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Darmstadt, 18. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wer­den mit Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Irene morgen Abend auf einige Zeit nach Rußland zum Besuche der Großfürstin Elisabeth verreisen und daher von Samstag den 20. d. Mts. ab keine Meldungen und Vorträge ent­gegen nehmen.

Darmstadt, 18. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 6. Februar den in der Eigenschaft als Volksschullehrer angestellten Lehrer am Real-Gymnaflum und an der Realschule zu Gießen, Clemens Thei­sen, mit den Rechten eines Civilbeamten zum Lehrer an den genannten An­stalten zu ernennen.

Bulgarien.

Philippopel, 17. Februar. Fürst Alexander kam, begleitet von seinem Bruder Franz Joses und dem Premierminister Karawelow, heute Nach­mittag hier an und wurde feierlich empfangen. Die Stadt ist festlich geschmückt und wird Abends illuminirt. Gleich nach der Ankunft im Palast machten die Consuln dem Fürsten ihre Aufwartung.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Correspondenz Bureau.

Berlin, 18. Februar. In der heutigen Plenarsitzung des Bundesraths ge­langten die Ausschußberichte zu dem Gesetzentwurf, betreffend das Branntwein-Mono­pol, zur Berathung und hat der Bundesrath dem Gesetzentwurf seine Zustimmung crtheilt.

Berlin, 18. Februar. Der Reichstag berieth zunächst die Denkschrift über den kleinen Belagerungszustand. Viereck behauptet, derselbe habe sich als nutzlos erwiesen; das Socialistengesetz habe nur die anarchistischen Tendenzen gezüchtet. Nur der Social­demokratie verdanke man es, wenn die letzteren nicht weiter um sich gegriffen haben. Frohme kritisirt die Handhabung des Gesetzes durch die Polizei. Minister Putt- kamer lehnt die Verantwortung für die einzelnen Mißgriffe der Polizei ab und tritt ebenso energisch für die pflichttreuen Beamten ein, gegen welche schwere unbewiesene Beschuldigungen erhoben werden, lieber den rechtshängigen Frankfurter Friedhofsfall müsse er jede Erklärung ablehnen. Singer gegenüber weist der Minister sehr ent­schieden die Behauptung zurück, daß ein Beamter Namens Mahlow die anarchistische Bewegung inscenirt, um Material für die Verlängerung des Gesetzes zu liefern. Zu solcher Schandthat halte Niemand außer den Socialistcn die Regierung für fähig. Der Fall werde strengstens untersucht werden.

Die Berathung der Denkschrift wird hierauf geschlossen.

Zur Vorlage: fünfjährige Verlängerung des Socialistengesetzes, sprechen Meyer (Württemberg) und Bebel gegen die Verlängerung.

Nächste Sitzung morgen.

Berlin, 18. Februar. Die Reichstagscommission zur Vorberathung der An­träge für eine Reihe von Handwerken die Forderung des Befähigungsnachweises auf­zustellen, nahm heute die Paragraphen 14E und 14F an. Paragraph 14E bestimmt, daß der vorgeschriebene Befähigungsnachweis auch durch das Zeugniß einer staatlich anerkannten gewerblichen Untetrichtsanstalt nach den Bestimmungen der Landesregierung ersetzt werden kann. Der Paragraph 14F fordert als Vorbedingung für die Zulassung zur Meisterprüfung eine dreijährige Lehrlingszeit, dreijährige Gesellenzeit und 24 Lebens­jahre. Die Bestimmung darüber, unter welchen Verhältnissen die Prüfung bei einer kürzeren Lehrlinaszeit und bei kürzerer Gesellenzeit, sowie bei anderer Ausbildung als in dem betreffenden Handwerke zulässig sein soll, bleibt dem Bundesrath überlassen.

Das Abgeordnetenhaus erledigte den Etat der Berg-, Hütten- und Saline^.* Verwaltung nach unerheblicher Debatte. Der Antrag Vopelius auf Erhöhung der Zu­schüsse zu den Knappschaftskassen wurde mit dem entsprechenden Budgettitel an die Budgetcommission verwiesen.

Morgen Eisenbahnetat.

Wien, 18. Februar. In der heutigen Sitzung des Budgetausschusses erklärte der Unterrichtsminister Gautsch von Frankenthurn auf eine Anfrage des Abgeordneten Bareuther, er habe das BuchDie deutschen Schlachttage von 1870" in den Schüler­bibliotheken verboten, weil, wie eine Gerichtsverhandlung ergeben habe, ein Schüler in Budweis sich durch das Lesen des Buches zu einer Majestätsbeleidigung auf offener Straße habe hinreißen lassen. Der Ausdruckunauffällig" bezüglich der Ausführung des Verbots sei aus erzieherischen Gründen gewählt worden, um die Jugend nicht noch besonders auf das Buch aufmerksam zu machen. Der Minister fügte hinzu, es könne Niemand einfallen, der Jugend die volle Kenntniß der deutschen Heldenthaten nehmen zu wollen.

Wien, 18. Februar. Die amtliche Zeitung veröffentlicht eine Verordnung, durch welche die Pferdeausfuhr aus Bosnien und der Herzegowina nach dem Auslande ver­boten wird.

Desth, 18. Februar. Ein Erlaß des Ministers des Innern an sämmtliche Gemeindebehörden untersagt mit Hinweis auf die Neutralität des Staates Werbungen und Sammlungen zu Gunsten der ungarischen Legion für Serbien.

Triest, 18. Februar. Der LloyddampferVesta" ist heute Vormittag aus Konstantinopel hier eingetroffen.

Paris, 18. Februar. Der französische Eonsul in Eanea hat die gemessensten Befehle, sich jedes Schrittes zu enthalten, der als Ermuthigung der gegen die Türkei gerichteten hellenischen Agitationsversuche erscheinen könnte.

London, 18. Februar. Der Regierung liegt gegenwärtig ein Plan zur Prüfung vor, die beschäftigungslosen Arbeiter bei den Erdarbeiten zur Befestigung der Mün­dungen der Themse und anderer großer Flüsse zu verwenden.

DerSt. James Gazette" zufolge ist das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritte Ehamberlain's in Umlauf, welcher sowohl bezüglich der Politik des Cabinets in der griechischen Frage als auch hinsichtlich einiger Punkte des Gladstone'schen Pro­gramms sich mit demselben nicht im Einvernehmen befinde.

London, 18. Februar. Die Königin hielt gestern in Windsor ein Conseil ab, worin Gladstone zum Geheimsiegelbewahrer ernannt wurde.

Kischinew, 18. Februar. In dem Processe gegen eine jüdische Räuberbande, welche einen katholischen Priester in Bieltzy beraubt und der Polizei bewaffneten Wider­stand geleistet hatte, verurtheilte das Kriegsgericht drei Angeklagte zum Tode (!) und drei zu 15jähriger Zwangsarbeit.

Bukarest, 18. Februar. Nachrichten aus Sofia zufolge gab der Fürst von Bulgarien int Hinblick auf die morgen ablaufende Kündigungsfrist des Waffenstill­standes erneut und sehr dringend dem Wunsche Ausdruck, daß Bulgarien Sicher­stellungen gegen militärische Ueberrajchungen gegeben werden müßten.

Konstantinopel, 18. Februar. (Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Wie es heißt, beantwortete Rußland die türkische Note dahin, daß es seine Zustimmung zu dem türkischchulgarischen Abkommen ausgesprochen hätte, mit Ausnahme des Artikels, betr. die Militärconvention.

Bukarest, 18. Februar. Die Deputirtenkammer beschloß mit 78 gegen 34 Stimmen , den Gesetzentwurf über die Nationalbank, dessen Berathung gestern zu dem Demissionsgesuch des Cabinets Veranlassung gab, in Erwägung zu ziehen.

In, Folge der Vorstellungen des Königs, welcher an den Patriotismus Bratiano's appellirte, und nach den in einer gestern Abend im Bureau des Senats stattgehabten Vereinigung der Majorität des Parlaments vom Kammerpräsidenten Lecca abgegebenen Erklärungen, dessen Intervention in die Debatten die Demission Bratiano's berbeigeführt hatte, Hot das Cabinet feine Entlassung zurückgezogen.

Philippopel, 18. Februar. Fürst Alexander gab beim Empfang der Con­suln seinem Vertrauen in eine nahe bevorstehende friedliche Lösung der rumeli- schen Frage und in die Wiederaufnahme freundlicher Beziehungen zu Serbien Ausdruck.

Washington, 18. Februar. Die Commission des Repräsentantenhauses zur Vorberathung der Frage wegen der Silberausprägung lehnte mit 7 gegen 6 Stimmen den Antrag ab, einen Bericht vorzulegen, welcher sich gegen die Bill, betr. die Sus- pendirung der Silberausprägung, ausspricht.

Lokales.

Gießen, 19. Februar. Der Reisende eines Casseler Geschäftes, ein noch junger Mann, aus Marburg gebürtig, hat sich vorgestern in einem Gasthause zu Lich, nachdem er sich etwa 14 Tage daselbst und in der Umgegend aufgehalten hatte, erschossen.

* Gießen, 19. Februar. (Historischer Verein.) Gestern Abend nahmen wir Gelegenheit, in der im Caf6 Ebel stattgehabten Sitzung des historischen Vereins drei interessante Vorträge anzuhören.

Zunächst sprach Herr Dr. Buchner über Entstehung der hiesigen Universitäts­bibliothek; er führte an,, daß er selbst es sich angelegen sein ließ, über die Geschichte derselben Näheres festzustellen. Zur Gründung einer Bibliothek rourjbe int Jahre 1612 geschritten, doch waren die Fortschritte, welche dieselbe machte, nur sehr geringe und nur durch namhafte Schenkungen 2C. ging die Vergrößerung vor sich. Die Mey'sche Stiftung war in erster Linie in dieser Hinsicht von Bedeutung. Später machte sich ein Gießener Professor Karl Renatus von Senkenberg, dessen Wohnhaus am Brand stand, um die Bibliothek verdient. Er vermachte testamentarisch seine ganze Privat­bibliothek, sein Haus und einen großen Theil seines Vermögens der Universität, ferner auch ein altes, sehr merkwürdiges Bild, wie er dasselbe selbst nannte, in seinem Nach­laß (vermuthlich stellt es den Kaiser Siegismund dar). Dieses Bild, schon mit dem größten Theile der Schätze aus dem Besitzthum von Senkenberg's Vater stammend, war Anfangs nirgends zu finden, bis endlich Redner dasselbe int Kunstcabinet des Herrn Professor von Ritgen entdeckte.

Für den Bibliothekar war es testamentarisch Bestimmung, mit vorzüglicher Handschrift begabt zu sein. Der erste, dem das Amt zufiel, hieß Grolmann. Später sollten jährlich 250 Gulden für Bücheranschaffungen ausgesetzt werden, doch es blieb bei der Idee, die Ausführung fand nur in unvollkommenster Weise statt, bis schließlich der Staat die Sache in die Hand nahm, indem er bestimmte, daß jeder Staats- und Kirchen-Beamte 2pCt. jährlich von seinem Einkommen beisteuern mußte, was denn auch geschah.

Bald war aber durch die schlechte Verwaltung der Bibliothekare eine schauder­hafte Wirthschaft eingerissen, durch welche die kostbarsten Werke auf leichtsinnige Weise verschwanden; die ersten Bibliothekare hielten es nicht einmal für werth, einen Catalog aufzustellen, ebenfalls kam eine Denkschrift, die man dem edlen Spender Senkenberg schuldig war, nie zur Ausführung, indem die damaligen Professoren mit irgend einer wichtigen Entschuldigung sich immer der Arbeit zu entziehen wußten.

(Schluß folgt.)

Das Neueste für die Damen ist, daß sie die modernen Smyrna- Teppiche sich selbst anfertigen. ImBazar" und imMoniteur de la Mode" finden sich dazu Anleitungen. Durch eine interessante Arbeit, die sich durch ihre Eleganz und Originalität auszeichnet, können unsere Damen den größten Manufakturisten Smyrnas Concurrenz machen, indem sie in ihren Musestunden mit zwei Nadeln und Wollfaden Teppiche anfertigen, die denen von Smyrna gleichkommen. Der Erfinder dieser Arbeit liefert alle dazu nöthigen Materialien und die schönsten Dessins. Es sind kleine Stückchen farbiger Wolle, welche das Aussehen und die Farbe der Wolle haben, die man zur Fabrikation der Smyrna-Teppiche braucht, und es genügt, jeden Wollfaden vom Muster abzustricken, um ein sammetweiches Gewebe zu erhalten, welches den schönen Originalteppichen gleicht. Solche werden in jeder beliebigen Größe auf eine so einfache und billige Weise gemacht, daß Niemand das Gewebe für Handarbeit hält. Auch in Gießen befindet sich eine Verkaufsstelle. (Näheres s. Jnseratentheil.)

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Septuagesimä, 21. Februar.

Vormittags 9^2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags, 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser-

Montag, den 22. Februar, Abends 8 Uhr, Bibel stunde in der Kleinkindec» schule, 1. Johannesbrief Kap. 5- Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag, den 28. Februar, wird Beichte und heiliges Abendmahl int Vormittagsgottesdienst gehalten werden.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 21. bis 27. Februar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Sonntag Septuagesimae. Beginn des Jubiläums-

Von 7 Uhr an Beichte.

Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h- Communion.

V2IO Uhr: Hochamt und Predigt-

2 Uhr: Jubiläums-Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 5 Uhr, Samstag Morgen 83e Uhr, Samstag Mittag 3 Mr, Samstag Abend 6«> Uhr.

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