durch diese Erleichterung des so überaus anstrengenden Vorpoftendienstes in feiner Weise beeinträchtigt werden darf, ist selbstverständlich. Die neue Felddienstordnung unterscheidet überhaupt drei Arten der Unterkunft marschirender, bezw. manöverirender Truppen: Das Eantonnement, das Ortschaftslager und das Biwak.
— lAusgrabungen am Pfahlgraben.) Die von Herrn Friedrich Koster mit gewohntem glücklichen Erfolge geleiteten Ausgrabungen zur Feststellung der Befestigungen am Pfahlgraben haben sich in der letzten Zeit auch auf die bei Ober-Flor- stad t gelegene Römerstätte erstreckt. Die mit Schwierigkeiten verbundenen Arbeiten haben zur Aufdeckung eines großen quadratischen Eastells geführt, das erne Seitenlänge von ungefähr 166 Mtr. hat. Das Ober-Florstädter Eastell ist also die größte der bis jetzt aufgedeckten oberhessischen Römischen Befestigungen; die pwta decumana wurde vor einigen Tagen blosgelegt.
— In Sonneberg meldet ein Wirth seinen im Garten sitzenden Gästen, daß es in seiner Bodenkammer brenne. Die Männer sprangen auf, ergriffen Gefäße, füllten dieselben mit Wasser, jagten zur Treppe hinauf, wo ihnen dann gleich der rothe Feuerschein durch die Spalten der Bodenkammerthür sichtbar wurde. Ohne sich lange zu besinnen, schlugen sie nun die Thure ein, und — o Schreck — was mußten sie sehen? — Den Feuerball der roth untergehenden Sonne! (Dorfztg.)
_ Den Hausfrauen durfte es vielleicht von Nutzen fein, wenn wir sie auf ein bewährtes Waschmittel für Wäsche aufmerksam machen, welches im letzten Halbjahr mit sehr gutem Erfolge in einem Berliner Krankenhause zur Anwendung gelangt ist. Es ist dies der Borax, über welchen den städtischen Behörden Folgendes berichtet wurde: „Außer den früheren Waschmitteln ist während der letzteren Hälfte des Betriebsjahres noch Borax zur Verwendung gekommen. Durch dieses der Wäsche unschädliche Mittel konnte die auf die Haltbarkeit der Wasche nicht gerade vorthcilhast wirkende krystallisirte Soda zum Theile ersetzt, das zum Waschen verwendete Wasser aber bedeutend verbessert werden, so daß die Wäsche weißer geworden ist." An Materialien sind auf 1 Kilo Wäsche verwendet worden circa 33 Gramm weiße Stückenseife, 2,53 Gramm Elainfeife, 1,02 Gramm grüne Seife, 4,54 Gramm krystallisirte Soda und 2,26 Gramm Borax.
— Ein entsetzliches Unglück hat sich auf dem Michaelkirchplatze in Berlin durch die Pflichtvergessenheit eines Kindermädchens ereignet. Während dasselbe, anstatt auf das seiner Obhut anvertraute Kind acht zu geben, mit anderen auf dem Platze verweilenden Dienstmädchen eifrigst sich unterhielt, war das erst 18 Monate alte Kind bis zur Schwelle des Bürgersteigs gelaufen und setzte sich dort nieder. Plötzlich kam ein Lastwagen daher, der so nahe dem Bürgersteig fuhr, daß eines seiner Vorderräder die Füße des Kindes faßte, welches in Folge dessen nach vorn überfiel und so unglücklich zu liegen kam, daß das eine der Hinterräder über den Kopf ging und denselben zermalmte. Als Leiche wurde das Kind in's Haus seiner Eltern zurück- getragen.
— In der Stadt Gent gab es, wie der „Voss. Ztg." aus Brüssel geschrieben wird, letzthin ein ergötzliches Schauspiel. Schon seit Wochen klagten die Bewshner über Verfälschung der Butter, welche die Landleute in erschrecklicher Weise oornähmen; die Prlizei, der diese Klagen zu Ohren gekommen waren, schritt in einzelnen Fällen ein, fand die Klagen vollberechtigt und führte die Verurtheilung der Ueberführten, wie die Beschlagnahme der gefälschten Waare herbei. Aber die Klagen nahmen kein Ende und so beschloß die Polizei einen streng geheim gehaltenen regelrechten Ueberfall des großen städtischen Buttermarktes. Der Polizeidirector ließ sämmtliche Ausgänge des Marktes durch Polizeimannschaften in bürgerlichem Anzuge besetzen. Er selbst, von starker Mannschaft begleitet, schritt auf dem Markte umher und ließ aller Orten Butter zur Prüfung beschlagnahmen. Zweihundert Bauern und Bäuerinnen, die sich aus dem Staube machen wollten, wurden festgehalten und nach den Polizeiwachen geführt. Die Genter Hausfrauen, die sehr zahlreich auf dem Markte sich befanden, klatschten laut der Polizei Beifall zu. Im Thronsaale des Rathhauses waren die zahlreichen vereidigten Sachverständigen versammelt, welche die sämmtlichen Butterproben zu untersuchen hatten. Als verfälscht wurden sofort 4000 Pfund Butter beschlagnahmt und hundert Anklagen erhoben. Da noch ganze Berge von Butter zu prüfen sind, so nimmt diese Prüfung noch zwei Tage in Anspruch.
— sVerwöhnt.) Ein westfälischer Arbeiter kam kürzlich vor Gericht, weil et einen Schenkwirth durchgeprügelt hatte. Er erzählte, daß er jeden Morgen, wenn er zur Arbeit gehe, bei dem betreffenden Wirthe einen Schnaps zu trinken pflegte. Eines Morgens habe er den „Gewohnten" gefordert und ein Getränk erhalten, das wie Schnaps aussgh — „aber", fügte er entrüstet hinzu, „wat war't? Kloar Woater war't! Ick meen, ick soll den Tod davon hebben!"
— Drei Monate Gefängniß für zwei geraubte Küffe waren dem Zahntechniker B. in Berlin vom Schöffengerichte aujerlegt worden. Die Sache gelangte am Samstag in zweiter Instanz zur Verhandlung, weil der Angeklagte die Berufung eingelegt hatte. Als Belastungszeugin trat ein 16jähriges Mädchen, die Tochter achtbarer Eltern, auf, welche ihr Abenteuer beim Zahnärzte folgendermaßen erzählt: Sie fei an drei aufeinander folgenden Sonntagen in das Atelier des Angeklagten gekommen, um sich die Zähne plombiren zu lassen. Als sie am letzten Sonntag im Begriff gewesen sei, sich zu verabschieden, habe der Angeklagte ihr den Hut plötzlich wieder abgenommen, sie mit Gewalt auf einen Stuhl niedergedrückt und sie geküßt, bevor sie eigentlich wußte, was ihr geschehen. Sie sei aufgesprungen und hinausgeeilt, vor der Eorridorthür habe der ihr folgende Angeklagte sie aber eingeholt und noch einmal ein erfolgreiches Attentat auf ihre Lippen begangen. Ihr verstörtes Wesen sei ihrer Mutter zwar gleich nach ihrer Nachhausekunst aufgefallen, aber erst nach einigen Tagen habe sie derselben von dem Vorfall Mittheilung gemacht. Das Schöffengericht erachtete diesen Mißbrauch des Vertrauens, welches eine junge Dame einem Zahnarzte entgegenzubringen gezwungen sei, für so strafbar, daß es auf die erwähnte hohe Freiheitsstrafe erkannte. Vor dem Landgerichte behauptete der Angeklagte, daß die Geschichte aus Der Luft gegriffen fei, wußte aber diese Behauptung nicht zu begründen. Der Gerichtshof schenkte dageaen der Zeugin vollen Glauben, änderte das Urtheil aber dahin ab, daß an Stelle Der dreimonatlichen Gefängnißstrafe eine Geldstrase von 500 JL, cd. 50 Tage Gefängniß treten soll.
— sPostalische Gemächlichkeit.) Den Werth heimathlicher Einrichtungen würdigt man^ wie Das ja oft der Fall ist, erst, wenn man den Zustand gleicher Art in anderen Orten mit ihnen vergleicht. So wurde denn auch, wie uns ein aus Oesterreich zurück- gekehrter Sommerfrischler erzählt, diesem die Vorrüglichkeit unserer postalischen Einrichtungen recht eindrücklich fühlbar gemacht durch Die „urgemüthliche Art", wie er sie in seinem Aufenthaltsorte „Untergrund" bei Teschen kennen lernte. Eines Tages klopft es und auf das „Herein" betritt die Wohnung ein Männchen, in der Rechten einen Brief und über dem linken Arm einen Rock und ein Paar Hosen. „Euer Gnaden sind der Herr v. L.? (L. ist natürlich bürgerlicher Herkunft.) Hier is a Briefe!, i krieg aber zwoa Kreizer!" — „So, wofür denn?" — „Ja, schau'ns! I bin hoalt der Schneider hier und besorg a blus de Briefel so nebenbei; im Winter, da kummt selten an er, da genn mer blus zwoa Mol de Wachen, aber im Summer, do krieg i immer zwoa Kreizer." — „Ja, wie kommt denn aber das?" — „Ja, schau'ns, unser Postamt- Vorsteher kriggt halt nur 125 Gulden 's Joahr und da muß er uns davo bezoahlen und Da langt's halt nit!" — Ein anderes Mal brauchte Herr L. eine Marke, er geht nach dem Postamt — Niemand am Schalter, er tritt durch eine Thür nebenan — Niemand im Bureau. Im nächsten Zimmer endlich findet er Jemand, der ist mit seinem Mittagsbrod beschäftigt; er bringt seine Bitte vor: „A Marken wollen's? Na hern's, die kenne Sie gleich hoaben, setze Sie's a Bissel nieder, i bin glei fertl" — Und der Herr Beamte — denn er war es — aß gemüthlich zu Ende, dann ging er nach'm Komodel und holte a Marken raus. — Das ist in der That der Gipfel postalischer Gemüthlichkeit.
— sWozu die Tournüre gut ist.) Aus Apatin wird berichtet, daß dort ein Mädchen im Biegl'schen Bade eine ganz eigene Art des Diebstahls prakticirte. Sie besuchte das Bad recht oft und „sobald das Mädchen Abschied nahm", fehlte stets ein — Leintuch. Achtundzwanzig Tage lang verschwand immer nur ein Leintuch, dann kam es aber schon undici, dodici, tredici, so daß der Badebesitzer sich veranlaßt sah, das Mädchen einer Leibesvisitation zu unterziehen. Die Visitation ergab, daß das Mädchen sich aus den gestohlenen Tüchern eine Tournüre geformt hatte, was ihr daS unauffällige Entfernen überaus leicht machte. Die Apatiner Meldung besagt auch, daß die Diebin einer angesehenen Familie angehörte; die Tournüre der Dame läßt das Letztere wenig glaubwürdig erscheinen.
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