Ausgabe 
17.10.1886 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

des Budgets für 1887 und der Armee - Reorganifationsentwurf des Kriegs­ministers Boulanger die Brennpunkte der Debatte bilden und von deren Ver­laufe wird vor Allem das Schicksal des Finanzministers Sidi Carnot und des Kriegsministers Boulanger abhängen. Jenem sind die Radicalen, diesem die Monarchisten nichtgrün" und kann man sich auf sehr bewegte Verhand- lungen gefaßt machen.________ _____

Derurifcdte».

Karlsruhe, 13. October. Ein Unglück der entsetzlichsten Art hat sich gestern Vormittag 11 Uhr in dem benachbarten bayerischen Maximiliansau zugetragen. Auf dem Bahnhofe, auf dem sich eine Centralweiche befindet, war man mit dem Rangiren von Wagen beschäftigt, so daß verschiedene Weichenstellungen nothwendig wurden. Ein Manöoerist, der über die Geleise schritt, gerieth hierbei in demselben Augenblick in eine Weiche, als dieselbe von der Centralleitung aus auf ein gegebenes Zeichen geschlossen wurde. Der Aermste war eine Minute lang in der furchtbarsten Lage mit Eisen­klammern war der Fuß umschlossen und in 60 Meter Entfernung rolllen auf demselben Geleise mehrere abgestoßene Wagen daher. Der Hilferuf verklang im Getöse der heranrollenden Wagen, die im nächsten Augenblick den Fuß des Unglücklichen zerschmettert hatten. Die erste ärztliche Hilse wurde demselben unbegreiflicher Weise erst am Abend 5 Uhr zu Theil. Nach der nothwendig gewordenen Amputation erfolgte bald der Tod.

[Im Wurstkessels Von der Strafkammer des Landgerichts in Nordhausen wurde dieser Tage der Pastor Zimmer aus Zwinge, Kreis Worbis, zu 100 JL Geld­strafe wegen Beleidigung verurtheilt. Der Herr Pastor hatte seinem Grimm über den Landrath und Amtsvorsteher dadurch Luft gemacht, daß er behauptete, diese beiden Herren lägenim Wurstkessel". Diese drastische Aeußerung brachte dem An­geklagten die oben erwähnte Strafe ein, so daß sich jetzt mit größerem Recht die Be­hauptung aufstellen läßt, daß der Herr Pastor mit 100im Wurstkessel" liegt.

Auf einen leeren Raum

Pflanz' einen Baum Und pflege sein; Er bringt Dir's ein.

Vor Kurzem lasen wir einen recht interessanten Artikel, des Inhalts: Was ein Lehrer für den Obstbau thun kann. Er berichtet, wie ein Lehrer in Galizien seine Kinder in der Obstbaumzucht unterwiesen und mit deren Hilfe nach und nach 7000 Bäumchen gepflanzt und das früher blutarme Dörfchen zu einem der wohlhabendsten im Kreise geworden sei.

Ich frage nun: Was in Galizien geleistet wurde, sollte das bei uns nicht auch fertig gebracht werden können? Unsere Lehrer werden im Seminar in der Obstbaum­zucht theoretisch und praktisch unterwiesen und unsere Gegend ist zur Obstbaumzucht sehr geeignet. Man packe die Sache nur richtig an und kann erreichen, was jener galizische Lehrer vollbracht hat. Mit der Jugend muß angefangen und diese zur Obstbaumzucht befähigt werden. Es muß dahin kommen, daß jeder Landwirth seinen Bedarf an Obstbäumen selbst zieht und die Gemeinde einen großen Vorrath davon in ihrer Baumschule besitzt, um alle passenden Plätze in der Gemarkung damit bepflanzen zu können.

Die Sache ist leicht, und ich kenne Lehrer in der Gegend, welche wie jener galizische Lehrer schon seit Jahren und mit Erfolg vorgegangen sind. Die Schüler sind leicht zu gewinnen, denn sie sind Freunde des Obstes und möchten recht viel da­von haben. Hat nun eine Gemeinde einen Lehrer, welcher sich für die Obstbaumzucht tnteressirt, so übertrage sie demselben die Verwaltung der Baumschule. Im Herbst, wenn in den Höfen der Wirthe Haufen von Aepfeltrestern liegen, nehme er seine Schüler und lasse sich durch ein grobes Sieb so viel Kerne ausreitern, als er für seine Baumschule braucht. Die Schüler müssen das für ihre Privatbaumschule auch thun.

Nachdem der Boden recht tief gegraben ist, geht's noch im Herbst an's Säen, zuerst in der Gemeindebaumschule. Die Schüler machen Rinnen und säen die Kerne hinein. In ihrem Garten haben sie sich ein Ländchen zubereitet und machen es gerade so. Die Kerne gehen im nächsten Frühjahre schon auf. Die Schüler werden angehalten, die Pflanzschule immer rein von Unkraut zu halten. Ueberhaupt sei hier bemerkt, daß die Schüler alles, was sie in der Gemeinde-Baumschule thun, auch in ihrer Privat­schule verrichten. Nach 1 bis 2 Jahren können die Bäumchen schon in gehöriger Ent­fernung in die eigentliche Baumschule versetzt werden, welches die Schüler selbst thun müssen. Wieder nach 2 Jahren sind sie reif zum Veredeln. Die Schüler müssen unter Anleitung des Lehrers erst an wildem Gehölz sich üben, dann dürfen sie auch in der Baumschule veredeln. Wieder nach 2 Jahren, also im Ganzen in 6 Jahren, sind die Stämmchen zum Aussetzeu reif. Und jetzt die Freude der Schüler, wenn sie sich sagen können, diese Bäumchen habe ich selbst gezogen!

Nun aber wird man mich fragen: Wie kann man die Schüler nach der Schule, wo sie anders zu thun haben, auch noch hierzu anhalten? Ich sage, es nnuß während des Naturgeschichtsunterrichts geschehen. Vier Stunden im Frühling und Sommer in der Baumschule reichen dazu aus. Der Lehrer kann ja auch in der Schule den Kindern das noch Fehlende mittheilen. Das heiße ich die Naturgeschichte praktisch gemacht. Man spricht und schreibt jetzt viel von Handfertigkeitsunterricht in der Schule und von Schulgärten, aber die Obstbaumzucht wäre das richtige Feld für die Land­schulen. Ob die Dorfschüler eine Anzahl Pflanzen mehr oder weniger beschreiben können, wiegt lange nicht den Nutzen auf, den dieser Unterricht in der Obstbaumzucht bringen würde.

Die Behörden werden gewiß nichts dagegen haben, wenn einige Stunden in der Naturgeschichte praktisch verwendet würden, denn aller Unterricht soll ja nutzbringend für's Leben ertheilt werden. (Oberh. A.)

LLterarifcheS.

Im Verlage von Emil Roth in Gießen ist ein neuer Kalender für das Jahr 1887 erschienen, der den Titel ,Hasfia-Kalender" führt und bei seiner schönen Ausstattung und seinem gediegenen Inhalt geeignet scheint, auch noch andere Kreise, als die, für welche er in erster Linie bestimmt ist, zu interessiren. Er soll nämlich das Organ des unter dem Protectorat Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs stehenden Landes-Krieger-VerbandesHassia" sein. Mit Rücksicht hierauf enthält er außer dem, was man in Kalendern zu finden gewöhnt ist, eine warme Aufforderung des Präsidiums an die Kameraden, eine Zusammenstellung sämmtlicher dem Verband angehörender Krieger- und Soldatenvereine, den Rechenschaftsbericht pro 1885, den Wortlaut der zwischen dem Verband und der GesellschaftProvidentia" in Mainz abgeschlossenen Verträge, wonach den Verbandsmitgliedern in Bezug auf Lebens- und Feuerversicherung beachtenswerthe Vortheile zugesichert werden, Mittheilungen über die Grundsätze bei Besetzung von Subaltern- und Unterbeamtenstellen, Nachrichten für die jungen Leute, welche in die Unteroffizierschule in Weilburg und Annaberg eintreten wollen u. dgl. m. Das KapitelUnterhaltung und Belehrung", mit Sorgfalt und Sachkenntniß zusammengestellt, bietet des Interessanten mancherlei. Wir heben nur hervor: Mittheilungen aus der hessischen Kriegsgeschichte; Prinz Alexander von Battenberg; Zwei deutsch-nationale Ehrendenkmale; Aus Briefen der Großherzogin Alice an ihre Mutter; Somnambule, Militärhumoreske von A. v. Winterfeld; Die erste Jnstructiousstunde von Viktor Laoerreng u. v. a. Eine größere Anzahl von Anekdoten aus Kaserne, Wachtstube und von dem Exercierplatz und ein besonderes KapitelGemeinnütziges" sind schätzenswerthe Zugaben.

Bet dem Umfang von 6 Druckbogen und vortrefflicher Ausstattung in Papier, Druck und Illustration wir verweisen nur auf die Porträts Sr. Königl. Hoheit des Großhcrzogs, der Höchstseligen Großherzogin und des Prinzen von Battenberg finden wir den Preis von 50 Pfg. sehr mäßig. Wir wünschen dem zeitgemäßen und schönen Unternehmen besten Erfolg. P. M.

Allgemeiner Anzeiger.

Birkenbesenreiser- Versteigmmg.

Dienstag den 19* October werden die Birkenbesenreiser aus ver­schiedenen Districten aus dem Stocke, sowie zerstreut liegende sonstige Reiser loosweise versteigert. Bezüglich der Loose 2C. ertheilen die Großh. Forst­warte Schlag zu Baumgarten und Menges zu Großenlinden nähere Auskunft. Die Reiser werden bei der Versteigerung nicht vorgezeigt, die­selbe findet auf unterzeichneter Ober- sörsterei (Marburgerstraße 9) statt und beginnt Morgens 11 Uhr-

Gießen, 1. October 1886.

Großh. Obersörsterei Schiffenberg.

6984_______Heyer.___________

Mobiiienverfleigerung

Dienstag den 19. October, Morgens 9 Uhr, lassen Georg Koch's Eheleute in ihrer Behausung in Trohe gegen Baarzahlung versteigern:

3 Bettstellen m. Sprungfedermatratzen,

1 Bettstelle,

1 Kinderbettstelle mit Wollmatratze,

1 Kinderwagen,

1 fahrb. Kinderstuhl mit Tisch,

2 Kleidcrschränke,

1 Kommode mit Glasaufsatz,

2 Tische,

1 Waschtisch mit Schrank,

1 Nachttisch,

1 Sopha mit Roßhaar,

1 Sessel, 6 bessere Stühle,

1 Uhr, 2 Spiegel,

1 Nähmaschine,

1 Küchenschrank u. stimmt!- Küchen- gcrüthschasten,

Waschbütten, 7286

10 Bde. Mayer's Conbers.-Lexicon.

Ein gebrauchtes Halbverdeck, m Phaeton

billig zu verkaufen. 7158

Mohrmann, Veterinär-Anstalt.

Die größten Neuheiten in:

Filzbüten, Formen, Pelrrehen, Summten, Stoffen, Bändern und Hutgarnitnren

sind in reicher Auswahl eingetroffen und empfehle solche zu billigen Preisen.

7073 A. Fangmann.

Garantie fi/r Ä HW/e.

3932

bei

Mäusburg 16.

Giessen

0 Heinrich Rübsamen ®

Wichtig für Hotels, Restaurants, Geschäfts­häuser 2C.

Pneumatischer Thür-Zuschlag-Hinderer D.-R.-Pat. Nr. 13839 schließt geräuschlos jede Thüre.

Vertretung: ßriicler Eisenhandlung,

Seltersweg 2.

Der Apparat ist im Casv Ebel in Thätigkeit.________________7138

Specialität; |

in

Kaffee, Zucker, Thee, Suppenfachen,

in feinen und feinsten Qualitäten. feg

5484 Emil Fischbach.

Montag den 18. Moder,

Vormittags 9 Uhr u. Nachmittags 2 Uhr, werden in dem Locale des 8. Mühl- Hausen, Sonnenstraße 1, wegzugshalber die noch vorhandenen Möbel, nämlich: 1 fast neue Plüschgarnitur, 1 Sessel, 1 Schreibsecretär, 1 Ausziehtisch, 1 Büffet, 1 Bücherschrank, 1 Kassen- schrank, Kleiderschränke, Eisenwaa» ren, Waschbütten, Fässer u. s. m. ver­steigert.

Die Plüschgarnitur, Schreibsecretär und Kassenschrank kommen um 11 Uhr zum Ausgebot.

7299 Im Auftrag:

Hoffmann, Ortsgerichtsmann.

Ieilgeöotenes.

Scillitm-Latwerge

von H. Fröhlke.

Seit Jahren vorzüglich bewährtes, garantirt wirksames, für Hausthiere un­gefährliches Mittel zur Vertilgung von

Ratten u. Mäusen.

Giftschein nicht erforderlich.

Meinige Niederlage bei 6352

__________Ewil Fischbach.

C. G. Kleinhenn's Delicateffenhandlung, Kreuzplatz 1 empfing wieder große Zufuhr:

konservirter Früchte und Gemüse neuester Erndte, und offerirt solche den geehrten Herrschaften zur geneigten Ab­nahme. Durch günstige größere Abschlüsse bin ich in den Stand gesetzt in diesem Jahre bedeutende Preisermäßigung ein- treten zu lassen und ist somit meinen ver­ehrten Abnehmern Gelegenheit geboten, sich zu überzeugen, daß ich Erbsen in Büchsen, ebenso alle andern Conseroen, in anerkannt besten Marken billiger liefere, als solche selbst zu conierviren sind.

Den Herren Hötelier's, Restaurateuren u. Gastwirthen bewillige einen besonderen Rabatt.__7037

Pianinos billig, baar oder Raten. [2177

Fabrik Weldenslaufer, Berlin NW.