Balkonthür dem in dem Zimmer befindlichen Dienstmädchen vor die Brust, wurde tiort eingefangen, und was war des Pudels Kern? Eine Wildente! Ich hatte die größte Lust, den feisten Braten in die Pfanne wandern zu lassen, mußte aber auf Bitten meiner Kinder Gnade vor Recht ergehen lassen und wurde der Vogel aus den Balkon gesetzt, wo er etwa eine halbe Stunde herumspazierte und dann in der Richtung nach dem Zoologischen Garten abstrich. Eine eigenthümliche Ironie des Schicksals lag darin, daß ich, ein passionirter Jäger, am Tage vorher resultatlos auf der Jagd nach Enten war. — Die Ueberschrift zu dieser — hochsommerlichen Geschichte lautet: „Keine Zeitungsente". Na, na! Daß der Vogel davongeflogen, erinnert doch stark an den Eisenwurm, der die Botanisirbüchse des Entdeckers durchgefressen hat!
— ^Berühmte Schlosser aus früherer Zeit. (Aus dem Arbeiter-Freund.^ "Bartolmä Freisleben lebte gegen Mitte des 15. Jahrhunderts in Innsbruck; erwürbe 1490 vom Kaiser Maximilian I. zum „Hofschlosser" ernannt, fünf Jahre später erscheint er bereits als Hauszeugmeister Kaiser Maximilians, in welcher Eigenschaft ihm das unter diesem Landesfürften so sehr ausgebildete Geschützwesen unterstand; er nahm die Stellung äbnlich einem unserer Artilleriedirectoren ein. — Hans Bullmann lebte um 1450 in Nürnberg. Er konnte weder lesen noch schreiben, verfertigte jedoch ein Planetarium, welches mittelst eines Uhrwerkes in Gang gebracht wurde. In welchem 'Ansehen er bei seinen Zeitgenossen stand, geht daraus zur Genüge hervor, daß Kaiser- Ferdinand ihn nach Wien kommen ließ, um ihn wegen der Reparatur eines kostbaren -Uhrwerkes als Sachverständigen zu vernehmen. Da aber Bullmann schon sehr alt war und das Reisen zu Pferde, das damals ja allein üblich war, nicht ertragen konnte, so wurde er auf des Kaisers Kosten von Nürnberg bis Wien und später von da wieder -zurück in einer Sänfte getragen. — Hans Ehemann lebte um 1460 in Nürnberg. Er ist der Erfinder des sogenannten Mahl-, Buchstaben- und Eombinationsschlosses, welches ohne Schlüssel zu öffnen ist. Dieses Schloß hat fünf Ringe, auf jedem Ringe fist das Alphabet eingraoirt, zur Stellung des Schlosses können 390615 Combinationen gemacht werden. — Nicolo Grosso, genannt Caprarra, lebte zu Florenz Ende des 15. Jahrhunderts; besonders in Arbeiten von Vorlegeschlössern und reich ornamentirten Truheschlössern war er berühmt. — Georg Heuß lebte um 1500 in Nürnberg und hat -hie umgehende Uhr an der Frauenkirche verfertigt. Abgesehen von der Construction als Uhrwerk, ist die besondere Mechanik, vermöge deren die sieben Kurfürsten aus Kupfer vor dem Thron vorüberziehen, sehr bemerkenswerth. — Andreas Heinlein lebte um 1520 in Nürnberg; er war der Erfinder der Taschenuhr, der sogenannten „Nürnberger Eier", und es heißt von ihm in einem damals erschienenen Buche, „daß er der
erste war, der so kleine Uhrlein zu machen verstand, daß man in Bisamknöpf tragerr konnte." — Georg Schmiedthammer und Hans Metzger lebten um 1540 zu München und waren berühmt durch ihre Schlosserarbeiten. Metzger war auch der Verfertiger des prachtvollen, bewunderungswürdigen Eisengitters um das Grabdenkmal des Kaisers Maximilian I. in der Hofkirche zu Innsbruck. — Johann Rucker lebte um 1550 in Wien; er soll es in seiner Kunst so weit gebracht haben, daß er kleine Vorlegeschlösser, wie Erbsen groß, zu arbeiten verstand, die man wie Perlen an eine Kette anreihen und um den Hals tragen konnte. — Mathurin Jousse lebte gegen Ende des 16. Jahrhunderts zu la Fleche in der Normandie in Frankreich. Er ist derselbe, der ein Werk über die Bearbeitung der verschiedenen Schlüssel und Schlösser geschrieben hat. Er dürfte auch der Erfinder des französischen Schloßsystems sein.
Handel rrud Beicketzr
Limburg, 18. August. Rother Weizen, X 1480, weißer Weizen 00.00, Korn X 10.30, Gerste X 7.70, Hafer X 6.80, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.
Frankfurt, 18. August. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 4.00—0.00, Eier das Hundert X 4.50—5.50, Butter per Pfund X 1.10 bis 1.30, Weißkraut per Stück 18—25 H, Rothkraut per Stück 25—35 Kohlrabi per Stück 3—4 Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 H, Kalbfleisch 40—60 Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn X 0.70-1.80, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente X 2.00-3.00, 1 Gans X 3.00—7.00 1 Taube 40—70 H, Welsche X 0-00-00.00.
Briefkasten.
Herrn C. 8. Kreisarzt Dr. Prinz in Nidda ist im August 1884, also vor zwei Jahren, gestorben. Dr. Otto Prinz, sein Sohn, erfreut sich bis dato noch des besten Wohlseins und hoffentlich auch noch für lange Zeit. Was Ihre zweite Frage anbelangt, so müssen wir dieselbe verneinen. Wir wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Red.
Temperatur der Lahn.
Am 19. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 144/?, Luft 15V? R. im Schatten.
L. Ehr. Mühsamen.
Submission.
Für die Schlachthaus-Anlage sollen ferner nachstehende Arbeiten mittelst Submission vergeben werden:
JL
Zimmerarbeit, veranschl. zu 11468.29 Dachdeckerarbeit, „ „ 4914.35
Schlosserarbeit, „ „ 5654.20
Spenglerarbeit, „ „ 1282.65
Weißbinderarbeit „ „ 937.25
Die Angebote für die bezüglichen
.Arbeiten sind spätestens
Mittwoch den 28 l. Mts., Vormittag- 10 Uhr, auf dem städtischen Baubureau, Gartenfiraße 2, einzureichen, woselbst vorher in den üblichen Amtsstunden die einschlägigen Zeichnungen, Voranschläge und Uebernahms - Bedingungen offen liegen.
Gießen, den 19. August 1886.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 5918
Montag den 23 d. Mts^
Vormittags 9 Uhr, sollen im alten Rathhause versteigert -werden: veranschl. zu
Planirarbeit JL 290,—
Maurerarbeit „ 298,50
Steinhauerarbeit „ 106,50
Schlofferarbeit „ 115,50
Basaltsteinlieferung „ 162,—
Steinfuhrlohn „ 567,—
Chaussirarbeit „ 418,—
Pflastererarbeit „ 123,20
Gießen, am 17. August 1886.
Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm. 5868
Verdingung der Lieferung von 900 Stück Grenzsteinen aus festem wetterbeständigem Sand- oder Kalkstein.
Termin 27. August 1886, Vormittags 11 Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten zu Marburg. Zeichnung und Bedingungen können daselbst eingesehen, auch gegen kostenfreie Einsendung von 0,50 von dort bezogen werden. Zuschlagssrist 3 Wochen.
Königliche Eisenbahn - Bau - Jnspection Marburg. 5834 _______Schwamborn.______ Freitag den 3. September, Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dahiesigem Ortsgericht die Hof- raithe der Anton Heck Wwe.
Flur 1/1249 169 Mir. Hofraithe in der Neustadt, „ 1/1250 94 Mtr. Grabgarten das. meistbietend versteigert werden-
Gießen, den 22. Juli 1886.
Großherzogliches Ortsgericht. 5293 Mütter.
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