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werden müssen und England habe, soweit seine eigenen Interessen in Betracht kamen, keinen Grund, damit unzufrieden zu sein.

Peter-brrrg, 17. October. Der Kaiser und die Kaiserin sind nebst Familie gestern von Peterhof nach Gatschtna übergesiedelt.

Darmstadt, 18. October. (Privatdepesche.) Hauptmann v. Grancy vom 115. Infanterie-Regiment, ist zum Flügel-Adjutanten des Großherzogs ernannt worden.

Lokales.

Gietzen, 18. October. Am Samstag Abend gegen 7 Uhr wurden 2 Kinder von 8 und 10 Jahren, welche 2 Laib Brod gekauft und damit auf dem Wege nach Hause waren, von 2 arbeitsscheuen, hier herumlungernden Burschen, der eine in Gießen und der andere in Königsberg wohnhaft, von welchen Ersterer dem Arbeitshaus Dieburg bereits verurtheilt, in der Kaplansgasse angehalten, das Brod abgenommen und dem Knaben obendrein ohne jegliche Veranlassung noch zweimal auf die Backen geschlagen. Auf das Geschrei der Kinder kam der Vater derselben, sowie auch andere Leute hinzu, worauf die Burschen das Brod zurückgaben und sich schleunigst aus dem Staube machten, aber später verhaftet wurden.

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Die Eröffnung der lranalisirten Mainstrecke und des neuen Hafens in Frankfurt a. M.

(Specialbericht.)

IL

0. K. Frankfurt a. M., 16. October.

Ein trüber Herbsttag brach an, aber noch regnete es nicht. Lustig blähten sich die Fahnen und Wimpel im herbstlichen Morgenwinde. Die frühen Morgenstunden benutzte Ihr Correspondent zu einem Gange durch die Straßen der Stadt, hinaus an die Ufer oes Mains und zum neuen Hafen.

Es läßt sich nicht verhehlen, daß sich die Bürgerschaft unserer Stadt nicht all­gemein an der Ausschmückung derselben beteiligte. Das schlechte Wetter der letzt­vergangenen Tage und der zu spät erlassene Aufruf mögen ebensowohl Schuld daran gewesen sein, als der Umstand, daß gar Manchem die Bedeutung des Ereignisses nicht vollkommen gegenwärtig gewesen. Der Schmuck der Brücken, des Ufers, der Hafen­anlagen und des Nadelwehrs ist einfach, aber geschmackvoll zu nennen. Der zierliche Eiserne Steg" prangte in grünem Tannenreisig, in das von kunstverständiger Hand die mit Fähnchen drapirten Staatswappen eingefügt waren. Auf zahlreichen Masten wehten Flaggen. Große und kleine Wimpel sandten der Flottille, die sich heute Morgen mainaufwärts bewegten, ihren Gruß und ein fröhlichesGlück auf!" Auch von der Untermainbrücke wehten von gewaltigen Masten, um die sich grünes Neisig schlang, die Fahnen der deutschen und fremden Staaten dem sich vollziehenden Ereigniß ihren Gruß entgegen. Dem Ufer entlang sahen wir wieder venelianische Masten mit Flaggen und grünem Tannenreisig und auch die Eisenbahnbrücke hat sich in ein zierliches Fest­kleid geworfen, als nächste Nachbarin der einfach aber würdig geschmückten Hafen- Anlagen. Der Hafen selbst ist, soweit sich seine Ausschmückung in der kurzen dafür erübrigenden Frist vollenden ließ, hinter dem festlichen Gewände seiner Nachbarschaft nicht zurückgeblieben.

Ein böser Gast, der in dem Programm durchaus nicht vorgesehen war, ein feiner, aber energischer Sprühregen, dessen Intensität sich verstärkte, je weiter der Vor­mittag vorrückte, ließ eine allgemeine Festesstimmung nicht aufkommen.

Auf dem Bahnhof in Höchst fand eine kurze Begrüßung der offiziell geladenen Festgäste statt. Die hochragende Gestalt des Vice-Präsidenten des preußischen Staats­ministeriums, Herrn v. Putt kam er, machte sich dominirend geltend. Außerdem bemerkten wir unter den Anwesenden Herrn Staatssecretär v. Bötticher, den bayerischen Minister v. Crailsheim, den Oberpräsidenten v. Eulenburg, den Regierungspräsidenten v. Wurmb aus Wiesbaden, Herrn Generallieutenant v. Bühn, den Landrath von Hanau, Graf Wilhelm Bismarck, Herrn Oberbürgermeister Miquel u. A.

Auf den fünf Dampfern, die zur Aufnahme der Festgäste bereit lagen, entwickelte sich bald und ungeachtet des schlechten Wetters ein buntes bewegtes Leben. Um 11 Uhr setzten sich die Boote in Bewegung und Punkt Val2 Uhr wurde das erste Nadelwehr und die Höchster Schleuse unter brausendem Hurrahrufen und Tusch des auf dem Hauptdampfer postirten Orchesters paffirt. Ueberall auf der Fahrt begrüßten Böller­schüsse und wehende Tücher die kleine Flottille. An der Frankfurter Schleuse, die kurz vor 3/4l Uhr paffirt wurde, fand die Einfügung einer Gedenkplatte statt, worauf Herr Minister v. Putt kam er die nachstehende Ansprache hielt:

Kein Ort kann geeigneter sein, ein volles und großes Andenken zu bewahren an das einträchtige Zusammenwirken des Staates und des bürgerlichen Gemeinwesens, und kein Augenblick geeigneter, als dieser dem Gefühle der Verehrung und des Dankes für denjenigen Ausdruck zu geben, dessen Gnade unb Munisizenz wir den Anfang und die Vollendung dieses schönen Werkes verdanken. Seine Majestät der Kaiser, der Er­halter des Friedens, der Schöpfer dieses Werkes, der Vater des Vaterlandes, er lebe hoch." Die Versammlung stimmte begeistert in dieses Hoch mit ein. Alsdann hielt Herr Negierungs-Baurath Kuno eine Ansprache, in welcher er einen kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte der Main-Kanalisirung, die im ganzen eine Strecke von 26 Kilometern umfassen und auf die Schwierigkeiten warf, die bei diesem Baue zu überwinden ge­wesen wären.

Kurz vor V/a Uhr trafen die Dampfer am eisernen Steg ein, wo sich dieselben an dem linken Mainquai aufrangirten.

An der Auffahrt der Nudervereine nahmen 24 Boote Th eil, nämlich 8 Achter, 14 Vierer und 2 Skiffs. Die Boote, sowie die denselben folgenden Dampfer wurden, je weiter sie gegen das Centrum der Stadt vorrückten, um so stürmischer vom Publikum begrüßt. Nunmehr erfolgte die Rückfahrt nach dem Hafen, wo Herr Oberbürgermeister M iquel in der Werfthalle die Festrede hielt, in welcher er hervorhob, daß das bedeut­same Werk erst nach vielen Hindernissen und nicht zur Ausführung gelangten Pro- jecten endlich Dank der energischen Förderung unserer Staatsregierung und Landes­vertretung , dem bundesfreundlichen Entgegenkommen der Mainuferstaaten und der opferfreudigen Mitwirkung der städtischen Vertretung und der Bürgerschaft dieser Stadt vollendet worden sei. Von Rotterdam bis Frankfurt würden die Schiffe von nun an genügendes Fahrwasser haben und auf dieser langen Linie den Verkehr mächtiger Han- oelsplätze und reicher iniportirenber und exportirender Länder vermitteln.Wir zweifeln »icht, daß unser Handelsstand diese günstigen Bedingungen fortschreitender Entwickelung zu benutzen und die geschaffenen Einrichtungen fruchtbringend zu ver- werthcn wissen wird." Die Anwesenheit der höchsten Vertreter der preußischen Staats­regierung unb ber Provinzialdehörben, ber Herren Minister unb Repräsentanten ber

Mainuferstaaten, zahlreicher Vertreter ber Schifffahrt, des Handels und der Industrie von den Ufern des Rheins und des Mains und selbst aus den benachbarten Staaten des Auslandes beweise wohl zur Genüge, daß es sich um ein Werk handele, dessen Bedeutung weit über die Grenzen unseres Weichbildes hinaus reiche. Kurz, ehe der Herr Oberbürgermeister diese in Vorstehendem skizzirte Festrede begonnen, lichtete sich endlich das Gewölk und die hellen Sonnenstrahlen funkelten auf die Tausende von Menschen hernieder, die sich auf dem Festplatze an der Wersthalle und auch an dem gegenüberliegenden Ufer des Maines zusammengeschaart hatten.

Nunmehr geleitete der Herr' Oberbürgermeister die Herren Minister und Ehren­gäste zur feierlichen Schlußsteinlegung. Herr Staatsminister von Putttamer that die ersten Hammerschläge, ihm folgten'Staatsminister von Crailsheim, Staatsminister von Finger, Staatsminister von Bötticher, Regierungspräsident Graf von Eulenburg, Re­gierungspräsident von Wurmb, Oberbürgermeister Dr. Miquel, Generallieutenant von Böhn, Generallieutenant von Dinklage, Polizeipräsident von Hergenhahn und Reaie- rungsrath Kuno. Alle begleiteten ihre Hammerschläge mit wenigen entsprechenden Worten. Herr Negierungsrath Kuno erklärte sodann ben neuen Hafen für eröffnet.

So sind denn die Festlichkeiten bis jetzt im Großen und Ganzen programm­gemäß verlaufen. Um 5 Uhr Nachmittags findet eine Wettfahrt der Nudervereine, alsdann Bankett im Palmengarten und schließlich Fest-Vorstellung in der Oper (Mda") statt.

Vollzog sich auch die Eröffnung des Hafens in verhältnißmäßig einfacher Weise, so darf sie doch als eine würdevolle Feier bezeichnet werden, uno alle die bunten Wimpel, die breiten Flaggen und das grüne Reisig, welche der Freude über das Er­eigniß Ausdruck verleihen, welche die Hoffnungen einer fleißigen und thatkräftigen, durch ihre große Vergangenheit stets kleinlicher Nörgeleien abgeneigten deutschen Stadt versinnbildlichen, mögen sic nicht vergeblich ihre Rolle gespielt haben und mögen sie Zeugen gewesen sein, daß für den Handel unseres Frankfurts die Morgenröthe eines neuen Tages angebrochen ist. Das walte Gott!

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Frankfurt a. M., 16. October. Freiherr Mayer Karl von Rothschild, einer der Chefs des hiesigen Bankhauses M. A. von Rothschild u. Sohne, ist heute Nach- mittag um V22 Uhr an einem Herzschlage verschieden. Er war seit einiger Zeit schwer krank. Herr v. Rothschild war am 5. August 1820 geboren.

Eingesandt.

Die löbliche Stadtverwaltung wird ersucht, neben der am Fuckert'schen Laden in den Neuen Bäuen befindlichen Gaslaterne noch ein Oelläinpchen anzubringen und leuchten zu lassen, damit die abendlichen Passanten den auf der Straße gebildeten See rechtzeitig wahrnehmen und vor dem Ertrinken sich schützen können. 7404

Gießener Wasserwerk.

Denjenigen, welche sich zum Anschluß der Wasserleitung gemeldet haben, zur gefl. Kenntnißnahme, daß von Seiten unseres verehrten Stadtvorstandes eine Aenderung in den Kosten für die Zuleitung sowohl, als auch hinsichtlich der theuren Wassermesser- miethe nicht beliebt wird, es also bei den veröffentlichten Preisen bestehen bleibt. Die Aufstellung und Befestigung des Wassermessers, welches anderwärts (z. B. Friedberg) ca. 5.50 JL kostet, kann hier nur mit 21 JL. geschehen, wobei allerdings ein Holz­kästchen (in der Große eines Cigarrenkistchens) mitgeliefert wird.

Bei vielen Sachen werden die praktischen Maßnahmen anderer Städte zum Vorbild genommen, in dieser hochwichtigen Angelegenheit scheint man ein Bedürfniß dazu nicht zu haben.

handel Verkehr.

Frankfurt, 16. October. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter 4.005.00, Eier das Hundert JL. 4.505.50, Butter per Pfund JL. 1.00 bis 1.20, Weißkraut per Stück 10-12 H, Rothkraut per Stück 2025 H, Kohlrabi per Stück 34 Ochsenfleisch per Pfund 4570 H, Kuh- u. Rindfleisch 4560 H, Kalbfleisch 4060 H, Schweinefleisch 6570 H, Hammelfleisch 5070 1 Hahn

JL 0.701.80, 1 Huhn JL 1.002.50, 1 Ente Jt 2.003.00, 1 Gans JL 3 007.00 1 Taube 4070 H, Welsche JL 5.0010.00.

Grün berg, 16. October. (Fruchtpreise.) Weizen JL 16.80, Korn JL 13.60, Gerste JL 12.80, Hafer JL 10.60, Erbsen JL 14.30, Linsen JL 26.30, Lein 00.00, Samen Jt 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 00.00.

Bei dem ^nehmenden Consum Münchener Bieres dürfte unsere Leser nachstehende Analyse interessiren, welche dem Zacherlbräu (Gebrüder Schmederer) dessen vorzüglicher Stoff in Gießen bei Louis H orm ann im Wiener Hof ausgeschenkt wird, zur vollen Ehre gereicht:

Benennung der Bierbrauereien.

Dichte des Bieres bei 17,50 C.

In ICO Gewichtstheilen des entkohlensäuerten Bieres sind enthalten-

Ursprüngliche Konzentration der Würze-

Vergährungs- grab in Prozent.

Acidität in c. o. Normal­alkali.

Grad der Klarheit.

Wasser

Alkoh- I Extrakt

Zacherl ...

1,0196

88,75

4,37

6,88

15,62

55,95

1

2,2

Leist.....

1,0207

88,74

4,19

7,07

15,45

54,23

2

2,3

Eberl.....

1,0163

89,13

4,63

6,14

15,40

60,12

2

1,9

Schwabing . . .

1,0160

89,28

4,63

6,09

15,35

60,32

1

2,0

Maximilian. .. .

1,0206

89,03

4,00

6,97

14,97

53,44

1

2,4

Pschorr ....

1,0171

89,55

4,26

6,19

14,71

57,91

3

2,3

Hofbräuhaus - .

1,0184

89,52

4,08

6,40

14,57

56,04

2

2,1

Metzger ....

1,0147

90,10

4,21

5,69

14,11

59,67

1

2,0

Auch in sanitärer Hinsicht genießt der Zache», i-Export, sowie das alljähr­lich im März wiederkehrende Salvatorbier 'einen anerkannten Ruf, indem dasselbe besonders anämischen, mageren, an atonischer Verdauungsschwäche leidenden Personen unb Reconvalescenten zu empfehlen ist. 7428

Kirchliche Anzeigen der evsngel. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelftunde in der Kleinkinderschule, Markus Kap. 1, von Vers 14 an, Pfarrer Dr. Naumann.

Allgemeine

Mein seit 5 Jahren am Lindenplatz bestehendes

Wüsche- und Weißwaaren-Geschäst gebe am 1. Februar 1887 dortselbst auf und verkaufe deshalb sämmtliche Waaren zu ganz enorm billigen Preisen.

Ganz besonders mache auf große Posten fertiger Wäsche und Unterwäsche, sowie auf mein Lager in KLleiderstoflen aufmerksam.

7436 M. Kasin» Lmdenplatz.

7430 Einen Schuhmacher - Gesellen I 7409 Ein gut empfohlener Pferdeknecht sucht Christian Kraft, Krofdorf. I gesucht. Näheres in der Exped- d- Bl.

r ANzeigeT.

Akademischer Gesangverein.

, den 25. October d. I. beginnen die Vereinsübungen

in der kleinen Aula der Universität um 1 Uhr Abends für die Damen und um 8 Ubr für die Herren.

Jeden Donnerstag um 8 Uhr ist Gesammtprobe.

Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der akademische Musikdirector im Uebuugsloeal entgegen. 7400

___________________ Der Vorstand.

7424 «sterweg 23 wird Wäsche aller , 7414 Ein Mädchen, im KleidHsiHben

Art angenommen, das Waschen wBügeln sehr bewandert, sucht Beschäftigung in äußerst billig und gut besorgt. und außer dem Hause. Näheres

Geschwister Stahl. I Ftügelsgasse 20.