabrik­betriebe ziemlich nahe stehen. Die ganze Gewerbe-Industrie ift gegen roadtg untt en tm Kampfe zwischen Fabrik und Handwerk begriffen; ebenso ein Theil der Metallinduftrie und der Holzwaarenindustrie. .

Mit Recht bemerkt der Altmeister G. Schm oll er:Die Krisis des Hand­werks ist keine Sache für sich; sie ist nur eine Folge der allgemeinen Aenderungen unserer gelammten wirthschaftlichen Verhältnisse. Ein totaler Umschwung der Technik und des Verkehrswesens, die außerordentlich rasch zunehmende Bevölkerung, etne voll­ständige Verlegung fast aller Standorte der Industrie, wie der Landwirthschaft, eine völlig andere Organisation der bei der Production zusammenwirkenden Kräfte, total veränderte Elasten- und Besitzoerhältnisse, eine andere volkswirthschaftliche Gesetzgebung, alle diese Momente zusammen haben die moderne sociale Frage geschaffen. Da Licht, dort Schatten; da großer Fortschritt, dort Stabilität und Mißbehagen. Ein optimistischer Eioilisationshochmuth sieht nur, wie weit wir es gebracht, und es wird sich gar nicht leugnen lassen, daß Großes geschehen und erreicht ist. Rur wird man bei unbefangener Beobachtung zugeben müssen, daß wir mitten in einem Gahrungsproceste stehen, in einem Kampfe gesunder und ungesunder Elemente.^

Deuten diese wahren Worte die wesentlichsten Grundzuge der Ursachen der all­gemeinen Eoncurrenz an, so können wir demselben noch hinzufügen, daß selbst eine Rückkehr in die von so vielen Seiten wieder hervorgeholten, aber abgelebten Formen, eine Wiederkehr der Einschränkung und Einzwängung unter solchen Verhaltnisten niemals einen Ausweg aus dem Dilemma zu öffnen im Stande fein wird.

Gilt das vorzugsweise gerade vom Handwerk dem Fabrikbetriebe gegenüber, so meinen wir, daß der Handwerkerstand den Kampf gegen das Andringen der großen Unternehmungen immerhin wenigstens theilweise noch zu bestehen vermag. Dazu ist aber und zwar vor Allem erforderlich, daß er bemüht ist, in Kenntnissen und Geschick­lichkeiten den Anforderungen der gesteigerten Bildung zu genügen und zum Kunstt betriebe überzugehen; auch bietet ihm das Genossenschaftswesen die Handhabe, sich gewisse Vortheile des Großbetriebes ebenfalls anzueignen, wie z. B. durch gemeinsamen Ankauf von Rohstoffen und gemeinsamen Verkauf fertiger Maaren in gemeinschaftlichen MasaMen^rc-es zur Fabrik immer noch theilweise durch das Handwerk,

-unb viele kleine Handwerksmeister stellen sich in größeren Fabriken ungleich bester, als in ihrer früheren Selbstständigkeit, welche ohnehin gewöhnlich größere morgen für Die Selbsterhaltung des Individuums mit sich bringt. Uebrigens beweifen der allgemein beklagte Mangel an guten Gesellen, sowie hohe Löhne, welche tüchtigen Gehulfen letzt fast überall bewilligt werden, daß Das Handwerk in gewisser Hinsicht immer noch einen guten Boden hat und daß es, wie auf allen Gebieten, nur des tüchtigen Lernens bedarf, um auch im Handwerk noch vorwärts zu kommen.

Sieht man aber auch vom Handwerk und von der Eoncurrenz der großen Industrie dem Kleingewerbe gegenüber ganz ab und fragt man mit Recht, welche Mittel und Wege sind es, auf welchen der freien Eoncurrenz überhaupt, selbstredend in legaler und gesetzlicher Weise, entgegengetreten werden kann, so ist es vornehmuch bezüglich des Handels äußerst schwierig, eine directe Antwort zu geben. Denn hier ist die dabei wesentliche Controle über Verbrauch und Production weit schwieriger, als in anderen Branchen, und in allen Industriezweigen und Gewerben haben Zeiten des Ueberflusses und des Mangels von jeher miteinander abgewechselt, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, ein Mittel zu finden, das erwünschte Gleichgewicht zu erhalten; überdies hat gehinderte Eoncurrenz, rote die Geschichte früherer Zeiten lehrt, die Uebel- siande, welche aus Ueberfluß oder Mangel sich ergeben, nur erhöht, niemals sich aber als wirksames Gegenmittel oder Verhinderungsmittel von Krisen im Handel bewahrt. Je mehr Aufklärung aber über das Wesen der Production und über Erzeugung und Verbrauch der Güter verbreitet werden kann, und je schneller die Statistik mit der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse arbeiten kann, um so mehr werden sich die aus zu großer Eoncurrenz sich ergebenden Uebelständc auf das geringste Maß rebuctren. .

Eigentümlicherweise hat gegenwärtig die freie Eoncurrenz Uebelstande fast am dem ganzen europäischen (Eontinent hervorgerufen, welche bereits eine geraume Zeit andauern, während sie früher zeitweise nur lokale Uebelstande zur Folge hatte, welche niemals lange dauerten und auf größere Strecken sich erstreckten. Daher ist sie diesmal xm so schwerer zu ertragen.

Ganz zweifellos ist die freie Eoncurrenz an und für sich gut und zweckmäßig, ja nothwendig. Wo wären wir gegenwärtig, wenn nicht der Wetteifer der Völker wie des Einzelnen dazu beigetragen hätte, uns alle Vortheile der Eivilisation zu verschaffen; sie ist die Triebfeder jeder höheren Entwickelung, ohne welche ein vollkommener Still­stand, zumal im commerciellen und wirthschaftlichen Verkehr, die natürliche Folge sein würde. Andererseits aber ist sie unter den jetzigen Verhältnissen der Weltlage nicht zu beschränken, noch weit weniger aber gänzlich zu beseitigen. Weder internationale Schranken, wie Schutzzölle und Einfuhrverbote, noch innere Schranken, rote die Wieder­einführung der Zünfte und Bannrechte, werden gegenwärtig die Eoncurrenz aufzuhalten oder gar zu vernichten vermögen. Eine Umkehr ist, wie auch schon angebeutet, nicht mehr möglich und Niemandem kann das Recht verwehrt werden, seine Arbeitskraft da verwerthcn zu wollen, wo er glaubt, daß es für ihn am vortheilhaftesten geschehen könne. Freilich zeigt die freie Eoncurrenz auch große Schattenseiten, denn sie cnlfeffclt mit guten Kräften zugleich die schlechten, sie führt mehrfach zur inneren Verschlechterung der Erzeugnisse bei Wahrung des äußeren Scheines, d. h. zu einer unsoliden Pro­duction, auf welche das Stichwortbillig und schlecht!" anwendbar ist, ferner zum Mißbrauch und Schwindel re.

Uebrigens findet in zahlreichen Fällen die geträumte Eoncurrenz überhaupt gar nicht statt, sondern beruht auf Verabredung, Verbänden rc. Sind aber solche Aus­wüchse möglichst zu bekämpfen, so bleibt die Eoncurrenz immerhin eine in der bestehenden wirthschaftlichen Ordnung unentbehrliche Triebkraft.

Will man aber im Stande sein, der Eoncurrenz die Spitze zu bieten, so meinen wir, ist cs erforderlich, zweierlei Gesichtspunkte im Auge zu behalten, den persönlichen und den sachlichen, zunächst also sich selbst zu prüfen und dann die zu erwählende Branche. In der strengsten Selbsterkenntniß frage man sich, welche Talente, Fähig­keiten, Geschicklichkeiten uns gegeben sind, und suche in dieser Richtung ausschließlich die Thätigkeit der Eoncurrenz. Nicht minder wichtig ist die Wahl des Kampffeldes; ein Artikel rc., welcher von anderen wegen natürlicher Voraussetzungen billiger, ja vielleicht noch besser zu liefern ist, bietet sicherlich keine günstige Aussicht für den Wettstreit. u. Jnd.)

Verwischte».

Mainz, 18. November. Der Commis Wiegand, der vor einigen Tagen die Kellnerin Wetzel zu erschießen versuchte und bann einen Selbstmorbversuch machte, wurde aus dem Hospital entlassen und in das Untersuchungsgefängniß überführt. Die Kugel, welche die Wetzel traf, konnte bis jetzt nicht entfernt werden, doch soll für die Verwundete keine Lebensgefahr bestehen. Ein Soldat des 88. Infanterie- Regiments, der sich zur ärztlichen Untersuchung im Krankenzimmer der Kaserne befand, machte einen Selbstmordversuch, indem er sich mit einem Messer den Hals durch- schn^ben wollte. Er wurde, nachdem ein herbeieilender Lazarethgehilfe ihn an der Vollendung der That verhindert hatte, verbunden und in's Lazareth verbracht. Gestern Abend wurde wieder auf dem Bahnhöfe ein Eisenbahnbediensteter in dem Augenblick verhaftet, als er aus dem Zuge stieg.

(Ländlich sittlich.)Ja, ick kann dem Huberbauer nit helfen. Die Sali, ist verwachsen und net schön, wenn der Bauer net no zwei Säu' braufgibt auf d'Mitgift, na, so tritt i zurück unb b' Sali bleibt sitzen."

Das finnische Postwesen scheint sehr im Argen zu liegen. Mit Bezug hierauf erzählen finnische Blätter folgendes köstliche Geschichtchen. Der Chef des finnischen Postwesens gerieth bei einer jüngst unternommenen Jnspectionsreise dermaßen über die fortgesetzten Klagen betreffs der Post In Verzweiflung, daß er, kurz entschlossen, sein Abschiedsgesuch aussetzte und dasselbe in einem gewöhnlichen Briefe nach Helsingfors sandte; dieser Brief aber ging, bei der Vortrefflichkeit der finnischen Post - verloren.___________ _______________________________________

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Christbescheerurra

-er Kleinkiri-er-Bewahrnnftnlt

Am 4. Adventssonntag den 19. December d. I. soll die Christ- bescheerung für die Kinder unserer Anstalt stattfinden.

Wir haben in diesem Jahre für 227 arme Kinder so hoch war die Zahl niemals vorher den Christbaum zu schmücken und den Tisch mit Gaben zu decken-

Um dies zu können, wenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und ihrer Kinder und bitten, uns Gaben an Kleidungsstücken, Stoffen, Garn und bergt, besonders aber auch an Geld, das uns die gleichmäßigste Bescheerung für unsere Kleinen ermöglicht, zuwenden zu wollen.

Eine Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht herumgegeben; es hat also niemand das Recht, mit einer solchen Liste Gaben angeblich für unsere Anstalt zu sammeln. .

Vielmehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an etne der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Fräulein Bansa (Norb- anlage 41), Frau Bürgermeister Bramm (Ludwigsplatz 10), Frau Dr. Brüel (Neuevbäue 41), Frau Amtsrichter Gebhardt (Gartenstraße 15), Frau Pfarrer Köster (Burggraben 15), Fräulein Langermann (Südanlage 21), Frau Pfarrer Naumann (Südanlage 8), Fräulein Wortmann (Aster­weg 16). Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen.

Gießen, den 6. November 1886.

Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranstalt.

Dr, Naumann, Pfarrer.