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18.7.1886 Zweites Blatt
 
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Nr. 164 Zweites Blatt Sonntag den 18. Juli 1886.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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Wochen - Ueberficht.

Gießen. 17. Juli.

Kaiser Wilhelm ist auf seiner Weiterreise von Koblenz nach Gastein am Mittwoch Vormittag im besten Wohlsein auf der Bodensee-Insel Mainau, der bevorzugten Sommer-Villeggiatur der badischen Herrschersamilie, eingetroffen. Im Kreise der badischen Verwandten gedenkt der Kaiser bis Sonntag, den 18. Juli, zu verweilen. An dem letztgenannten Tage erfolgt nach den bisheri­gen Dispositionen Nachmittags 1 Uhr mittelst Dampfschiffes die Weiterreise nach Lindau und von da per Extrazug nach Augsburg, wo der hohe Reisende im altberühmten HötelZu den drei Mohren" Nachtquartier nimmt. Wie die Münchener Neuesten Nachr." bestimmt zu melden wissen, trifft der Prinz- Regent Luitpold von Bayern am Morgen des 19. Juli zur Begrüßung des Kaisers in Augsburg ein und begleitet denselben bis München, wo die Ankunst des kaiserlichen Extrazuges am 19. Juli, Vormittags halb 12 Uhr, erfolgt. Mit Rücksicht aus die noch dauernde Hoftrauer wird der Kaiser aber nur im Bahnhofe verweilen und hier mit dem Prinz-Regenten und der königl. Familie zusammen sein. Bereits um 1 Uhr fährt der kaiserliche Herr nach Salzburg weiter, wo die Ankunft gegen 4 Uhr Nachmittags erfolgt; hier nimmt der Kaiser, wie immer, das letzte Nachtquartier vor Gastein. In letzterem Orte selbst dürfte der Kaiser, über Lend kommend, am Abend des 20. Juli eintreffen.

Ein politisch bedeutsames Ereigniß vermittelte diesmal den Uebergang von der abgelaufenen zur jetzigen Woche die am 10. und 11. Juli in Elsaß-Lothringen stattgefundenen Gemeinderathswahlen. Ihr der deutschen Sache so überaus günstiger Ausgang, der namentlich aus den glänzenden Wahl- erfelgen der altdeutschen Partei in den beiden Hauptstädten Metz und Straß­burg erhellt, kann für die Wetterentwickelung der Reichslande in echt deutschem Sinne, für die Befestigung deutschen Wesens und deutschen Denkens in dem Alt-Deutschland nach so blutigen Kämpfen wiedergewonnenen Bruderstamme der Elsaß-Lothringer, nur von glücklichster Vorbedeutung sein. In diesem Sinne ist denn auch der Ausfall der reichsländischen Gemeinderathswahlen von der gesummten altdeutschen Presse außerhalb der Grenzen der Reichslande mit innigster Genugthuung begrüßt worden und darf man wohl in den Resultaten dieser Wahlen den besten Beweis dafür erblicken, daß der Einfluß der französi­schen Protestpartei in Elsaß-Lothringen endlich gebrochen ist. Das Thema von der nationalen Ausstellung in Berlin wird in der Tagespreffe noch immer erörtert und erscheint da eine denBerl. Polit. Nachr." aus den Kreisen der rheinischen Groß-Industriellen zugegangene Zuschrift sehr bemerkens- werth. In derselben werden nochmals die bekannten Gründe dargelegt, welche die deutsche Groß-Industrie bestimmt haben, die geplante Berliner Ausstellung nicht zu beschicken und hieran anknüpfend, erklärt Die Zuschrift weiter, daß die deutschen Groß-Industriellen selbstverständlich auch die Pariser Weltausstellung im Jahre 1889 nicht beschicken würden. Hoffentlich beruht diese Angabe auf Wahrheit, denn es wäre tief verletzend für das deutsche National-Bewußtsein, wollten deutsche Industrielle, nachdem sie die Theilnahme an einer nationalen Ausstellung abgelehnt, an der Pariser Weltausstellung theilnehmen, trotzdem daß von Frankreich aus Alles, was deutsch ist und heißt, fortgesetzt mit den größten Schmähungen überschüttet wird.

In einem Theile der Blätter haben sich die Erörterungen über die Ablehnung des Entlassungs-Gesuches des Ministeriums Lutz Seitens des Prinz-Regenten von Bayern bis in diese Woche hinein sortgesponnen. Es tritt hierbei die interessante Erscheinung zu Tage, daß die gehässige Polemik der BerlinerGermania" gegen die Entscheidung des Prinz-Regenten Luitpold aus die entschiedene Mißbilligung bayerischer klerikaler Blätter stößt und daß selbst ein Organ, wie das MünchenerVaterland" des Herrn Sigl, bis zu einem gewissen Grade Partei für das Ministerium Lutz nimmt. Im Uebrtgen können dasselbe all' diese Erörterungen recht kalt lassen, das gegenwärtige bayerische Cabinet steht viel zu fest im Vertrauen des Prinz-Regenten, als daß hieran irgendwelche Preßangriffe etwas zu ändern vermöchten.

Die politische Lage aus internationalem Gebiete kann zur Zeit auch trotz des Auftauchens derBatumfrage" und der feindlichen Stellung Rußlands gegenüber den Dingen in Bulgarien als im Allgemeinen befriedigend bezeichnet werden. Es hat nicht den Anschein, als ob das Vorgehen Rußlands in Datum irgendwelche diplomatischen Verwickelungen Hervorrusen werde und ebensowenig bietet die gegenwärtige Lage aus der Balkan-Halbinsel Grund zu besonderen Befürchtungen; die russischen Droh- und Allarmruse gegen Bulgarien und die Pforte sind wieder eingestellt worden, da sie nirgends ein Echo fanden und was die jüngsten türkisch-montenegrinischen Grenz-Conflicte anbelangt, so sind sie ebenfalls ohne weitere Folgen geblieben. Die Entlassung der türkischen Redif- und Reservisten-Bataillone ist sogar als ein bedeutendes Friedens- Symptom zu betrachten, denn diese Maßregel deutet darauf hin, daß man in Konstantinopel weder wegen der griechischen, noch wegen der ostrumelischen Frage Besorgnisse hegt. In Sofia ist außerdem die bulgarische Sobranje und ii Risch die serbische Skupschtina zu friedlicher Arbett versammelt und aus all' dem ist zu ersehen, daß für jetzt durch die Orient-Angelegenheiten nach mensch­lichem Ermessen keine abermalige Beunruhigung Europas zu befürchten steht. Sehen wir uns aber im übrigen Europa um, so ist da erst recht nichts zu erblicken, was den allgemeinen Frieden gefährden könnte; freilich, gewisse Anti- Sympathien zwischen einzelnen Nationen sind ja vorhanden, aber sie erweisen sich nicht derartig gestaltet, um auch die officiellen Beziehungen von Regierung

zu Regierung bedenklich zu trüben, dazu kommt noch, daß in den meisten Län­dern wirthschastliche Interessen die politischen Haupt- und Staats-Actionen in's Hintertreffen drängen, und so darf man in der That mit gutem Grunde an­nehmen, daß das politische Sommerleben unseres Erdtheiles auch diesmal kei­nerlei unliebsame Störungen erfahren wird.

Das Wochenereigniß in Frankreich bildete naturgemäß die Feier des französischen Nationalfestes am 14. Juli, des Tages des verhäng- nißvollen Bastillensturmes. Selbstverständlich gelangte die Feier in der Haupt­stadt Paris zu ihrem eigentlichsten und glänzendsten Ausdrucke und fast ebenso selbstverständlich ist es, daß hierbei wieder die bekannten antideutschen De­monstrationen an der Statue der Stadt Straßburg und die übliche große Truppenschau auf dem Rennplätze in Longchamps die Hauptrolle spielte. Zu Ruhestörungen scheint es übrigens nicht gekommen zu sein. Uebrigens hat das französische Nationalfest durch die Ausweisung des Herzogs von Aumale eine recht seltsame Illustration erhalten, letztere Maßregel will wenigstens zu dem Character dieses Festes, das doch alle Franzosen vereinigen soll, herzlich wenig paffen. Dem Herzoge ist die Ausweisungs - Verfügung am Mittwoch früh zugestellt worden und reiste derselbe in Folge dessen am folgenden Tage nach Belgien ab.

Die englischen Parlamentswahlen erreichen mit dieser Woche ihr Ende. Bis Mittwoch Abend waren 631 Wahlen bekannt, von denen 307 auf die Conservativen, 73 aus die diffentirenden Liberalen, 170 auf die Glad- stonianer und 81 auf die Parnelliten entfallen. Es sind demnach noch 39 Wahlen unbekannt, von denen mindestens noch 29 zu Gunsten der Con­servativen ausfallen müssen, wenn dieselben für sich die absolute Mehrheit erreichen wollen, dies Resultat wird aber allseitig bezweifelt und somit wird sich im neuen englischen Parlamente eben nur aus Conservativen und diffen­tirenden Liberalen zusammen eine Mehrheit bllden lassen. Inzwischen haben gerade jetzt, gegen den Ausgang der englischen Wahlbewegung hin, in Irland in Belfast und Limerick neue blutige Ruhestörungen statt­gefunden, wodurch der letzte Abschnitt der Wahlen gerade kein erfreuliches Relief erhält.

In Haag ist am Mittwoch die außerordentliche Session der holländischen Kammern, welche vornehmlich den Zweck verfolgt, die zwischen dem Ministerium Heemskerk und einem Theile der zweiten Kammer bestehenden Differenzen zu beseitigen, durch den König eröffnet worden.

Aus Italien liegen auch aus dieser Woche die unvermeidlichen Choleraberichte vor. Dieselben lassen jedoch erkennen, daß die Cholera - Epi­demie an der italienischen Ostküste stetig, wenn auch langsam, abnimmt; da­für tritt sie im österreichischen Küstengebiete allmälich stärker auf. Vom Mittwoch wurden aus Triest 4 Cholerafälle, darunter einer mit tödtlichem Ausgange, aus Fiume 6 Cholerafälle, von ihnen drei mit tödtlichem Ausgange, gemeldet.

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Stettin, 11. Juli. Gelegentlich des Stapellaufes des DampfersPreußen", des ersten der großen Suboentionsdampfer, welcher die Werft des StettinerVulkan" verlassen hat, macht dieN. St. Ztg." folgende Mittheilungen über die Dimensionen und Einrichtungen des stattlichen Schiffes:Für denVulkan" ist der Tag bedeutungs­voll; mit derPreußen" geht eines der größten Schiffe, die bisher auf seiner Werft erbaut worden, vom Stapel. Diebeiden andern großen SubventionsdampferSachsen" undBayern", die noch im Bau begriffen sind, schließen sich übrigens hinsichtlich der Größenverhältnisse durchaus derPreußen" an. Das Schiff ist nach den Vorschriften des Germanischen Lloyd für die 1. Classe (100 A.) aus bestem deutschen Baustahl hergestellt. Die Länge in der Wasserlinie beträgt 118,36 Meter 388,4 Fuß, die Breite 13,710 Meter 45 Fuß, die Tiefe vom Kiel bis Seite Oberdeck 10,175 Meter 33,5 Fuß englisch, der Rauminhalt ist auf 4000 Registertons bemessen. Bei einem Tiefgange von 6,10 Meter 20 Fuß englisch wird der Dampfer 14 Knoten Ge­schwindigkeit erreichen. Von hinten nach vorn erstrecken sich drei durchlaufende Decks, nämlich Ober-, Haupt- und Zwischendeck, und außerdem befindet sich noch in den vordersten beiden Abtheilungen zur besseren Raumgewinnung ein viertes sogenanntes Orlogdeck. Der Schiffskörper ist, um ihn gegen das Sinken möglichst zu sichern, durch 8 wasserdichte Querschotten, von denen 6 bis zum Oberdeck reichen, der Länge nach in 9 wasserdichte Abtheilungen getheilt. Auf dem Oberdeck befinden sich drei Aus­bauten, ganz vorn eine Back, sodann ein Mittelhaus und hinten eine Hütte. Für 118 Personen 1. Classe werden Kammern zu je 2 Personen zum Theil so eingerichtet, daß die Trennungswände entfernt und so bequeme Familienzimmer hergestellt werden können. Die Räume 2. Classe bestehen aus 7 Kammern zu je 4 Personen; die Pasia- gierräume 3. Classe sind so groß, daß im Ganzen 200 Personen in eisernen Kosen (nach Crosbies Patent) Unterkunst finden. Die Salons, deren Einrichtungen und Ausstattungen von dem Architecten Herrn I. G. Poppe in Bremen ausgearbeitet sind, werden von der Firma A. Bemb6 in Mainz ausgeführt und dürften on Eleganz me transatlantischen Schnelldampfer noch übertreffen. Der Schiffsraum enthalt 4 Haupt­laderäume, aus denen die Ladung mittelst 3 Dampfwinden und 4 Dampfkrahnen ent löscht werden kann. Der Dampfer besitzt eine Drei-Cylinder-Expansionsmaschme von 3500 indirekten Pferdekräften. Die Kohlenbunker können 900 Tonnen Kohlen faßen. Die Segelfläche des Dampfers ist derart bemessen, daß bei einem Schaden der Maschine sie genügende Hilfe gewährt; die Takelung soll die einer Brigg werden. Die Beleuchtung an Bord ist elektrisch und wird von 340 Lampen hergestcllt. An Rettung.'- apparaten werden außer den Korkgürteln noch 6 große Liftboote und - große Holz­boote aufgestellt und dieselben mit bewährten Fallapparaten versehen, um sie bequem zu Wasser lassen zu können. Der Preis des Dampfers belauft sich auf etwa 2»/r Mül. 9lnnQbeTft schuht das dortigeWochenblatt": Eine eindringliche Mahnung für alle Damen sollte der Heimgang des jungen Mädchens sein, welches am letzten Sonntag auf einer Vcrgnügungstour so plötzlich aus dem Leben voll bluhmd r Gesundheit dem bitteren Tode in die Arme fiel. Wie uns von zuverlässiger Seite