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Mr. 21 Erstes Blatt. Sonntag drn 19. September M88.
Kießemr Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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auf den
Gießener Anzeiger,
Amts- unö Änzeigeblail für öeu Kreis Meßen.
Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, inel. der Beilage „Gießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.
Der Abonnementspreis für den Anzeiger, frei ins Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, 2 Mark ercl. Postgebühr.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im IV. Quartal 1886 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, damit wir vollzählige Exemplare liefern können.
Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß den Abonnenten des Anzeigers die „Berwaltungsblätter" zum ermäßigten Preise von 50 pro Quartal geliefert werden. Die Expedition.
Amtlicher Hheil.
Gefunden: 1 Handschuh, 1 Notizbuch, 1 Taschentuch, 1 Uhrgehäus, 1 Wagenkette, 1 Taschenmesser, 1 Spazierstock, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Korallenkette, 2 Hundeh,üsbänder.
Gießen, am 18. September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius. * •
Deutschland.
Berlin, 17. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." dementirt aus sicher- Her Quelle die Mittheilungen der „Voss. Ztg." über den Inhalt des neuesten italienischen Grünbuchs, namentlich über Stockungen in den Mittheilungen zwischen den Mächten wie über Schwierigkeiten der Situation und daß Bismarck die Meinung kundgegeben habe, die Abdankung des Fürsten von Bulgarien sei das einzigste Mittel, eine russische Intervention zu verhindern. Alle diese Con- jecturen könnten unmöglich durch Berichte des italienischen Botschafters Bestätigung finden. In der ganzen bulgarischen Frage gab es keinen Augenblick, in welchem die drei Kaisermächte nicht gegenseitig über ihre Auffaffungen in voller Klarheit und Sicherheit unterrichtet gewesen sind.
Straßburg i. E., 17. September. Der Kaiser verbleibt bis Sonntag hier und begiebt sich dann nach Baden-Baden.
Metz, 17. September. Eine Deputation von 8 Mitgliedern des Ge- meinderaths wurde für morgen Abend an das kaiserliche Hoflager in Straßburg entboten.
Hesterreich.
Wien, 17. September. In Triest sind an der Cholera 11 Personen erkrankt und 2 gestorben, in Istrien in sechs Orten 9 erkrankt. In Buda- Pesth sind 4 erkrankt und 3 gestorben, unter .den lebteren 2 von den früher Erkrankten.
AranLreich.
Pari-, 17. September. Die von der „Agence Havas" verbreitete Depesche aus Libourne berichtigt die Boulanger vom „Soleil" zugeschriebene Aeußerung mit dem Bemerken, der Minister habe nicht von Politik gesprochen, sondern den General Cornat lediglich zu seiner offensiven Strategie beglückwünscht.
Paris, 17. September. Der Herzog von Decazes ist vergangene Nacht im Schlöffe Grave (Gironde) gestorben.
Rußland.
Moskau, 17. September. Die „Mosk. Ztg." schreibt anknüpsend an die Auszeichnung des Kriegsministers durch die Brillantabzeichen des Alexander Newski-Ordens für Verdienste um die Hebung der russischen Wehrkraft: Der Krieg von 1877 traf Rußland inmitten der durch Einführung der allgemeinen Wehrpflicht hervorgerusenen Reorganisationen an; gleichwohl schlug sich die russische Armee gut. Jetzt hätten die Reformen der letzten 6 Jahre das Ihrige gethan. Ein Plewna sei jetzt unmöglich geworden. Welche Wendung die Ereigmffe auch nehmen möchten, die russische Armee könne denselben im Bewußtsein ihrer Kraft ruhig entgegensehen. Sie könne ein mächtiger Verbündeter, ein schrecklicher Feind sein. Eine solche Armee sei ein sicheres Unterpfand des Friedens, die ehrenhaften, vitalen Jntereffen des Landes schützenden Friedens. Diese Thatsachen könne und müffe die Diplomatie im Auge haben. Aus der Balkan-Halbinsel könne nicht nur gemacht werden, was Rußland wolle, wie jüngst ein osficiöses Blatt bemerkt, sondern dort werde gemacht werden, was Rußland für nothwendig halte, wovon es irgend wem zu Gefallen nicht ab-
ftehen könne. Die Zeit der Concessionen sei vorbei, die Manöver von Brests Litowsk seien das Examen für die Armee gewesen, das die gewünschten Resultate ergeben habe. Jetzt komme die Reihe an die Diplomatie.
Telegraphische Depesche«.
WaSff>D UW» Tsr-LöwEdsrrs - Vmesav.
Straßburg, 17. September. Das heutige zweite Feldmanöver begann gegen 10 Uhr mit dem Vormarsch der Truppen des Westcorps aus der Stellung bei Gottes- heim gegen Hochfelden. Bei dem weiteren Vorgehen des Westcorps auf Schwindratzheim stieß dasselbe auf den heftigen Widerstand des Ostcorps, welches den durch den Bachgraben gebildeten Terrain-Abschnitt energisch vertheidigte. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz, welcher anfänglich auf dem Lehmberge nördlich Schwtndratz Stellung genommen hatte, begab sich in die unmittelbare Nähe des Jnfanteriegefechts, welches durch Heranziehen der beiderseitigen Reserven große Dimensionen annahm. Nach vergeblichen Vorstößen der Ostcavallerie auf beiden Flügeln ließ der Kronprinz kurz vor 1 Uhr das Gefecht einstellen und versammelte die Eommandeure zur Besprechung um sich. Die Truppen bezogen die Bioouaks. Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz, sowie die anderen Fürstlichkeiten kehrten alsdann mit Extrazügen von Hochfelden nach Straßburg zurück. Der Kronprinz, welcher am Morgen in Hochfelden festlich begrüßt worden war, beabsichtigt gegen Abend die Bioouaks zu besuchen.
Wien, 17. September. Nach Meldungen der Blatler aus Bukarest hat ein ehemaliger Genie-Feldwebel auf Bratiano geschossen. c m
Bukarest, 17. September. Der Mann, welcher gestern Abend auf Bratiano schoß, dessen Begleiter Robescu in der Nierengegend leicht verletzte und, als er zum zweiten Male schießen wollte, von der Polizei verhaftet wurde, heißt Stoica Alexandrescu und ist Schankwirth in Rimnicusaratu. Ob er Mitschuldige hat, ist unbekannt. Die Untersuchung ist im Gange. „ „ m
— Heute Vormittag begab sich eine große, allen Bevolkerungsklassen angehörende Volksmenge vor das Ministerium des Innern, um ihrem Abscheu über daS Attentat gegen Bratiano Ausdruck zu geben. Bratiano erschien auf dem Balkon und dankte. Hierauf zog der Volkshaufen vor die Bureaus der oppositionellen Journale „Epoca", „Jndependance roumaine" und „Romania", zertrümmerte die Fensterscheiben und vergriff sich sogar thätlich an dem Administrator der „Epoca" und dem Redactcur der „Romania", so daß die Polizei einschritt und die Ordnung wieder herstellte. Mehrere Personen wurden verhaftet. , , „ . „ t t
Sofia, 16. September. Die Sobranie nahm nach entgehender Vorberathuns in der Commission durch Akklamation folgende Adresse auf die Eröffnungsrede der Regentschaft ^trcter ^er Nation, welche in dieser für das Vaterland kritischen Zeit zu einer außerordentlichen Session berufen worden sind, halten es für ihre Pflicht, den Staatsstreich vom 21. August, das Werk einer Handvoll übelgesinnter Jn»wtduen, für eine Schande und eine Nichtswürdigkeit zu erklären, welche das bulgarrsche Volk erregte und es zwang, sich mit der Armee zu erheben, um die Ehre und Unabhanglgkelt der Krone Bulgariens zu vertheidigen, die gesetzmäßige Ordnung, Kleber herzustellevi und von der Regierung die strengste Bestrafung der Urheber des verbrechenschen Handstrelchs zu verlangen. Das bulgarische Volk findet nicht Worte um seme Bewunderung ubnc die beispiellose patriotische Selbstverleugnung des Fürsten Alexander, «"szudrucken, welcher dem Throne entsagte, um die Unabhangigkett, die ^^^ Utch dte Rechte unseres Staates zu gewährleisten und die guten Beziehungen fischen Rußland und Bulgarien wieder herzustellen. Die Volksvertreter haben die feste Hoffnung, daß nach diesem unermeßlichen Opfer diese guten Beziehungen voll und ganz Ä^rhergestellt werden. Wir sind vollkommen davon überzeugt, daß alle, bulganschm Burger im Hinblick auf die große Gefahr, welche dem Vaterlande droht, sich um die Regierung schaaren und ihren Beistand ihr leihen werden, welcher nothwendig ist, um dem Vaterlande Ruhe und Frieden und Sicherheit im Innern zu wahren, damit der Staat die Krisis intakt überstehe. Die Nationalversammlung fP^^t ben Agenten und der Negierung ihre Anerkennung aus für die Maßregeln zur Sicherung des Friedens und der Ruhe'


