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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Donnerstag den 21. Januar

1886

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Amtlich ei THeit. E

Betreffend: Das Unfallversicherungsgesetz, hier: Untersuchung der Unfälle. Gießen, am 16. Januar 1886.

Das GroßherzogLiche Kreisamt Gießen

an die GroßherzogLiche» Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Hinweis auf die Vorschriften des § 54 des Unfallversicherungsgesetzes machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Name und Wohnort der von einzelnen, sich auf das Großherzogthum erstreckenden Berufsgenossenschaften auf Grund des § 19 des Unfallversicherungsgesetzes gewählten Vertrauens­männer zur Kenntniß der betreffenden Ortspolizeibehörden entweder durch unmittelbare Zuschrift oder durch eine entsprechende Bekanntmachung in der Darmstädter Zeitung" gebracht werden wird.

Hierbei empfehlen wir Ihnen, über Namen und Wohnort der für Ihre Gemeinden in Betracht kommenden Vertrauensmänner Verzeichnisse anzulegen, damit Sie jederzeit in der Lage sind, an dieselben die vorgeschriebene Mittheilung von der Einleitung einer Untersuchung richten zu können.

Dr. Boekmann.

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Politische Ueberskcht.

Gießen, 20. Januar.

Der König von Bayern hat zahlreiche höhere preußische Officiere unter ihnen auch den commandirenden General des 15. Armee-CorpS (Elsaß- Lothringen) v. Heuduck durch Ordens-Verleihungen ausgezeichnet.

Nach dem von der Reichs-Admiralität über die Schiffs-Bewe- gungen veröffentlichten neuesten HalbmonatS'Berichte war der Kreuzer Albatroß am 14. d. Mts. von Apia abgegangen (Poststation Sidney), das Schiff Bayern feit dem 24. October in Kiel, das Schiff Blücher seit dem 6. September eben­dort, das Kanonenboot Cyclop am 4. December in Kamerun (Poststation da­selbst), das Schiff Elisabeth vom 28. November bis 8. December in Capstadt (Poststation St. Vmcent, Cap Verdes), das Schiff Friedrich Karl seit Dem 28. September in Wilhelmshaven, der Kreuzer Habicht am 29. November in Bonny (Poststation Kamerun), das Schiff Hansa bis 10. d. Mts. in Kiel (Poststation daselbst), von dem Aviso Loreley die letzte Nachricht aus Konstan­tinopel vom 9. d. Mts., vom Kanonenboot Iltis die letzte Nachricht aus Hong­kong vom 2. December (Poststation Hongkong), das Schiff Luise am 7. Januar von St. Thomas abgegangen (Poststation Hayti, Insel St. Domingo), das Schiff Marie am 5. Januar von Port Said abgegangen (Poststation Ply­mouth), bie Brigg Musqaito verließ am 18. Januar St. Vincent, Antillen (Poststation Port Royal, Jamaica), das Panzerfahrzeug Mücke ist seit dem 15. Juni in Wilhelmshaven, der Kreuzer Nautilus seit dem 23. December in Schanghai (Poststation Hongkong), das Schiff Olga seit dem 29. December in Zanzibar, der Tender Ulan seit dem 25. September in Kiel; das Schulze- schwader (Schiffe Stein, Moltke, Sophie, Ariadne), war bis 10. Januar in Trinidad, am 11. Januar in St. Vincent, Antillen, wo es bis zum 17. Januar bleibt (Poststation St. Thomas); das Kreuzergeschwader (Schiffe Bismarck, Gneisenau, Olga) am 9. d. Mts. von Zanzibar abgegangen (Poststation Sid­ney). Durch kaiserlichen Erlaß vom 5. d. MtS. ist der Viceadmiral und Chef der Marinestation der Nordsee, Graf v. Monts, von der Vertretung des nunmehr wieder genesenen Chefs der Admiralität entbunden worden. Das Kreuzergeschwader unter Befehl des Contre-Admirals Knorr ist nach Lösung der ihm an der ostafrikanischen Küste zugesallenen Aufgaben zunächst zur Ver­wendung auf der australischen Station bestimmt worden- Die Kreuzersregatten Bismarck, Gneisenau und die Kreuzercorvette Olga verbleiben bei dem Geschwa­der, während der Kreuzer Möwe und das Kanonenboot Hyäne mit dem am 9. d. Mts. erfolgten Abgänge des Geschwaders nach der australischen Station aus dem Geschwader-Verbande scheiden und auf der ostafcikanischen Station verbleiben. Die Mützen und Mützenkokarden für Mannschaften der Matrosen- und Werst-Divistor.en u. s. w. sind durch Erlaß vom 31. December verändert worden.

Die Eröffnung des österreichischen Reichsrathes findet laut amtlicher Bekanntmachung am 28. d. Mts. nicht am 26. d. Mts, wie wie­derholt gemeldet wurde statt.

Die französischen Kammern haben endlich am Samstag die Erklä­rung des Ministeriums Freycinet entgegengenommen. Da deren Inhalt im Wesentlichen schon vorher bekannt war, so brachte Die Verlesung der Erklärung keinerlei Ueberraschungen, doch seien nochmals die Hauptpunkte wiederholt. Es sind dies folgende: Wiederherstellung einer guten Ordnung in der Verwaltung, Anhaltung des Klerus zur stritten Ausübung seines Amtes, Herbeiführung des Gleichgewichts im Budget, Abschluß der überseeischen Expeditionen, Organisa­tion des Protectorats in Tongking und Madagaskar auf weniger kostspieligen Grundlagen; schließlich sollen weder neue Anleihen gemacht, noch neue Steuern erhoben werden. Die Erklärung wurde von der Linken mit wiederholtem Bei­falle ausgenommen; bei dem Passus über die Beschränkung der Colonialpolitik gaben neben der äußersten Linken auch die Monarchisten in demonstrativer Weise ihren Beifall zu erkennen. Am Schluffe der Erklärungen erschollen von den republikanischen Bänken wiederum laute Zustimmungsrufe und das Mini­sterium Freycinet kann mit diesem seinem parlamentarischen Debüt schon zufrie­den sein. Die Tage in der Deputirtenkammer, von denen das neue Cavinet wird sagen können:Sie gefallen mir nicht", werden ohnehin noch zeitig , genug kommen.

Fürst Nikita von Montenegro hat eine längere Reise angetreten und ist am vorigen Samstag in Bari, in Unter-Italien, von Antivari kom- '

ment), angelangt, lieber das eigentliche Ziel der Reise gehen die Anschauungen auseinander, es heißt aber, oer Fürst werde auch Wien mit berühren.

Von den drei Balkan st aaten, welche Seitens der Großmächte die Aufforderung zur Abrüstung erhielten, hat jetzt Serbien am ersten geantwortet. Die Antwort lehnt dem Vernehmen nach das Abrüstungs-Verlangen ab, da Serbien, weil die Friedens-Verhandlungen noch gar nicht begonnen hätten, sich vor Ueberraschungen sichern müsse. Auch betont Die serbische Note, daß eine Collectivnote keine Garantie für die gleichzeitige und vollständige Abrüstung aller Betheiligten bieten. Es werden sich demnach auch Bulgarien und Griechenland weigern, abzurüsten und die Großmächte sind demnach mit ihrer Aufforderung bei den kleinen Gernegroß der Balkanhalbinsel vorläufigab­geblitzt". Der europäischen Diplomatie, welche bis jetzt in der Behandlung der Balkankrisis eine so merkwürdigeSchlafmützigkeit" entwickelt hat, ist diese Lection eigentlich zu gönnen; vielleicht fühlen sich die Großmächte nun­mehr veranlaßt, den genannten Staaten gegenüber ernstere Saiten aufzuziehen. Eine Pesther Depesche derN. Fr. Pr." will wissen, daß Bukarest als Ort für die Friedensverhandlungen zwischen Serbien und Bulgarien definitiv acceptirt worden sei.

Die irische Frage wird das neue englische Parlament nach Beginn der eigentlichen Session bald ernstlich beschäftigen. Das Cabinet Salisbury hat beschlossen, beim Parlamente um Wiedereinsührung strengster Repressions­maßregeln nachzusuchen. Der neuernannte Secretär für die irischen Angelegen­heiten, Stanhope, wird alle administrativen und executiven Befugnisse eines Vicekönigs erhalten. Das letztere Amt, welches durch die Demission Lord Carnarvons vacant geworden ist, soll gänzlich ausgehoben werden, bis zu diesem Zeitpunkt wird es von einem Commiffar verwaltet und behält bis dahin seine Repräsentationspflichten- Persönlichkeiten, die mit den Verhältnissen Irlands genau vertraut sind, halten die jetzige Lage auf der Insel für gefährlicher als sie jemals gewesen ist. Der irische Erzbischof Walsch soll geradezu erklärt haben, die Mord- und Dynamitpolitik, sowie die Versuche zur Zerstörung eng­lischer Städte würden sich erneuern, falls die Negierung das irische Volk wiederum täuschen wolle. Das sind ja nette Aussichten.

Im Sudan dringen die Rebellen wieder energisch vor und ihr Heer soll jetzt schon wieder 12,000 bis 18,000 Mann zählen; der neuerliche Rückzug der englischen Truppen erklärt dies zur Genüge.

Reichstag.

E. R. Berlin, 19. Januar 1886.

Die zweite Berathung des Etats der Post und Telegraphen wird fortgesetzt.

1. Rate 63 000 JL zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Ludwigslust werden dem Anträge der Commission gemäß abgelehnt. Die 1. Rate von 60 000 zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Werdau beantragt die Commission zu streichen.

Abg. Kayser (Socdem.) führt aus, daß man nicht aus falscher Sparsamkeit die Verkehrsinteressen vernachlässigen dürfe und beantragt die Bewilligung, ebenso sprechen sich die Abgg. Klemm, Dr. Hammacher und Günther aus.

Abg. Dr. Baumbach (dfr.) findet die Bedürfnißfrage nicht so dringend, daß man nicht bis zum nächsten Jahre warten könne und wundert sich über die Haltung der socialdemokratischen Partei, die erst gegen das ganze Budget stimmen will und nun die Bewilligung eines einzelnen Postens verlangt. (Heiterkeit.)

Abg. v. Franckenstein: Da der Budgetcommission alle die geforderten Posten gleich dringend bezeichnet sind, so hat sie sich entschlossen, nur die bereits früher ein­gestellt gewesenen Bauten diesmal zu bewilligen.

Abg. Kayser: Die Gesammtabstimmung über das Budget bedeutet nur die Vertrauensfrage für die Negierung; wir können daher sehr wohl für einzelne Etattitel stimmen, aber gegen das ganze Budget.

Bei der hierauf vorgenommenen Abstimmung wird der Titel durchHammel­sprung" mit 111 gegen 93 Stimmen bewilligt.

70 000 X, 1. Rate für ein neues Dienstgebäude in Allenstein werden gestrichen, desgleichen 136 000 JL zur Erwerbung eines Bauplatzes in Brieg nach dem Beschlüsse der Budgetcommission entgegen einem von Abg. v. Heydebrand und der Lasa gestellten Anträge.

50 000 Jt. als 1. Rate für ein neues Dienstgebäude in Sondershausen waren von der Commission gestrichen, werden aber heute vom Plenum auf Antrag des Abg. Lipke (freis.), Dr. Meyer-Jena (natlib.) und Staatssecretär v. Stephan gegen die Stimmen des Centrums bewilligt.

Der Etat der Reichsdrucker ei wird debattelos genehmigt.

Das Haus erledigt ohne Discuffion den Handels-, Schiffahrts- und Consulats-Vertrag zwischen Deutschland und der Dominikanischen Republik in