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Nr. 892

1886.

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Politische Ueberflcht.

Gießen, 19. August.

In der entsprechend geschmückten Garnisonkirche zu Pots­dam, der Ruhestätte Friedrichs des Großen, fand am Dienstag, Vormittags 11 Uhr, die Gedächtnißseier anläßlich des hundertjährigen Todestages des großen Königs statt. Derselben wohnten die kaiserlichen Majestäten, das kronprinzliche Paar und sämmtliche Prinzen und Prinzesstnnen des preußi- I schen Königshauses soweit sie nicht auf Reisen sind die Staatsminister,- die Generalität und Deputationen aller Potsdamer Truppentheile bei. Nach dem Gottesdienste hielt der Kaiser im Lustgarten, dem alten Exercierplatze der preußischen Garde die eigens füu diesen Tag befohlene Kirchenparade über die Potsdamer Garnison ab.

Das große politische Ereigniß der heurigen sommerlichen Ruhe­pause, die Gafteiner Kaiser-Zusammenkunft, gehört nun seit länger als einer Woche der Vergangenheit an, aber immer noch hallt daffelbe in der europäischen Presse in Commentaren und Besprechungen nach ein hinläng­licher Beweis, welch' hohe Wichtigkeit der diesmaligen Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses allseitig beigemeffen worden ist. Im Allge­meinen beurtheilen wie schon wiederholt hervorgehoben wurde auch die außerdeutschen und außereuropäischen Blätter die Gasteiner Entrevue und ihre muthmaßlichen Folgen in überwiegend friedlichem Sinne und gehörte freilich auch kein allzugroßer Scharfblick dazu, die friedlichen Tendenzen des Kaisertages von Gastein zu erkennen, spricht doch für sie die ganze Natur des deutsch.öster- reichischen Bündnisses. Daß indessen bei den Erörterungen über die heurige Zusammenkunft der beiden Herrscher gar mancherlei Phantastereien und Specu- lationen mit unterlaufen, beweist u. A. eine römische Depesche desReuter'schen Bureaus"; dieselbe besagt, daß dem Papste aus Wien die vertrauliche Meldung geworden sei, die beiden Kaiser hätten in ihren Gasteiner Conferenzen die Stellung des päpstlichen Stuhles in Betracht gezogen, wofür der heilige Vater den Monarchen seinen Dank habe aussprechen lassen. Es ist nun aber aus verschiedenen Gründen höchst unwahrscheinlich, daß in Gastein auch vatikanische Angelegenheiten mit zur Sprache gelangt sind und erwägt man, daß dasReu- ter'sche Telegr.-Bureau" in seinen Meldungen häufig recht unzuverlässig ist man braucht nur an die aus einem sonderbaren Gemisch von Wahrheit und Dichtung zusammengesetzten Reuter'schen Berichte in der bayerisch-vatikanischen Angelegenheit zu erinnern so erhellt die Zweifelhaftigkeit der obigen Reuter- Meldung von selbst. In die Fluth der Commentare zur Gasteiner Kaiser- Begegnung klingt eine besonders bemerkenswerthe Meldung hinein: Kaiser Alexander HI. soll, dem Petersburger Berichterstatter derKöln. Ztg." zu- t solge, Herrn Paul Dvroulede, den zur Zeit auf russischem Boden weilen­den Reiseapostel des französischen Revanche-Gedankens, haben benachrichtigen lassen, daß seiner ersten Hetzrede gegen Deutschland seine sofortige Ausweisung aus Rußland folgen würde. Bedenkt man, wie Herr Döroulöde bis jetzt von einem Theile der russischen Presse gefeiert wurde und wie die Panslavisten in ihm schon die Verkörperung des russisch-französischen Zukunfts-Bündnisses erblickten, so muß dieses Veto des Czaren um so ernüchternder auf die Chauvi­nisten in seinem eigenen Reiche, wie aus diejenigen jenseits der Vogesen wirken. Der vom russischen Czaren Herrn Döroulöde soeben zu Theil gewordene War­nungsruf bekundet in deutlicher Weise, wie Kaiser Alexander von jenem sinn­losen Kriegsgeschrei der russischen und französischen Chauvinisten gegen Deutschland nichts hören will und daß er sich namentlich mit Abscheu von jenem markt­schreierischen französischen Hyper-Patriotenthum abwendet, welches in den Döroulöde, Boulanger und Genossen zu einem so lächerlichen Ausdrucke gelangt. Vielleicht, daß es der Sänger des französischen Rache-Gedankens unter solchen Umständen vorzieht, den Staub des undankbaren Rußlands von seinen Füßen zu schütteln!

Die nun zum 16. Male erfolgte Wiederkehr des Tages, an welchem die blutigen dreitägigen Kämpfe vor Metz mit einem vollständigen Siege der deutschen Heere endeten, der 18. August, hat dadurch eine beson­dere Bedeutung erlangt, daß heuer an diesem Tage gleichzeitig drei preußische

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Generäle, die im deutsch-französischen Kriege eine hervorragende Rolle spielten, ihr 5Oiähriges militärischer Dienstjubiläum feierten. Es sind dier die Genekäle v. Obernitz, General der Infanterie und Commandeur des 14. Armee-Corps, General der Kavallerie, Commandeur des 2. Armee-Corps, v. Damnen berg, und der General-Adjutant des Kaisers und General der Infanterie, Freiherr v. Steinäcker. Alle drei Jubilare sind am 18, August 1836 in die preußische Armee eingetreten und haben eine ruhmvolle mllitärische Lausbahn hinter sich. v. Obernitz commandirte im böhmischen Feldzüge von 1866 die erste Garde-Jnsanterie- Brigade, welche er in der Schlacht bei König- grätz zum Sturme aus die Höhen von Chlum führte, wobei er schwer verwundet wurde. 1870 erhielt General v. Obernitz das Commando der württembergischen Feld'Dlvision, welches er im ganzen Kriege mit Frankreich beibehielt und es ist bekannt, was die braven Württemberger unter feiner Führung bei Wörth, Sedan und in den blutigen Cernirungs - Gefechten von Paris geleistet. Im October 1871 erhielt General v. Obernitz das Commando der 14. Division in Düsseldorf und 1879 dasjenige des 14. Armee-Corps, v. Dannenberg nahm als Premierlieutenant schon im Schleswig'schen Feldzuge von 1848 Theil und machte dann im badischen Feldzuge des folgenden Jahres fast sämmtliche Gefechte mit. 1866 war er Chef des Generalstabs des Garde-Corps und wohnte in dieser Eigenschaft den Gefechten von Soor und Königinhof, sowie der Schlacht von Königgrätz bei. Im Kriege mit Frankreich zeichnete sich v. Dannenberg in den Schlachten von St. Privat, Beaumont, Sedan und den verschiedenen Ausfall-Gefechten vor Paris rühmlichst aus; nach dem Kriege wurde der General hintereinander mit der Führung der 4. Garde-Infanterie- Brigade, der 1. Garde»Infanterie-Brigade und der 2. Garde-Jnfanterie-Division beauftragt, bis er 1882 zum commandirenden General des 2. Armee-Corps ernannt wurde. Freiherr v. Steinäcker, 1858 als Hauptmann zum Adju­tanten des Pcinz-Regenten von Preußen ernannt, von letzterem nach Der Thron­besteigung zum Flügel-Adjutanten befördert, nahm als Oberst am 1866er Feld­zuge Theil und machte, zum Generalmajor und General ä la suite des Königs ernannt, im französischen Kriege die Schlacht von Gravelotte mit; 1884 wurde v. Steinücker zum General-Adjutanten des Kaisers und General der Infanterie ernannt. Zahlreiche Orden schmücken die drei Jubilare und sicherlich werden den letzteren zu ihrem gemeinsamen Ehrentage besondere Auszeichnungen von Seiten des Allerhöchsten Kriegsherrn zu Theil geworden fein.

König Albert und Prinz Georg von Sachsen empfingen am Montag den österreichischen Gesandten, Frhrn. v. Herbert-Rathkael, im königlichen Residenzschlosse zu Dresden. Derselbe überbrachte ein Schreiben des Kaisers von Oesterreich, in welchem dieser für den Erzherzog Otto um die Hand dec Prinzesstn Maria Josepha anhält.

In der ungarischen Hauptstadt hat man jetzt mit den Vorberei­tungen zu einer glänzenden Feier des Tages, an welchem vor 200 Jahren die Befreiung Ofens von der Türkenherrschaft erfolgte (2. September 1686), alle Hände voll zu thun und ist die Feier bereits durch die am Sonntag erfolgte Eröffnung der historischen Ausstellung in Pesth eingeleitet worden. Durch die Er­stürmung Ofens ward die Macht des Halbmonds im westlichen Europa für immer gebrochen, denn bald darauf erfolgte die gänzliche Vertreibung der Türken aus Ungarn und die magyarische Nation hat daher volle Ursache, diesen Tag gebührend zu begehen, Denn von da an datirt erst der Wiedereintritt des Ungar- landes in die europäische Civilisation. Wie sehr hierzu die Hülfe der dem echten Magyaren sonst so verhaßtenSchwabi" beigetragen hat, scheint denn doch auch im Lande der Stesanskrone selbst anerkannt zu werden, Es geht dies nicht nur aus der Rede, mit welcher Ministerpräsident Tisza die historische Ausstellung eröff­nete, sondern auch aus dem Umstande hervor, daß der Pesther Magistrat in dankbarer Erinnerung an die Hülfe der Deutschen Einladungen an die hervor­ragendsten deutschen Städte zur Theilnahme an der Feier hat ergehen lassen. Seitens der bayerischen Hauptstadt ist bekanntlich diese Einladung in ziemlich schroffer Form abgelehnt worden, was allseitig ernstem Tadel begegnet. Trotz­dem kann man der Motivirung des Münchener ablehnenden Beschlusses nicht alle Berechtigung absprechen, denn immerhin handelt es sich um ein Fest in der Hauptstadt eines Landes, in welchem unsere deutschen Stammesgenossen schon

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Dekanatssynode.

QDie diesjährige,Syuod« de» Dekanats Gießen joll den 6. September in Gießen abgehalten werden. Anfang des Gottesdienstes 0 Uhr. Außer den erforderlichen Wahlent: 1) eines weltlichen Mitgliedes zur Landessynode und eines Stellvertreters desselben; 2) zweier weltlichen S?5rage: 06 ber Confirmatwnstermin nicht der Zeit der Schulentlassung näher zu rücken sei, Lang-Göns, den 18. August 1886. ' . vr. Strack, Dekan.

Betreffend: Den Termin zur Einsendung der Gemeinde-Rechnungen und Voranschläge. Gießen, am 17. August 1886.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreise-.

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Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen