— Die „Pall Mall Gazette" sagt, die Nachricht des „Standard" von heute über die bevorstehende Rückberufung der englischen Commissare für die afghanische Grenzabsteckung sei keineswegs autorifirt. Die vom „Standard" angeknüpften Commentare gäben ein falsches Bild der damaligen Lage.
Dänemark.
Kopenhagen, 17. August. Der König von Portugal traf Mittags, über Kiel kommend, hier ein. Er wurde vom Könige von Dänemark, vom Könige von Griechenland, dem Kronprinzen und den Ministern am Bahnhose empfangen. Er reist Donnerstag nach Stockholm ab.
Telegraphische Depesche«.
CBolff’f tsle-r. Torresporrderrr • Burr««.
Berlin, 17. August. Am Denkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden 'war am heutigen Sterbetage außer Kränzen mehrerer Vereine auch ein großes prachtvolles von der Studentenschaft der Universität Berlin dem großen Todten gewidmetes Lorbeerlaubgewinde niedergelegt.
Pot-dam, 17. August. Bei der Kirchenfeier in der Garnisonkirche hielt Ober- hofrediger Kögel die Gedächtnißrede über Sprüche Salamonis 8, 15. Während des darauf folgenden Gesanges begaben sich unter Vorantritt der Generäle Hahnke und Versen der Kaiser in der Uniform des ersten Garde - Regiments, der Kronprinz in General-Feldmarschalls-Uniform, sowie die Prinzen Heinrich, Albrecht, Alexander, Friedrich, Leopold, der Erbprinz von Meiningen, der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der Herzog Günther von Schleswig-Holstein, der Prinz Reuß, der Prinz Friedrich von Hohenzollern, sowie die Kronprinzessin mit den Prinzessinnen-Töchtern und der Prinzessin Friedrich Carl in die Gruft. Der Kaiser und der Kronprinz legten Kräme auf den Sarg des großen Königs nieder, die Kaiserin blieb in der Loge. Rach Beenoigung der Kirchenfeier fuhren die Königlichen Herrschaften nach dem Stadtschlosse. Um 12Va Uhr erschien der Kaiser auf der Rampe des Schlosses, worauf die Kirchenparade begann. Der Kaiser gab persönlich das Kommando zum Präsentiren. Die Kaiserin und die Prinzessinnen sahen der Parade von den Fenstern des Stadt- Ichlosses aus zu. Um 1 Uhr fuhr der Kaiser nach dem Schlosse Sanssouci und verweilte einige Zeit im Sterbezimmer Friedrichs des Großen.
Wien, 17. August. Cholerabericht. Es erkrankten, resp. starben in Fiume 1/0, «in Triest 18/7, in Istrien 8/0 Personen.
Pari-, 18. August. Die Eröffnung der Session der Generalräthe ist ohne Zwischenfall erfolgt. Die früheren Bureaumitglieder wurden wiedergewählt. Alle Vorsitzenden forderten in ihren Eröffnungsansprachen zum einigen Zusammengehen aller Republikaner auf.
— Von 83 Generalrathen, deren Session gestern eröffnet wurde, wühlten 72 republikanische, 11 conseroative Bureaus.
Rom, 17. August. Die Ratification des zwischen dem Vatikan und Portugal abgeschlossenen Concordates wurde gestern hier ausgewechselr.
OSborne, 17. August. Die Königin ist mü dem Prinzen und der Prinzessin -von Battenbeög heute Nachmittag nach Edinburg abgereist, um die Ausstellung zu besuchen.
vermischte 4.
Mainz, 14. August. sSlarrkrampf.j In einem Hause der Synagogenstraße ist die Frau eines Arbeiters schon mehrere Tage an einem Starrkrampf erkrankt; die Unglückliche hört und sieht alles, was um sie vorgeht, kann aber trotzdem kein Glied rühren. Der Anblick der Frau ist ein schrecklicher und sind mehrere Aerzte um dieselbe bemüht.
Mainz, 14. August. Im Diemer'schen Verlag sind zwei Preßerzeugnisse erschienen, die einzig in ihrer Art sind. Es sind zwei Denksprüche an die Hausbewohner und an die Dienstboten. Ersterer lautet: „Alle Leute, die da wohnen, sind bedacht, das Haus zu schonen, jede Ordnung zu ergänzen und durch Reinlichkeit zu glänzen. Durch Verträglichkeit dem Leben Würde und Geschmack zu geben, der Gefundheit Störung wegen keinen Aerger zu erregen und zu allgemeinem Segen Recht und Billigkeit zu pflegen. Also war's von je bis heute: Gute Häuser — gute Leute!" — Der andere Spruch an die Dienstboten lautet: „Jungfern rein im Kämmerlein, träumet ohne Sorgen, rein das Herz wie Edelstein, schmückt Euch jeden Morgen. Wascht Euch, kämmt Euch, putzt Euch rein, auf den Riß ein Pläckchen, hinter'm Ohr stets sauber sein, sauber Zimmers Eckchen. Reine Küche, reiner Wein laden zum Genüsse ein. — Mädchen sollen wie die Frauen sparen, deren Vortheil wie den eignen wahren. Nicht allein das Beste gut verwenden, sondern auch die Reste nicht verschwenden. Williglich mach herrschaftlichem Willen, treu und fleißig ihre Pflicht erfüllen, und gewinnen so des ernsten Strebens wohlverdienten Preis: Das Glück des Lebens!" — Schön in oer Ausführung und in ansehnlicher Form empfehlen sich beide Blätter als Wandschmuck und dürften originellere Hausgesetze noch nicht erschienen sein. Jeder Bogen kostet 50 Pfg.
Worms, 16. August. sTurnfest. Dampfdroschke.j Zum Turnfest wurden im Ganzen 13 210 Karten für Erwachsene und 6744 Karten für Kinder, ferner 5500 für die ganze Dauer des Festes gütige Eintrittskarten ausgegeben. — Gestern Mittag wurde von dem Erbauer der Dampfdroschke, Herrn Hoffmann, mit dem neuen Vehikel die erste officielle Fahrt durch die Hauptstraßen der Stadt veranstaltet. Die auf dem Wege befindlichen Steigungen nahm die Maschine bei Aufwand von nur 3 Atmosphären mit großer Leichtigkeit, ebenso leicht wurden die Schwierigkeiten der verschiedenen Biegungen und Wendungen mittelst der sehr geschickt angebrachten Steuerung und Bremse überwunden. Die Schnelligkeit war je nach den Weghindernissen eine zwischen der eines Ein- und Zweispänners wechselnde. Irgend welche Beschwerden beim Fahren, sei es durch das Ausströmen von Dampf, sei es durch das Stchßen der Maschine, chatten die Insassen keine zu erleiden, trotzdem nach Angabe des Herrn Hoffmann der Gesammtapparat ein Gewicht von etwa 40 Centnern repräsentiren mag. Die der Dampfdroschke begegnenden Fuhrwerke waren kaum merklich von der befremdlichen Erscheinung der Dampfdroschke irritirt. Groß war dagegen das allseitige Erstaunen des Publikums über den ungewohnten Anblick der Straßenlocomotive. (W. Z.)
Biedenkopf, 15. August. sGrenzgangfest.j Nach einer Unterbrechung von 14 Jahren wird in den Tagen des 19., 20. und 21. August wieder einmal der Grenz- -aang gefeiert, ein historisches Fest, das schon hunderte von Jahren sonst alle sieben Jahre wiederkehrte. Wie auch früher so freut sich Alt und Jung auf dieses ächt volks- thümliche Fest und überall ist man mit den Vorbereitungen dazu beschäftigt. Während die Vormittage dem Umzüge über die Grenzen seiner etwa 10 000 Morgen haltenden Wälder gewidmet sind, wird sich an den Nachmittagen auf dem comfortabel her- ^erichteten Festplatz ein munteres frisches Leben entfalten. Altem Herkommen gemäß werden die Festzüge, welche früh Morgens um 6y2 Uhr und Nachmittags 2 Uhr beginnen, abwechselnd von der Schuljugend und den Damen eröffnet, denen die Bewohner der Stadt, nach Straßen geordnet, unter ihren Führern, die einem Obersten zu Pferd unterstellt sind, folgen. Ebenso erscheinen in dem Festzuge die Burschenschaften unter der Leitung ihres Obersten mit seinen Offizieren, welche ebenfalls beritten sind und zur Abwechselung sieht man überall und nirgends die historischen und lustigen Gestalten des Mohren und der beiden Wettläufer. Zwei Musikchöre werden die Hüge verherrlichen. Freunde der Natur, Wälder und volksthümlicher Feste machen wir auf unseren Grenzgang aufmerksam und sind sicher, daß auswärtige Gäste sich mit uns freuen würden. Unser malerisch gelegenes Städtchen mit seinen herrlichen Wäldern, die, Dank der Wirksamkeit unseres früheren Oberförsters Herrn von Zangen überall mit bequemen Wegen versehen sind, wird jedem Besucher unseres Grenzgangsfestes in freundlicher Erinnerung bleiben, denn seine Bewohner verstehen es, Feste zu arrangiren und den Gästen das Verweilen in ihrer Mitte angenehm zu machen.
Karlsruhe, 17. August, 4 Uhr Nachmittags. Soeben stürzte in der Uhland- straße ein Neubau ein, welcher acht Arbeiter begrub. Drei davon, die eben an das Tageslicht befördert wurden, geben noch Lebenszeichen; für die andern befürchtet man das Schlimmste. (Fr. Ztg.)
Karlsruhe, 17. August, 5 Uhr Nachmittags. Der Einsturz des Hauses in ver Uhlandstraße forderte leider mehr Opfer, als man im ersten Augenblick übersehen
konnte. An Ort und Stelle wurden bis jetzt 9 Todte und 7 Schwerverletzte auS- gegraben, von den Letzteren starben 2 auf dem Transport zum Krankenhaus, darunter der Bauführer des Neubaues. 2 bis 4 Mann, darunter ein Speisbube, sollen noch unter den Trümmern begraben liegen. Die Katastrophe ereignete sich kurz nach 1 Uhr Mittags und zwar ohne jedes wahrnehmbare Vorzeichen. Im Ganzen waren etwa 30 Arbeiter — Maurer, Zimmerleute und Asphalteure beschäftigt; davon hatten etwa 22 die Arbeit begonnen und zwar Zimmerleute, welche mit dem Dachaufschlagen beschäftigt waren, und Maurer. Von diesen konnten sich 2 Mann bei Eintritt der Katastrophe an den Gerüststangen festhalten. Erste Hülfe war rasch zur Hand. Herr Dr. Ludwig Gutsch, der Chef des Karlsruher Krankenträgercorps, war mit seinen Leuten und Hülfsmitteln sofort zur Stelle; ebenso militärische Unterstützung zum Abräumen: Mannschaften des hiesigen Leibgrenadierregiments unter Commando eines zur Zeit diesem Regimente aggregirten Pionier-Offiziers. Auf der Unglücksstelle waren ferner eingetroffen der Bezirksbauinspector, die Staatsanwaltschaft, der Landescommissär, ferner die Feuerwehr. Das Haus selbst ist Eigenthum der Herren Schütt und Goldschmidt, Blechner hier. Baumeister ist Bernhard Kirchenbauer. Als Ursache der Katastrophe werden gerüchtweise angegeben: schlechtes Bindematerial, Nachgeben der Fundamente, überhastete Arbeit. Ein fachmännisches Urtheil bleibt abzuwarten. Tausende von Neugierigen umstehen die Unglücksstätte. Soeben treffen die ersten Angehörigen der Verunglückten ein. Es sind herzzerreißende ©eenen, welche sich dabei abspielen. (Fr. Ztg.)
— In Heidelberg sind 26Taschendiebe verhaftet worden, die in ihrer Weise am Feste „theilnahmen".
München, 17. August. Heute Morgen sind auf der Linie München-Augsburg vor Bahnhof Pasing drei Frauen, die auf dem Bahnkörper beschäftigt waren, als sie dem von Augsburg kommenden Schnellzuge ausweichen wollten und auf das zweite Geleise sprangen, von der Maschine des von München nach Augsburg verkehrenden Schnellzugs, der hier 7 Uhr 15 Min. abgeht, überfahren und getödtet worden. Eine der Unglücklichen war Mutter von 5 Kindern. (F. Z.)
Regensburg, 12. August. Ueber einen Kampf zwischen Civilisten und Militär, welcher vorgestern bei Regenstauf stattfand, wird dem „Regensb. Morgenbl." gemeldet: Um während des Bivouakirens der zwei Bataillone des 11. Infanterie- Regiments, die nach dem Abkochen auch Bier erhielten, die Ordnung aufrecht zu halten, waren acht Posten aufgestellt, um den Zudrang von Civilisten abzuhalten. Nichtsdestoweniger wollte ein Bursche von Regenstauf in das Bivouak eindringen, beschimpfte den ihn abwehrenden Soldaten und bedrohte ihn mit seinem Messer, worauf der Posten den frechen Eindringling mit dem Gewehr zurückstieß. Hierauf griffen noch einige andere Regenstaufer die als Posten aufgestellten Soldaten an, eine allgemeine Rauferei entstand, bei der es auf beiden Seiten Verwundungen gab; die Angreifer traten höchst excessiv auf, vergriffen sich thätlich an den Offizieren und bewarfen sie mit Maßkrügen und Steinen. Endlich gelang es den Soldaten, der Excedenten, worunter sich sogar der Bürgermeister (!) von Regenstauf befunden haben soll, Herr zu werden. Nur dem Eingreifen eines Stabsoffiziers, der die Truppen sofort antreten und abmarschiren ließ, ist cs zu danken, daß der Exceß keine größeren Dimensionen annahm.
— sZahlenlj Wie den „M. N. N." mitgetheilt wird, sind anläßlich des Eisenbahnunglückes bei Würzburg am 1. Juli bis jetzt Entschädigungsansprüche von zusammm 1,300,000 JL angemeldet.
Berlin, 14. August. Nach einer aus Amerika der Polizeibehörde in London vor Kurzem zugegangenen Nachricht haben sich drei Jndustrieritter von dort nach Europa begeben, um hier großartige Fälschungen auszuführen. Einer derselben nennt sich William Bartlett, Ww. H. van Höven, auch Bill Bartlett, ist etwa 47 Jahre alt, 5 Fuß.10 Zoll groß und stark gebaut. Dieser Mann sendet gewöhnlich andere, um die gefälschten Schriftstücke zu veräußern, doch geht er selbst, wenn er sich sicher glaubt. Der Zweite heißt John Riley, nennt sich auch Ryan Edwards und Miller, ist etwa 43 Jahre alt, 5 Fuß 8 Zoll groß und hat dunkelbraune, grau werdende Haare und eine röthliche Narbe über dem rechten Auge. Der Dritte nennt sich Walter Sheridan, Costmann, H. Stafford, auch I. P. Scott, ist 52 Jahre alt und 5 Fuß 7 Zoll groß.
Köln, 16. August. Zu Bickendorf wurden vergangene Woche zwei Ziegelarbeiter von den ausströmenden Gasen eines Ziegelofens getödtet. Die Leute waren am Abend ausgegangen; als sie spät auf das Ziegelfeld zurückk^hrten, batte der Bas, um sein Eigenthum zu sichern, die Thür zu der Hütte von innen verschlossen. Sie mußten im Freien campiren und legten sich, um sich zu erwärmen, hart neben einem Ziegelofen nieder. Arn anderen Morgen fand man beide vorn Kohlendamps des Ofens, der durch den Wind nach der Seite hingetrieben worden war, auf der sie sich befanden, erstickt.
Amsterdam, 12. August. Im Jahre 1799 sank an der niederländischen Küste bei Terschelling ein mit etwa 25 Millionen Gulden baar Geld beladenes Schiff, die „ßutine", von der ganzen Mannschaft rettete sich nur ein Matrose, der die Stelle anwies, wo das Unglück geschehen war und wo die Goldbarren zu suchen seien. Im Anfang dieses Jahrhunderts gelang es in der Thal, einige Millionen zu Tage zu fördern, aber seit dieser Zeit sank das Schiff tiefer und tiefer in den Sand, so daß jede Spur desselben verloren schien. Nur wenige, darunter ein Einwohner von Terschelling, Ter Meulen, trugen sich noch mit der Hoffnung, daß es doch noch möglich sein werde, den reichen Schatz zu heben. Letzterer hat eine Schrift darüber veröffentlicht und den vergeblichen Versuch gemacht, eine Actiengesellschast zu gründen, um die „ßutine" zu heben. Vor wenigen Tagen nun liefen die zwei Boote, welche Ter Meulen zu diesem Zwecke mit den nöthigen Gerätschaften hatte bauen lassen, in festlichem Flaggenschmuck in den Hafen ein, da sie nicht nur die ßage des Schiffes deutlich und genau erkundet hatten, sondern außerdem noch zu der Ueberzeugung gekommen waren, daß die Sandschichten, welche die „ßutine" bis jetzt bedeckt hatten, wahrscheinlich infolge der Küstenstürme verschwunden und das Schiff theilweise blvßgelegt sei. Fraglich ist natürlich, auf welche Weise und mit welchen Kosten das Schiff gehoben werden kann und ob nicht das Meerwasser im ßaufe einer so langen Zeit vom (Selbe so viel weggespült und weggewaschen hat, daß die aufgewandten Kosten noch vergütet werden.
— Der Kaufmann Heinrich Hoffmann in Herdorf, gelegen nach eigener Angabe in der Nheinprovinz, erläßt in der „Köln. Ztg." folgendes Inserat: „Einen tüchtigen Zuschneider nach Maß, auch ohne Anprobe (ledig) sucht per 1. Juli C. H. Hoffmann u. s. w." Ob Hohl- oder Längenmaß, darüber mag sich Die Schneiderkunst den Kopf zerbrechen; aber ohne Anprobe ledig zu sein, das dürfte doch selbst für Herdorf zu viel sein.
— Ein Fall von Menschenfresserei ist durch ein amerikanisches Gericht ab- geurtheilt worden, indem ein Mann Namens Alfred Packer deshalb des Todtschlags für schuldig befunden und zu 40 Jahren Gefängnißstrafe verurtheilt wurde. Packer war einer von sechs Bergleuten, die im Jahre 1874 in ihrem Lager in der Gegend der jetzigen Lake City, Colorado, ihre ganzen Lebensmittel erschöpft hatten, worauf Packer seine Gefährten töbtete unb mit bereit Fleische sein Leben fristete. Nach seiner Rückkehr zu civilisirten Menschen anberte er seinen Namen und trieb sich als Flüchtling bis zum Jahre 1883 umher.
— ^Geistlicher Humors Unter bem Titel: „Geistlicher Humor in Wort, Drama unb Bilb" ist von W. be Porter (Münster, W. Adolph Rnssel's Verlag, 1886.) ein kleines Buch erschienen, bas uns einer besonberen Beachtung wertb erscheint, weil es in knapper Zusammenstellung eine reiche Fülle heiterer Dinge enthält, bic für den Character ihrer Zeit unb in Folge besten auch für bas Stubium ber Culturgeschichte von mehr ober minberem Werthe sinb. Die erste Abtheilung bes Merkchens handelt von dem Humor auf der Kanzel. Einer der frühesten Kanzelhumoristen ist Johann Geiler von Kaisersberg, Domprediger in Straßburg von 1470—1480, hauptsächlich berühmt durch die Predigten über Brandt's „Narrenschiff", in welchen die Schwächen und Thorheiten aller Stände und am stärksten die seines eigenen Standes gegeißelt werden. Einmal heißt es darin: „Ter alte Haß zwischen den Mönchen unb ben Weltgeistlichen kommt nur von ben Eiern her. Wie Die Pfaffen die Hühner essen, so essen die Mönche die Eier; nun hasten die Mönche die Pfaffen, daß sie so viele Hühner essen, und darumb die Eier so theuer sein; und so hasten die Pfaffen die Mönche darumb, daß sie viel Eier essen und die Hühner theuer machen." Er will damit ohne Zweifel darthun, daß die Ursachen zur Eifersucht zwischen Welt- und Klostergeistlichen lediglich kleinlicher und durchaus materieller Art seien. — Nach ihm predigte gleichfalls in Straßburg um die Zeit von 1510 der Guardian des Minoritenklosters, Joh. ' Pauly, in ähnlicher Weise. Erzürnt über die Gottlosigkeit seiner Beichtkinder, schilderte


