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er einmal, wie am jüngsten Tage alle seine Amtsgenossen mit ihrer Gemeinde vor bas Himmelsthor kommen und einer nach dem andern mit ihnen eingelassen werden.
Darnach kommt die Reih' an mich", fährt er fort. „Sei willkommen, lieber Johannes, Pfarrherr zu Kolbingen", schallt es mir vom Throne Gottes entgegen. „Laß uns Deiner Gnade empfohlen sein", antwort ich ihm, und wenn er nun fragt: „Wo sind Eure Schäflein?" so schaue ich hinter mich und gewahre, daß Euch alle der Teufel geholt hat, und ich dastehe, als wär' mir in die Hände gespieen." — Hamburg besaß im folgenden Jahrhundert in Pastor Balthasar Schuppius, genannt der Fabelhans, einen Geistlichen, der zuweilen ganz in demselben Stile predigte, aber zugleich ein so erleuchteter Kopf war, daß Gervinus ihn zu den ausgezeichnetsten Männern seiner Zeit zu zählen sich veranlaßt sieht. Er pries Hamburg vor allen Städten Deutschlands und rühmte von ihm, „daß während des dreißigjährigen Krieges seine Einwohner darin in so guter Ruhe und Sicherheit saßen, wie die Kinder Israel im Lande Gosen." Er rühmt: „Die Schifffahrt macht, daß Hamburg ist ein klein Spanien, ein klein Portugal, ein klein Frankreich, ein klein Schweden, ein klein Dänemark und Norwegen. Ich bin Jahr und Tag in Hamburg gewesen und habe nicht gewußt, was in Hamburg zu thun sei. Ich habe nicht gewußt, wie mancher kluge Kopf darin verborgen liege. Ich habe nicht gewußt, daß Hamburg eine kleine Welt sei." Trotz dieses Lobes kanzelte er jedoch dann und wann diese „kleine Welt" mit einschneidendstem Humor ab, wenn er sie glaubte „auf faulem Pferde" ertappt zu haben. — Der Ausbund aller Kanzelhumoriften ist aber der Augustiner-Pater Ulrich Meyerle aus Schwaben, weltbekannt unter dem Klosternamen Abraham a Santa Elara. Erstaunliche Bibelgelehrsamkeit und strotzende Phantasie ergehen sich in seinen Predigten in witzigen Einfällen, geistreichen Anspielungen, burlesken Anekdoten und dergleichen. Wien war der Platz seines Wirkens von 1669 bis 1709. Einstmals wettete er mit dem Grafen Trautmannsdorf, ihn ohne alle Beleidigung einen Esel nennen zu wollen, und gewann diese Wette, indem er in seiner nächsten Predigt, auf eine Schulzenwahl in benachbarter Gemeinde anspielend, um die Unfähigkeit des Gewählten zu kennzeichnen, dreimal pathetisch ausrief: „Dem Esel traut man's Dorf!" — Ebenso gewann er eine namhafte Wette, dahin gehend, daß er auf der Kanzel eine Kanne Wein austrinken und dann die Kanne der ganzen Gemeinde zeigen wolle. Er nahm in der That dieselbe gefüllt unter seiner Kutte mit auf die Kanzel, trank sie während des stillen Gebetes, niedergekniet, aus und wies sie dann der Gemeinde mit den Worten: „Es ist gestern diese Flasche vor der Kirchenthüre gefunden worden, wem sie zugehört, der mag sie holen." Alle Welt wußte, daß er den Schelm im Nacken trug, und Niemand verargte ihm seine Possen, weil sie, an sich harmlos, nie dem Ernste seiner Geünnung Schaden thaten, sondern nur als drollige Arabesken derselben erschienen. Er fand natürlich viele Nachfolger, die indeß, wie es stets zu gehen pflegt, seine Laune übertrieben. ,— Ein Franziskaner, der über die Auferstehung predigte, leitete seine Pre- vigt damit ein, daß er dreimal mit einer Courierpeitsche auf der Kanzel tüchtig knallte. Ein Kapuziner, der vom jüngsten Tage sprach, ahmte mit seinen Fäusten dem Rumpumper der auferweckenden Trommel auf der Kanzelbrüstung nach und sein Küster fiel mit dem Tarandata der Trompete ein, um auch die Kavallerie aus dem Todesschlafe emporzureißen. — Ein Weltpriester in Franken schloß seine Predigt folgendermaßen: „Noch drei Stücke möge Eure christliche Liebe vernehmen: Das erste weiß ich allein, das zweite wißt Ihr und ich nicht, das dritte weiß nur der, den ich heute hier nicht fehe. Meine Hosen haben Löcher, das weiß nur ich allein; das zweite, ob Ihr mir Tuch zu einem Paar neuen chrtstmildest verehren wollt, das wißt Ihr und ich nicht; und das dritte, ob er solche mir um Gotteswillen umsonst machen will, das weiß allein Meister Bügeleisen, der heute nicht in der Predigt ist." — In neuerer Zeit alänzte zu Lirnnttr im Hannoverschen ein protestantischer Prediger Jobst Sackmann, der in platter Mundart zu sprechen liebte. Die Anzüge der Frauen in damaliger Zeit empörten ihn besonders und erließ sich darüber eines schönen Sonntags folgendermaßen aus: „De Hengers dreget ja nu gar keene Folen (Falten) meer, sündern se heft uppestund Kükenkörve an üm den ©teert; bat mot styoe henstahn; eenen groten Balterjaan hengt se üm ben Stinkerjaan, ben legen Püsterjaan. Et is rechte Sünne un Schanne, Feen eerlik Minsche kann daby hergaan; et mot öhnen alles utem Wege gaun, sei nehmet fast be ganze ©träte in." Ein anderes Mal äußerte er: „Bi di Stadt Neapel liegt en hoogen Barg, den nennt se Besuvium. Wat harr bet vor'n flrot Muhl! ©e beiten et in öhre Sprake: Krater. Was geschah, meine geliebten Zuhörer, an buffen Krater? Ein näsewiesen Engländer tratt so dicht heran un — perdauz! was hei weg. So soll es meiner lieben Gemeinde Limmer nicht gehen. Ihr seid mit Kraters umgeben, wenn Ihr auch nicht am Besuvio wohnet, sondern bei dem ehrlichen Deister. Wat ick damit meent heff, bet will ick Jück seggen: da sind erstens ber Auto-Kraters, bat sind bei slimmsten von allen; wahrt Jück davor! — denn kahmt bei Aristo-Kraters, bei böget ok noch nich alltoveel; den drüdden Slag nennt se Dämo- Kraters, bat sind Glattsnacker; wenn se haben kahmt, sind se just as be annern. Hütet Euch also, baß Ihr nicht von einem dieser Krater verschlungen werdet." — Da eben von Neapel die Rede war, so sei erwähnt, baß dort ein Pater Noeco zur Zeit Napoleons ein Volksprediger von hinreißender Gewalt war. Einmal kam er auf einen Platz Neapels, auf dem ein großer Haufen Zuschauer ein Puppentheater umstand. „Steig' herab!" bornierte er dem Marionettenspieler zu, und seine Stelle einnehmend und ein Crucifix hochhaltend, rief er: „Sehet hier Euren wahren Polichinelle!" Der Menge in strenger Bußpredigt ihre Sünden vorrückend, sprach er: „Laßt sehen, ob Eure Sünden Euch leid sind! Hebe die Hand auf, wer im Ernste bereut." Aller Hände fuhren in die Höhe. „Heiliger Erzengel Michael," sagte er nun weiter, „der Du mit dem Flammenschwerte am Thore des Allmächtigen stehst, haue allen die Hände ab, die sie in Heuchelei erhoben haben", — und alle Hände sanken. — In Frankreich hat ein Bischof von Bellay, Camüs mit Namen, durch Geist und Witz feine Kanzelreden gewürzt. Gegen nichts eiferte er mehr, als gegen die entblößten Brüste der Damen, eine Mode, die damals im Schwange war. Die Frauen und Mädchen trugen Busentücher von durchsichtigem holländischen Leinen, und darauf anspielend, sagte er schneidend: „Qaand la Hollands est prise, adieu leg pays bas!“ (Deutsch etwa: „Ist Holland erst in Noth, dann wehe den Niederlanden!") — England hatte unter Karl dem Zweiten einen sehr sarkastischen Hofprediger South. Mitten in einer Predigt bemerkte er, daß der König eingeschlafen war und laut schnarchte. -Alsbald unterbrach er seine Rede und sich an Lord Lauderdale wendend, der dem 'Monarchen zur Seite saß, sagte er: „Verzeihung, Mylord, daß ich störe; aber ich «glaube, Sie schnarchen so vernehmlich, daß Sie Gefahr laufen, damit Seine Majestät
aus dem erhabenen Schlummer zu wecken." - Die zweite Abtheiluna des Ruckes schildert humoristische Kirchenfefte, bet denen es oft sehr toll und übermüthig her- gegangen ist- die brüte bespricht ben Humor in der christlichen Kunst, d. h im Bau- ^ajjere/ und .Heiligen-Malerei. In der letzteren werden die verschiedenen Todtentanze und einige Bilder von Albrecht Dürer in's Auge gefaßt, z B Me heilige Famtl e in Egypten in ihrer Arbeit", worauf Maria spinnt Joseph einen Balken behaut und den kleinen Heiland in der Wiege eine Schaar von Kstckerenae n ,mut Wai0 den großen Hut von Joseph auf den kleinen llIm, damit gravitätisch umher. Auf Giuli Romanos herrlichem Gemälde ^Die Madonna mit dem Becken" (in der Gallerte in Dresden) sieht man
-cn Amen Christus wäscht, den kleinen Johannes mit scherzhafter Anspielung auf seinen Tauserberuf voll heiterer Kinderlust denselben neckisch mit Wasser begiefeen. Correggio auf seinem berühmten Bilde „Die Hochzeit zu Kanaa" läßt in fneAt?QpienCtM»etCr Betteljungen, bellende Hunde und betrunkene Lanzen-
n-Ä!- ernmischen. Daß an den berühmten Domen und Münstern sich oft die aus- Str n11 xCn allsten Fratzen angebracht zeigen, ist eine bekannte Thatsache. Nicht nur an der auszeren Decoration und Ornamentik des Baues, selbst im inneren Heilig- d".gottgeweihten Kanzel, an den Kapitälen der Säulen, den Chorstühlen, ^iatnrpmCn treibt der Humor sein neckisches Spiel, ja, sogar am
ÄAfc 2^gen Wache neben dem Göttlichen hält, damit der Mensch immer Wes Abstandes von demselben eingedenk bleibe. Zu verwundern ist, daß der Ver- die Musik außer Acht ließ, die, wie bekannt, doch zuweilen dem Humor auch iT(f 9npIr^P eh?UI1T J.n Kirchenliedern und Motetten manchen frommen
m Qa h" ' selbst die Göttlichkeit verschmähte nicht das Lachen und die LauM' wo sie in voller Unbefangenheit und Gesundheit zum Vorscheine _______—_____ (Hamb. Ref.)
Universität- - Chronik.
n li Der Senior der Universität Würzburg, der frühere Reichstags- und LO^GeburtstaOg^^ Professor Dr. 0. Edel, feierte am 10. August seinen
— Der Domprobst Dr. theol. et phil. Johann Kaiser in Rr eslon ift UntortfS in ber katholisch-theologischen Fakultät der dortigm
Der ordentliche Professor Dr. Wieger in der medicinischen Fakultät zu Straß- bürg ift auf feinen Antrag emeritirt roorben. B
... ~ Die Prioatdocenten Dr. Franz und Dr. Henry Settegast, der erstere
für romanische Sprachen, der letztere für Thierzucht und Pflanzenbau, sowie Dr. Her- mann $on)arb für landwirthschaftliches Rechnungswesen rc., sind zu außerordentlichen Professoren an der Leipziger Universität ernannt worden.
Der außerordentliche Professor an der Universität in Wien, Dr. Anton Wolfler, ist zum ordentlichen Professor der Chirurgie an der Universität in Gr ar ernannt worden. 8
Schiffs- Bewegung
der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschast. oo ^aormtna", ob Hamburg, 31. Juli in New-York angekommen. „Wieland" 22- 'oU“ von New-York, 2. August in Hamburg angekommen. „Rhenania", 15. Juli von St. Thomas, 4 August in Hamburg angekommen. „Gothia", 2. August von Z^ttm nach New-York, 4. August von Gothenburg weitergegangen. „Rhaetia", 24. Juli von New-York, 5. August in Hamburg angekommen. „Suevia", 5. August von New-York nach Hamburg. „Holsatia", 2. August von Hamburg nach Mexico, 5 August von Havre wettergegangen. „Bohemia", 5. August von Hamburg nach New-York „Lessing , 25. Juli von Hamburg, 6. August in New-York angekommen. 'kHungaria" 8 August von St. Thomas nach Hamburg. „Polaria", von Hamburg nach New-York, 8. August Lizard passirt. „Allemannia", 9. August von St Thomas nach Hamburg. „Aldingia", 21. Juli von Hamburg nach Westindien, 9. August in. "^°mas angekommen. „Thuringia", 6. August von Hamburg nach Westindiern 9. August von Havre weitergegangen. „Gellert, 29. Juli von New-York, 10. August n New-York angekommen. „Rugia", 8. August von Hamburg nach New-York, 10. August von Havre wettergegangen. „Saxonia", 26. Juli von St. Thomas nach Hamburg, 11. August in Havre angekommen. „Moraoia", 28. Juli von New-York nach Stettin, 11. August in Copenhagen angekommen. „Lessing", 12. August von New-York nach Hamburg. „California", auf der Reise von Hamburg, 12. August in New-Yort angekommen. „Hammonia", 1. August von Hamburg, 13. August in New-York angekommen.
Schiff-nachrichten.
Bremen, 17. August. Wer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampser Ems, Capt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. August von Bremen und am 8. August von Southampton abgegangen war ist heute 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. '
Ei" köstlicher u. gesunder ErfrischungStrank ist kaltes kohlens. Wasser mit ca. y6 achtem Aachener Magenbehagen. Niederlage bei Emil Fischbach. 5872
Dr. Gensch,
pr»kt u. Speeialent rar Hast-, Frauen- u. Ge- ychleohtskr&nkheltan (Syphili»je*o. Fraakfwi a.M. Stiftetr. 22, fr. Äsaist. Prof. *eew. briefL
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Temperatur der Lahn.
Am 18. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15°, Lust 13° R. im ©chatten.
L. Chr. R-übsamen.
Berichtigung.
In unserer gestrigen Uebersicht, zweiter ©atz, zweite Zeile von oben, hat die Hand eines Setzers ans dem Todestage Friedrichs des Großen dessen Geburtstag hingesetzt und der Herr Corrector hat den lapsus auch nicht entdeckt. Wir bitten solches gütigst entschuldigen zu wollen. D. Red.
Jingtmtinet Anzeiger.
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