nu6 dem Haag, daß bei der von der Rechten in jener Sitzung beobachteten ! Haltung die beantragte Revision der Verfaffung scheitern werde. Bis zur Stunde ist jedoch die Entscheidung des Königs noch nicht bekannt.
Deutschland.
Karlsruhe, 15. April. Der Großherzog hat den Landtag heute mit einer Thronrede geschloffen, in welcher derselbe' den Abgeordneten für ihr ersprießliches Zusammenwirken dankt und ferner sein tiefes Bedauern ausspricht über das Hinscheiden des Erzbischofs Orbin; es fei zu hoffen, daß der erzbischöfliche Stuhl durch eine Persönlichkeit besetzt werden wurde, welche das Werk des friedlichen Ausgleichs und der gemeinsamen Arbeit weiterführen werde. Rach einer Auszählung der von dem Landtag zu Ende geführten Arbeiten heißt es sodann: „Die besten Wünsche begleiten Sie bei Ihrer Rückkehr in die Hei- malh; seien Sie auch dort die Träger des in unserem öffentlichen Leben längst bewährten Geistes echter Vaterlandsliebe, gerechter Freisinnigkeit und treuer Hingebung für die so nöthige Erhaltung uno Befestigung der Ordnung in Staat und Kirche." Zum Schluß spricht der Großherzog seine dankbare Anerkennung aus für die Teilnahme des Landes bei der Erkrankung des Erb- großherzogs und giebt der Hoffnung auf eine baldige Wendung zu anhaltender Besserung Ausdruck.
Krankreich.
Paris, 15. April. „Temps" erfährt, Frankreich sei über seine Ansichten in Betreff des Ultimatums der Mächte an Griechenland befragt worden und habe, bevor es sich darüber äußern könne, den Wunsch ausgesprochen, erst den Wortlaut des Ultimatums kennen zu lernen.
Telegraphische Depeschen.
Wsrff'S telegr. Ssrrespondenz» Virrem».
Berlin, 15. April. Der Bundesrath ertheilte seine Zustimmung zu den Gesetzentwürfen wegen Abänderung des Militärpensionsgesetzes und des Reichsbeamtengesetzes, sowie über die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten. Die Abstimmung über das vom Reichstage abgeänderte Zuckersteuergesetz wurde ausgesetzt, die Beschlußfassung über den Unsalloersicherungs - Entwurf für die in landwirthschaftlichen und forslwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter findet in einer der nächsten Sitzungen statt.
— Kowalski wurde vom Schwurgericht der vorsätzlichen Tödtung der Frau Papke für schuldig erklärt und zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt.
Berlin, 15. April. Das Herrenhaus genehmigte unverändert nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses die Polenvorlagen über die Ansiedelungen, die Schul- versäumnisse und die Fortbildungsschulen. Im Laufe der Debatte hatte Fürst Bismarck gegenüber Koszielski, der das Ansiedelungsgesetz bekämpfte, erklärt, die Regierung verfolge mit der Polenvorlage nur defensive Zwecke und wolle nur das krebsartige Weiterfressen der Polonisirung bekämpfen. Wir wollen nicht ausrotten, wir wollen nur selbst nicht ausgerottet werden.
Nächste Sitzung unbestimmt.
— Das Abgeordnetenhaus überwies den im Wesentlichen die Förderung des deutschen Schulwesens in den Ostprooinzen betreffenden Nachtragsetat an die Budget- Eommission. Im Laufe der Debatte hatte der Kultusminister erklärt, es handle sich bei der ganzen Vorlage nicht um die Ueberwältigung der Polen, sondern um den dem conservativen Interesse erforderlichen Schutz des Deutschthums. — Nächste Sitzung 4. Mai. Erste Lesung der kirchenpolitischen Vorlage.
London, 12. April. Einer Reutermeldung aus Zanzibar zufolge hat der dortige Eonsul von Portugal in Folge Weigerung des Sultans, die von Portugal beanspruchten, im Süden des Sultanats gelegenen Gebietstheile an Portugal abzutreten, die Flagge eingezogen und den deutschen Eonsul um einstweilige Uebernahme des Schutzes für die dortigen Staatsangehörigen Portugals ersucht.
— Unterhaus. Der Sprecher kündigt den Rücktritt Erskine May's als Clerk des Unterhauses nach 54jähriger Dienstzeit aus Gesundheitsrücksichten an und drückt seine wärmste Anerkennung für die Dienste desselben aus. Gladstone kündigt an, er wexde morgen ein Dankesvotum an May beantragen. Harcourt brachte das Budget ein. Danach schließt das vorige Finanzjahr mit einem Deficit von 25/s Millionen. Der Voranschlag des gegenwärtigen Finanzjahres beziffert die Ausgaben auf 90V, Mill., die Einnahmen auf 897/e Millionen. Zur Deckung des Deficits wirb nicht eine Auflegung von Steuern, sondern die Reduction des Tilgungsfonds um 800,000 Pfund beabsichtigt. Harcourt schlägt eine kleine Ermäßigung der Abgabe für Diejenigen vor, welche im eigenen Hause. Bier brauen.
— Die gestrige Kundgebung in Her Majesty's Theatre wird von fast sämmt- lichen Morgenblättern als nachdrückliche und bedeutsame Warnung an Gladstone betrachtet, mit der Homerule - Vorlage nicht weiter vorzugehen. Die „Times" fordern die Nation auf, dem gestrigen Proteste durch weitere ähnliche Kundgebungen Nachdruck zu geben.
Rsm, 15. April. Die Feldarbeiter, welche in einigen Gemeinden bei Pavia striken, haben die Arbeit wieder ausgenommen. Es fand keinerlei Unordnung statt.
— In Brindisi sind gestern 4 Fälle sporadischer Cholera vorgckommen. Die früher festgestellten Falle betragen im Ganzen 64, darunter 10 Todesfälle.
Madrid, 15. April. Die Königin begnadigte den Herzog von Sevilla.
Newport, 15. April. In Saintcloud (Minnesota) nebst Umgegend wurden durch einen Typhon 67 Personen getödtet und viele verletzt.
Athen, 15. April. Delyannis legte der Kammer die in letzter Zeit gepflogene diplomatische Correspondenz vor. Die Kammer wird ihre Arbeiten am Samstag beschließen.
Lokales.
Gießen, 16. April. Großes Aufsehen erregte ein heute Morgen von einem Schutzinann um die Stadt escortirtes Mädchen. Dem Vernehmen nach soll es ein Dienstmädchen aus einem benachbarten Orte sein, welches bezichtigt wird, ihr neugeborenes Kind bei Seite geschafft zu haben.
Vermischtes.
R o s enh eim, 8. April. (Ein frommer Knecht.) Am Sonntag hatte der Dienstknecht Balthasar Huber von Schweizerling in Rott am Inn der Fastenpredigt angewohnt und seine österliche Beichte abgelegt. Auf dem Heimwege kehrte er im Wirths- hause zu Dettendorf ein, wy er so lange zechte und spielte, bis er zur Polizeistunde zum Heimgehen gemahnt wurde. Darüber wurde der Mensch so aufgebracht, daß er drohte, den Ersten, der ihm begegne, die Gedärme auszulassen. In der Nähe von Lampferding traf er mit dem Schweizer des Posthalters von Ostermünchen zusammen, dem er nach wenigen Worten ohne alle Veranlassung sein im Griff feststehendes Messer in die Brust stieß, so daß der Tod sofort erfolgte.
Geschichts-Kalender.
17. April.
1314. Versöhnung zwischen Herzog Friedrich dem Schönen von Oesterreich und Herzog Ludwig dem Bayer zu Salzburg, wonach jener den Ansprüchen auf die Vormundschaft in Bayern entsagte. Da die Herrschaft des deutschen Reiches durch Heinrichs VII. Tod erledigt war, so versprach ihm Ludwig als Gegendienst, daß er ihm bei der Kaiserwahl nicht entgegen sein wolle.
.1521. Dr. Martin Luther erscheint zu Worms in feierlicher Reichsvelsammlung vor Kaiser Karl V.
1711. Kaiser Joseph I. stirbt plötzlich. Er hatte, kaum 25 Jahre zählend, die Regierung der österreichischen Erblande und des deutschen Reiches 1705 ergriffen und die Leitung des ganzen Kriegswesens und der auswärtigen An- gelegmheiten dem Prinzen Eugen, seinem berühmten Feldherrn, mit unbebingtem Vertrauen über lassen, an ben er sich schon früh mit Bewunderung und Liebe angeschlossen hatte. Der frühzeitige Tod Joseph's I. änderte damals die ganze politische Sachlage.
Frische Alpenmilch für Kinder!
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Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag Palmarum, 18. April. Landes-Buß- und Bettag.
Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für hilfsbedürftige inländische evangel. Gemeinden, die an Orten mit überwiegender kathol. Bevölkerung bestehen.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Am Gründonnerstag, den 22. April, wird Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst gehalten werden.
Am Ostersonntag, den 25. April, wird nach beiden Gottesdiensten eine Kollekte für die Armen unserer Gemeinde erhoben.
Am Ostermontag, den 26. April, Nachmittags 2 Uhr, findet Prüfung und Vorstellung der zu confirmirenden Gymnasiasten und Stadtschüler statt. An demselben Tage wird nach beiden Gottesdiensten eine Kollekte für unsere Kirchenkasse zur Vermehrung des Kapitalvermögens erhoben. Nachdem nämlich am 1. April d- I. der Ablösungsvertrag zwischen Civil- und Kirchengemeinde in Kraft getreten ist. soll nach Beschluß des Kirchenvorstandes das Baarvermögen unserer Gemeinde auch durch 2 besondere jährliche Kirchenkollekten, am Ostermontag und am 1. Advent, stetig vermehrt werden, damit auch hierdurch die Erhöhung der Parochialsteuem jetzt und- künftig vermieden werden kann.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 18. bis 24. April besorg! Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
Palmsonntag.
Von 6 Uhr an Beichte.
Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion- Von 9—10 Uhr: Prüfung der Schulkinder in der Religion.
Um 10 Uhr: Palmenweihe; hierauf Hochamt.
„ 2 Uhr: Fasten-Andacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 63° Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 lHr, Samstag Abend 740 Uhr.
Oster-Feiertage.
Montag Abend 6»° Uhr, Dienstag Morgen 8 Uhr, Dienstag Mittag 4 Uhr, Dienstag Abend 7'1 Uhr, Mittwoch Morgen 8 Uhr, Mittwoch Mittag 4 Uhr, Mittwoch
Betreffend: Die Neuwahl der Mitglieder und Ergänzungsmitglieder der Bezirksvereinscommission des Vereins zur Unterstützung und Befferung der aus den Strafanstalten des Großherzogti ums entlassenen Sträflingen.für die dreijährige Verwaltungsperiode 1886, 1887 und 1888.
Bekanntmachung.
Nachdem bei der am 29. März l. I. vcrgenommenen Wahl zweier Mitglieder und zweier Erfatzmitglieoer der Bezirksvereins-Commission des Bezirks Gießen für obige VerwaltungSpenode gewählt worden sind:
A. Au Mitgliedern:
1) Herr Pfarrer Schlosser,
2) Herr Polizeirath Fresenius;
B. Zu Ersatzmitgliedern r
1) Herr Pfarrer Dingeldey,
2) Herr Fabrikant Otto Kemps, fo wird dies hierdurch zur Kenntniß der Vereinsmitglieder gebracht.
Gießen, am 14. April 1886.
Die Bezirksvereins-Commifsion des Bezirks Gießen. Dr. Boekmann.
Die Union,
Allgemeine Deutsche Hagel-Versicherungs-Gesellschaft
zu Weimar
-----gegründet im Jahre 1853 -----
mit einem Grundkopitale von 9 Millionen Mark,
wovon 5,0t 9 Aktien mit....... 7,528,500 Mark emittirt sind.
Reserven ult. 1885 ........ 41,084 „
Gesammtgarantie-Kapital ...... 7 7,569,584 Mark.
Die Union versichert Feldfrüchte zu festen Prämien ohne Nachzahlung. Bei Versicherung auf mehrere Jahre wird ein namhafter Prämten-Rabatt gewährt. Die Vergütung der Schäden gelangt spätestens binnen Monatsfrist, in der Regel aber früher, zur vollen und baaren Auszahlung. Weitere Auskunft wird ertheilt und Versicherungen werden vermittelt durch die unterzeichneten Agenten. 2886
Louis Wittich, Kaufmann in Giesten. — PH. Hardt, Geometer in Großlinden. — Sekretär GroS in Lich. — Hrch. Bölzel II., Kaufmann in Wieseck.
sowie: Carl Hornmann, Generalagent in Darmstadt.
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