Mommenheim mit dem größten Enthusiasmus begrüßt worden war- Der kaiserliche Wagen war mit Blumensträußen angefüllt. Inzwischen hatten die um 93/* Uhr begonnenen Operationen sich dahin entwickelt, daß die Avantgarde der heute verstärkten Ostkorps den feindlichen Vormarsch am Landgraben zum Stehen brachte, bis das Gros der Infanterie auf dem Kampfplatze erschien und den gegen Minwers- heim vorgezogenen Feind zutzückwarf, der auf dem rechten Flügel von der Ka» valleriedivision Häseler auf^dem linken Flügel von der gegen 1 Uhr auftre- lenden Unterstützungsbrigade des Ostkorps umfaßt wurde. Gleich nach 1 Uhr wmt>e das Signal „das Ganze halt" geblafen. Die Kommandeure sammelten sich um den Kaiser, welcher aus der Höhe östlich von Minwersheim dem Man- növe'r beigewohnt hatte. Der Kronprinz hatte den Verlauf desielben in der zweiten Hälfte beim Westkorps beobachtet. Nachdem der Kaiser dem Korps seine Anerkennung ausgesprochen und sich verabschiedet hatte, erfolgte die Rückkehr uach Straßburg, woselbst der Zug um halb 3 Uhr eintraf. — Bei dem Staatsminister v. Hofmann fand gestern eine größere Abendgesellschaft statt, welcher der König von Sachsen, der Kronprinz, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, sowie sämmtllche anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge beiwohnten.
Berlin, 18. September. An dem Festbanket der Nalursorscher im Wintergarten bei Central-HStelS nahmen 1800 Personen Theil, darunter Unter- staatssecretär Lucanus, Ministerial-Director Greiff, Rector Kleinert, Oberbürgermeister Forckenbeck. Geheimerath Hofmann brachte den Toast auf den Kaiser ans, den die Versammlung mit großer Begeisterung aufnahm. Weitere Toaste galten den deutschen Unterrichts-Verwaltungen, speciell dem Staatsminister Goßler, den Naturforschern, den Universitäten als Pflanzschulen der Wissenschaft, bet Stadt Berlin re. Das Banket wurde durch hochkünstlerische Musik und Gesangvorträge verschönt und hielt die Theilnehmer bis zu später Abend- stunde beisammen.
Baden-Baden, 19. September. Se. Mas. der Kaiser und Ihre Königl. Höhest die Frau Großherzogin nebst Gefolge sind von Straßburg heute Nachmittag wohlbehalten hier eingelroffen.
Metz, 19. September. Se. K. Hoheit.Prinz Albrecht von Preußen ist heute Nachmittag hier eingetroffen.
Oesterreich.
Ne«, 18 September. Die Session des Parlaments ist wieder eröffnet. Im Abgcor^etenhause interpellirte der frühere Minister Horwath. Ob sich das auswärtige Ministerium vorher und unter gewissen Bedingungen mit der Entfernmig des Fürsten Alerander einverstanden erklärt, ob sich Rußland der Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn angeschlosscn hab-, endlich, welche Stellung Deutschland einnehme, falls Oesterreich-Ungarn gegen die Ausbreitung des russischen Einflusses in den Balkan- ländern Stellung nehmen müßte. r „ ,
Budapest, 18. September. Cholerabencht. Es erkrankten, resp. starben hier 2/1, in Triest 7/1, in Zstrien 5/0, in Fiume 1/1 Personen.
Frankreich.
18. September. Kriegsminister Boulanger dementirt die vom „Soleil" wiederholte Behauptung, daß er bei den Manövern geäußert, „es ist Zeit, d,e Defenstv- polilik aufzugeben und eine offensive Politik zu befolgen". Boulanger wiederholt, er habe von offensiver Taktik, nicht von offensiver Politik gesprochen.
England.
London, 18. September. Im Unterhause wurde die Berathung über das Aus- aabebudget fortgesetzt. Lord R. Churchill betonte, nickt die jetzige Regierung sei für die Intervention in Egypten verantwortlich, sondern Gladstone; die Rückzahlung des 5vroc. Abzuges von dem Coupon der egyptischen Anleihe sei durch ein internationales Abkommen bedingt, die Einsetzung einer internationalen Commission zur Prüfung der eayptischen Finanzlage wäre ein schlimmeres Uebel. Die Regierung erkenne die große Verantwortlichkeit, welche mit der Intervention in Egypten verbunden sei, da aber England einmal in Egypten stehe, fei die Regierung fest entschlossen, nicht von der Miffion zurückzutreten, bis alle übernommenen Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen vollständig und treu erfüllt seien. . o , , ,. r, , , . .
Dublin, 18. September. Der neue Vicekomg Londonderry hielt heute seinen Einzug in Dublin. Der Empfang seitens der Bevölkerung war freundlich. Es trugen sich keine besonderen Zwischenfälle zu-
Außland.
Petersburg, 18. September. Der hiesige türkische Botschafter Schakir Pascha ist nach Konstantinopel berufen. Er reiste gestern Abend über Odessa ab.
Petersburg, 18. September. Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt: Es dürfte schwer sein, den Text der von der Sobranje in Sofia an den Kaiser gerichteten Adresse mit der Antwort, welche die Sobranje auf die Botschaft der Regentschaft erthetlte, in Einklang zu bringen. Das Journal glaubt, über den Mangel eines Zusammenhanges zwischen der Sobranje und ihren Führern sich das Urtheil Vorbehalten zu sollen. Wenn die Mission Kaulbars noch irgend welcher Rechtfertigung bedurft hätte, wäre diese sicherlich durch die Verwirrung gegeben, welche die beiden Actenstücke bekunden. Hoffen wir, sagt das Blatt, daß es Kaulbars gelingen werde, durch seine Rathschläge dazu beizutragen, daß Bulgarien aus der gegenwärtigen Krisis herauskomme. „ , „ ,
Moskau, 18. September. Die „Moskauer Zeitung", bemerkend, daß der Stabschef der vierten bulgarischen Brigade und Schumlaer Garnison, Zankow, gegenwärtig sich in Moskau aufhalte, bringt Mittheilungen über die Rolle, welche Stam- bulow bei der bulgarischen Contre-Revolution gespielt hat. Stambulow war früher Zögling des Odessaer Geistlichen-Seminars und wurde aus diesem wegen Nihilismus und des Verdachts, an politischen Verbrechen betheiligt zu sein, relegirt. Als unversöhnlicher, verbitterter Feind Rußlands gewann Stambulow auch die hohe Stellung beim Fürsten Alexander. Bei der Contre-Revolution bemächtigte sich Stambulow des Telegraphen Tirnowa-Bela und schnitt damit die Sofia'sche Negierung fast von dem gesammten übrigen Lande ab, er fing in Sofia Depeschen auf, versandte an ihrer Statt Falsifikate unter der angeblichen Unterschrift der Mitglieder der temporären Regierung. Zankow erhielt in Schumla eine mit Grujew unterzeichnete Depesche, die lautete: „Ergebet Euch, der Czar verzieh dem Fürsten, widrigenfalls werdet Ihr bestraft." Eine Fälschung vermuthend, bat Zankow Grujew, an den Telegraphenapparat zu kommen, überzeugte sich aber bald, daß die an den Apparat gekommene Person nicht Grujew war. Die Zeitung führt weitere Fälle auf, wo die städtische Repräsentanz und die Garnison Schumlas von Stambulow und Mutkuroff düpirt worden sei, welche dabei sogar den Namen des russischen Kaisers mißbrauchten, vornehmlich betreffs der Rückkehr des Fürsten nach Rustschuk. Als ein von der Schumlaer Garnison in Verkleidung nach Rustschuk entsandter Officier sah, wie der russische Consul mit anderen Consuln den Fürsten begrüßte und ihn umarmte, mußte die Garnison von Schumla glauben, daß die Rückkehr des Fürsten Thatiache sei und mit der Einwilligung des russischen Kaisers erfolge. Was in Schumla geschah, geschah auch in anderen Städten. Ferner erhielt die „M. Z." aus Odessa eine Depesche von dem in die Hetmath zurückkehrenden bulgarischen Journalisten Theokharon, besagend, die bulgarische Regierung verfolge die Verbreiter der Czarendepefche unter den Bulgaren als Staatsverbrecher. In Wirklichkeit regiere der Battenbcrger in Bulgarien.
Bulgarien.
Soft«, 17. September. Bei der Entgegennahme der Adresie der Sobranje an Len russischen Kaiser, welche das Bureau der Sobranje dem Consul Nekljudow über
reichte, erklärte derselbe etwa Folgendes: Da Rußland auf die Aufrechthaltung bar Ruhe und Ordnung in Bulaarien das Hauptgewicht lege, würde es nicht einmal dem Gedanken an die Rückkehr des Fürsten Raum geben können, dessen Abreise in den Augen der kaiserlichen Regierung eine Garantie für die Wohlfahrt des Landes sei. „Eine weitere Garantie liegt in Ihnen selbst, die Sie durch Ihre Weisheit und Mäßigung schwere Gefahren abwenden können. Erinnern Sie sich wohl daran, meine Herren, daß die Ordnung der gegenwärtigen Dinge in den Augen der kaiserlichen Regierung noch nicht die legale Sanction gefunden hat. Diese kann die bulgarische Regierung nur erreichen durch die Klugheit und Unparteilichkeit der gegenwärtigen Regenten, der Mitglieder der Sobranje und derjenigen der künftigen großen Nationalversammlung. Rußland steht zwischen beiden Parteien des Landes, indem es keine derselben vrotegirt."
Ein von der Sobranje angenommener Gesetzentwurf, betreffend die Modification des Wahlgesetzes, bestimmt, daß bei dem ersten Wahlgange künftig ein Drittel Stimmen der eingeschriebenen Wähler erforderlich sein sollen; der zweite Wahlgang fällt fort und die Wahl findet durch absolute Majorität statt. Dieser Wahlmodus wird bereits bei den nächsten Wahlen für die große Nationalversammlung angewendet. — Ein von einer Gruppe Deputirter eingebrachter Antrag, die Gehälter der Beamten um 15 Procent zu verkürzen, wurde nach lebhafter Debatte abgelehnt. Die Minister- erklärten, die Annahme dieses Antrags würde eine Cabinetsfrage Hervorrufen. Der Schluß der Session findet erst morgen statt, da noch ein Gesetzentwurf zu berathen ist, wonach der Kriegsminister ermächtigt wird, die Zusammensetzung des Kriegsralhs zu modifictren, welcher bisher in Abwesenheit der höheren Officiere nicht zusammentreten durfte. Der Kriegsminister soll künftig Officiere ohne Unterschied des Ranges- in den Kriegsrath berufen dürfen.
— In Philippopel werden Vorbereitungen zur Feier des am 18. ds. stattfindenden Jahrestages der Revolution getroffen.
— Die Officiere der Artillerie- und Jnfanterieregimenter, welche am Staatsstreiche theilnahmen, werden am Sonntag von Radomir, wo sie seit der Unterwerfung internirt waren, nach Sofia gebracht, wo die weitere Untersuchung stattfindet. Das aufständiscke Artillerieregiment wurde durch neue Officiere nach Sofia zurückgeführt.
Sofia, 18. Sept. Nack der Eröffnung der heutigen Sitzung der Sobranje schlug ein Deputirter die Abhaltung eines Tedeums zur Feier des Jahrestages der Revolution in Philippopel vor. Die Mitglieder der Sobranje begaben sich in Folge dessen mit den Ministern nach der Kathedrale und wohnten dort der vom Bischof von Macedonien abgehaltenen kirchlichen Feier bei. Für die Mitglieder der Regentschaft wurde von der Sobranje ein jährliches Gehalt von je 24,000 Frcs. bewilligt. — Die Wahlen zur großen Sobranje werden auf den 11. Oktober festgesetzt. Im Uebri- gen verlief die Sitzung der Sobranje ohne Zwischenfälle. — Heute Abend vereinigten sich etwa 50 Mitglieder der Sobranje aus Anlaß des Jahrestages der Revolution von Philippopel zu einem Festessen, bei welchem ein Begrüßungstelegramm an den früheren Fürsten Alexander beschlossen wurde. — Das ostrumelische Regiment, welches bisher noch hier zurückgeblieben war, hat heute mit Mannschaften des aufgelösten Regiments Strumsky, welche in dasselbe eingereiht worden sind, den Rückmarsch nach Philippopel angetreten.
Reichstag.
E. R. Berlin, 18. September 1886.
Der Reichstag trat heute zunächst in die erste Berathung des deutsch-spanischen Handelsvertrages.
Abg. Brömel (dfr.) heißt die Vorlage, die viele Erleichterungen schaffe, willkommen. Die deutsche Sptritusausfuhr habe sich von 300 Millionen Doppelcentnern auf nahezu 500 Millionen Doppelcentner gehoben. Durch unsere Eisenbahntarif-Politik werde die Einfuhr aus Spanien, die der Vertrag doch fördern sollte, thalfächlich erschwert. Dabei könne die Vertragstreue Deutschlands in ein bedenkliches Licht kommen, denn auf einem Umwege werde der Vertrag wieder illusorisch gemacht. Deutschland ist durch seine Zollpolitik weniger als je in der Lage, seinen bedeutendsten Export- industrieen einen sicheren Absatz zu schaffen. Zu einer ernstlicken Erwägung unserer ganzen handelspolitischen Situation müßte uns auch der Umstand veranlassen, daß Oesterreich-Ungarn sich zu einer Retorsion rüste.
Staatssekretär v. Bötticher: Deutschland ist gewillt, alle Verträge, die es schließe, gewissenhaft zur Ausführung zu bringen und setze das Gleiche von den be- theiligten Staaten voraus. Unser Export ist, obwohl der Vorredner unsere Zollpolitik getadelt, größer als im günstigsten Jahre vor 1879. Der Rückgang 1885 hängt mit den niedriger gewesenen Warenpreisen zusammen. Bei einer Vergleichung der Exportziffern anderer Länder werde man finden, daß die Vorwürfe gegen unsere Zollpolitik nicht gerechtfertigt. Unsere Production sei aber zu groß; jede Production müsse ihre Grenze in der Receptionsfähigkeit der anderen Länder finden.
Abg. Stöcker (ksv.) vertritt die Interessen seines Siegener Wahlkreises, der zu berechtigten Klagen Anlaß habe, weil er der spanischen Concurrenz nicht begegnen, könne; ein Zoll auf ausländisches Eisenerz allein würde im Stande sein, den Siegener Interessen zu dienen.
Abg. Dr. Hammacher (nat.-lib.) tritt dieser Ansicht entschieden entgegen; denn die notwendigen Rohmaterialien dürften nicht mit Zöllen belegt werden. Eine Krönung der jetzigen Schutzzollpolitik würde er in dem vertragsmäßigen Abschluß eines allgemeinen Konventionaltarifes erblicken. Bei dem vorliegenden Vertrage befinde man sich auf dem richtigen Wege, hoffentlich wird Spanien die ihm gebotenen Vortheile zu würdigen wissen.
Abg. Kayser (Soc.-Dem.) stimmt dem Vertrage zu. Schauspielerei sei bei demselben aber doch gewesen, wie sich dies auch in anderen Dingen zeige, denn obwohl angekündigt worden, daß fick der Reichstag mit den bulgarischen Verhältnissen beschäftigen solle, habe sich für oie beabsichtigte Interpellation seiner Partei nicht einmal die nothwendige genügende Unterstützung gefunden.
Abg. Grad (Elsässer) wünscht eine Erschwerung der Weinaussuhr nach Spanien.
Abg. Rickert (dfr.) führt eine Verfügung des Alkalden von Madrid an, wonach zur Verfertigung von Liqueuren nicht mehr Kartoffelspiritus, sondern nur Weinsprit verwendet werden soll. Wie verhält sich das, der deutsche Handel würde dadurch sehr geschädigt werden. — Die allgemeine Handelspolitik sei leider nie zu der erwünschten Sicherheit gelangt. Wo sind die günstigen Ergebnisse der dermaligen Wirthschafts- politik? Der Export ist zurückgegangen. Die Ausfuhrstatistik vor 1879 kann — das ist längst festgestellt — mit der nach 1879 nicht verglichen werden. Die Gründe der Vertreter dieser Wirthschaftspolitik werden immer schwächer.
Kommissar Geh. Rath Sch raut beharrte bei der Behauptung, daß die Ausfuhr fortdauernd zugenommen habe; das gehe auch aus den Handelskammerberichten hervor. Auch die Ausfuhrstatistik für das laufende Jahr bekunde günstige Ergebnisse speciell bezüglich der Ausfuhr von Eisen und Textilwaaren.
Abg. Fr ege (Reichspartei) erklärt sich für den Antrag, der eine Consequenz der deutschen Schutzzollpolitik sei.
Staatssekretär v. Bötticher weiß von der Madrider Verfügung nichts; er glaubt aber kaum, daß eine Beschwerde von Erfolg sein werde, da, wie Herr Rickert selbst angeführt, der Erlaß mit gesundheitspolizeilicken Gründen erklärt sei.
Abg. Stolle (Soz.-Dem.) betonte, der vom Staatssekretär beklagte Rückgang der Waarenpreise liege an der verminderten Kauffähtgkeit immer weiterer Kreise des Volkes.
In der hiernach vorgenommenen zweiten Lesung erklärte
Abg. Reichensperger für das Centrum, daß seine Partei dem Vertrage zu- stimmen werde.
Es folgt die Berathung des Rechenschaftsbericht über die von der Sächsischen Regierung angewandten Bestimmungen gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie.
Abg. v. Vollmar (Soz.-Dem.) entwickelte mit doktrinären Argumenten die Unwirksamkeit des Sozialistengesetzes und weist die gegen die Arbeiter erhobenen Vorwürfe revolutionärer Begehrlichkeit als unbegründet zurück.
Abg. Viereck (Soz.-Dem.): Der sächsische Bericht ist ein Produkt romantischer Phantasie. Wir machen keine obstruktive Politik, wie man uns vorwirst, aber wir sind gewillt — das spreche ich offen aus — unsere Sachen hier zum Austrag zu bringen, weil uns keine andere Stelle hierfür zu Gebote steht. Die Regierung hat die jetzige Lage frivoler Weise heraufbeschworen. (Der Präsident ertheilt dem Redner hierfür einen Ordnungsruf.) Das Ausnahmegesetz wirkt wie ein eiserner Reifen, eS stärkt


