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Universität- - Chronik.

Gießen. Promovirt wurden von der hiesigen philosophischen Facultät die Herren Gymnasiallehrer Wilhelm Matthaei zu Laubach und K. A. H en Niger zu Gharlottenburg, sowie Herr Oberförster Philipp Walther zu Grebenau (über dessen Doctorprüsung wir s. Z. berichtet hatten).

Der Professor an der technischen Hochschule zu München, Dr. Ratzel, hat einen an ihn ergangenen Ruf als Professor der Geographie an die Universität Leipzig angenommen.

Privatdocent Dr. Pringsheim wurde zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät in München ernannt.

Der bisherige Privatdocent Dr. Wilhelm Roux zu Breslau ist zum außerordentlichen Professor in der medicinischen Fakultät der dortigen Universität ernannt worden.

Privatdocent Dr. Arthur Meyer, Assistent am pflanzenphysiologischen -Institut zu Göttingen, ist zum außerordentlichen Professor zu Münster ernannt zvorden.

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Mainau, 15. Juli. Seine Majestät der Kaiser machte heute Vormittag mit dem Großherzog von Baden einen Spaziergang und nahm darauf den Vortrag oes Chefs des Militär-Cabinets, General-Lieutenants v. Albedyll, entgegen. Um 1 Uhr Nachmillags trat der König von Württemberg zum Besuche des Kaisers hier em. Nachmittags findet große Hoftafel statt, zu welcher gegen fünfzig Einladungen er­gangen sind. Nach dem Diner kehrt der Komg von Württemberg nach Fnednchs- ^Qfen Wien, 15. Juli. Wie bieWiener Zeitung" meldet, ist der mit der Leitung der Wiener Polizeidirection betraute Hofrath Freiherr Krauß zum Präsidenten der Polizeidirection ernannt worden. , . , .. ..

* Die Presse" betont die politische Bedeutung der kaiserlichen Decoraüon

fin Schönborn, welche neben der Anerkennung der Verdienste des Statthalters ein un- -weifelhastes Dementi aller Gerüchte über Differenzen Schonborns nut der Regierung und über eine Schwenkung der letzteren bilde. ,

In Fiume ist in den' .Äyren 24 stunden an Cholera eine Person erkrankt und eine früher erkrankte gestorben. In Triest sind °°n gestern bis heute Mittag

Paris, 16. Juli. Der Präsident Greoy beglückwünschte den Kriegsminister Boulanger schriftlich zur guten Haltung der Truppen bei der gestrigen Parade und er­nannte denselben zum Großofficier der Ehrenlegion.

Grevy reist Montag nach Mont sous Vaudrey ab.

Der Herzog von Aumale ist nach Brüssel abgereist.

Paris, 15. Juli. In der Nacht brannte bei der Fortsetzung des National- festes die Kirche von Jvry theilweise nieder. Das Feuer war durch Lampions, welche um den Thurm gehängt waren, verursacht; zwei Personen wurden verletzt.

Paris, 15. Juli. Senat. Ehesnelong interpellirt die Regierung uber_ die Aus­weisung des Herzogs von Aumale, die durch das Schreiben, welches der Herzog an den Präsidenten Grevy gerichtet habe, in keiner Weise gerechtfertigt sei und das Princip des an militärischen Graden erworbenen Eigenthums verletze. Der Kriegsminister Boulanger erwidert, er könne nicht gestatten, daß ein so insolentes Schreiben, wie es dasjenige des Herzogs von Aumale gewesen sei, an den Präsidenten der Republik ge­richtet werde. (Heftige Unterbrechungen auf der Rechten. Lareinty ruft, das sei eine Feigheit.) Boulanger erwidert, er könne nicht zulassen, daß man den Kriegsminister feig nenne und verläßt die Tribüne. Der Minister des Innern, Sarrien, erklärt, der Herzog von Aumale habe den Brief an Grevy mit Zustimmung des Grafen von Paris geschrieben, es sei ein förmliches Eomplott. Boulanger erklärt, er werde seine Pflicht als' republikanischer Minister erfüllen. Lareinty bedauert, daß ein so aus­gezeichneter Soldat wie Boulanger einen Abwesenden beleidigt habe. Damit schließt der Zwischenfall. Der Senat nahm mit 157 gegen 78 Stimmen eine Tagesordnung an, in welcher das Verhalten der Regierung gebilligt und das Vertrauen des Senats auf die Wachsamkeit der Regierung ausgesprochen wird.

London, 15. Juli. Nunmehr sind 648 Candidaten gewählt, davon 313 Con- servative, 74 dissentirende Liberale, 179 Gladstonianer und 82 Parnelliten. Bei den heutigen Wahlen gewannen die Conservativen drei Sitze und die Gladstonianer gleichfalls drei.

London, 15. Juli. Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Es ist'ein Ueber- einkommen zwischen dem heiligen Stuhle und China abgeschlossen. Darnach wird der heilige Stuhl fortan in Peking durch einen Jnternuntius vertreten sein unv Mon­signore Agliardi wird hierzu ernannt. Derselbe wird im nächsten Monat nach Peking abreisen. Die Regierung in Peking soll ausdrücklich gewünscht haben, daß die Abreise des Jnternuntius möglichst bald erfolge.

Rom, 15. Juli. Cholera - Bericht. Vom 14. bis 15. Juli, Mittags, kamen in Brindisi 12 Erkrankungen und 4 Todesfälle vor, in Codigoro 5 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Venedig 1 Erkrankung und 1 Todesfall, in Francavilla 53 Er­krankungen und 18 Todesfälle, in Latiano 23 Erkrankungen und 10 Todesfälle, in Erchie 8 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in San Vito 7 Erkrankungen und 1 Todesfall.

Petersburg, 15. Juli. Als ein Eisenhändler heute Nachmittag eine Parthie alten vom Fiskus gekauften Artilleriematerials vom Wagen abladen ließ, entlud sich eine für bereits entladen gehaltene Granate, wodurch 16 Personen, darunter 4 Kinder, getödtet und mehrere andere verwundet wurden.

Washington, 15. Juli. Das Repräsentantenhaus nahm mit 209 gegen 65 Stimmen einen Antrag an, wonach, falls der Ueberschuß oder das Saldo in der Staatskasse unter Einrechnung des zur Amortisation von Staatsnoten gehaltenen Betrages 100 Millionen Dollars übersteigt, der Staatssecretär verpflichtet sein soll, diesen Ueberschuß zur Zahlung der zinstragenden Schuld im Betrage von nicht weniger als 10 Mill. Doll, monatlich zu verwenden.

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Mainz, 12. Juli. Die päpstlichen Actenstücke über die Ernennung des Dom- capitulärs Herrn v^Hafsner zum Bischof von Mainz s>nd^°rg°Mrn °us Rom bei dem bischöflichen Ordinariat hier in zwölf Exemplaren eingetroffen. Bur &on- secrationsseier des neuen Bischofs am 25. Juli wird eine außerordentlich zahlreiche Betheiligung aus den katholischen Gemeinden des ganzen ßanbeS erwartet. Die Ludwigsbahn hat daher jetzt schon die Einschaltung einer Reihe von Extrazugen angeordnet und verfügt, daß die an genanntem Tage in ihren sammtlichen Stationen nach Mainz gelösten einfachen Billets zur freien Rückfahrt an demselben Tage bXä) sEhrengabe für die Universität Heidelberg.) Am 10. Juli d. I.. sand im Museum zu Heidelberg eine Versammlung der Unteräeid)ner des Auftufs vom 4. April d. I. statt, in welcher nach dem Berichte ,^_^rtreter ber Ausschüsse von Heidelberg, Karlsruhe und Mannheini über das Ergebniß der bisherigen Bemühungen, die beabsichtigte Stiftung einer eingehenden Berathung unterzogen wurde.

Man einigte sich dahin, eine Stiftung zu errichten, welche akademifche Lehrer der Ruperto-Carola bei ihren wissenschaftlichen Bestrebungen fordern soll. Bei der Verleihung soll ein bestimmter Turnus eingehalten werden, so daß bei der ersten Ver­leihung die Stiftung einem Mitgliede der theologischen Facultät zufiele und dann jeweils einem Mitgliede der juristischen, der medicinischen, der philologisch-historischen Classe der philosophischen Facultät und endlich der mathematisch-naturwisienschaftlichew Classe der gleichen Facultät. Vorerst soll die Verleihung alle 2 Jahre stattfinden, bis das Grundcapital durch etwaige Zustiftungen eine bestimmte Hvhe erreicht hat, von da- fin die Commission zur Ausarbeitung der Stiftungsurkunde erwählt

worden war, wurde der Wortlaut der zu überreichenden Adresse festgesteüt. Dieselbe soll seiner Zeit nach der Ueberreichung tu der bei O. Petters ui Heidelberg erscheinenden Ruperto-Carola, officielle illustrirte Festchronik der V. Säcularfeier der Universität Heidelberg" mit den Namen sämmtlicher Unterzeichner veröffentlicht werden. Natürlich- wird der gezeichnete Beitrag nicht beigefügt. .

Zur Orientirung wiederholen wir, daß der Durchschnittsbeitrag etwa 10 JL beträgt, daß aber auch kleinere Beiträge bis zu 1 herab vorkommen.

Hoffentlich wird jeder ehemalige Studirende der Universität Heidelberg, welchem- diese Zeilen zu Gesicht kommen, es für eine Ehrensache halten, diese Adresse mitzu­unterzeichnen und im Kreise seiner Freunde und Bekannten für die Jubiläumsstiftung zu wirken. Die Centralsammelstelle bildet das Bankhaus der Herren H. L. Hohenemser in Mannheim. , c . .,

Zum Schlüsse der Versammlung wurden noch drei Herren zur Ueberreichung der Adresse und der Stiftungsurkunde erwählt.

Elberfeld, 8. Juli. Vom Schwurgerichte wurde heute die Giftmörderin Anna Breidenbach aus Remscheid zum Tode verurtheilt. Die Verurtheilte hatte ihren, eigenen Mann, den Schmied Wilhelm Breidenbach, durch Phosphor, den sie ihm seit langer Zeit in die Speisen gemischt, langsam vergiftet. Nachdem der Körper bereits vollständig zerrüttet war, gab sie ihrem gutmüthigen, aber wenig energischen und etwas- einfältigen Gatten, mit dem sie seit 15 Jahren verheiratet war, im Mürz d. I.den Rest", d. h. sie mischte eine so große Portion Gift in den Eierkuchen, daß Breidenbach bald nach dem Genüsse das Zeitliche segnete. Die dreitägigen Verhandlungen entrollten das düstere Nachtgemälde eines zerrütteten Familienlebens. Als Motive der scheuß­lichen That der Mörderin ergaben sich hauptsächlich Ueppigkeit und Genußsucht. Nach. Beseitigung ihres Mannes wollte die 38 Jahre alte Person einen Andern heirathen- umin glänzenderen Verhältnissen" leben zu können. In der That hatte sie auch bereits zu Lebzeiten ihres Mannes mit verschiedenen Personen intime Beziehungen angeknüpft.

Berlin, 14. Juli. Aus schreckliche Weise verunglückte, wie uns mitgetheilt: wird, gestern Nachmittag ein junges 17jähriges Mädchen. Als dasselbe an der Ecke' der Münz- nud Dragonerstraße den Fahrdamm in dem Augenblicke überschreiten wollte, in welchem ein schwer beladener Kohlenwagen vorüberfuhr, glitt es aus und gerieth unter die Näder desselben. Ehe der Kutscher die Pferde zum Stehen bringen konnte, war ein Vorderrad der Unglücklichen über den Hals gegangen und tödtete dieselbe auf der Stelle. Der Kopf der Ueberfahrenen war fast völlig vom Rumpf, getrennt. Hunderte von Menschen, unter ihnen auch der Vater der Verunglückten,, umringten sofort die Unglücksstätte. Tie gräßlich verstümmelte Leiche des eben noch lebensfrischen Mädchens, welche man auf einem in der Nähe belegenen Neubau nieder­gelegt, gewährte einen grauenerregenden Anblick.

sAuf der Leipziger Messe.) Ausrufer einer kleinen Schaubude:Hier ist zu sehen, meine Herrschaften, das größte Ungeheuer des Meeres, der Schrecken aller Schiffer, der sogenannte Schwertfisch. Mit seinem vorn am Kopfe befindlichen Schwerte, das eigentlich eine Säge ist, kann er das stärkste Panzerschiff in ein paar Minuten- durchschneiden. Wir haben eins der größten Exemplare, der Fisch ist an sich 12 Meter lang und das Schwert hat eine Länge von 13 Metern." Ein Zuschauer:Sie, sagen. Sie mal, wenn der Fisch allein 12 Meter lang ist Ihre Bude ist ja kaum so lang, wo bleibt dann das 13 Meter lange Schwert?" Ausrufer:Das geht Sie eigentlich gar nichts an! Wenn Sie's aber wissen wollen, dann will ich cs Ihnen sagen: Wenn er keinen Platz für das Schwert hat, dann steckt er's in die Scheide!"

sHumor im Gerichtssaale.) An einem Münchener Gerichte wurde ein länd­licher Angeklagter nach der Rede seines Vertheidigers vom Vorsitzenden befragt, ob er derselben noch etwas beizufügen habe.Nein, Herr Präsident," erwiderte der Be­schuldigte,i kann die Sach' doch net so schön durcheinandbringa, wie mein Herr Advokat."

In Halle ist der japanische Ministerialdirector Hamao nebst seinem- .Begleiter P^aka-awa -ms Tokio für längere Seit zur eingehenden Besichtigung d-r höheren Lehranstalten, der Universität, der Kliniken rc. eingrtroffen.

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Lokales.

** Gießen, 15. Juli. Die Vorbereitungen zum Schützenfeste nähern sich ihrem Ende. Die Festhalle ist fertig, die Decoratton wird morgen beendet sein, die Schaubudenbesitzer sind im Begriff, ihre Zelte und Buden aufzuschlagen. An Ehren­gaben sind bis jetzt 20 eingelaufen, darunter ein silbernes Trinkhorn, goldene Uhren, ein Tafelaufsatz, silberne Bestecks und sonstige werthvolle Gegenstände, weitere Preise stehen in Aussicht. Man ersieht daraus, wie lebhafte Sympathien dem Gau-Schützen- feste entgegengebracht werden. Das ComitS hat aber auch nichts versäumt, was zur Verschönerung des Festes beitragen könnte. Ein Aufruf an die Bürgerschaft Gießens, ihre Theilnahme an dem Feste durch Schmücken der Häuser und Aushängen von Fahnen zu bekunden, ist im Anzeigen-Theile dieses Blattes enthalten. Zu wünschen bleibt nur noch gutes Wetter.

Gießen, 16. Juli. Bei der am verflossenen Mittwoch Abend stattgefundenen Hebung der Gießener freiro. Feuerwehr war die Löschung eines Brandes in der Thürmerwohnung projectirt. Seitens des Commandos war der Schwerpunkt auf die ausgiebige Benutzung der Wasserleitung gelegt, allein es zeigte sich, daß die mit dem Hydranten am Kirchenplatz hergestellte Wassersäule nur bis ca. 5 Meter unterhalb des Thurmgeländers aufstieg.

Zur Löschung des gedachten Brandes in der Thürmerwohnung wurde nunmehr mit großer Anstrengung das Wasser durch die Spritze emporgedrückt und mit dem ziemlich kräftigen Wasserstrahl konnte die untere Partie der Kuppel des Thurmes bestrichen werden.

Für das Feuerlöschwesen wäre es von großem Werth, wenn in der Stadt der Druck der städtischen Wasserleitung eine größere Höhe als ca. 25 Meter erreichen könnte. L. P.

Gießen, 16. Juli. Einem hier in Dienst stehenden Kutscher wurde in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli ein Koffer mit Wäsche und Kleidern gestohlen. Ver- -flossene Nacht wurde der Dieb in der Person eines fremden arbeitslosen stummen Lithographen-Gehülsen ermittelt und zur Haft gebracht.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieften.

Svangelischr Gemeinde.

G o t t e s d i e n st.

4. Sonntag nach Trinitatis, 18. Juli.

Vormittays 9V- Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.' Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Die Kinderkirche fallt aus.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 18. bis 24. Juli besorgt'

Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

5. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr an Beichte.

Um.,2 Är: Frühmesse und Ausheilung der 6- Cvmmunion.

V2IO Uhr: Hochamt und Predigt.

« 2 Uhr: Sakramentalische Andacht.

Gottesdienst in der Zynaasqe.

S°«st°"Abend S Uhr" borgen 8 Uhr, Snmstng mittag 4 Uhr,

Temperatur der Lahn. ~

2lm 16. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14°, Lust 12° R. im Schatten.

L. Cbr. Rübfamen.

Briefkasten.

«SU Aros! Pm S- unserer Donnerstag- und auch Freitag-Nummer finden . Sie zum Theil das Vermißte. In einer der nächsten Nummern werden wir Ihrem Wunsche entsprechen und den vollen Wortlaut bringen. Red.