-es Landes, sowie in Betreff einer baldigen Einberufung der großen Sobranje zur Fürstenwahl. Die Kammer wird die Regierungsvorlagen aufmerksam prüfen und be- rathen. Es ist uns angenehm, erklären zu können, daß wir volles Vertrauen zur Negierung haben und hoffen, daß sie durch ihre Weisheit, Einsicht und Energie die In« ter essen des Vaterlandes zu sichern und zu schützen wissen wird. Es lebe Bulgarien."
Die Sobranje begann hierauf die Berathung der Vorlage wegen Aufnahme einer Anleihe von 15 Millionen Francs in Schatzbons oder unter anderer Form. Die Regierung brachte eine Vorlage ein, betreffend den Ankauf der Immobilien des Fürsten Alexander. Der Kaufpreis beträgt 2>/r Mill., wovon 840,000 Frcs. abgehen, welche der Fürst der Bank schuldete.
— Die Sobranje genehmigte den Gesetzentwurf, betr. den Ankauf der Immobilien des Fürsten Alexander. .
Sofia, 17- September. Das Dekret, betreffend die Berufung der Urwähler rur Wahl von Deputirten für die große Sobranje, welche einen neuen Fürsten zu wählen hat, dürfte morgen erscheinen. Die Wahlen sollen in etwa 14 Tagen stalt- finden' einige Tage danach wird die Versammlung wahrscheinlich in Tirnowo zusammen- Ireten ' Die Sobranje beendigt voraussichtlich heute ihre Arbeiten.
Petersburg, 17. September. Der „Regierungsanzeiger" schreibt: Wegen der in letzter Zeit gespannten Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien ist der Posten des russischen diplomatischen Agenten in Sofia unbesetzt geblieben. Da die jüngsten Ereignisse in Bulgarien die Anwesenheit des russischen Vertreters erheischten, welcher die erforderliche Autorität genießt, ist die zeitweilige Vertretung Rußlands in Sofia General Kaulbars übertragen, welcher bereits mehrfach in verschiedenen Ländern der Balkanhalbinsel commandirt hat. Die Aufgabe des Generals Kaulbars wird sein, die Lage der Dinge in Bulgarien kennen zu lernen und durch seine Rathschläge den Bulgaren einen regulären Ausgang aus der Krise des Landes zu erleichtern.
Petersburg, 17. September. Der „Negierungsbote" schreibt: Die Ereignisse in Bulgarien erheischten die Anwesenheit eines Vertreters Rußlands mit der erforderlichen Autorität. Es werde Kaulbars obliegen, die Sachlage eingehend kennen zu lernen und den Bulgaren durch seine Rathschläge den regulären Ausgang aus der Krise zu erleichtern.
Lokales.
Gießen, 18. Septbr. fStadtverordnetensitzung vom 16. Septbr., Nachmittags 4 Uhr.j Anwesend die Herren Bürgermeister Bramm und Beigeordneter Keller, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Baift, Georgi. Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hanstein, Hock, Homberger, Kauf, Lüdeking, Adolf Noll, August Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon, Vogt und Wortmann.
Vor Eingang zur Tagesordnung wird eine an den Stadtvorstand ergangene Einladung von Seiten des Kaufmännischen Vereins zu dessen Stiftungsfeste am 2. October, sowie die Genehmigung des Voranschlags für die Großh. Realschule zur Kenntniß der Versammlung gebracht.
Die Perpachtung der Gemeindejagd, hier die Abtretung des südlichen Theues an der Rodheimer Straße von den seitherigen Pächtern an ein anderes Consortium wird nicht beanstandet.
Dem Gesuche der Firma Goldenberg L Marcus um nachträgliche Rückvergütung von Octroi kann nicht enttprochen werden, da die zur Erlangung derselben vorgeschriebenen Bestimmungen außer Acht gelassen oder versäumt wurden.
Aus der nun folgenden Verhandlung über die Quellwasserleitung, welche über eine Stunde Zett in Anspruch nahm, heben wir nachstehende Beschlüsse hervor: Der Vertrag mit der Gemeinde Großen-Buseck behufs Leitungslegung durch die Gemarkung wird analog demjenigen mit der Gemeinde Rödgen ausgefertigt und genehmigt. Das Statut betr. Abgabe von Wasser an Private wird genehmigt nnd der Preis des Wassers auf vorerst 40 Psg. pro Kubikmeter festgesetzt. Ein Aufruf an die Hausbesitzer, welche auf Zuführung der Wasserleitung reflectiren, soll alsbald erlassen werden. Von Seiten des Großh. Fiskus wird ein Revers betr. die Berührung der Staatsstraßen durch die Wasserleitung vorgelegt, welcher genehmigt wird. Ferner wird noch die Errichtung einer Cisterne auf dem Friedhöfe zur Aufnahme des aus den Reservoirs ablaufenden Wassers beschlossen, womit ebenfalls einem dringenden Bedürfnisse abgeholfen wird.
Die für diesen Herbst im Realschulgebäude vorgesehenen Herstellungsarbeiten sollen auf Antrag erst nächste Ostern ausgeführt werden.
Das Gesuch des Zugführers Herrn Fr. Gerhards wird, da es sich hier um die Erwerbung eines Bauplatzes handelt, vorerst an die Baucommission verwiesen.
Das ComitS zur Erbauung einer Tonhalle ersucht um Ueberlassung des hinter der städtischen Turnhalle liegenden 1400 lDMeter großen Turnplatzes. Nach langer Verhandlung wird das Gesuch, entsprechend dem Antrag der Baudeputation, abgelehnt, da sich noch nicht erwägen läßt, wie wett fragl. Platz für Schulzwecke nöthig sein wird.
Die Bepflanzung der Kreisstraße nach Heuchelheim wird dem Kreis überlassen und die Stadt verzichtet auf Eigenthums- und Nutzungsrecht der vom Kreis gepflanzten Bäume.
Die Versammlung genehmigte die Ausdehnung der Bebauungslinie an der Grünbergerstraße in der Richtung nach dem Bauplatz des Herrn Eiertänzer.
Die Wasserabsührung aus dem katholischen Schwesternhause in die Gosse der Alicestraße wird genehmigt.
Ein Anbau an das Fabrikgebäude des Herrn W. Reiber in der Bahnhofstraße wird unter der Bedingung genehmigt, daß innerhalb eines Jahres mindestens ein Vorderhaus an gedachter Stelle zu errichten sei, sowie daß derselbe wegen Einhaltung dieser Bedingung eine Kaution von 1000 X leistet.
Das Gesuch des Herrn Gg. Emil Möhl um Wasserabführung wird widerruflich gegen Entrichtung der üblichen Abgabe gutgeheißen.
Die Reinigung der Kanäle auf dem Brand auf Kosten der Stadt wird beschlossen.
Die Straße an der Herberge zur Heimath soll laut einem früheren Beschlüsse in Stand gesetzt, die Gasleitung nach dem 1. October d. I. hergerichtet und dann die Straße ohne eigene Benennung der Westanlage zugetheilt werden.
Ein Antrag auf Einrichtung einer Schulbade-Anstalt in der neuen Stadt- madchenschule, veranschlagt zu 780 X, kommt, da das Gebäude soweit sertiggestcllt und über die vprhandenen Räume bereits verfügt ist, lcider zu spät; es wird daher beschlossen, vorläufig davon abzusehen, die Angelegenheit aber für nächstes Jahr im Auge zu behalten und einen vorliegenden Prospect bei den Mitgliedern des Stadtvorstands circuliren zu lassen. Die Einfriedigung des Schulterrains im Kostenbeträge von 12,100 X wird gutgeheißen.
Die Abschätzung der durch Truppenübungen entstandenen Flurschäden 'wird den Feldgeschworenen übertragen.
Verschiedene Reclamationen gegen Grundzinsen werden als begründet erkannt und demgemäß entschieden.
Zum Schlüsse werden noch mehrere Kostendecreturen genehmigt und die öffentliche Sitzung Vr7 Uhr geschlossen.
Gießen, 18. September. Heute Mittag von 11 Uhr an entwickelte sich ein reges militärisches Treiben in unserer Stadt, in einem Maße wie es seit 1866 nicht hier gesehen wurde. Regiment auf Regiment rückten die sonnenverbrannten Hessen- Nassauischen Krieger unter klingendem Spiel hier ein, um nach anstrengenden Märschen die ihnen zugedachten Quartiere aufzusuchen. Der freundlichsten Aufnahme dürften alle gewiß sein.
Vermischte-.
— Folgende lustige Geschichte erzählt Aurelien Scholl im Pariser „Matin": „Mein Freund V. sucht eine Wohnung, aber er besitzt leider einen großen Papagei und der verschließt ihm alle Thüren. Endlich, als ihn die Besitzerin einer reizenden kleinen Wohnung, eine, wie er wußte, sehr bigotte Dame, aus eben demselben Grunde hinauscomplimentiren will, sagt er kurz entschlossen: „Wie kann der Papagei Sie stören? Seit er sich vor sieben Jahren erschreckt, hat er keinen Ton mehr gesprochen." — „Und das ist wahr?" — „Wie ich Ihnen sage." Der Contract wird geschlossen. Freund V. zieht in seine Wohnung. Papchen sitzt im dunkel verhängten Käfig und schweigt. Am anderen Tage machte V. der frommen Frau seine Aufwartung. „Nun,
hat mein Papagei Sie gestört?" — „Ganz und gar nicht." — „Ja, stellen Sie sich vor, daß ich alle möglichen Mittel versucht habe, ihn wieder zum Sprechen zu bringen, nichts hilft. Nun hat man mir noch ein Mittel gerathen, aber ich glaube nicht recht daran." — „Und das wäre?" — „Ich soll ihm ein paar Tropfen wunderthättges Lourdeswasser einflößen?" — „Mein Herr, an der Macht dieses Wassers können Sie zweifeln?" — „Gut, machen wir einen Versuch!" Papchen wird aus dem Käfig geholt und schreit und schwatzt von früh bis spät; die würdige Dame aber setzt den Klagen der übrigen Miether feste Ruhe entgegen. „Es ist die Wirkung der wunderthätigen Quelle von Lomdes!"
Schiffs- Bewegung
der Postdampffchiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschast.
„Slavonia", 3. September von Stettin nach New-Aork, 6. September von Göteborg weitergegangen. „Saxonia", 2. September von Hamburg nach Mexico, 6. September von Havre weitergegangen. „Albingia", 7. September von St. Thomas nach Hamburg. „Rugia", 26. August von New-Aork, 7. September in Hamburg angekommen. „Lessing", 5. September von Hamburg nach New-Aork, 7. September von Havre weitergegangen. „Taormina", 8. September don Hamburg nach New-Aork. „Bavaria", 20. August von St. Thomas, 9. September in Hamburg eingetroffen. „Rhenania", 21. August von Hamburg nach Westindien, 9. September in St. Thomas angekommen. „Gellert", 9. September von New-Pork nach Hamburg. „Allemannia", 6. September von Hamburg nach Westindien, 9. September von Havre weitergegangen. „Bohemia", 28. August von New-Aork, 10. September in Hamburg angekommen. „Francia", 23. August von St. Thomas, 11. September in Hamburg eingetroffen. „Westphalia", 11. September von New-Aork nach Hamburg. „Gothia", 28. August von New-Uork nach Stettin, 13. September in Kopenhagen angekommen. „Wieland", 2. September von New-Aork, 13. September in Hamburg eingetroffen. „Hammonia", 12. September von Hamburg nach New-Aork, 14. September von Havre weitergegangen. „Polaria", von New-Pork kommend, 14. September in Hamburg angekommen. „California", 15. September von Hamburg nach New-Aork. „Polynesia", ab Hamburg, 10. September in New-Aork angekommen. „Rhaetia", 29. August von Hamburg 12. September in New-Aork angekommen. „Suevia", 2. September von Hamburg, 15. September in New-Pork eingetroffen.
Handel rrnd Derkehr.
Gießen, 18. September. Auf dem heutigen Markt kostete Butter per Pfund X 1.20-130, Hühnereier 2 St. 13-0 H, Enteneier St. 6-7 H, Käse pr. St. 5-9 4, Käsematte 3—0 H, Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen 26 Tauben per Paar 0,50 big 0,60 4, Hühner per Stück X 0.80—1.00, Hahnen pr. Stück X 0.50—0.80, Enten per Stück X 130—1.70, Ochsenfleifch per Pfund 62—64 Kuh- und Rindfleisch 54—56 4/ Schweinefleisch 56—60 Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 46—50 \ Kartoffeln per 100 Kilo X 4.00—6.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner X 4.00-6.00.
Auszug aus den Staudesamtsregistern des Standesamts Gieße«:
(Nachdruck nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.)
Aufgebote.
September: 10. David Hensler, Sergeant dahier, mit Katharine Henkel von Lauterbach.
Shefchließunge«.
September: 15. Rudolf Güngerich, Landwirth zu Großen-Buseck, mit Martha Anna Agnes Wilhelmine Lohoff dahier. 16. Kaufmann Friedrich Heinrich Karl Dickors dahier mit Johannette Henriette Margarethe Fink Hierselbst.
Geborene.
September: 9. Dem Kaufmann Max Sepp eine Tochter, Maximiliane Luise Wilhelmine Margarethe. 10. Dem Dienstknecht Johann Adam Leismann eine Tochter^ Katharine Margarethe Marie. 11. Dem Lacksieder Friedrich Wilhelm Vetter eine Tochter, Johanna Friedrike Marie. 11. Dem Schuhmacher Philipp Wöllmar eine Tochter, Elisabethe Johanna. 13. Dem Taglöhner Ludwig Baumann ein Sohn, Heinrich Philipp. 15. Dem Hülfsschutzmann Julius Löbermann ein Sohn, Andreas. 15. Dem Eisendreher Albert Bär ein Sohn, Albert Gustav.
Gestorbene.
September: 11. Johanna Luise Adolfine Kreuter, 3 Monate alt, Tochter von Schlosser Adolph Kreuter. 12. Philipp Franz Bauer, 69 Jahre alt, Thürmer und Musiker dahier. 13. Johannette Eiff, 78 Jahre alt, ledig. 14. Marie Klara Jutta Mathilde Caroline Schwabe, 21 Tage alt, Tochter von Realgymnasiallehrer Franz Schwabe. 15. Antoinette Wedell, 11 Monate alt, Tochter von Stations-Assistent Ernst Wedell.
Auszug aus den Kirchenbücher« der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 12. September. Karl Friedrich Wilhelm Müller, Bierbrauer und Marie Schmitt, Tochter des verstorbenen Försters Johann Schmitt von Albach.
Denselben. Jakob Formhals, Maurer und Wilhelmine Reinhart, geb. Stoll.
Denselben. Nikolaus Rausch, Taglöhner und Katharina Wagner, Tochter des verstorbenen Korbmachers Georg Wagner von Monshausen.
Den 15. September. Rudolf Güngerich, Oeconom zu Großen-Buseck, ein Wittwer und Martha Lohoff, Tochter des verstorbenen Pfarrers und Kreisschulinspectors Emanuel Lohoff zu Aplerbeck.
Den 16. September. Friedrich Heinrich DickorS, Kaufmann und Johannette Henriitte Margarethe Fink, Tochter des Steueraufsehers Ludwig Fink zu Gießen.
Getaufte.
Den 11. September. Dem Director der höheren Mädchenschule Karl Vigelius eine Tochter, Lina, geboren den 25. Juli.
Den 12. September. Dem Kutscher Johann Böcker eine Tochter, Anna, geboren, den 23. Juli.
Denselben. Dem Bureaudiener an der Main-Weser-Bahn Jakob Dingel eine Tochter, Henriette Elisabeth, geboren den 8. Juli.
Denselben. Dem Civilkrankenwärter Eduard Otto ein Sohn, Heinrich Eduard, geboren den 23. August.
Denselben. Dem Schmied Jakob Waldschmidt eine Tochter, Anna Elisabeth Luise Karoline, geboren den 8. August.
Denselben. Dem Bürstenmacher Heinrich Kuhl eine Tochter, Marie Katharine Karoline, geboren den 8. August.
Denselben. Dem Bureaudiener an. der Main-Weser-Bahn Heinrich Graf ein Sohn, Karl Christian, geboren den 10. August.
Den 14. September. Dem Realgymnasiallehrer Franz Schwabe eine Tochter, Maria Clara Jutta Mathilde Karoline, geboren den 23. August.
Den 15. September. Dem Kaufmann Georg Hauß ein Sohn, Bruno Heinrich August, geboren den 28. Juni.
Den 17. September. Ein unehelicher Sohn, Adolf, geboren den 9. September.
_ Beerdigte.
Den 14. September. Franz Philipp Bauer, Thürmer und Musiker, alt 69 Jahre, starb den 12. September.
Denselben. Anna Elisabeth Friederike Henriette Eiff, ledige Tochter des verstorbenen Schneiders Johann Georg Eiff, alt 75 Jahre, starb den 13. September.
Den 15. September. Heinrich Fink, Bierbrauer aus Alsfeld, alt 33 Jahre, starb den 13. September.
Lemperatur der Lahm
Am 18. September, -wischm 11 und 12 Uhr: Wasser 13°, Lust 17° R. im Schatten»
L. Chr. Rübsame«.


