Ur. 139
Samstag den 19 Juni
1989
Amts- unb Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.
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Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
. a« die Schulvorstände -«8 Kreises.
gekommen sind, an fofortifle @XbtUgun^b"rfe[ben.eI^e ®Crfu9uns in Iubr- Slpf vom 28. Mai im Gießener Anzeiger Nr. 126 noch nicht nach-
Dr. Boekmann.
Die englische Wahlbewegung hat mit dem Wahlmanifest Gladstones an seine Wähler in Midlothian eine energischere Förderung erfahren. Das Manifest ist ganz und gar der Vertheidigung der irischen Politik Gladstones gewidmet und legt in unzweideutiger Weise dar, daß der englische Premier
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Der unerwartet^ Tob König Lubwigs II. hat, wie bekannt, in der Nachfolge unb Regentschaft in Bayern insofern Veränderungen hervorge. rufen, als Prmz Lmtpolb nunmehr im Namen des jüngeren Bruders König Ludwigs, des Prinzen Otto, die Regierung führen wird und ist Letzterer als Otto I. bereits zum König proclamirt worden. Geboren am 27. April 1848 l't der nunmehrige bayerische Herrscher schon seit Jahren geistesgestört und deshalb unfähig, die Regierungsgeschäfte Selber zu führen; gleichwohl mußte er nach den Bestimmungen der bayerischen Verfassung zum König proclamirt wer- den. Brs jetzt weilte er vorzugsweise in einem einsamen Waldjchlößchen unweit von Fürstenried.
Ueber den unglücklichen König Otto von Bayern ist noch Folgendes zu berichten. Auch er galt für einen geistvollen, liebenswürdigen Prinzen. Er genoß eine sehr sorgfältige Erziehung. Im Jahre 1866 Hörle er mit großem Erfolge auf der Münchener Universität die Professoren Giesebrecht und Riehl bei Ersterem die Geschichte der deutschen Kaiser, bei Riehl die Geschichte der socialen Theorien. Wiederholt äußerte sich Giesebrecht wohlgefällig über die freisinnige Gesinnung des Prinzen in politischer wie auch in religiöser Beziehung. Prinz Otto hörte ferner staatsrechtliche Vorlesungen und besuchte eine zeitkang auch die Vorlesungen des Professors Moriz Carriere über Aesthetik. Trotz seiner liberalen Gesinnung zeigte der Prinz schon als Jüngling eine gewiße Gewandtheit im Verkehr mit den politischen Parteien; er wußte sich mit den Klerikalen zu verhalten und hütete sich ängstlich, sie vor den Kopf zu stoßen. Frühzeitig aber schon ging mit dem Prinzen eine Aenderung vor sich. Im Gegensätze zu seinem königlichen Bruder, der Richard Wagner und die Klassiker bevorzugte, gewann Prinz Otto eine besondere Vorliebe für Jacques Offenbach und für die Priesterinnen der Offenbach'schen Muse. In Folge einer Lebensführung, welcher der zarte Körper des Prinzen nicht gewachsen war, verfiel er rapid in seiner Gesundheit und eine krankhafte Bigotterie begann sich an ihm zu zeigen. Ost sah man ihn in später Abendstunde vor der Statue der Mater dolorosa in dem Herzogspital knien und inbrünstig beten. Einst der lebenslustige junge Mann, verfiel er in tiefe Melancholie und zeigte deutliche Spuren von partieller Geisteszerrüttung. Man constatirte religiöse Monomanie. Man überwachte ihn strenge und suchte öffentliche Austritte zu vermeiden. Da lenkte' mit einem Male ein peinlicher Auftritt die Aufmerksamkeit von ganz München auf den unglücklichen Prinzen. Es war am Frohnleichnamstag 1873. Der König hatte seine Theil- nahme wegen Ablebens seines Oheims, des preußischen Prinzen Adalbert, absagen lassen. Prinz Otto war bereits unter Bewachung in Nymphenburg interntrt. Er hörte dort gewöhnlich in der Kirche der englischen Fräulein die Messe. Plötzlich gelang es ihm, zu entkommen. Er fuhr nach München und begab sich in die Domkirche. Während der Erzbischof das Hochamt celebrirte, bestieg Prinz Otto, der bisher ruhig im Presbyterium gesessen war, die Kanzel und sqgte mit lauter Stimme das Confiteor. Die Aufregung war ungeheuer. Zwei Canonici eilten auf einen Wink des Erzbischofs Scherr auf die Kanzel und machten dem 1 Prinzen klar, daß ein Laie in der Kirche nicht das Wort ergreifen dürfe. Es j
Politische Ueberficht.
m ®’e. ,er^9tt"nbe Schluß-Katastropheiml'cher""b'as in i •femen °°^ufigen Abschluß gefunöen hat, bei frei.
“i3, ®ob Sdnl9 Subroigs m ben Wellen bes Starnberger Sees, beherrscht foriwahrenb bte öffentliche Meinung im beutschen Vaterlanbe. Das entsetz- q?b»b«S d?Echen' dessen Name mit bei Wiederaufrichtung bes beut- schen Retches auf immerbar in ruhmvollster Weise verknüpft sein wirb, hat allerorten bas tiefmmgste Bebauern hervorgerufen unb begreiflicher Weise ist namentlich an ben beutschen Fürstenhösen bie Theilnahme an dem traurigen ^Sn3iL öro!e" Kleber bie Einzelheiten desselben ist bereits ein»
getjenb berichtet worden und können wir um so mehr von einer nochmaligen __' l.______- , als der genaue Hergang der Katastrophe wohl für immer unaufgeklärt bleiben wird, denn der einzige Mit- betheiligte und Zeuge, der unglückliche Medicinalrath v. Gudden, hat ja selbst hierbei den Tod gefunden. Allseitig wird man aber nach dem Ueberwinden des ersten Eindruckes des tragischen Ausganges König Ludwigs zu der Ueberzeuguna ge angen, daß für den beklagenswerthen Monarchen der rasche Tod eine barm- herztge Erlösung von immerwährendem geistigen Siechthum bedeutete, zumal da c?8r flnen dem Ableben des Königs veröffentlichte ärztliche Gutachten denselben als unheilbar geisteskrank erklärte. - Inzwischen ist die Leiche des Herrschers nach der Residenzstadt München übergeführt und daselbst in der Simstag statt Gu Eden; die feierliche Beisetzung findet am nächsten
gAang ihnen, den Prinzen von seinem Vorsatz abzubringen. Er wurde in einen ~ Ehrend im Allgemeinen der körperliche Zustand des Königs als em vortreffiicher gilt und vorausgesetzt ?^d, daß er noch lange leben könne, schildert ein Brief des „Pesther Lloyd" das Befinden Ottos als sehr bedenklich.
Anläßlich bes Ablebens König Lubwigs stnb bem Prinz. m :1Ä mU1r •?°^rt)on Den deutschen, wie von ausländischen Fürstenhösen ahlretl^ Beileids^Telegramme zugegangen. In besonders herzlichen Worten rst tue Condolenz-Depesche Kaiser Wilhelms abgefaßt, welche bemerkenswerther Werse auch auf bie lange Freundschaft zwischen Kaiser Wilhelm und dem Prinzen Luitpold . Bezug nimmt. v 9
Die aufregenden Vorgänge in Bayern lassen für die Besprechung der anderweitigen innerdeutschen Angelegenheiten diesmal nur wenig Raum übrig, doch liegt auch zur Stunde nur wenig vor. Zu erwähnen ist die Rückkehr des Reichskanzlers von Friedrichsruhe nach Berlin und bringt man dieselbe theils mit den Ereignissen in Bayern, theils mit der bevorstehenden Fortsetzung der parlamentarischen Thätigkeit zusammen. Es heißt jedoch, daß der Vufent- halt des Fürsten Bismarck in Berlin nur ein kurzer sein werde; über seine diesjährigen Badereisen ist noch nichts Näheres bekannt.
Die Wiederbesetzung des erzbischöflichen Stuhles von ^retbbzrg durch den seitherigen Bischof von Limburg, Roos, ist nunmehr N4rr. b?.H«r Roos vom Papste die Anweisung erhalten hat, die Wahl zum Erzbifchof anzunehmen. 9
"c^ing^eiertage in Belgien ohne die ange- kündlgt gewesenen großen Arbeiter-Kundgebungen verlaufen sind, so präsentkrt sich doch die Lage in diesem Lande fortgesetzt in gerade nicht besonders günstigem Ochte Der am Pfingstsonntag in Brüssel stattgefundene Congreß der Delegirten ™ Aschen Arbeitervereine hat bekanntlich für den 15. August eine große Manifestation zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts und im Falle des Ver- dors derselben eine sofortige allgemeine Niederlegung der Arbeit in Aussicht gestellt — Grund genug zu neuen Besorgniffen. Dieselben erscheinen um so gerechtfertigter, als am Dienstag die Arbeit in den Kohlengruben von Flenu fast vollständig eingestellt worden ist.
k _ Der „uu mittel bar nach dem Pfingstseste erfolgte Zusammentritt des neugewahlten italienischen Parlaments hat zunächst eine Darlegung der Orientpolitik des Cabmets Depretis gebracht. Aus dem hierüber veröffent- lichten Grunbuche geht hervor, daß Italien aufrichtig mit zur Beilegung der jüngsten Orientkrisis mitgewirkt hat, worüber man nur Befriedigung empfinden Weiter empfiehlt das Grünbuch als ersprießlichste italienische Mittelmeer- Politik das Einvernehmen Italiens mit England und Frankreich.
., , Die in Venedig grassirende Cholera-Epidemie hat nun doch die italienischen Grenzen überschritten. In Triest ist in zwei Fällen das Au^ treten der Cholera und ihre Einschleppung von Venedig constatirt worden. Die österreichische Regierung hat sofort energische Maßregeln gegen eine Weiterverbreitung der Seuche angeordnet.
an . Drientsrage liegt heute die bedeutsame Nachricht von dem am Montag in Sofia stattgefundenen Zusammentritte der bulgarischen Sobranje oder Nationalversammlung vor. Fürst Alexander eröffnete die Versammlung mit einer Rede, welche das Andenken an die Heldenthaten der bulgarischen Armee m dem Kampfe mit Serbien preist und auch die Hingebung und den Patriotismus des Bulgarenvolkes rühmend anerkennt. Die ganze Rede zeugte von unverkennbarem Stolze auf die Errungenschaften der bulgarisch-rumelischen Union. Der Fürst wurde bei seinem Erscheinen wie bei seinem Weggange aus der Ver- ammlung von den Deputirten begeistert begrüßt.
Die Ausweisung der Thronprätendenten aus Frankreich droht plötzlich in dem Senate ein ungeahntes Hinderniß zu finden. Am Dienstag wählten die Bureaux des Senats die Commission zur Vorberathung der Prinzenvorlage und ergab sich, daß sechs Commissions-Mitglieder Gegner und nur drei Mitglieder für die Ausweisung der Prinzen sind. Die Gesammtabstimmung in den Bureaux selbst ergab 116 Stimmen gegen und 109 Stimmen für die Vorlage und sind mithin deren Chancen im Senate sehr ungünstige, indessen steht zu erwarten, daß sich die genannte Körperschaft unter dem Drucke der öffentlichen Meinung wohl zum Anschlüsse an das Kammervotum in der Prinzenfrage noch wird entschließen müssen.
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Äs Lager in bbüten und Mädchen naben, sowie' lautes kkiWlM mit zu räumen, beeis.
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