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ein halb zerfallenes, ärmliches, schmutziges Häuschen, Öffnete ohne Weiteres eine Stuben- Ihure und erblickte darin zwei Kinder, die sich in der schmutzigen kleinen Stube am Boden wälzten, und einen alten Mann, der ein Kind von etwa 3 Monaten auf den Armen hielt. Der Eintretende frug, wo hier die Barbierstube sei, worauf ihm der Alte erwiderte: „Treten Sie nur näher, liebes Herrchen, die ist hier, Sie wollen jedenfalls geschabt fein; meine Tochter und mein Tochtermann sind aufs Feld und da habe ich die Kinder zu bewachen, aber es wird Hoch gehen, nehmen Sie nur Platz." Auf einem Schustersessel, den der Alte zuvor von mehreren schmutzigen Windeln befreit hatte, nahm der Einjährige Platz. Kaum, daß er sich gesetzt, begann das kleine Kind, das der Alte auf den Boden gelegt, furchtbar an zu schreien, was dem Barbier sehr unangenehm fein mußte, denn er hob den Schreihals, der nur in einen Laken gewickelt war, auf und setzte ihn dem Einjährigen, ohne weiter um Erlaubniß zu fragen, mit den Worten: „Da halte' Sie einmal, Die sind doch ’e kräftiger junger Mann, der dadervon net sterbe wird." Ohne ein Wort zu erwidern, erfüllte der Einjährige den ihm fckreckltchen Wunsch des Alten. Nachdem das Einfeifen beendet, begann das Rasiren mit einem derart schlechten Messer, daß der Einjährige am liebsten Feuer ge- schrieen hätte und doch erzählte der alte Mann mit Stolz die Geschichte des Messers. Er habe dasselbe erhalten im Jahre 1861 durch seinen Hauptmann, den er als alter Feldwebel der Hessen stets raüren mußte. Im Jahre 1866 habe er vor seiner Thüre den General 0. Manteuffel mit demselben Messer rafirt und 1870 sei ihm die Ehre zu Theil geworden, den Großherzog rasiren zu dürfen und zwar mit demselben Messer. Eben war die Tortur und die Erzählung des Alten zu Ende, als die Thüre aufgemacht wurde und hereintrat ein Lieutenant der Compagnie des Einjährigen. Der Eintretende hielt vor Lachen den Bauch, denn der Einjährige war beim Erblicken des Vorgesetzten emporgeschnellt, hielt den fast nackten Kleinen im rechten Arm, hatte im Kragen eine roth und weiß carrirte Windel stecken, die als Rafirtuch gedient hatte, und war im Gesicht mit Blut und Seife befchmirt. Daneben zeigten die Beinkleider und Rockärmel des Einjährigen mehr als deutlich die Stelle, wo bei kleine Schreihals gcfeffen hatte. Der Lieutenant hielt sich die Nafe zu, machte Kehrt unb fügte: „Lieber Bart behalten. Adieu Alter." (Off. Ztg.)
Schiff- - Bewegung
der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Actien-Gesellfchaft.
Hamburg, 15. September. Das Hamburg - New-Yorker Post-Dampfschiff „Suevia", Eapilän Ludwig, welches am 2. September von hier direct nach New- Aork expedirt, ist am 15. September, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten in New - 9)ort angekommen.
GchiffSnachrichten.
Bremen, 14. Septbr. (Per transatlanttschen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capt. C. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. September von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten jn Baltimore angekommen.
Bremen, 14. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Ems, Eapt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. September von Bremen und am 5. September von Southampton abgegangen war, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel «nd Verkehr.
Limburg', 15. September. Rother Weizen, JL 13.90, weißer Weizen JL 13.50, Korn JL 1020, Gerste JL 7 50, Hafer JL 5.65, Kartoffeln k 100 Pfund Jü 0.00, Erbsen h 100 Pfund JL 00.00.
Frankfurt, 15. September. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter JL 4.00—5.00, Eier das Hundert JL 5 00—5.50, Butter per Pfund JL 1.10 bis 1.20, Weißkraut per Stück 12—20 H, Rothkraut per Stück 15—25 H, Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 H, Kalbfleisch 40—60 H, Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 1 Hahn
JL 0.70-1.80, 1 Huhn JL 1.00—2.50, 1 Ente JL 2.00-3.00, 1 Gans JL 3.00—7Ä0 1 Taube 40—70 Welsche .*L 0.00-00.00.
Temperatur der Lahn.
Am 16. September, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14*/?, Lust 14° R. im Schatte».
L. Ehr. Rübs am en.
Donnerstag den 16. d. M., Nachmittags 2 Uhr, in der Louis Flett'schen Hofraithe dahier sollen gegen Baar öffentlich versteigert werden:
1 Wagen, 1 Hundewägelchen, 1 Sopha, 2 Kleiderschränke, 1 Küchenschrank, diverse Stücke Tuche und Buxkins rc. Gießen, am 14. September 1886.
Engel,
6515 Gerichtsvollzieher.
Aeikgeöotenes.
Wegen Aufgabe der Oeconomie stehen 2 äußerst zugfeste, fehlerlose, msttelschwere, 8 und 9 Jahre alte
ArbkttspsrrSe
Grau- und Nothschimmel, bei mir zum Verkauf.
Laubach, am 15. Sept. 1886.
6519 K. Emwelius.
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Carl Bieler, 6535 Kreuz 6.
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